Richard Vogel übernimmt Führung der Weltrangliste der Springreiter

Richard Vogel ist die Nummer eins der Welt

Springen
Das Dreamteam des Springsports: United Touch S und Richard Vogel.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Das Dreamteam des Springsports: United Touch S und Richard Vogel. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Die Weltrangliste der Springreiter im September 2026 ist veröffentlicht und hat einen neuen Spitzenreiter: Richard Vogel.

Eine Überraschung ist es nicht, aber es ist schon bemerkenswert, wie Richard Vogel sich seit Beginn der 2020er-Jahre unaufhaltsam an die Spitze der Welt vorgearbeitet hat. Von seinen drei Siege in Folge bei Deutschlands U25 Springpokal über die ersten Nationenpreis-Einsätze in der EEF Liga bis zum endgültigen Durchbruch im Sattel von United Touch S.


Vom ersten Weltcup-Etappensieg 2022 in Stuttgart, über die Doppelnullrunde zum Triumph bei ihrem ersten Nationenpreisfinale in Barcelona 2023 und dann direkt im Anschluss ihrem ersten Rolex Major in Genf. Dann 2024 die Championatspremiere, die ersten Olympischen Spiele in Paris, die sicherlich nicht so liefen wie erhofft. Aber sie brachten wertvolle Erfahrungen, die maßgeblich zum Erfolg des Duos bei der Europameisterschaft ein Jahr später beigetragen haben mögen, wo sie nach dem Zeitspringen die Führung übernommen hatten, und diese bis zum Schluss nicht mehr hergaben. Europameister, Bronze mit der Mannschaft.


Und nun die Saison 2026 – Mannschaftsweltmeister in Aachen, Sieg in den Rolex Grand Slam Etappen von ’s-Hertogenbosch und Aachen, damit aktuell Anwärter auf Rolex Grand Slam, den bislang nur ein Dreamteam des Springsports hatte erringen können, nämlich Scott Brash und Hello Sanctos.


Hinzu kommen diverse weitere Erfolge mit seinen anderen beiden Toppferden Cloudio und Gangster Montdesir. Seit 28 Monaten gehörte Vogel bereits zu den Top Ten der Welt und war zuletzt Zweiter hinter Ken Farrington (USA). Schon mit dem Mannschaftsweltmeister-Titel hatte er genügend Punkte, um an Weltcup-Sieger Farrington vorbeizuziehen. Aber mit dem Sieg in Brüssel, eine Woche nach Aachen, im Sattel von Gangster „Gangsti“ Montdesir machte Vogel den Sack endgültig zu.


Damit ist er der sechste deutsche Springreiter seit 2000 auf Platz eins der Weltrangliste. Vor ihm war dies bereits Christian Ahlmann, Ludger Beerbaum, Daniel Deußer, Marcus Ehning und Meredith Michaels-Beerbaum gelungen.


„Jahrhundertreiter“


Die Liste von Richard Vogels Erfolgen ist lang, die seiner Fans noch viel länger. Gerade hatte er sich noch den Parcours für die Mannschaftsentscheidung der Weltmeisterschaft in Aachen angeschaut und war eigentlich schon im Konzentrationsmodus, da sprechen ihn die Springsportbegeisterten hinten den Absperrungen an. Ein Foto? Ein Autogramm? Kein Problem, Richard Vogel nimmt sich die Zeit und seine Fans in die Arme, lächelt in die Handykamera, Daumen hoch, alles im Kasten. Die Teilnehmer des U25 Springpokals mitnehmen in die Parcoursbegehung für die Entscheidung in der Einzelwertung? Na klar, kein Thema. „Er tat uns fast ein bisschen leid“, stellten die Nachwuchsreiter, zu denen Vogel selbst vor noch gar nicht langer Zeit noch gehörte, fest. Sie wissen schließlich, unter was für einem Druck man als Reiter vor einem wichtigen Springen steht.


Es lief dann ja auch nicht wirklich rund an der Mauer der WM. Die Schuld daran gab Vogel aber weder seinen Fans, noch den U25 Reitern und erst recht nicht United Touch. „Er wollte absolut nichts falsch machen. Es ist mein Job, ihm besser zu signalisieren, da kommt gleich eine hohe Mauer relativ schnell aus der Wendung heraus. Das habe ich nicht gut genug gemacht. Am Ende hatte er gar keine Chance“, so sein selbstkritisches Resümee. Auch typisch Vogel.


