Die Finalisten für den Nürnberger Burg-Pokal 2026 in der Frankfurter Festhalle
Frühere Sieger, 2026er Finalisten – der Nürnberger Burg-Pokal wirft seine Schatten voraus
Wer wird Nachfolger von Charlott Maria Schürmann und Life Time, die 2025 die Frankfurter Festhalle rockten?
Foto: sportfotos-lafrentz.de Nürnberger Burg-Pokal
1992 wurde der erste Nürnberger Burg-Pokal ausgetragen, bei dem Deutschlands beste sieben- bis neunjährige Dressurpferde auf Prix St. Georges-Niveau in einer einst von Dr. Reiner Klimke konzipierten Sonderaufgabe an den Start gehen. Die Erfolgsbilanz dieser Serie oder vielmehr der Pferde, die sie durchlaufen haben, ist beeindruckend. Fast alle wurden Grand Prix-Pferde, viele gingen Championate, einige gewannen Medaillen. Eine Übersicht:
Vergangene Sieger und was aus ihnen wurde
1992: Nicole Uphoff mit Sir Lennox – der Hannoveraner Shogun xx-Sohn sollte Nachfolger für den Vierfach-Olympiasieger Rembrandt werden. Dafür hat es nicht ganz gereicht, aber er hatte zahlreiche Erfolge bis Grand Prix.
1993: Klaus Balkenhol mit Ehrengold – der rheinische Ehrensold-Sohn war im Jahr nach seinem Burg-Pokal Sieg Grand Prix Special siegreich.
1994: Rubinstein mit Martina Hannöver – Hannöver ritt den westfälischen Rosenkavalier-Sohn, der eng verwandt mit Rembrandt war, noch selbst Grand Prix, ehe er erst zu Heike Kemmer und dann zu Nicole Uphoff wechselte. Rubinstein machte zu einer Zeit Karriere im Viereck, als Hengste im Sport noch nicht Usus waren und baute nebenbei eine eigene Hengstlinie auf, die inzwischen allerdings praktisch erloschen ist.
1995: Aurelius FRH mit Isabell Werth – Werths erster Burg-Pokal Sieger ging ebenfalls Grand Prix, aber kein Championat. Dafür hatte Werth talentiertere Pferde im Stall. Madeleine Winter-Schulze stellte Aurelius noch selbst in der kleinen Tour vor, kurzfristig ging er auch unter Karin Rehbein, ehe er bei Ina Saalbach-Müller ein Zuhause fand, die ihn mehrere Jahre lang mit Seriensiegen in Prix St. Georges und Intermédiaire I präsentierte.
1996: Giorgio mit Isabell Werth – Mit dem Hannoveraner Graf Lehndorff-Sohn hatte Isabell Werth später Platzierungen in Weltcup-Prüfungen.
1997: Chacomo mit Alexandra Simons-de Ridder – der beeindruckende Holsteiner Calypso I-Sohn war das erste Pferd, das über den Burg-Pokal in eine deutsche Championatsmannschaft gelangte. Unter anderem gehörte das Paar bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney zur deutschen Goldmannschaft.
1998: Relevant mit Nicole Uphoff – Rubinstein schickt seinen Sohn, der nicht mit Nicole Uphoff, aber mit der Amerikanerin Lisa Wilcox zu Weltruhm gelangte und unter anderem Olympiabronze mit der Mannschaft bei den Spielen 2004 in Athen gewann.
1999: Cockney mit Nadine Capellmann – Nadine Capellmann bildete den Holsteiner Caretino-Sohn, mit dem sie auch das Bundeschampionat der sechsjährigen Dressurpferde gewann, bis Grand Prix aus und stellte ihn erfolgreich vor. Später wurde er an die Familie Bolz verkauft und hatte mit Sonja Bolz noch einige Erfolge.
2000: Miss Holstein mit Karin Rehbein – noch eine Holsteiner Stute mit Dressurtalent, diesmal abstammend v. Romino. Karin Rehbein stellte sie später bis Grand Prix vor, ehe Miss Holstein zu Dieter Laugks wechselte, mit dem sie ebenfalls noch einige Grand Prix-Prüfungen ging.
