Warum Züchterprämien dem freien Markt zu Hilfe kommen

Standpunkt 12.05.2026
Redaktion von Redaktion
Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer von HorseTelex
macht sich in seiner Blogserie über die Zukunft der Pferdezucht seine Gedanken. Foto: privat und sportfotos-lafrentz.de Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer von HorseTelex macht sich in seiner Blogserie über die Zukunft der Pferdezucht seine Gedanken. Foto: privat und sportfotos-lafrentz.de
Der niederländische Fachjournalist Dirk Willem Rosie hat in einer Serie von Artikeln sich mit Züchterprämien für die Züchter erfolgreicher Springpferde beschäftigt. Er hat mit verschiedenen Parteien das Thema diskutiert. Hier nun sein erstes Fazit. Im Juni will der Weltreiterverband sich mit dem Thema beschäftigen.

Einer der 5*-Reiter, den ich auf die Züchterprämien ansprach, fragte mich lachend, ob ich etwa Mitglied der Sozialistischen Partei geworden sei. Er stimmte der Idee zu, einen kleinen Teil auch seines Preisgeldes für die Züchter zu reservieren, wies aber nicht zu Unrecht darauf hin, dass Züchterprämien den freien Markt in gewisser Weise regulieren würden.


(Un-)Freiheit


Aber das muss auch so sein. Immer dann, wenn die Freiheit des Marktes zur Unfreiheit von Menschen führt, die für diesen Markt unverzichtbar sind. Deshalb gibt es Gewerkschaften, deshalb müssen größere Unternehmen einen Betriebsrat einrichten. Wäre die steigende Zahl der 5*-Veranstaltungen mit steigenden Fohlengeburten einhergegangen, hätten die ständig steigenden Preisgelder zu teureren Fohlen geführt, dann hätte man von mir nichts gehört. Nun geht dieser Christdemokrat eben als Sozialist durchs Leben. So sei es.


Das Wort „Prämie“


Wir müssen dem freien Markt also ein wenig unter die Arme greifen. Übrigens nichts Neues unter der Sonne. In fast allen Zuchtgebieten erinnert das Wort „Prämie“ (Staatspämie, Bezirksprämie, Erste Prämie usw.) an die Zeit, als der Staat Geld an Pferdezüchter zahlte, die die damals benötigten Pferde züchteten.


Nur sind es heute nicht mehr Artilleriesoldaten und Kavallerieoffiziere, die von der Zuchtarbeit profitieren, sondern Reiter, Händler, Sponsoren, Veranstalter und Sportverbände. Es ärgert mich nicht, dass 5*-Reiter und ihre Besitzer jedes Wochenende viel Geld verdienen. Es ärgert mich auch nicht, dass Händler im Hintergrund des Millionen-Geschäfts extrem viel Geld verdienen.


Was mich ärgert, ist, dass Züchter in den Augen aller anderen Akteure der Pferdewirtschaft eine quantité négligeable sind, eine zu vernachlässigende Art von Mensch, die keine Rolle von Bedeutung spielt.


Von Zufallsprodukten zu bewussten Entscheidungen


Als ich vor 30, 40 Jahren die Züchter von Spitzenpferden interviewte, kam es in sieben von zehn Fällen vor, dass der betreffende Züchter eigentlich keine Ahnung vom Sport hatte. Er hatte also ein Zufallsprodukt hervorgebracht. Das ist heute ganz anders. Züchter sind interessiert, viele von ihnen verfolgen den Sport, schauen sich ClipMyHorse und FEI.TV an und treffen bewusste Entscheidungen. Wir züchten daher alle zusammen viel mehr und viel bessere Pferde (mit denen dann wieder andere Geld verdienen). Dafür gibt es keine Anerkennung. Und das macht mich wütend.


Bericht vom 17. Juni


Der 17. Juni (wenn die die Weltvereingung der Zuchtverbände (WBFSH) das Thema Züchterprämien bei der FEI auf den Tisch bringt) wird sicherlich keinen fertigen Plan liefern. Aber das Ergebnis der Beratungen ist interessant genug, um ihm in der Öffentlichkeit Beachtung zu schenken. Der Pferdesportjournalismus interessiert sich von nun an für die Frage, wer die Züchterprämien unterstützt.


Und wer sie verhindert.


Dies ist der letzte Teil einer Serie von fünf Blogs über Züchterprämien. Kurz nach dem 17. Juni folgt noch ein Bericht über das Treffen der WBFSH mit der FEI.


Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer HorseTelex




Über diese Blogserie


Dirk Willem Rosie ist ehemaliger Chefredakteur der niederländischen Pferdemedien Paardenkrant und Horses.nl sowie Mitbegründer und CEO von HorseTelex. Er ist selbst Züchter, unter anderem des 1,60-m-Springpferdes Kyraleen von Caroline Müller und des zweifachen Bundeschampionatsfinalisten und in der Kleinen Tour erfolgreichen Hengstes Matisse GG OLD.

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