Züchterprämie: Wie sehen die großen Player wie Ludger Beerbaum und Paul Schockemöhle das Thema?

Züchterprämien in der Diskussion – Ludger Beerbaum: „Der Züchter wird nicht genug berücksichtigt“

Standpunkt 05.05.2026
Redaktion von Redaktion
Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer von HorseTelex Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer von HorseTelex
In einer mehrteiligen Blog-Serie setzt sich der niederländische Pferdejournalist Dirk Willem Rosie für ein Umdenken in Sachen Züchterprämie im Springsport ein. Diese Woche hat er mit großen Playern im Millionengeschäft Spitzensport gesprochen.

„Der JOC (Club der Springpferde-Besitzer) würde eine Abgabe auf das Preisgeld von Wettbewerben zur Finanzierung einer Prämie für Züchter nicht unterstützen“. So lautete die einzeilige Dämpfer-Meldung, die die Vereinigung der Springpferdebesitzer letzte Woche verkündete. Ich hielt es für eine gute Idee, diese Woche einmal bei einigen Besitzern selbst nachzufragen.


Sehen Ludger Beerbaum, Paul Schockemöhle und Eric Berkhof das auch so?


Die Kosten werden zu hoch


„Züchterprämien, ja!“, sagt Ludger Beerbaum. „Aber ich fürchte, dass nur ein Prozentsatz des 5*-Preisgeldes das Problem der rückläufigen Zuchtzahlen nicht löst. Wenn Züchter aufhören, dann nicht, weil es keine Züchterprämien gibt. Und auch nicht, weil die Leidenschaft oder das Herz fehlt. Das liegt daran, dass die Kosten in den letzten Jahren zu hoch geworden sind. Das ist was die Züchter abschreckt. Die Tierarztkosten, der gesamte Besamungsprozess, die Verwaltungskosten. Dann kommen manche Züchter an einen Punkt, an dem sie aufhören. Da sind wir alle gefordert uns zu überlegen, wie wir es besser gestalten können.“


Die Pferdewirtschaft hat ein Problem


Dass die Pferdewirtschaft ein Problem hat, sieht auch Ludger Beerbaum. „Einerseits gibt es immer mehr 5*-Turniere, manchmal sogar drei an einem Wochenende. Jeder will dort reiten, diese Turniere sind pickepackevoll. Auf der anderen Seite, da wo die Pferde der Zukunft entstehen, sieht man die gegenläufige Bewegung: In allen Ländern gehen die Zuchtzahlen zurück. Da kann man sich vorstellen, wie das irgendwann ausgeht.“


„Das müssen wir grundlegend und eingehend diskutieren“


„Noch einmal: Ich halte es für eine gute Idee, einen Prozentsatz des Preisgeldes auf 5*-Niveau für die Züchter zu reservieren. Aber wir müssen diese Problematik breiter betrachten. Denn das ist komplex. Das ist etwas, das wir mit allen Beteiligten grundlegend und eingehend diskutieren müssen. Und dann kommt man zu grundlegenden Fragen. Wie zum Beispiel: Wird der Kracher gezüchtet oder durch Ausbildung gemacht?“


Ratina und Greya


„Ich kenne Kollegen, die sagen: Die Stars werden geboren. Davon bin ich nicht so überzeugt. Wenn ich bei mir selbst bleiben darf: Ratina. Wäre Piet Raijmakers nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, wäre diese Stute niemals ein Superstar geworden. Oder, aktuell: Greya. Wenn sie nicht den Weg gegangen wäre zu Kent Farrington, der für sie wirklich der prädestinierte Reiter ist, wenn diese beider Wege sich nicht gekreuzt hätten, dann wäre dieser Riesenerfolg nicht entstanden.“


„Hidden Champions“


„Ich glaube, dass es sehr viele ‚Hidden Champions‘ gibt, die einfach keine Chance bekommen haben. Nichtdestotrotz: Wenn dann doch ein solcher Erfolg entsteht, erhalten Reiter und Besitzer ihre Investitionen zurück, während die Züchter derzeit nicht genug berücksichtigt werden.“


