Alle retten Timmy, aber keiner denkt an mich
Don Hitmeyer hat seine eigene Meinung zum Wal. Hiiilfe! Kann mir bitte einer einen Crashkurs in Sachen Walgesänge vermitteln? Ich brauche den. Jetzt. Hier. Sofort! Es ist Gefahr im Verzug. Alle Welt schaut nur auf Timmy und vergisst, wo die eigentlichen Probleme sind. Nämlich bei uns. Bei uns Pferden.
Millionen werden investiert, um den Dickhäuter mit dem kaputten Navi und der Liebe zum Ostseestrand (und zum An-der-Ostsee-Stranden) wieder auf Kurs zu bringen. Wahlkampf war gestern. Heute zählt der Walkampf. Mal ganz ohne Straßenbild, Erbschaftssteuer und Gesundheitsreform. Walkampf als Kampf um den Wal, den man – es ist eben doch alles irgendwie politisch – abschieben möchte.
Also erst runterschieben von der Sandbank, um dann abzuschieben. Irgendwo in den Atlantik, in internationale Gewässer. Dorthin, wo sonst nur Spionage-U-Boote nach Unterseekabeln und sabotagetauglichen Pipelines Ausschau halten. Das ganze unter ministerieller Überwachung und mit Privatgeldern. Wenn Public Private Partnership sonst nicht klappt, im Walkampf funktioniert es. Zwar dem Vernehmen nach auch nicht ganz ohne Reibung, aber überraschend ist das nicht. Wer den Wal hat, hat die Qual. Das weiß man doch.
Zurück zu uns. Wir haben ein Problem. Wir die Unterprivilegierten. Die ewig Geschundenen. Denen man bei lebendigem Leibe das Fell vom Körper reißt (oder rubbelt, striegelt, schert – was auch immer). Wir Entrechteten, denen Wurmkuren ins Maul gezwungen werden. Die Heu ad libitum bekommen und mit Diätplan auf die Weidesaison vorbereitet werden. Aber das interessiert wohl keinen. Es ist halt Waltag. Jeder Tag. Erst recht, wenn Timmy auf Kreuzfahrt mit gleich zwei Schiffen fährt. Da rutschen wir dann durchs Netz. Bitter!
Dabei können wir noch mehr Buckeln als ein Buckelwal. Wetten, dass …? Und Festlegen? Kein Problem, kann ich auch. Sogar ohne Minister an der Uferpromenade. Vermutlich will der mal Anschauungsunterricht nehmen, wie das so geht mit dem sich Festlegen. Damit haben es Politiker ja mitunter nicht so.
Halleluja! Ich brauche Rettung. Ich gehe auch auf Walfahrt, wenn es sein muss. Ins Wasser. Da, wo es knietief ist. Also Timmy-like. Denn die fleischgewordene Rettung des Pferdewohls, meine letzte Hoffnung, ist derzeit genau dort anzutreffen. Ganz nah dran an Timmy. Anstatt ganz dran am Abreiteplatz. An den Reitern. An Gebissen. An dem, was sie als Böse identifiziert. Sie, die Tierärztin, bekannt aus Funk und Fernsehen. Die Pferdeexpertin mit Kleintierpraxis will jetzt mal ’nen richtig dicken Fisch an Land ziehen. Ach nee, ins tiefe Wasser. Wie? Kein Fisch? Egal. Meer, Wasser. Der Geruch dürfte ähnlich sein.
Ihr Name klingt in meinem Ohr ja immer etwas nach Pferde-Journalismus, aber da liege ich falsch, sagt mein Reitmensch. Lese-Rechtschreibschwäche, sorry. Klingt aber sehr ähnlich. Sie ist zwar nicht die heilige Johanna der Schlachthöfe, dafür aber die ehrwürdige Kirsten mit dem Nachnamen des größten Fleischproduzenten Deutschlands.
Normalerweise kämpft sie für uns Pferde. Und gegen alle Reitenden. Aber jetzt? Praxis geschlossen, „Grund: Walrettung“. Steht so auf ihrer Homepage. Das muss man sich mal vorstellen: Kaum sonnt sich ein buckliger Wal am Ostseestrand, vergisst die Schutzheilige der Tierschutzberichterstattung ihr Kernklientel. Ich könnte in Rollkur geritten werden. Mit Gebiss! Mit Schlaufzügeln. Man könnte mich Barren. Und niemand wäre da, der sich für mich einsetzt. Für mich und meine Kameraden. Moment – was habe ich da gerade gesagt?
KAMERAden.
Das ist es. Reitmensch, zück dein Handy. Film mich. Poste mich. Mach mich zum Wal. Dann kommt die Retterin sicherlich sofort. Sie kann bestimmt den direkten Weg einschlagen. Ganz sicher kann sie ja auch über Wasser gehen.

