WM Aachen 2026: Fazit Newsletter EQUI PAGES zu Steve Guerdat, tollen Sportpferden und Signalen, de von der Weltmeisterschaft ausgehem

WM Newsletter Tag 14: Was von Aachen bleibt – darf man als Berichterstatter begeistert sein?

Standpunkt 25.08.2026
Der letzte WM-Newsletter - das war die WM Aachen 2026. Der letzte WM-Newsletter - das war die WM Aachen 2026.
Gedanken zu Steve Guerdat, der WM in Aachen und den vielen tollen Pferden, die wir in den zwei WM-Wochen in der Soers erlebt haben. Dies ist der letzte WM-Newsletter. Ab jetzt gilt wieder der wöchentliche Veröffentlichungsmodus. Immer montags mit einer Rückschau auf die Themen der Woche. Und einem Ausblick auf das, was kommt.

Diese Frage habe ich mir in den vergangenen Tagen häufiger gestellt. Eine gesunde Distanz zum Gegenstand der Betrachtung ist eine Selbstverständlichkeit. Alles, was nicht Bericht ist, ist Kommentar. Der darf begeistern und kritisieren, loben und geißeln. Das gilt es zu trennen. Aber man darf auch pointiert sein. Der Name des Verfassers steht ja drunter.


Darum ist Steve Guerdat der ideale Botschafter für den Sport


Warum diese nachdenklichen Sätze zum Beginn dieser Bilanz stehen? Die Antwort sind zwei Worte: Steve Guerdat. Der neue Weltmeister hat mich immer schon fasziniert. Der Schweizer ist nicht nur einer, der beständig neue Pferde in den Sport bringt, der durch wunderbares Reiten auffällt und das seit Jahrzehnten. Nicht ins Schwärmen zu geraten, wenn ich über Steve schreibe, fällt mir schwer. Denn der 44-Jährige ist nicht nur im Sattel, sondern auch jenseits des Pferderückens eine ganz besondere Persönlichkeit. Er ist reflektiert und meldet sich immer dann zu Wort, wenn er etwas zu sagen hat. Er hat eine Meinung (etwa zur Global Champions Tour), die er vertritt. Er hat eine Vorstellung von dem Sport, den er so liebt, und die äußert er auch. Ein Gespräch mit Steve Guerdat ist niemals Blabla, sondern immer etwas, aus dem man etwas mitnimmt. Klar bezieht er Stellung. Manchmal emotional, immer differenziert. Er ist ein Botschafter für den Pferdesport wie es nicht viele andere gibt.


Noch ein letzter Satz der Lobhudelei: Zu erleben, wie Guerdat bis zum letzten Sprungsuper cool und fokussiert agierte, nur um dann seiner ganzen Emotionalität, die eben auch wichtiger Bestandteil seines komplexen Charakters ist, freien Lauf zu lassen – das war ein besonderer WM-Moment.


So sehr ich jedem einzelnen aus dem deutschen Weltmeister-Team eine Einzelmedaille gegönnt hätte, war das Ergebnis eindeutig. Der Sport hat entschieden und es hat der Richtige gewonnen.


Deswegen darf man als Berichterstatter begeistert sein!


Es ist immer Luft nach oben


Was einen nicht von der Pflicht entbindet, sich selbst zu hinterfragen. Etwa, ob man deutlich genug herausgearbeitet hat, wenn Athletinnen und Athleten zwar immer noch Dinge nicht so machen, wie man sich das aus Sicht der Reitlehre idealerweise wünschte, sie aber nicht mehr ganz so schlimm agieren, wie man es auch schon erlebt hat. Da nutzt sich der Blick ab, das Auge gewöhnt sich. Das ist nicht gut. Das muss man immer im Hinterkopf haben. Ein „XY lernt es halt nicht mehr“ kann man denken. So wie beispielsweise ein Dressurrichter immer wieder gedanklich bei null anfangen muss, muss auch der Berichterstatter das Hier und Jetzt beschreiben, analysieren und einordnen. Und solch eine Analyse kann eben positiv oder negativ ausfallen. Entscheidend ist, ob man bei schlechten Bildern Vorsatz oder mangelndes Können identifizieren kann. Darüber haben wir sehr viel gesprochen in den Tagen von Aachen.


