Deutschland gewinnt Nationenpreis von Spruce Meadows

Entscheidung auf Messers Schneide im Nationenpreis von Spruce Meadows

Springen
Sophie Hinners und der fliegende Fliegenschimmel My Prins – hier bei der EM in La Coruña, in Spruce Meadows das einzige Paar, das zweimal fehlerfrei sprang.
Foto: Sportfotos-lafrentz.de Sophie Hinners und der fliegende Fliegenschimmel My Prins – hier bei der EM in La Coruña, in Spruce Meadows das einzige Paar, das zweimal fehlerfrei sprang. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Deutschland hat den Nationenpreis von Spruce Maadows gewonnen. Irland belegte Rang zwei, Platz drei ging an Belgien. Aber ein Spaziergang war das nicht für die Weltmeister!

Leopoldo Palacios hatte den neun Mannschaften im Nationenpreis von Spruce Meadows ein paar harte Nüsse zu knacken gegeben. Am Ende waren nach Runde zwei von en 36 Paaren 16 mit vier Fehlern und besser. Man kann also nicht sagen, dass der Parcours nicht zu springen war. Zumal die Fehler sich über den gesamten Parcours verteilten. Einen Schwerpunkt gab es allerdings.


Die meisten Probleme verursachte die dreifache Kombination mit Steil Einsprung, Oxer in der Mitte und Steil Aussprung. Wie es so ist in Spruce Meadows – es ist nicht nur die Höhe der Hindernisse, die hier beeindruckt, es ist auch deren schiere Wucht. Dazu hatte Palacios die Kombination noch an einer Stelle gebaut, bei der es leicht bergauf ging. Wenn die Pferde schon vor dem Einsprung etwas zu viel Respekt zeigten, fehlte der Schwung zum Oxer und dann nahm das Unglück seinen Lauf. Es gab Verweigerungen und Stürze. Besonders hart traf es die Gastgeber, deren ersten beiden Paare ausschieden.


Leopoldo Palacios machte allerdings nicht nur den Aufbau für die Probleme verantwortlich, sondern sagte, seiner Meinung nach sei es auch eine mentale Sache. Die Reiter würden sehen, dass ein Hindernis Probleme macht und dementsprechend anders anreiten. Er sagte, er sei überzeugt, im zweiten Umlauf würde es ganz anders aussehen.


Eindrücke aus dem ersten Umlauf


Daniel Deußer gehört nicht zu den Reitern, die sich von den Problemen anderer beeindrucken lassen. Deutschland hatte Losglück und war letzte Mannschaft. Otto Becker wusste schon, warum er den frisch gebackenen Mannschaftsweltmeister mit der immer konstanter werdenden Pepita van’t Meulenhof als Pathfinder in den Parcours geschickt hat. Bis die beiden an der Reihe waren, gab es noch keine Nullrunde. Aber die elfjährige El Torreo de Muze-Tochter Pepita sprang fantastisch. Dreifache? Kein Thema! Alles sah nach der ersten Nullrunde des Tages aus. Bis am letzten Oxer die Stange fiel. Doch angesichts der Ergebnisse der Konkurrenz war dies dennoch eine mega Leistung.


Double-Jack


Direkt nach Double D war das britische Double Jack-Duo an der Reihe: Jack Whitaker mit seinem wunderbar springenden Schimmel Jack JL v. Quasimodo Z. Für den Sohn von Michael und dementsprechend Neffen von John Whitaker war es der erste Nationenpreis in Spruce Meadows. Aber davon lässt sich ein Whitaker nicht aus der Ruhe bringen. Souverän sprangen die beiden null ins Ziel – oder fast null, denn die Ruhe brachte ihnen zwei Zeitfehler ein.


Ritt Marke Hinners


Für Deutschland konnte Sophie Hinners ihre Lieblingsstartposition einnehmen: Platz zwei. Sie saß heute im Sattel ihres EM-Partners My Prins van Dorperheide und der demonstrierte mit der ersten Nullrunde des Tages, dass er wieder in absoluter Topform ist, während seine Reiterin im Sattel ihr ganzes Können und ihre ganze Nervenstärke an den Tag legte. Ein Wow-Ritt – aber selbst Sophie Hinners musste heute mal stärker einwirken, als man es von ihr gewohnt ist.


Das zweite Paar für die Briten


„No Scope, no hope“ – das sei heute das Motto dieses Parcours sagte Tim Gredley später. Gut, dass sein 14-jähriger Wallach Medoc de Toxandria über eine ganze Menge Vermögen verfügt. Auch die beiden blieben null. Und Gredley gab später zu: „Das war der anspruchsvollste Parcours, den ich seit langem gesprungen bin.“


Kein Kinderspiel für Sprehe


Als nächstes gingen Jörne Sprehe und Toys für Deutschland in den Parcours. Sprehe hat schon häufig bewiesen, dass sie in Nationenpreisen eine Bank ist. Heute gab ihr zwölfjähriger Toulon-Sohn ihr allerdings alle Hände voll zu tun. Sie managte alle Klippen perfekt, ritt die Dreifache leicht schräg an, um dem Hengst etwas mehr Platz zu geben und das ging perfekt auf. Ausgerechnet einem eher unspektakulären Steilsprung, dem niederländischen Fahrrad, nahmen sie jedoch eine Stange mit.


