Quidditch K

Malin Hansen-Hotopp und Carlitos Quidditch K beim CCI4*-S / Deutsche Meisterschaft 2026 in Luhmühlen. Foto: sportfotos-lafrentz.de
- Name: Quidditch K
- Geschlecht: Wallach
- Jahrgang: 2012
- Rasse: Holsteiner
- Vater: Qiwi Dream
- Muttervater: Cassini I
- Züchter: Miriam Kühl
- Größte Erfolge: Mannschaftseuropameister 2025, Platz 4 CCI5*-L Kentucky
2012 kommt bei Miriam Kühl in Borderstorf östlich von Rostock ein Hengstfohlen zur Welt. Vater ist der internationale erfolgreiche Quiwi Dream, die Mutter Amsterdam v. Cassini-Romino ist dem Stamm 6082 zuzurechnen. Charlottenhof’s Charisma, unter Sören von Rönne Anfang der 200er Jahre weltweit im Springsport siegreich, ist eine Halbschwester zur Großmutter des kleinen Schimmels, Quidditch K. K wie Kühl.
Es ist der Hartnäckigkeit der Züchterin von Quidditch zu verdanken, dass der Schimmel zu Malin Hansen-Hotopp gekommen ist. Und das kommt nicht von ungefähr: Miriam Kühl, geborene Roskothen, kennt Malin schon lange. Beide haben quasi eine gemeinsame Geschichte, beide sind im nördlichen Schleswig-Holstein großgeworden. Beide sind im selben Stall geritten. Familie Roskothen, die ursprünglich aus dem Rheinland stammt, hat ein Faible für edle Pferde. Früher züchtete die Familie Rennpferde. Später dann in Schleswig-Holstein auch Trakehner.
Holsteiner in Meck-Pomm
Malin Hansen-Hotopp ist mit Miriams Bruder zusammen zur Schule gegangen. Nach dem Abitur hat sie bei Familie Roskothen Pferde geritten, Unterricht erteilt und auch Trakehner fürs Bundeschampionat vorbereitet und dort erfolgreich vorgestellt.
Und noch eine Gemeinsamkeit haben die beiden: ihren neuen Wohnort. Beide sind mit Landwirten verheiratet, die nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen sind. Sodass der Kontakt auch nach dem Studium weiterhin aufrechterhalten wurde. Eines Tages sprach Miriam Kühl von einem damals fünfjährigen Schimmel, den sie gezüchtet habe, der ihrer Meinung nach ein gutes Pferd sei. Ob Malin ihn sich nicht einmal anschauen wolle?
Das erste Mal
Das erste Zusammentreffen von Quidditch und Malin verlief emotional überschaubar. Die drahtige Reiterin, spezialisiert auf kleine quirlige Pferde, stand vor einem großen rahmigen Schimmel, der, wie sie sich erinnert, auch noch „ganz schön frech“ war. Und in Sachen Rittigkeit gab es vielleicht noch ein „ausreichend“, wenn nicht eher ein „ungenügend“. Aber schon damals spürte Malin etwas beim Galoppieren in den Momenten, in denen so etwas wie Rittigkeitspotenzial kurz aufflammte, das sie gut fand. Punkt. Im Gegensatz zu den Empfehlungen ihres Umfelds entschied sie sich, den Schimmel in Ausbildung zu nehmen. Der gemeinsame Weg der beiden wurde sechsjährig wegen einer Krebserkrankung der Reiterin kurz unterbrochen. In der Zeit ritt Malin Petersen den Schimmel in Geländepferdeprüfungen Kl. L. Doch ab August saß die „Original-Malin“ wieder im Sattel. Und dann ging’s los.
Start der internationalen Laufbahn
2019 die ersten Starts auf Zwei-Sterne- und im September auf Drei-Sterne-Niveau. Achtjährig dann die erste lange Drei-Sterne-Prüfung, die das Paar in Strzegom ohne Hindernisfehler im Gelände und Parcours – da kamen nur 0,4 Zeitfehler zum Dressurergebnis hinzu – auf Platz zwei beendete. Fünf Wochen später dann die erste CCI4*-S in Babórowko. Dort debütierte das Paar auch Ende 2021 in einer langen Vier-Sterne-Prüfung. Da war Quidditch neun Jahre jung und empfahl sich allmählich für größere Aufgaben. Das Paar bestritt diverse Nationenpreise, wurde als Einzelreiter Zwölfte beim Debüt in Aachen.
2022 dann nach guter Saison der internationale Durchbruch: Malin Hansen-Hotopp und Quidditch gewannen im September die CCI4*-L im englischen Blenheim. Es war der erste internationale Sieg des Paares und einer, der aufmerken ließ. Im Folgejahr wurden die beiden erstmals in ein Championatsteam berufen. Sie gehörten zu dem Team, das sich bei den Europameisterschaften in dem durch Regen aufgeweichten schweren Boden rund um das Schloss am Haras du Pin in der Normandie arbeiteten. Deutschland gewann die Mannschaftssilbermedaille. In der Einzelwertung landete das Duo auf Rang 19.
Fünf-Sterne in Kentucky
Was noch fehlte in der gemeinsamen Karriere war ein Start in der schwersten Kategorie. Der verlief grandios: Im April 2024 beendete das Paar die CCI5*-L in Lexington/Kentucky (USA) als Vierte hinter der britischen Eventinglegende Oliver Townend, Mannschafts-Olympiasieger Tom McEwen, der das Pferd gesattelt hatte, mit dem er bei den Spielen in Paris 2024 einige Monate später Vierter der Einzelwertung werden sollte, und der amtierenden Weltmeisterin Yasmin Ingham.
In Luhmühlen schafften die beide 2025 die nächste Top Ten-Platzierung auf Fünf-Sterne-Niveau, Platz sechs. Mit diesem Rückenwind ging es dann im September erneut nach Blenheim, diesmal zu den Europameisterschaften. Dort konnte Deutschland Mannschaftsgold gewinnen. In der Einzelwertung stand für das Holsteiner Doppel aus Mecklenburg-Vorpommern Platz elf.
Nach dem dritten Platz im CCI4*-S von Luhmühlen 2026 gab es einen weiteren Erfolg zu feiern: Silber bei den Deutschen Meisterschaften. Vier Wochen später wurde das Paar für die Weltmeisterschaft in Aachen nominiert.