Bilder, die bleiben


Es gibt viele Bilder aus Aachen, die im Kopf bleiben. Einige für immer. Beispielsweise „Katha“ Hemmers Hammer-Grand Prix, jeder Auftritt von Mount St. John Freestyle und Cathrine Laudrup-Dufour, Raphael Netz‘ versammelter Schritt, wie Justin Verboomen mit Zonik Plus spazieren gegangen ist, Julia Krajewskis Dressur, die Geländerunden von Michael Jung, Christoph Wahler und auch die Springrunde von Malin Hansen-Hotopp – Partnerschaft heißt, sich aufeinander verlassen können. United Touch beim Vetcheck, die Präsenz des Hengstes, aber auch die Misskommunikation an der Mauer und die vier (statt fünf, womit einige Pferde schon Probleme hatten) Galoppsprünge zwischen Triplebarre und Wassergraben, wie Richard Vogel und Sophie Hinners sich Zeit für Fans nahmen oder Para-Reiterin Anna Lena Niehues, die gestresst von Zuhause kam, wo sie neben 40 Pferden auch noch eine Horde Ferienkinder betreut. Schließlich, dass – im Gegensatz zu manch einer Grand Prix-Darbietung – alle Para-Pferde locker und schwingend über den Rücken gingen.


Erfreulich wenig negative Bilder sind hängengeblieben. Aber die gab es leider auch: Abdullah Alsharbatly ist da zuerst zu nennen. Seine Runden mit Diriyah, die mal Dubai du Cedre hieß, waren zum Abgewöhnen. So etwas will man nicht sehen. Auch der Spanier Armando Trapote und Tornado waren grenzwertig, selbst wenn das Pferd als unreitbar galt. Wo Licht ist, ist auch Schatten.


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Zurück zu den Lichtgestalten. Mein erstes eigenes Pferd war Pirat, ein aus dem Maß gewachsener Halbaraber. Auch Schimmel. Ob mich das „frühkindlich“ (naja) geprägt hat?

Antwort: nein! Denn auch meine Kollegin Dominique Wehrmann schwärmt von der WM der besonderen Schimmel: Quidditch, Erin, Hello Mango, Holst Freda …

Gerade Harry Charles‘ Bronzemedaillengewinnerin hatte es Dominique schon vor Aachen angetan. War ihr Geheimtipp. Und das ohne Chat GPT zu nutzen, wie es Harry getan hatte – „soll ich im Einzelfinale starten, oder nicht?“ Hätte er mal Dominique gefragt.


Mehr Pferde-Biografien, was eine Harley mit der Silbermedaille zu tun hat


Von einigen der Pferde haben wir schon Biografien erstellt. An weiteren – auch in anderen Fellfarben – arbeiten wir. Schon gewusst? Der Wallach von Thibeau Spits, den ich aus Platzgründen einfach mal Impress nennen möchte, kam zu Familie Spits, als Thibeau 14 Jahre alt war. Heute ist der Belgier 25 Jahre alt und hat seit vergangenem Sonntag eine WM-Silbermedaille aus dem Einzelspringen. Sein Vater hat das Pferd erkannt, als er gerade eine Harley Davidson ausprobierte. Die Details hat Dominique recherchiert. Die ganze Geschichte bald zu finden auf unserer Webseite.


Zwei Dinge noch zu Aachen: Die Teamleistung der deutschen Springreiter und ihre ruhigen und stilistisch individuellen aber einfach nur begeisternden Runden waren Werbung für gutes Springreiten. Schließlich: Was für ein Könner ist Frank Rothenberger! Der Parcourschef hat es geschafft, die einzigen drei Pferde auf dem Podium zu haben, die am letzten Tag fehlerfrei blieben. Und die Goldmedaille für das einzige Paar, das keine Stange während der gesamten Weltmeisterschaft aus den Auflagen geholt hat. Dabei hatten einige, auch ich, schon die Nase gerümpft als nach dem ersten Umlauf des Nationenpreis mehr als ein Drittel der Pferde ohne Abwurf geblieben waren. Gute Bilder, toller Sport, die richtigen Sieger – Volltreffer, Chapeau!


Back to normal…


Anschließend das: 14 Tage am Stück Aachen total. Wir haben viele neue Abonnentinnen und Abonnenten für unseren Newsletter gefunden. Für die, die während der WM hinzugekommen sind: Fortan kommt unser Post wieder wöchentlich montags. Und der Ton wird wieder ein bisschen sachlicher, je nachdem, was es zu verhandeln gibt.

Wie immer gilt: Anregungen, Lob, Kritik gern an untenstehende E-Mail-Adresse.


Das letzte Wort in Bezug auf die WM gilt dem Fotografen-Team rund um Stefan Lafrentz und Dirk Caremans. Was ihr für uns geleistet habt, war unfassbar. Wir und alle, die dank eurer Bilder so viele Facetten von Aachen erleben konnten, sagen danke!


In diesem Sinne – bis kommenden Montag!


Jan Tönjes

jan.toenjes@equi-pages.de




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Dieser Text wurde erstmals am 24. August 2026 veröffentlicht.


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