Olympiakader – Kader im Reitsport und welche Verpflichtungen Athleten eingehen, von Turnierplanung bis Dopingkontrolle durch NADA
„Im Kader“ – was bedeutet das im Reitsport für Pferd und Reiterin oder Reiter?
Der Bundesadler auf der linke Brust - das Abzeichen der Bundeskader im deutschen Reitsport. sportfotos-lafrentz.de „Olympiakader“ – diesen Begriff gibt es in den drei olympischen Reitsportdisziplinen. Der Springkader umfasst (Stand 2. September 2026, in alphabetischer Reihenfolge) die Reiterinnen und Reiter
- Christian Ahlmann/Untouched LB
- Daniel Deußer,/Otello de Guldenboom
- Marcus Ehning/Coolio
- Sophie Hinners/Iron Dames Singclair
- André Thieme/DSP Chakaria
- Richard Vogel/United Touch S
Im Spitzenkader sind Reiter und Pferde jeweils als Paare aufgelistet.
„Im Kader“ - und jetzt?
Was bedeutet die Berufung in einen Kader eigentlich konkret? Welche Pflichten sind für Reiterinnen und Reiter damit verbunden? Welche für die Pferde? Was sind die Vorteile einer Kaderberufung? So viel vorab: Bis in den „Olymp“, sprich den Olympiakader, ist es ein weiter Weg.
Vom Ponyreiter im Landeskader bis zum Olympiakader
Das deutsche Kadersystem folgt seit der Leistungssportreform des Deutschen Olympischen Sport Bundes (DOSB) einer bundesweit einheitlichen Logik. Sie ist für alle drei olympischen Disziplinen – Dressur, Springen, Vielseitigkeit – gleich. An der Spitze steht der Olympiakader (OK), gefolgt vom Perspektivkader (PK), darunter die Nachwuchskader NK1 und NK2 auf Bundesebene. Eine übersichtliche und durchlässige Kaderstruktur, die es ermöglicht, Talente egal welcher Herkunft und mit welchem (auch finanziellen) Hintergrund frühzeitig zu identifizieren und zu fördern, ist ein wichtiger Aspekt um von den Fördermitteln der Bundesregierung zu profitieren.
Differenziertes Bild bei Landeskadern
Wie das konkret organisiert ist, lässt sich exemplarisch am Pferdesportverband Westfalen nachvollziehen, einem der mitgliederstärksten Landesverbände unzter dem Dach der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)/Pferdesport Deutschland: Unterhalb der Bundesebene existieren dort die Landeskader LK1 bis LK4, gestaffelt nach Altersklassen von U16 bis U21. Die Berufung in den LK1 etwa erfolgt in Westfalen durch den Gewinn einer Medaille bei einem westfälischen Juniorenchampionat oder eine erfolgreiche Teilnahme an einem Bundesnachwuchschampionat. Vorausgesetzt, das Reiter-Pferd-Paar bleibt auch im Berufungsjahr in derselben Altersklasse. Wer sich dort empfiehlt, kann über NK2 und NK1 irgendwann im Perspektivkader oder theoretisch sogar im Olympiakader landen. Die Talentsichtung erfolgt früh auf Landesebene. Der Weg an die Spitze ist lang.
Wer 2026 im Springkader sitzt
Über die Besetzung der Kader beschließt der jeweilige disziplinspezifische Ausschuss des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR). Der DOKR-Ausschuss Springen hatte Mitte Dezember 2025 mit Blick auf die Weltmeisterschaften in Aachen einen neuen Olympiakader veröffentlicht. Zu dem Zeitpunkt, acht Monate vor der Weltmeisterschaft in Aachen, setzte sich dieser wie folgt zusammen:
Olympiakader Springen Dezember 2025
- Richard Vogel und United Touch S (Europameister 2025)
- Christian Kukuk mit Checker 47, Just be gentle und Cepano Baloubet
- Marcus Ehning und Coolio
- Gerrit Nieberg mit Pingpong van de Lentamel
- Sophie Hinners mit mehreren „Iron Dames“-Pferden
- Christian Ahlmann mit Dourkhan Hero Z
- Daniel Deußer mit Otello de Guldenboom
Nach Verkäufen von Cepano Baloubet und Pingpong wurde der Kader, so ist es Usus, im Laufe der Saison aktualisiert. So kamen beispielsweise André Thieme mit DSP Chakaria, die sich nach längerer Verletzungspause mit Siegen in den USA und in Hamburg zurückgemeldet hatten, wieder in den höchsten Kader zurück.
