Hello Mango: Geschichte und HIntergründe zu Scott Brashs Stute, die Team-Bronze bei der WM in Aachen gewonnen hat.

Hello Mango – Scott Brashs faszinierende Stute: schön, heiß und „das Beste kommt noch“

Feature 22.08.2026
Scott Brash und Hello Mango bei der WM in Aachen 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de Scott Brash und Hello Mango bei der WM in Aachen 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Hello Mango springt faszinierend, ist wunderschön und dass Scott Brash sie als sein WM-Pferd auserkoren hat, hat niemand in Großbritannien verstanden. Nur der Reiter wusste, was er tat. Die Karriere, der züchterische Hintergrund und was Teppiche und Sofas mit einem der auffälligsten Pferde bei der Weltmeisterschaft in Aachen.

Hello Mango ist gemacht für das, was früher einmal ein Titelbild auf einem Magazin war. Schön wie ein Supermodel und im Parcours eine Sensation. Anders kann man diese KWPN-Stute nicht beschreiben, die bei Harrie Vaessen in Maasbree bei Venlo, 100 Kilometer nördlich von Aachen 2015 zur Welt gekommen ist.


Hello Mango: Start mit Staack


In den Sport gebracht hat die Schimmelstute der Niederländer Patrick Lemmen, später dann Frederike Staack. Frederike, die schon in der Children-Klasse für Deutschland erfolgreich war und aus Schleswig-Holstein stammt, lebt schon lange in Belgien. Sie ritt die Stute knapp eineinhalb Jahre als Sechs- und Siebenjährige. Im November 2021 wurde die Stute an die Poden Farms verkauft.


Zwischenstopp Poden Farms


Nach Frederike Staack brachte der Italiener Lorenzo de Luca die Stute heraus. De Luca reitet für die Poden Farms in Worcestershire. Hinter Poden Farms steckt die kalifornische Familie Moffit. Emily Moffit reitet die Pferde des Unternehmens, ihr Vater stammt aus Großbritannien. Poden Farms unterstützte lange Jahre den britischen Olympiasieger Ben Maher. Sein berühmtestes Pferd, Explosion, stand im Besitz der Poden Farms.


Im September 2022 ritt Scott Brash die Stute erstmals in Oliva. Heute sagt er: „Sie ist ein Pferd für Meisterschaften, das weiß ich, seitdem ich das erste Mal auf ihr gesessen habe.“ Dieses Gefühl reichte, um die Besitzerkonstellation, die hinter den „Hello-Pferden“ von Scott Brash steht, vom Kauf der Schimmelstute zu überzeugen.


Die Besitzerinnen: zweimal Lady Pauline


Seit Januar 2023 sind Lady Pauline Kirkham und Lady Pauline Harris die Besitzer. Die beiden Ladys mit demselben Vornamen unterstützen Scott schon seitdem sein Talent in äußerst jungen Jahren erkannt wurde. Lady Haarris‘ Ehemann, Philip Charles Harris, Baron Harris of Peckham, hat in der Teppichindustrie ein Vermögen verdient. Er sitzt im House of Lords. Das Ehepaar war auch schon Besitzer des legendären Hello Sanctos, Goldemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen von London und als Rolex Grand Slam-Sieger ein Jahrhundertpferd. Auch Hello Jefferson, den Scott mit dem Team GB in Paris 2024 zur Goldmedaille ritt, gehört den Harris. Lord Harris war lange Jahre im britischen Springreiterverband engagiert.


Die Familie hinter den „Hello-Pferden“


Das namensgebende Gestüt Hello Stud haben Lord und Lady Harris in Schottland aufgebaut. Dort stehen auch Scott Brashs Sportler nach dem Einstieg ins Rentenalter.


Die zweite Besitzerin, Lady Pauline Kirkham, ist von eher zurückhaltender Natur. Sie gilt als akademisch interessierte Persönlichkeit, die sich finanziell stark im medizinischen Bereich engagiert. Ihr Mann Graham, Baron Kirkham, ist ein Self-Made-Milliardär, der eine Karriere vom adoptierten Kind eines Minenarbeiters zum Sofa-Mogul geschafft hat. Von einem angemieteten Raum über einer Billard-Kneipe aus baute er im Wortsinn – die ersten Sofas schreinerte er selbst – ein Imperium auf.