Ben Maher und Catelly machen den Sack der Briten für Runde eins zu


Letztes Paar für die Briten waren Ben Maher und der Holsteiner Catelly, den der Mannschaftsolympiasieger vor wenigen Monaten von Marco Kutscher übernommen hat. Der hat offensichtlich einen guten Job bei der Ausbildung des Catalido-Sohns gemacht, wie man heute wieder sehen konnte: Nullrunde Nummer zwei für die Briten, die damit den ersten Umlauf mit den zwei Zeitstrafpunkten von Jack Whitaker auf Rang eins beendeten.


Vogel und Cloudio halten Deutschland im Rennen


Als der Weltranglistenerste Richard Vogel mit dem zwölfjährigen Holsteiner Hengst Cloudio als letztes deutsches Paar in den Parcours gingen, war klar, es würden höchstens acht Strafpunkte für Deutschland werden, selbst wenn er jetzt das Streichergebnis liefern würde. Aber das war nicht Vogels Plan. Der Plan war null zu bleiben. Und das gelang mit einem makellosen Ritt und ein bisschen Glück am letzten Oxer, wo die beiden eine Nuance zu dicht kamen und es einmal klapperte. Aber alles blieb liegen.


Damit ging Deutschland mit vier Fehlern in den zweiten Umlauf, zweitbestes Team hinter den Briten (2) und vor den Iren (8). Entschieden war da noch gar nichts. Um es mit der britischen Equipechefin Di Lampard zu sagen: „Wir haben erst die Hälfte. Es kann noch alles passieren.“


Zweiter Umlauf


Für die drittplatzierten Iren machten Daniel Coyle und Farrel den Auftakt. Der KWPN-Wallach v. Cardento war mit seinen 16 Jahren das älteste Pferd der Prüfung, aber das merkte man ihm nicht an. Nur seine Erfahrung, die konnte man sehen. Es war eine Runde, wie Parcourschef Leopoldo Palacios sie sich wohl als Ideal vorgestellt hatte, als er den Kurs für den Nationenpreis von Spruce Meadows entwarf. Der eher kleine Braune mit dem Riesengalopp und ebensolchem Springvermögen trug seinen Reiter fehlerfrei ins Ziel. Die erste Nullrunde des zweiten Umlaufs.


Die Deußer-Antwort


Dann gingen Daniel Deußer und Pepita van’t Meulenhof als erstes Paar für Deutschland ins Rennen. Das Prinzip war klar: Alles genauso machen wie im ersten Umlauf, aber auch die letzte Stange liegen lassen. Genauso passierte es. Ein Deußer-Meiserstück und ein ebensolches von Pepita, die so ziemlich der gegenteilige Typ Pferd zu sein scheint wie Deußers WM-Partner Otello – heiß und agil, ein Pferd, bei dem man eher auf der Bremse als auf dem Gas stehen muss.


Deutschland Oxer fällt für Großbritannien


Erstes Paar für die führenden Briten waren Jessica Mendoza und ihre wunderbare KWPN-Stute In The Air, eine Tochter von Deußers erstem großen Erfolgspferd Air Jordan Z. Was für einen guten Job die beiden mit ihrer Vier-Fehler-Runde als erstes Paar der Prüfung im ersten Umlauf gemacht hatte, wurde erst im Laufe der Prüfung klar. Zumal sie einen Fehler an der Mauer hatten, einen Sprung, den alle anderen Paare liegen gelassen hatten. Nun sollten sie möglichst ohne diesen kleinen Schönheitsfehler ins Ziel kommen. Doch daraus wurde nichts. Den ersten Fehler gab es ausgerechnet am Deutschland Oxer. Ein weiterer schloss sich direkt dahinter am niederländischen Fahrrad an. Mit diesen acht Strafpunkten beendeten sie ihren Parcours.


Spruce Meadows und Familie Philippaerts – das passt


Vor drei Jahren hat Belgiens Thibeault Philippaerts noch die Young Rider-Prüfung beim CHIO Aachen gewonnen. Nun gehörte der 24-jährige Bruder der Zwillinge Nicola und Olivier zum Fünf-Sterne-Nationenpreis-Team – und er machte einen super Job mit dem zehn Jahre jungen Grand Slam-Sohn Lyandro. Im ersten Umlauf hatten sie zwar neun Strafpunkte, aber sie machten jederzeit den Eindruck, als seien sie dem Parcours gewachsen. Genau das bestätigten sie in Runde zwei: null Fehler. Thibeaults Bruder Olivier sagt bis heute, sein schönster Erfolg sei der Sieg im Rolex Grand Prix von Spruce Maadows 2012 gewesen, damals mit Cabrio van de Heffinck. Thibeaults Lieblingsmoment im Sport dürfte nun auch ein Spruce Meadows-Erlebnis sein.