Die Rahmenvereinbarung: Unterschrift gegen Weisungsbindung
Wer in einen Bundeskader berufen wird, ist damit noch nicht automatisch startberechtigt für Nationenpreise oder Championate. Dafür verlangt das DOKR von allen Kaderreiterinnen und -reitern jedes Jahr aufs Neue die Unterschrift unter eine Rahmenvereinbarung, im Sport auch „Athletenvereinbarung“ genannt. Außerdem muss eine Schiedsvereinbarung unterzeichnet werden. Diese Dokumente regeln das Verhältnis zwischen Reiter, Bundestrainer und dem DOKR-Springausschuss. Sie sind, das betont der Verband Pferdesport Deutschland, keine verbandliche Erfindung, sondern eine Vorgabe der Bundesregierung und des DOSB: Ohne eine solche Vereinbarung fließt keine Bundesförderung an den Spitzenverband.
Planungssicherheit für Bundestrainer
Inhaltlich geht es dabei unter anderem um die Weisungsbindung gegenüber dem Bundestrainer und dem DOKR-Springausschuss in Fragen der Jahresplanung: Wer im Olympiakader geführt wird, muss sich – je nach individueller Vereinbarung mit dem Bundestrainer – für Nationenpreis-Einsätze zur Verfügung stellen und den Turniereinsatz des im Kader gemeldeten Pferdes mit dem Verband abstimmen. Anders gesagt: Ein Kaderpferd ist kein rein privater Sportpartner mehr, über dessen Jahresplanung der Besitzer und der Reiter oder die Reiterin allein entscheiden, sondern Teil einer nationalen Mannschafts-Planung, die auf Championate hin ausgerichtet ist. In geraden Jahren Weltmeisterschaften und Olympische Spiele, in ungeraden Jahren Europameisterschaften.
Der jahrelange Streit um die Unterschrift: Ahlmann und Deußer
Dass diese Verpflichtung keine Formsache ist, zeigt der Fall von Christian Ahlmann und Daniel Deußer. 2017 hatten beide entschieden, die Athleten- und die Schiedsvereinbarung nicht zu unterschreiben und damit auf ihre Kaderzugehörigkeit zu verzichten – obwohl sie sportlich die Kriterien für den (damaligen) A-Kader erfüllten. Strittig war unter anderem eine Klausel zu unangekündigten Trainingsbesuchen durch den Verband. 2018 mussten beide deshalb sowohl den CHIO Aachen als auch die Weltmeisterschaft in Tryon als Zuschauer verfolgen, obwohl beide Olympia-Dritte von Rio 2016 waren. Erst 2019 erfüllten sie nach zwei Jahren Pause wieder die formalen Kriterien und unterschrieben. Wer die Vereinbarung nicht unterschreibt, verzichtet nicht nur auf Nationenpreis- und Championatseinsätze für Deutschland, sondern auch auf sämtliche daran gekoppelten Fördervorteile.
Doping-Bestimmungen: Die Unterschrift unter das Regelwerk der NADA
Neben der Rahmenvereinbarung akzeptieren Kaderathletinnen und -athleten mit ihrer Unterschrift auch die Anti-Doping-Ordnung (ADO) der FN, die auf dem Regelwerk der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) und dem Welt-Anti-Doping-Code basiert.
Das bedeutet in der Praxis: Meldepflichten zu Aufenthaltsort und Erreichbarkeit für den Registered Testing Pool, sprich jederzeitige Bereitschaft zu Trainings- und Wettkampfkontrollen. Alle Athletinnen und Athleten im Olympiakader sind automatisch Teil des Registered Testing Pools.
Immer unter Beobachtung
Das liest sich plausibel, bedeutet aber eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität. So müssen beispielswiese Kaderathletinnen und -athleten permanent darüber Auskunft geben, so sie sich gerade aufhalten. Wer das versäumt und bei einer unangekündigten Dopingprobe nicht dort angetroffen wird, wo er angegeben hat (und sei es nur beim Grillen beim Nachbarn) gerät in die Gefahr, als Doping-positiv geführt zu werden. Selbst das Ausstellen des Handys, beispielsweise bei einer Sitzung beim Physiotherapeuten oder einem Arztbesuch, muss vorher angemeldet werden.