„Ich bin grundsätzlich dafür, dass man die Züchter partizipieren lässt. Wir müssen die Basis des Sports, die Zucht, stärken. Sonst ist die Situation nicht nachhaltig und wir haben ein Problem, das ist absolut sicher.“


Motivation und Engagement


Auch der niederländische Pferdebesitzer Eric Berkhof hat keinerlei Einwände dagegen, wenn ein Prozentsatz des Preisgeldes auf 5*-Niveau an die Züchter abgeführt würde. „Das scheint mir eine gute Sache zu sein, um den Züchtern ein Stück Motivation und Engagement zu geben“, so der Mann, der bereits vor Jahrzehnten der Arbeitgeber von Henrik Ankarcrona war. Der derzeitige schwedische Nationaltrainer war damals als Reiter bei De Margarethahoeve, dem Stall von Berkhof, unter Vertrag. Heutzutage kennt die Pferdewelt Berkhof vor allem als Arbeitgeber von Kim Emmen.


Der Handel bringt das Geld in die Kasse


„So gut die Idee auch ist, erfolgreiche Züchter zu belohnen, ich möchte doch anmerken, dass dies nur ein Aspekt der Geschichte ist“, sagt Berkhof. „Was die Leute vergessen oder vielleicht nicht wissen, ist, wie enorm viel Geld es kostet, ein Pferd auf 5*-Niveau zu bringen. Wer im Pferdesport sein Geld verdienen will, darf das wirklich nicht wegen des Preisgeldes tun; dafür sind die Kosten einfach viel zu hoch. Letztendlich ist es der Pferdehandel, der den Profis das Geld in die Kasse bringt.“


Springpferdefonds


Berkhof findet, dass mehr getan werden muss, um die Basis des Pferdesektors in die Spitze einzubeziehen. „In den Niederlanden hatten wir – leider läuft das nun bald aus – den Springpferdefonds. Das Prinzip dahinter ist sehr gut: junge, talentierte Pferde in eine Konstruktion aus Züchter, Reiter und einer Gruppe von Investoren einzubringen. Dann kann der Züchter noch zu einem Teil Eigentümer bleiben, man verteilt die Risiken und so kann man gemeinsam sportlichen und finanziellen Erfolg erleben. Das gelingt natürlich nicht mit jedem Pferd, aber der SFN hat mit dem Europa- und Weltmeister Zenith SFN und dem Grand-Prix-Sieger Aquila SFN bewiesen, dass eine solche Konstruktion funktionieren kann.“


Der weltweit erfolgreichste Züchter


Zum Schluss kommt der unbestritten erfolgreichste Züchter der Welt zu Wort: Paul Schockemöhle. Auf seinem mecklenburgischen Gestüt Lewitz kommen jährlich zwischen 700 und 1000 Fohlen zur Welt. Aber jedes Wochenende sind auch Hunderte von PS-Pferden im internationalen Sport unterwegs; Schockemöhle ist mit Abstand der Züchter mit der größten Anzahl an 5*-Pferden auf seinem Konto. „Wenn diese Idee Realität wird, was ich bezweifle, dann glaube ich, dass ich derjenige bin, der am meisten davon profitieren wird“, sagt der 81-jährige Pferdeprofessor aus Mühlen. Doch Schockemöhle ist auch Besitzer einer ganzen Reihe von Spitzenpferden. „Ein kleiner Teil des Preisgeldes auf 5*-Niveau wäre ein guter Anreiz für die Züchter. Aber ich glaube nicht, dass diejenigen, die das umsetzen müssen, sehr begeistert sein werden. Wenn es zur Regel wird und alle mitmachen, mache ich natürlich auch mit.“


Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer HorseTelex




Über diese Blogserie


Dirk Willem Rosie ist ehemaliger Chefredakteur der niederländischen Pferdemedien Paardenkrant und Horses.nl sowie Mitbegründer und CEO von HorseTelex. Er ist selbst Züchter, unter anderem des 1,60-m-Springpferdes Kyraleen von Caroline Müller und des zweifachen Bundeschampionatsfinalisten und in der Kleinen Tour erfolgreichen Hengstes Matisse GG OLD.

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