Brash überrascht ganz Großbritannien mit seiner Auswahl


Dass Scott Brash sich für Hello Mango als Pferd für die Weltmeisterschaft entschieden hat, hat in Großbritannien viele überrascht. Von der Papierform her drängte sich die KWPN-Stute nicht zwangsläufig auf. „Die Datengrundlage ist nicht alles,“ sagt Scott Brash mit seinem unverkennbaren harten Akzent, der seine Herkunft von der schottischen Grenze nicht verleugnen kann. „Es mag für andere überraschend gewesen sein, für mein Team und mich aber nicht. Wir wussten immer, dass sie für Meisterschaften gemacht ist.“




Züchterischer Hintergrund von Hello Mango


Hello Mangos Vater Untouchable v. Hors la Loi ist der Großvater von Richard Vogels United Touch S. Hors la Loi geht über Papillon Rouge und Jalisco auf Almé zurück (für Zucht-Nerds – hier die faszinierende Geschichte des Ausnahmehengstes Almé aus Frankreich). Und wie „U.T. der Außerirdische“ führt auch Hello Mango das Blut des Vollblüters Ladykiller xx. Im Fall von Hello Mango ist das über Numero Uno Landgraf. United Touch S hingegen führt Lord, den zweiten Holsteiner Stempelhengst, der Ladykiller xx zum Vater hat. Interessanterweise taucht Lord Calando in den Abstammungen beider Pferde auf.


In dritter Generation führt Hello Mango weiteres Holsteiner Blut, Berlin v. Cassini trifft hier auf die Stute Van de Rose v. Gentleman, der auf den Halbblüter Jasper v. Courville xx zurückgeht und den Hugo Simon in internationalen Springen ritt. Damit vereint Hello Mango Hengste, die züchterisch und parallel auch sportlich die vergangenen fünf Jahrzehnte Springsport maßgeblich mitgeprägt haben.




Die Reife langsam erarbeitet


Aber ein Reiter wie Scott Brash weiß auch, wann ein Pferd die nötige Reife erlangt hat. „Es brauchte eine Zeit, bis sie ihren Körper voll entwickelt hatte. Sie brauchte Kraft.“ Systematischer Aufbau von Kraft – das dauert. Achtjährig ging die Stute einmal in einem CSI4*-Springen. Anschließend schaltete Brash aber wieder eineinhalb Gänge zurück: Youngster Springen, 1,30 Meter-Springen. In den seltensten Fällen hatte die Stute mehr als einen Springfehler.


Dass es beim systematischen Aufbau auch mal einen Hängermoment geben kann, ist nichts neues. In einem 1,40 Großen Preis gab es vier Abwürfe für das Paar. Das war im Oktober und ist seit 2022 kaum mehr passiert. Auf lediglich zwei Springen mit mehr als zwei Abwürfen blickte das Paar zurück, als es 2024 beim Weltcup-Turnier in Lyon das erste Mal auf Fünf-Sterne-Niveau mit respektablen Runden debütierte.


2025: Start in den „großen Sport“


Ende Februar 2025 gab es die erste Top Ten-Platzierung in einem Fünf-Sterne-Springen in Al Shaqab. Im Januar 2026 gewann die Schimmelstute im selben Stadion ihren ersten CSI5*-Großen Preis. Und Scott Brash wusste, welches Pferd er acht Monate später in Aachen reiten würde. Erst recht, als er in den beiden Qualifikationen für den Großen Preis von Aachen im Rahmen des (T)CHIO Aachen 2026 mit der Untouchable-Stute Vierter und Sechster wurde. Selbstredend ohne Abwurf.


Ein „Meisterschaftspferd“


Für den Einsatz im Modus von Welt- oder Europameisterschaften spielt auch Routine eine große Rolle. „Mango ist ein Pferd, das durchaus auch mal heiß werden kann.“ Bei Meisterschaften beginnt es traditionell mit einem Zeitspringen. „Sie darin schnell aber dennoch kontrolliert und anschließend auch wieder ruhig reiten zu können“, sei ein Reifeprozess, so der 40-Jährige.


Und wie ist Hello Mango privat?


„Es macht so viel Spaß, mit ihr zu arbeiten“, sagt Brash, „Und es macht Spaß, sie anzuschauen. Sie ist einfach wunderhübsch.“ Wo der Mann Recht hat, hat er Recht. Die Stute ist wirklich eine Augenweide. Kluger wacher Blick, hübscher Kopf, grazil der Körperbau. Und sie sei ein freundliches Pferd, auch im Stall.


Der nächste Hello Sanctos?


Vergleiche mit Hello Sanctos kontert Scott Brash mit einem Lächeln, „Sanctos war das once-in-a-lifetime-Pferd“. Außerdem vergleiche er seine Pferde grundsätzlich nicht. „Jeder Pferd ist individuell. Aber von ihr werden wir noch einiges zu erwarten haben“.


Der Abwurf am ersten Sprung des zweiten Umlaufs im Nationenpreis bei der Weltmeisterschaft in Aachen 2026 kostete die beiden die Pole Position vor dem Einzelfinale.


Scott Brashs Grundüberzeugung wankt dennoch nicht:


Das Beste, das kommt erst noch!


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