Dopingproben
Dopingproben, ob geplant oder unangekündigt, sind auch nicht jedermanns Sache. Weniger, weil sie oder er etwas zu verbergen hätten, sondern schlicht und einfach deswegen, weil die Privatsphäre bei der Probennahme quasi nicht existent ist. Um sicherzugehen, dass der Urin auch tatsächlich vom Athlet oder der Athletin stammen, überwachen Kräfte der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) die Probennahme mit eigenen Augen. „Sichtkontrolle“ heißt das und soll sicherstellen, dass kein Zweifel aufkommen kann. Diskretion? Fehlanzeige (weitere Infos zum Ablauf einer Urinprobe hier)! Es ist mehr als nur „in einen Becher pinkeln“. Bei der Dopingprobe muss die Hose bis unter die Knie und Kleidung am Oberkörper bis zur Brust gekrempelt werden. So kann sichergestellt werden, dass kein Fremdurin den Sportlerin oder Sportler möglicherweise in den Becher schmuggeln wollen, versteckt werden kann.
Pinkeln mit Vertrauensperson
Wer möchte, kann zu dem Prozedere eine Vertrauensperson hinzuziehen. Bei Minderjährigen ist diese sogar Pflicht. Damit hat man also zwei Augenpaare, die auf die eigene Körpermitte, den zentralen Ort des Geschehens gerichtet sind. Ja, der Sport verlangt Opfer – mehr als nur Schweiß und Zeit.
Übrigens: 90 Milliliter Urin müssen es sein. In welchen eingeschweißten Becher Sportlerin oder Sportler diesen abgeben, können sie entscheiden. Das Kontrollpersonal der NADA gibt mehrere zu Auswahl. Dasselbe gilt für das Probenahme-Kit. Selbst das Umfüllen des Urins in die Fläschchen, die ins Labor geschickt werden – A- und B-Probe –, muss ebenfalls vom Sportler durchgeführt werden. So wird sichergestellt, dass nicht Stoffe, die beispielsweise das NADA-Kontrollpersonal an den Händen hat, die Probe verunreinigen.
Sportgerichtbarkeit
Wer als Kaderathlet gilt, verbleibt für einen festgelegten Zeitraum im Testpool und muss der NADA regelmäßig melden, wo er wann anzutreffen ist. Das ist so, weil alle, die im Kader geführt sind, der Sportgerichtsbarkeit unterliegen. Genau diese strikte sportgerichtliche Zuständigkeit – statt des Gangs vor ein ordentliches Gericht – war es, die bei Ahlmann und Deußer über Jahre zur Ablehnung der Schiedsvereinbarung führte: Beide hatten in der Vergangenheit nach lange zurückliegenden positiven Dopingproben bei ihren Pferden bereits jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit der FN ausgefochten.
„Strict Liability“-Prinzip
Was außerdem in der Abmachung steht: Es gilt die strikte Beweislastumkehr des „Strict Liability“-Prinzips. Das bedeutet, dass der Nachweis von Vorsatz für eine Sanktion überhaupt nicht erforderlich ist. Der Fund einer verbotenen Substanz in der Probe reicht aus. Dann muss der Athlet erklären können, wie die Substanz in seinen Körper gelangen konnte.
Und die Pferde?
Tierwohl ist zu einem zentralen Begriff im Reitsport geworden. Nicht nur Kaderreiterinnen und -reiter sind an die „Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes“ die die FN 1995 verabschiedet hat, gebunden. Damit bekennen sie sich zu dem Grundsatz, dass das Wohl des Pferdes Vorrang vor den eigenen Bedürfnissen des Menschen hat. Ergänzt wird das auf internationaler Ebene durch den „FEI Code of Conduct for the Welfare of the Horse“, dem sich alle Starter – nicht nur Kaderreiterinnen und -reiter – mit Abgabe der Nennung für ein FEI-Turnier unterwerfen. Der Verhaltenskodex hält ausdrücklich fest, dass das Wohlergehen des Pferdes zu jeder Zeit Vorrang vor allem anderen hat. Verstöße dagegen – von unangemessenem Umgang bis zu tierschutzrelevanten Vorkommnissen im Stall – können in Deutschland über die Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) sanktioniert werden, etwa durch Entzug der Jahresturnierlizenz.
