Kommunikation zwischen Pferdesport Deutschland (FN) und Deutscher Richtervereinigung (DRV)
Wie gut verstehen sich Richter und FN eigentlich (nicht nur in Sachen Bundeschampionat)?
Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de Jeden Montag macht sich Jan Tönjes im EQUI PAGES-Newsletter seine Gedanken über aktuelle Geschehnisse und kommentiert diese. Hier das Editorial vom 4. Mai 2026.
Kommunikation ist nicht immer einfach. Das sieht man in der Politik – der Kanzler weiß ein Lied davon zu singen – genauso wie in allen anderen zwischenmenschlichen Beziehungen. Und meistens kommen am Ende alle Beteiligten zu der Erkenntnis, dass es gut war, „mal drüber gesprochen zu haben“.
Soweit die Theorie.
Bei der praktischen Umsetzung kann es zu vereinzelten atmosphärischen Störungen kommen, je nachdem, wer da mit wem spricht. In Krisenzeiten oder zumindest in Momenten, in denen vielleicht nicht alles ganz rund läuft, kommt guter Kommunikation eine besonders große Bedeutung zu. Und genau dort scheint es im Pferdeland Deutschland zumindest auf turniersportlicher Ebene zwischen den Beteiligten etwas zu knirschen.
„Jungpferdegipfel“ wird zum Stein des Anstoßes
Nach der Zusammenkunft namens „Jungpferdegipfel“ – was ja etwas nach G7, schwarzen Limousinen und Weltrettung klingt – wurden Änderungen bei den Bundeschampionaten in Aussicht gestellt (hier unser Hintergrundartikel aus dem Februar). Alles soll „jungpferdegerechter“ werden. Man musste den Eindruck gewinnen, dass die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) einberufene illustre Runde mit Expertise aus Pferdezucht, Jungpferde-Bundeschampionatsreiterei und Richterei gemeinsam ein neues Konzept erarbeitet hatte, das dann 2026 umgesetzt werden soll. Als „Pilotprojekt“, was erstmal keinen Argwohn aufkommen lässt. Versuch macht klug.
Richter: „nicht LPO konform“
Dass es wohl nicht ganz so harmonisch war und mitnichten alles in trockenen Tüchern ist, hat meine Kollegin Dominique Wehrmann bemerkt. Sie hat mit Dr. Carsten Munk gesprochen, ursprünglich um zu erfahren, was er vom Wegfall des Fremdreitertests hält. Was als kurzes Telefonat gedacht war, wurde ein langes Interview. Was man wissen muss: Dr. Munk ist nicht nur jahrelanger Richter bei Bundeschampionaten, er ist auch Vorsitzender der Deutschen Richtervereinigung (DRV). Und die sieht das „Pilotprojekt“ äußerst kritisch. Die Änderungen seien einfach nicht LPO-konform. Moment? Nicht in Übereinstimmung mit der Leistungsprüfungsordnung? Dann dürfte das Turnier doch gar nicht stattfinden, denkt man. Doch – als „Pilotprojekt“…
Die DRV hat starke Bedenken gegen mehrere Entscheidungen – von Gesundheit bis Pferdewohl. Diese hat sie Anfang März der FN/Pferdesport Deutschland per Brief mitgeteilt.
Die Reaktion: keine! Anfang dieser Woche sind die FN-Jahrestagungen, dort soll vieles besprochen und abgesegnet werden. Wer den stets konziliant auftretenden Geologen Munk kennt, der weiß, dass der Mann kein Querulant ist. Aber einer, der sich der großen Verantwortung gegenüber dem Pferd seitens all derjenigen, die wöchentlich in Richterhäuschen und auf -türmen Platz nehmen und beurteilen, bewusst ist.
Wie gut funktioniert das Miteinander für das Pferd wirklich?
Unabhängig, was die Diskussion im Rahmen der Jahrestagung ergeben wird, stelle ich mir eine ganz andere Frage: Wie eng bzw. wie gut arbeiten FN und Richter zusammen? Viele der drängenden Probleme, was die gesellschaftliche Akzeptanz des Reitsports in der breiten Masse anbelangt, wurzeln in Vorkommnissen auf Turnieren. Schließlich ist dort der Sport am sichtbarsten. Da wünschte ich mir (und war ehrlich gesagt auch davon ausgegangen), dass „Gesetzgeber“ (FN) und ausführende Gewalt (Richter) im engen Austausch stehen, um schnell und richtig reagieren zu können, wenn nötig. Und um den Sport zu begleiten, Tendenzen rechtzeitig zu erkennen und schnell zu handeln. Eine kontinuierliche, kritische Auseinandersetzung mit seinem „Produkt“ ist ein maßgeblicher Baustein für den Erfolg eines Unternehmens. Der wirtschaftskompetente Vorsitzende der FN, Martin Richenhagen, weiß das aus seiner CEO-Zeit sicherlich.
Ein wochenlang unbeantworteter Brief lässt Zweifel daran aufkommen, welche Bedeutung die FN diesem Austausch mit den Richtern beimisst. Von Wertschätzung des Gegenübers gar nicht erst zu sprechen.
In diesem Sinne, beste Grüße und bis nächsten Montag!
Jan Tönjes
jan.toenjes@equi-pages.de
Dieser Text wurde erstmals am 4. Mai 2026 veröffentlicht. Immer montags kommentiert Jan Tönjes auf EQUI PAGES das Geschehen der vergangenen Woche in unserem Newsletter.
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