Jordan Coyle mit Problemen


Jordan Coyle und Cordiamo hatten schon im ersten Umlauf das Streichergebnis für die Iren gebildet mit 16 Fehlern. Coyle sagte später, er habe eigentlich ein anderes Pferd reiten wollen. Der zehnjährige OS-Wallach v. Cornet du Lys aus der Zucht des Gestüts Lewitz sei eigentlich zu unerfahren für einen solchen Nationenpreis. Aber ein bisschen gelernt hat er schon von Runde eins auf zwei. Diesmal wurden es acht Fehler.


Sophie „as cool as Ice“ Hinners


Dann öffnete sich die Schranke für Sophie Hinners und My Prins. Es klapperte zweimal, an der zweifachen Kombination und an der Dreifachen. Aber das Glück war mit den Tüchtigen: doppelnull für Hinners, die ja schon 2025 die erfolgreichste Nationenpreisreiterin des Jahres war. Wie cool kann man sein?! Am Ende waren die beiden das einzige Paar, das immer alle Antworten auf die Fragen hatte, die Leopoldo Palacios gestellt hatte, und zweimal fehlerfrei sprang.


Double-Jack mit einem Abwurf


Di Lampard hatte es in der Pause zwischen den Umläufen gesagt, zum Freuen war es für ihr führendes Team zu früh. Es konnte noch alles passieren. Nach den acht Fehlern von Jessica Mendoza waren Jack Whitaker und Jack JL das nächste Paar mit Union Jack auf Schabracke und Jackett. Zwei Zeitfehler im ersten Umlauf, das wollten sie im zweiten Umlauf besser machen. Und es glückte ihnen. Allerdings bezahlten sie den schnelleren Ritt mit einem Abwurf. Damit hatte Deutschland die Briten überholt.


Conor Swails Kampf mit dem Kurs


Nicht nur Jordan Coyle, auch Conor Swail hatte einen erst zehnjährigen Youngster gesattelt: den irischen Cornet Obolensky-Sohn Clonterm Obolensky. Der strafte seine Jugend allerdings Lügen mit einer Vier-Fehler-Runde im ersten Umlauf, um in Runde zwei noch eins drauf zu setzen – wenngleich es in der dreifachen auch richtig knapp war. Swail verlor einen Steigbügel, angelte ihn aber sogleich zurück. Sein Schimmel ließ sich davon nicht beeindrucken und beendete die drei Sprünge ohne Abwurf. Und die beiden letzten ebenfalls. Kleiner Schönheitsfehler: ein Zeitstrafpunkt.


Jörne Sprehe sichert Deutschland den Sieg


Das dritte deutsche Paar hatte es damit in der Hand: Wenn sie null springen, wäre Deutschland der zwölfte Triumph in den Spruce Meadows-Nationenpreisen sicher. Der energetische Toys ließ seiner Reiterin auch in dieser Runde keine Sekunde zum Durchatmen, aber die machte einen perfekten Job und brachte die Nullrunde ins Ziel. Ihre Faust punchte in die Luft, damit hatte sie den Sack zugemacht. Mit ihrem Ritt sorgte sie für den vorzeitigen Sieg der Weltmeister, die damit die Nation mit den meisten Siegen in Spruce Meadows sind.


Aber der Sport geht weiter


Deutschland stand zwar als Sieger fest, aber der Sport ging noch weiter. Eine fantastische Nullrunde von Emelie Conter und Portobella van de Fruitkorf sicherte Belgien den dritten Platz. Die beiden waren ja schon Ersatzpaar für die Weltmeisterschaft in Aachen und wer vorher nicht wusste, warum Equipechef Peter Weinberg diesem Paar vertraut, konnte es heute sehen.


Denis Lynch hatte nach seiner Nullrunde im ersten Umlauf entschieden, Vistogrand einen zweiten Auftritt für Irland zu ersparen. Platz zwei für Jessica Kürtens Quartett mit 9 Fehlern stand bereits nach Conor Swails Ein-Fehler-Runde fest.


Richard Vogel hätte nicht noch einmal reiten müssen, entschied sich aber doch, es zu tun. Cloudio sprang auch im zweiten Umlauf noch so, als gäbe es kein Morgen – bis zum letzten Hindernis. Um ersten Umlauf hatte es gewackelt, diesmal fiel die Stange. Aber das änderte nichts mehr am Ergebnis.


Di Lampard hatte es gesagt: Es kann alles passieren. Aber damit, was ihrem Anchorman Ben Maher als letztem Reiter der Prüfung passieren würde, hatte sie vermutlich nicht gerechnet. Am Deutschland Oxer hatten der dreifache Olympiasieger und Catelly Probleme und kamen zu Fall. Catelly war sofort wieder auf den Beinen, aber Maher blieb kurz liegen. Es schien aber vor allem der Schock gewesen zu sein. Am Ende konnte er den Platz zu Fuß verlassen, an seiner Seite Di Lampard. Er hielt sich allerdings die Schulter. Gute Besserung!


Damit endete der Nationenpreis von Spruce Meadows mit einem Sieg für Deutschland, einem überglücklichen Otto Becker, der immer wieder betonte, wie stolz er auf das Team ist, Platz zwei für Irland und Rang drei für Belgien.


Die Ergebnisse in der Übersicht finden Sie hier.


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