Dopingproben auch für Pferde durch die NADA
Bereits seit 2011 führt die NADA im Auftrag des Deutschen Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN), heute Pferdesport Deutschland, Medikationskontrollen bei Pferden durch (Details dazu auf der Seite der NADA). Dabei werden Kaderpferde im Training getestet. 2016 hat der Beirat Sport bei der FN die Durchführung der Dopingtests klar definiert, von der Probenentnahme bis zum Umgang mit dem Analyseergebnis.
Botschafter des Sports: Gibt es einen Verhaltenskodex?
Einen bundeseinheitlichen Ehrenkodex für Turnierfachleute – Richterinnen, Richter … –, der unter anderem Verhalten und Außenwirkung regelt, hatte die FN-Präsidialkommission nach den Diskussionen um Alkoholmissbrauch und Übergriffe in der Szene angeregt.
In Westfalen – wie so vieles in Deutschland sind auch im Reitsport viele Dinge föderal, also aus (Bundes-)Länderebene, sprich Landesverbandsebene geregelt – gibt es einen solchen Ehrenkodex. Darin wird die Vorbildfunktion, die Verantwortung auf Pferdesportveranstaltungen, auch außerhalb der Einsatzzeiten, beschrieben. Neben dem angemessenen Outfit wird sogar das „Genussverhalten“ bzw. der Umgang damit definiert: „Ich verzichte bis zum Ende der Richter/Prüfertätigkeit auf der Pferdesportveranstaltung grundsätzlich auf den Genuss von Alkohol sowie während des Richtens auf den Genuss von Tabakwaren. Während des Richtens gilt meine volle Konzentration den sportlichen Leistungen. Mein Telefon benutze ich während des Richtens nicht.“
Und Reiterinnen und Reiter? Gerade die, die im Kader sind? Mit dem Bundesadler auf der linken Brust? Das Auftreten in der Öffentlichkeit ist – Stichwort Social Media, Interviewverhalten, Repräsentation bei Championaten – ein Bereich, der an Bedeutung hinzugewonnen hat.
Die präzise Formulierung wird seitens des Dachverbandes nicht mitgeteilt, da die Kadervereinbarung ein internes Dokument zwischen Pferdesport Deutschland und Kaderathletin/-athlet darstelle. Gleichzeitig unterstreicht der Verband, dass darin klar herausgearbeitet ist, dass sich Reiterinnen oder Reiter als Repräsentant des Pferdesports zu verstehen haben: „Grundsätzlich beinhaltet die Kadervereinbarung jedoch neben sportlichen Anforderungen auch Regelungen zu Rechten und Pflichten der Kaderangehörigen. Dazu gehören Erwartungen an ein verantwortungsbewusstes Auftreten in der Öffentlichkeit sowie die Wahrnehmung der Vorbildfunktion, die mit der Zugehörigkeit zu einem Bundeskader verbunden ist. Die Kaderathletinnen und -athleten verpflichten sich, die geltenden Regelwerke des organisierten Sports sowie die Werte und Grundsätze des Verbandes zu beachten und durch ihr Verhalten die Interessen des Pferdesports nicht zu beeinträchtigen. Die Beurteilung erfolgt dabei stets unter Berücksichtigung des jeweiligen Einzelfalls.“
Finanzielle Vorteile: Die Sporthilfe als zweite Säule
Die Athletenförderung ist bei der Bundesregierung angesiedelt, konkret beim Staatsministerium für Sport und Ehrenamt.Wer im Bundeskader geführt wird, hat Zugriff auf Förderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe – ein Rechtsanspruch besteht allerdings nicht. Seit der Reform der Athletenförderung durch das Bundesinnenministerium 2020 erhalten Sportlerinnen und Sportler des „Top Teams“ (Olympia- und Perspektivkader) eine monatliche Grundförderung von 800 Euro, für Inhaberinnen und Inhaber einer Sportförderstelle 400 Euro. Hinzu kommen Zuschüsse zur Altersvorsorge, die die durch die Doppelbelastung von Spitzensport und Berufseinstieg entstehende Lücke abfedern sollen. Athletinnen und Athleten des „Top Team Future“, also der Perspektivkader, werden nach gestaffelten, niedrigeren Sätzen gefördert.
Kritiker – etwa aus der AfD-Bundestagsfraktion – verweisen allerdings darauf, dass viele Kaderathletinnen und -athleten unterhalb des Olympiakaders finanziell nach wie vor auf Anschlussjobs bei Polizei, Zoll oder eben der Bundeswehr angewiesen sind, um sich den Spitzensport überhaupt leisten zu können.