Reitmeister Achaz von Buchwaldt nannte ihn neulich einen „Jahrhundertreiter“, vergleichbar mit einem Michael Jung, dem erfolgreichsten Vielseitigkeitsreiter aller Zeiten. Und Vogel ist erst 29.


Surreales Gefühl


Als er erfuhr, dass er nun die Nummer eins der Springreiterwelt ist, sagte Richard Vogel: „Es fühlt sich immer noch sehr surreal an, zu hören, dass ich die Nummer eins der Welt bin. Es ist eine enorme Leistung, und ich bin unglaublich stolz darauf, was wir gemeinsam als Team erreicht haben. Als Reiter bin ich sicherlich noch lange nicht der Beste der Welt, aber ich glaube, dieser Titel ist ein sehr guter Beleg dafür, dass ich das allerbeste Team um mich herum habe.“


Und weiter: „Sowohl die Menschen als auch natürlich die Pferde an meiner Seite haben dies möglich gemacht. Es gibt unzählige Menschen, denen ich dankbar bin – Menschen, die den Jungen mit den großen Träumen unterstützt und mir geholfen haben, dorthin zu gelangen, wo ich heute stehe. Jeder Einzelne von euch ist Teil dieses Erfolgs.“


„Ein ganz besonderer Dank gilt dem gesamten VW-Team, insbesondere meinen Pflegerinnen Felicia und Gigi. Die Leidenschaft, das Engagement und die Fürsorge, die ihr unseren Pferden jeden Tag entgegenbringt, bilden das Fundament für alles, was wir erreichen.“


„Und der größte Dank gilt natürlich unseren Pferden. Es ist eine große Ehre, Superstars wie United, Cloudio und Gangster unter dem Sattel zu haben, aber dieser Erfolg gebührt genauso sehr den vielen anderen Pferden, die etwas mehr in ihrem Schatten standen, sowie jenen, die ich in der Vergangenheit hatte und die mich auf meinem Weg so viel gelehrt haben. Sie sind es, die uns jeden Tag antreiben und motivieren.“


Überblick über die Top Ten


Weltcup-Sieger Kent Farrington, der bewusst auf die WM in Aachen verzichtet hatte und vergangenes Wochenende mit Greya die Hampton Classics gewann, ist nun Zweiter der Weltrangliste.


Scott Brash, der in Aachen großen Anteil an der Bronzemedaille des britischen Teams hatte, aber im Einzelfinale übel stürzte, konnte sich auf Rang drei vorschieben. Steve Guerdat (SUI), der im Sattel seiner Superstute Dynamix de Belheme in Aachen den letzten Titel holte, der ihm in seiner Sammlung noch fehlte, hat damit einen Riesensprung nach vorne gemacht, von Platz 16 auf vier.


Zwei Plätze abwärts ging es für Shane Sweetnam (IRL), der letzten Monat noch Dritter war und nun Fünfter ist. Im folgt auf Rang sechs Ben Maher (GBR). Vermutlich ist es das erste Mal, dass der Italiener Piergiorgio Bucci sich in den erlauchten Kreis der besten zehn Springreiter der Welt einreihen konnte.


Anders ist es bei dem zweiten Deutschen in dieser Liga. Das ist Daniel Deußer, der ja auch schon der Beste von allen war und dem mit Otello in Aachen eine einzige Stange am letzten Hindernis zum Verhängnis wurde. Er war letzten Monat noch die Nummer 15 und ist jetzt Achter. Hinter ihm folgen McLain Ward (USA) und Frankreichs Nina Mallevaey, die damit ihre Position als bestrangierte Springreiterin behaupten konnte.


Weitere Deutsche unter den Top 50


17. (vorher 23.) Sophie Hinners


20. (10.) Christian Kukuk


41. (41.) Philipp Weishaupt


44. (37.) Christian Ahlmann


Dem vierten glorreichen deutschen Mannschaftsreiter der WM, Marcus Ehning, fehlen nach seiner verletzungsbedingten Zwangspause im Frühjahr einige Punkte. Dank des Erfolgs in Aachen konnte er sich aber nun von Platz 128 des Rankings auf Rang 94 vorarbeiten.


Die vollständige Liste finden Sie hier.


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