WM Aachen Newsletter Tag 13: Starliste Finale, Stewards und was die britische Bronzemedaille mit Teppichen und Sofas zu tun hat
WM Newsletter Tag 13: Finale, Flugbegleiter und was die britische Bronzemedaille mit Teppichen und Sofas zu tun hat
Der WM Newsletter aus Aachen. Täglich wissen, was Sache ist. Finaaaaale! Man muss ja nicht gleich den Fußballfan machen, aber ein kollektives Aufatmen ist vor allem bei den Kolleginnen und Kollegen zu verspüren, die sich „the complete Aachen“ gegeben haben. Alle Disziplinen, alle Tage. Kimberley aus den USA sagt, letzte Nacht habe sie fünf Stunden geschlafen, an den Tagen zuvor jeweils drei. Der Grund (nicht, dass wir so viel mehr Schlaf gefunden hätten) fängt mit Z an und hört mit „eitverschiebung“ auf. In den Staaten Richtung Ostküste ist es nachmittags und wer noch gedruckte Magazine zu beliefern hat (die gibt’s ja teilweise noch), trifft dort auf Layouter und Redakteure, die um 15 Uhr denken, jetzt könnten aber auch mal langsam Texte und Fotos aus Deutschland kommen. Und Überschriften und, und, und.
Die Springreiter mussten gestern nur einmal zum Vortraben bei der Verfassungsprüfung ihre weißen Reithosen anziehen. Alle deutschen Pferde hatten erwartungsgemäß keine Probleme.
Die Paras hatten Grund zu feiern: Silber in der Mannschaftswertung. Heute ist Kür-Tag. Für die Fahrer war gestern die Königsdisziplin, Marathon. Petrus war immer mal Fahrfan, dann wieder nicht. Regen, aber nicht so schlimm wie vorgestern Abend, dann wieder Sonne. Ein Gutes hat die Feuchtigkeit. Die Bauern müssen nach Abschluss der WM weniger pflügen, das haben die Gespanne heute schon gemacht. Deutschland liegt auf Platz vier nach dieser Kraftanstrengung, die auch einiges an Konzentration fordert. Denn im Vergleich zu den Hindernissen der Vielseitigkeitsreiter sind die der Fahrer um ein Vielfaches komplexer. Noch mehr Alternativen, noch unübersichtlicher, und das Ganze mit vier Pferden.
Heute haben sich die Fahrer dann im Kegelparcours zu beweisen. Eine Kollegin in der Pressestelle war begeistert, dass sich Menschen zum Kegeln verabreden. Jooaaaa, ich sag mal so, „alle Neune“.
Auch wenn die Kür schon wieder Monate her zu sein scheint, habe ich heute noch aufgeschnappt, dass nicht alle Stewards mit der Sprachregelung bei der Beaufsichtigung des Abreitens happy waren. Man darf nicht sagen: „Hey, das Pferd geht zu eng.“ Das wäre nämlich eine Unterstellung. Stattdessen gibt es englischsprachige Formulierungshilfen, die frei übersetzt etwa wie folgt lauten: „Entschuldigung, ich habe leider den Eindruck gewinnen müssen, dass Sie ihr Pferd in den vergangenen Minuten vielleicht unbeabsichtigt mit etwas viel Druck auf dem Zügel geritten haben, und es kommt mir beinahe so vor, als sei es dabei in Gefahr geraten, mit der Nasen-Stirnlinie vielleicht kurzfristig etwas hinter die Senkrechte zu gelangen. Ich denke, wir stimmen überein, dass das gar nicht beabsichtigt war und deshalb würde ich es doch sehr gutheißen, wenn Sie die Zügel vielleicht ein wenig länger lassen würden.“
Wenn nach fünf Minuten dann nichts verändert wurde, dürfen die Stewards demzufolge auch nicht deutlicher werden, sondern müssen den ganzen Säusel-Sermon noch einmal von sich geben. Das findet diese für den Ablauf des Turniers so wichtige Gruppe alles andere als gut.
Wobei – Stewards und Stewardessen, die sich nicht als Nasenriemen-Checker betätigen, sondern eher im Bereich Saftschubsen unterwegs sind, werden da nur mitleidig lächeln können. Die gelangweilten Gesichter, in die sie gucken, wenn sie erklären, dass „die Notausgänge – zwei im vorderen Bereich, vier über den Tragflächen und zwei im hinteren Bereich – mit dem Wort EXIT markiert sind“ und dass „im höchstunwahrscheinlichen eines plötzlichen Druckabfalls in der Kabine automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke fallen“, sind wahrscheinlich ähnlich motivierend. (Wie Stewards arbeiten, dazu hat der Podcast ERZÄHL MIR WAS VOM PFERD mal eine Folge gemacht).
Auf anderen Turnieren fällt die Ansprache beim zweiten Mal wohl deutlich anders aus. „Ey, Du, ich seh das“. Und das in einem Ton, den die Flugbegleiter sicherlich auch gern mal anschlagen würden, wenn nach mehr Pfeffer für den Tomatensaft gefragt wird.
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Wie dem auch sei. Wir haben unsere Sitze schon mal in eine aufrechte Position gebracht und uns wieder angeschnallt – der Flug durch sechs Disziplinen neigt sich dem Ende zu. Was sind uns auf dieser Reise für viele tolle Pferde begegnet. Eines davon ist Scott Brashs Stute Hello Mango, die wir gestern porträtiert haben (und die dank Teppichen und Sofas den Weg nach Aachen gefunden hat). Aber auch bei den Para-Pferden (Poesie), bei den Dressur- (Mauro Turfhorst) und den Vielseitigkeitspferden (Erin) sind einige dabei, die sich auf der inneren Festplatte eingebrannt haben. Die Liste ist nicht vollständig!
Mal sehen, wie es heute im Finale der Springreiter ausgeht. Ein (weiterer) deutscher Weltmeister wäre sicherlich noch die Krönung. Aber am Ende soll der Beste gewinnen. Oder die Beste …
Um 14.20 Uhr geht es los mit den besten 25 Paaren. Den Parcours werden wir, wenn es zeitlich zu machen ist, noch vorstellen. Nur zur Erinnerung: Daniel Deußer und Steve Guerdat (SUI) liegen mit 0,86 Punkten gemeinsam vorn. Ein Abwurf, dem wir keinen von beiden wünschen, würde sie auf Platz neun abstürzen lassen. So eng ist die Entscheidung. Und auch das als Memo: Marcus Ehning Vierter (1,78), Sophie Hinners Fünfte (1,84) und Richard Vogel Zwölfter (5,38). Hier die Startliste.
Ab 16.20 Uhr wird dann im B-Finale der besten Zehn entschieden, wer auf dem Treppchen die Goldmedaille in den hoffentlich trockenen Aachener Himmel recken darf.
In diesem Sinne, ein letztes Mal meine Bitte: Daumen drücken! Und …
… bis Montag (also morgen),
Jan Tönjes
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Dieser Text wurde erstmals am 23. August 2026 veröffentlicht.

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