Die Bundeswehr – Arbeitgeber im Sattel
Hier setzt eine dritte tragende Säule des deutschen Fördersystems an: die Sportfördergruppen der Bundeswehr. Voraussetzung für eine Bewerbung als Sportsoldatin oder Sportsoldat ist die Zugehörigkeit zu einem Bundes- oder Landeskader; die Bundeswehr selbst betont, kein Sponsor zu sein, sondern Arbeitgeber – die jungen Reiterinnen und Reiter sind reguläre Soldatinnen und Soldaten mit einem klaren Auftrag: sportliche Erfolge und Repräsentation Deutschlands.

In Warendorf, wo das Bundesleistungszentrum Reiten des DOKR beheimatet ist, trainiert traditionell das größte Kontingent reitender Sportsoldatinnen und -soldaten. Ein Beispiel war lange Olympiasiegerin Julia Krajewski, die im Blau der Sportkompanie startete. Wer aufgenommen wird, durchläuft zunächst eine militärische Grundausbildung, bevor der Sport in den Vordergrund rückt – Verträge werden zunächst für elf Monate geschlossen und je nach sportlicher Entwicklung verlängert. Aktuell ist z.B. Calvin Böckmann im blauen Outfit und mit zackigem Gruß am Start.
Gesundheitsprophylaxe: Pflichttermine für den Kaderstatus
Auch beim Thema Gesundheit unterscheidet sich der Alltag eines Kaderreiters deutlich von dem eines Amateurs. Bundeskaderathletinnen und -athleten sind verpflichtet, sich regelmäßigen sportmedizinischen Untersuchungen an den vom DOSB lizenzierten Untersuchungszentren zu unterziehen – den sogenannten Jahreshauptuntersuchungen beziehungsweise Tauglichkeitsuntersuchungen. Diese umfassen unter anderem eine internistische und orthopädische Basisuntersuchung. Bei der ersten sportmedizinischen Gesundheitsuntersuchung wird zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) durchgeführt, die danach in der Regel alle zwei Jahre wiederholt wird. Ziel ist es, unerkannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig aufzudecken. Je nach Kaderstufe wird das Betreuungsangebot umfangreicher: Während untere Nachwuchskader oft nur bei akuten Beschwerden behandelt werden, erhalten Kaderathletinnen und -athleten der oberen Stufen an den Olympiastützpunkten volle physiotherapeutische und sportmedizinische Betreuung, inklusive leistungsphysiologischer Diagnostik zur Trainingssteuerung. Für Reiterinnen und Reiter bedeutet das: eigene, engmaschig kontrollierte Gesundheitsvorsorge – während parallel natürlich auch das Kaderpferd sein eigenes tierärztliches Kontrollprogramm durchläuft.
Was Kader mit der Förderung einer Sportart allgemein zu tun haben
Das Bundesministerium des Innern fördert das Stützpunktsystem für alle Sportarten in Deutschland pro Jahr mit mehr als 54 Millionen Euro. Bei allen Sportarten sind die erbrachten Erfolge ein wichtige Bemessungsgrundlage für die finanzielle Förderung. Deswegen sind unter anderem die Erfolge deutscher Reiterinnen und Reiter so bedeutsam, auch für den Sport in der Breite. 2025 flossen vom Bundeskanzleramt, wo das Sportministerium angesiedelt ist, knapp drei Millionen Euro nach Warendorf (2.997.148,00 Euro). Für das Jahr 2026 sind es sogar knapp 3,6 Millionen (3.597.861,80 Euro). Die Steigerung hat mehrere Gründe: Einmal hat der Bund insgesamt mehr Mittel zur Verfügung gestellt. Außerdem wird aber auch auf die erbrachten Erfolge und die Erfolgsperspektive für 2028 geschaut. 2028 finden die Olympischen Spiele in Los Angeles statt. Da traut der Bund Reiterinnen und Reitern also einiges zu.
Die Olympischen Spiele sind für die Kader immer ein zentraler Termin. Nicht nur, weil die Weltöffentlichkeit auf Sportarten mit weniger großer Reichweite blicken, und dazu gehört der Reitsport im internationalen Vergleich, sondern auch weil nach Olympia die Verträge mit Bundestrainern und ähnliche Posten neu verhandelt werden.



