
Daniel Deußer Foto: sportfotos-lafrentz.de
Wiesbaden, 13. August 1981, Geburtsstunde von Daniel Deußer. Dass hier ein zukünftiger Springreiter geboren wurde, der, Stand Sommer 2026, dreimal die Weltrangliste anführen sollte, konnte da noch keiner ahnen.
Daniel Deußer wuchs in Hessen auf, absolvierte eine Pferdewirt-Lehre im Stall Herröder in Büttelborn. Auf das Talent des hoch aufgeschossenen jungen Mannes wurde dort Franke Sloothaak aufmerksam. Der Weltmeister von 1994 und zweifache Mannschafts-Olympiasieger fackelte nicht lange. Ende 2021 verpflichtete er Deußer als Bereiter. 2022 nahm der an der Europameisteschaft der Jungen Reiter teil und wurde mit der deutschen Equipe Vierter. Es war Deußers erster großer internationaler Erfolg.
2002 wechselte er in die Niederlande zu Jan Tops. Der baute damals einen der modernsten Turnierställe Europas in Valkenswaard auf und sollte später mit der Global Champions Tour eine der bedeutendsten Springsportserien der Welt ins Leben rufen. Für Deußer war der Schritt der Beginn seiner internationalen Karriere: Er war plötzlich mit den Großen der Szene noch nicht ganz auf Augenhöhe, aber verdammt dicht dran.
2007 qualifizierte sich Daniel Deußer erstmals für das Weltcup-Finale. Der sportliche Erfolg wurde von einem Dopingfall überschattet – sein Pferd Air Jordan Z wies danach Spuren einer verbotenen Substanz auf. Deußer bestritt eine vorsätzliche Anwendung und verwies auf eine unbeabsichtigte Aufnahme. Es folgten eine Sperre und ein langwieriger Streit mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), der das Verhältnis über Jahre belastete. 2019 dachte Deußer ernsthaft über einen Nationalitätenwechsel nach Belgien nach, zu dem es letztlich nicht kam. Sportlich war Deußer zu diesem Zeitpunkt mittlerweile längst ganz oben angekommen.
Das Pferd, mit dem Daniel Deußer endgültig in der internationalen Elite ankam, war der Schimmel Cornet d’Amour v. Conte Obolensky. 2014 gewann das Paar das Weltcup-Finale in Lyon. Im selben Jahr gehörten Deußer und Cornet d’Amour zur deutschen Mannschaft, die bei den Weltreiterspielen in Caen Team-Bronze gewann und Sechster in der Einzelwertung wurde. Dazu kamen Auftritte bei Europameisterschaften und in zahlreichen Nationenpreisen. Cornet d’Amour war nicht nur äußerst vorsichtig, sondern auch vermögend, schnell und … schön! Der westfälische Schimmel zählt zu den wichtigsten Pferden in Deußers Karriere. 2019 trat er seinen Ruhestand an.
Seit 2015 startet Daniel Deußer für die belgischen Stephex Stables. Der von Stephan Conter aufgebaute Ausbildungs- und Handelsstall zählt zu den erfolgreichsten der Welt und bot Deußer fortan regelmäßig mehrere Spitzenpferde gleichzeitig – eine wichtige Voraussetzung für konstante Erfolge auf höchstem Niveau. Stephex wurde zu seiner sportlichen und, wie sich zeigen sollte, auch familiären Heimat. Ab April 2015 führte Deußer das erste Mal die weltweite Rangliste der Springreiter an. Im Januar 2017 und Juni 2021, kurz vor den Olympischen Spielen von Tokio, hatte er es zurück auf Platz eins der Weltrangliste geschafft.
Auch wenn Daniel Deußer mehr in der Welt herumflog als auf deutschen Autobahnen unterwegs zu sein, wurde er zweimal Deutscher Meister. Einmal im Sattel von Cornet d’Amour und einmal mit First Class van Eeckelghem, mit dem er auch bei den Olympischen Spielen in Rio am Start war. Der lange, große Fuchs verstarb 2017 an den Folgen einer schweren Kolik.
Nach Cornet d’Amour trat der kleine Zangersheider Hengst Tobago Z in den Mittelpunkt. Ein Gummiball voller Energie. Mit ihm gewann Deußer zahlreiche Große Preise sowie Etappen der Global Champions Tour und erreichte über Jahre Spitzenplatzierungen bei Europameisterschaften, Weltcup-Finals und Fünf-Sterne-Turnieren rund um den Globus. Beide wurden unter anderem Zweite im Großen Preis von Aachen 2019. Sein WM-Pferd für Aachen, Otello de Guldenboom, ist ein Sohn von Tobago Z.
Daniel Deußer vertrat Deutschland bei zahlreichen Championaten. Bereits 2016 gewann er in Rio de Janeiro mit First Class van Eeckelghem Bronze mit der Mannschaft, Rang neun in der Einzelwertung. Bei den Weltreiterspielen 2014 in Caen und mehrfach bei Europameisterschaften gehörte er zum deutschen Aufgebot, 2020/2021 startete er in Tokio bei den Olympischen Spielen mit Killer Queen VDM und galt als einer der Favoriten. Bei den Cortona-Spielen in Japan lief es aber nicht ganz so gut: Rang neun mit der Mannschaft, 18. Platz im Einzel.
Zu den größten Erfolgen seiner Laufbahn zählt der Sieg im Großen Preis von Aachen 2021. Mit Killer Queen VDM gewann Daniel Deußer erstmals das prestigeträchtigste Springen Deutschlands – nachdem er zuvor zweimal Zweiter und zweimal Vierter gewesen war. Für ihn hatte der Erfolg besondere Bedeutung, war Aachen doch über viele Jahre eines seiner großen sportlichen Ziele gewesen, wie er selbst einmal sagte: „Den Großen Preis von Aachen zu gewinnen, war seit vielen Jahren mein Ziel, eigentlich schon von Kindesbeinen an.“ Mit Killer Queen gelangen ihm seither zahlreiche weitere Siege auf höchstem Niveau, darunter der Gewinn des Rolex Grand Prix bei den Dutch Masters 2022.
Zum Erfolg gehörte über fast ein Jahrzehnt auch Pferdepfleger Sean Lynch. Der Ire begann 2014 zunächst als Freelancer bei einem Turnier in Verona, fragte nach zwei Tagen, ob Deußer noch eine zweite Hand gebrauchen könne – und blieb neun Jahre. Sean Lanch war für die gute Stimmung unter den Pflegerinnen und Pflegern verantwortlich. Aber nicht nur da. Daniel Deußer hat einmal gesagt, seine Erfolge wären ohne Lynch nicht möglich gewesen.
2023 verließ Lynch das Team nach neun gemeinsamen Jahren. Erst hatte er sich über seine berufliche Zukunft ausgeschwiegen. Mittlerweile ist er für die Pferde der Französin Nina Mallevay , dem Shooting Star der Saison 2025 verantwortlich.
Privat lebt Daniel Deußer seit 2012 in Belgien, zunächst in Wolvertem, heute in Rijmenam bei Mechelen – von dort aus sind es nur wenige Kilometer zu den Stephex Stables in Meise.
Im September 2015 heiratete er Caroline Wauters, die Tochter des früheren belgischen Nationenpreisreiters und dreifachen Olympioniken Eric Wauters, der 1976 in Montreal Mannschafts-Bronze gewonnen hatte und 1999 im Alter von 48 Jahren gestorben war. Bereits im Februar 2015 war die gemeinsame Tochter Stella zur Welt gekommen. Caroline ist eine der Organisatorinnen des Hallenturniers Vlaanderens Kerstjumping in Mechelen.
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