PETA - soll man mit Tierrecht-Aktivisten, die den Pferdesport verbieten wollen, diskutieren?

Soll man mit PETA sprechen?

Standpunkt 13.05.2026
Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Soll man, darf man mit PETA reden? Vor der Podiumsdiskussion „heißes Eisen“ in Warendorf stellt sich diese Frage.
Jeden Montag macht sich Jan Tönjes im EQUI PAGES-Newsletter seine Gedanken über aktuelle Geschehnisse und kommentiert diese. Hier das Editorial vom 11. Mai 2026.

Die PETA versteht sich als eine Organisation, die sich um das Wohl der Tiere kümmert. Laut Eigenbezeichnung geht es dem Verein um die ethische Behandlung von Tieren. Wovon PETA gar nichts hält: vom Reitsport. Immer wieder hat die ursprünglich aus den USA stammende Organisation dessen Verbot gefordert. Unter Hinweis auf gesundheitliche Überbelastung der Pferde, auf fragwürdige Trainingsmethoden – scharfe Gebisse, Sporen, Rollkur, Peitschen im Rennsport oder zu frühes Anreiten junger Pferde –, oder nicht artgerechte Haltung. In Einzelfällen hat die PETA da durchaus ihre Punkte.


Klare PETA-Position: Olympischen Reitsport verbieten


Vor allem, dass Dressur, Springen und Vielseitigkeit im Olympischen Kanon stehen, ist immer wieder ein lautstark formulierter Kritikpunkt der Aktivisten. Argumente liefert der Reitsport genug, sei es das tote Vielseitigkeitspferd bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 oder aber das Prügelvideo von Charlotte Dujardin (GBR), das kurz vor den Spielen von Paris 2024 veröffentlicht wurde. Olympia garantiert Öffentlichkeit, die benötigt PETA, weil sich der Verein durch Spenden finanziert. 2024 hat PETA Deutschland e.V. laut Jahresbericht knapp 15 Millionen Euro Spendengelder eingesammelt und 17,7 Millionen ausgegeben. Und zwar für Informations- und Aufklärungskampagnen, Protestaktionen, juristische Schritte gegen Tierquälerei, Undercover-Recherchen und Veröffentlichungen, politische Kampagnen, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. So ist es dem Onlineauftritt zu entnehmen. Auffällig: Praktizierter Tierschutz, konkrete Maßnahmen, finden sich an dieser Stelle nicht.


Überzeugungstäter


In Diskussionen zeigt sich PETA zumeist unnachgiebig. Es würde auch der grundsätzlichen Überzeugung der Tierschützer widersprechen, wenn sie von ihren Maximalforderungen Abstand nehmen würden. Die lassen sich schließlich am besten verkaufen. Überzeugungstäter pur.


Wie sinnvoll ist eine Diskussion mit PETA?


Wie nun mit PETA umgehen? FN-Präsident Martin Richenhagen möchte in dieser Woche mit Vertretern von PETA diskutieren. (red. Hinweis: Die Diskussion fand am Dienstag, 12. Mai, nach Erscheinen des Newsletters, in dem dieser Text erstmals veröffentlicht wurde, statt. Hier geht es zum Bericht). Außerdem hat er sich die Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies als Gesprächspartnerin aufs Podium eingeladen. Auch sie eine langjährige Kritikerin des Pferdesports, zuletzt durch öffentlichkeitswirksame Auftritte rund um die Rettung, oder vermeintliche Rettung, des Wals Timmy (was Don Hitmeyer auf den Plan gerufen hat …) aufgefallen.


Umstrittene Persönlichkeit


Was man wissen muss: Tönnies war im Vorstand der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Nach verbalen Attacken gegen deren Vorsitzenden, Dr. Andreas Franzky, wurde sie aus dem Verband ausgeschlossen. Später veröffentlichte sie Hasskommentare gegen Franzky auf ihrer Facebook-Seite. Unter diesem Post fanden sich 35 Reaktionen, in denen Franzky u.a. der Tod gewünscht wird. Aktuell kursiert gerade ein Video auf Sozialen Medien, dessen Echtheit wir nicht überprüfen können, in dem die Tierärztin einen Pferdeapfel in den Mund nimmt – das garantiert Klicks.


Die FN-Einladung dieser Tierschützer, deren Absage ein anonymer Kreis, der „Reiter, Trainer, Ausbilder, Besitzer, Dienstleister, Vereine, Veranstalter“ umfasst, fordert, hat bei uns in der Redaktion die Frage aufkommen lassen, wie man damit umgehen sollte. Kurz: Ist es richtig, die öffentliche Diskussion zu suchen mit einem Verein, der das Ende des Reitsports fordert? „Besuchen Sie niemals Veranstaltungen, auf denen Pferde zu Wettkampfzwecken missbraucht werden“, schreibt PETA. Oder bietet man zu Selbstdarstellung neigenden Personen hier nur eine unnötige Öffentlichkeit?


Ohne die Diskussionsrunde zu hoch aufhängen zu wollen, klingt es ein bisschen wie die Brandmauer- Diskussion rund um die AfD in der Politik.


Wann sind Grenzen überschritten?


Grundsätzlich ist jeder Austausch zu befürworten. Allerdings meine ich, dass es auch Grenzen gibt. Das Vorgehen der (Klein-)Tierärztin Tönnies hat sie in meinen Augen disqualifiziert. Bei Menschen, die Hasskommentare schüren, die auf ihrer Webseite den notwendigen Verweis auf den Datenschutz mit dem Adjektiv „schwachsinnige“ versehen, finde ich problematisch. Nicht, weil sie anderer Meinung sind, sondern weil sie offenkundig nur ihre eigene Agenda gelten lassen.


Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden


Den Austausch mit PETA halte ich auch nicht für zwingend für zielführend. Aber, „nur sprechenden Menschen kann geholfen werden“, wie eine ehemalige Kollegin stets betont. Es ist die Frage, ob das Sprechen gleich auf offener Bühne stattfinden muss. Die Gefahr, dass es hier um den Effekt und nicht primär um die Sache geht, besteht. Wie dem auch sei, meine Kollegin Dominique Wehrmann wird vor Ort sein und berichten (s.o.).


Stichwort FN: Warendorf legt Wert darauf, dass man sehr wohl auf das Schreiben der Deutschen Richtervereinigung (DRV) mit den Bedenken gegen die neuen Bundeschampionatsideen reagiert habe. Nur nicht schriftlich. Dr. Carsten Munk, Vorsitzender der DRV, bleibt bei seiner Aussage, wir haben bei ihm nachgefragt.


Diese Woche, Himmelfahrt, stehen zwei Großereignisse auf dem Turnierkalender: In Hamburg das Deutsche Spring- und Dressur Derby und in München Pferd International. Wir werden berichten. Über eine Sensation freut sich seit vergangenem Sonntag der Vielseitigkeitssport: Rosalind Canter und Lordships Graffalo, „Walter“, haben das dritte Mal in Badminton gewonnen. Das hat zuvor noch kein Pferd geschafft. Und es zeigt, wozu ein gut trainiertes Pferd fähig ist.


Auch wenn PETA da sicherlich widersprechen würde.


In diesem Sinne, beste Grüße und bis nächsten Montag!

Jan Tönjes
jan.toenjes@equi-pages.de




Dieser Text wurde erstmals am 11. Mai 2026 veröffentlicht. Immer montags kommentiert Jan Tönjes auf EQUI PAGES das Geschehen der vergangenen Woche in unserem Newsletter.


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