2001: Bonaparte mit Heike Kemmer – sie waren jahrelang eine Bank für die deutsche Nationalmannschaft und eines der elegantesten Paare überhaupt dieser Zeit. Zweimal, 2004 und 2008 gewannen sie olympisches Mannschaftsgold, 2008 zudem Bronze in der Kür. 2003 und 2005 holten sie EM-Gold mit dem Team, 2006 wurde es WM-Gold in Aachen.
2002: Wahajama mit Ann-Kathrin Linsenhoff – auch diese wunderschöne Warkant-Tochter hatte später Erfolge bis Grand Prix mit Ann-Kathrin Linsenhoff im Sattel.
2003: Karin Rehbein mit Cherie – auch Cherie hatte Erfolge bis Grand Prix. Später wechselte sie in den Stall von Madeleine Winter-Schulze und wurde deren persönliches Reitpferd. Außerdem hat sie 2014 ein Fohlen v. Danciano bekommen, das allerdings ohne nennenswerte Erfolge blieb.
2004: Elvis mit Nadine Capellmann – das Paar, das einen bis heute unerreichten Ergebnisrekord von 81,17 Prozent im Finale verbuchte. Auch sie sammelten später olympisches Gold für Deutschland geholt, nämlich ebenfalls 2008 in Hongkong. Davor waren sie 2006 Mannschaftsweltmeister und 2007 EM-Silbergewinner mit dem Team.
2005: Whisper mit Monica Theodorescu – das letzte große Erfolgspferd der heutigen Bundestrainerin mit zahlreichen internationalen Grand Prix-Erfolgen. Die beiden waren Reservisten für die Olympischen Spiele 2012 in London. Danach wurde Theodorescu Cheftrainerin der deutschen Dressurreiter und ritt ihren Whisper nur noch für sich.
2006: Comic Hilltop mit Carola Koppelmann – der wunderschöne Schimmel ging ebenfalls Grand Prix, allerdings nur wenige Male. Er war auch als Deckhengst im Einsatz, zeugte mit Chardonnay immerhin einen Grand Prix-erfolgreichen gekörten Hengst.
2007: Augustin mit Victoria Max-Theurer – der selbst gezogene Oldenburger war das erfolgreichste Pferd in der Karriere der Österreicherin. Mit ihm nahm sie an drei Europameisterschaften sowie den Weltmeisterschaften 2014 und den Olympischen Spielen 2012 teil.
2008: El Santo mit Isabell Werth – Ernie ging Grand Prix und gehörte mit Werth zum deutschen Team bei den Europameisterschaften 2011 in Rotterdam, wo es Silber für die Mannschaft wurde. Außerdem nahmen die beiden an drei Weltcup-Finals teil.
2009: Blind Date mit Brigitte Wittig – Blind Date, besser bekannt als „Beate“, ging später mit Victoria Max-Theurer im internationalen Sport. Unter anderem nahmen sie an den Europameisterschaften 2015 und 2017 teil.
2010: Rassolini mit Kathrin Meyer zu Strohen – noch ein Rubinstein-Nachfahre (über Rubioso N) an der Spitze der Serie. Rassolini wurde später in die USA verkauft, wo er mit Jan Ebeling Grand Prix ging, ehe er Lehrpferd für den aktuellen Weltcup-Zweiten Christian Simonson wurde.
2011: Desperado OLD mit Carola Koppelmann – auch Desperado OLD wurde ein Grand Prix-Pferd, begleitete Koppelmann u.a. zu den Deutschen Meisterschaften 2013 in Balve, wo sie allerdings weit weg von den Medaillenrängen auf Platz 15 landeten.
2012: Burlington mit Charlott-Maria Schürmann – mit ihren 19 Jahren war Charlott-Maria Schürmann damals die jüngste Siegerin der Serie und das auf einem selbst ausgebildeten Pferd, mit dem sie später die ersten Grand Prix-Erfolge sammelte. Vor dem Burg-Pokal Finale hatten die beiden in der gleichen Saison Mannschaftsgold und Einzelsilber bei der Junge Reiter-EM in Bern geholt.
2013: Weihegold mit Beatrice Buchwald – das Pferd, das von allen die größte Karriere machte, unter dem Sattel und in der Zucht. Die unvergleichliche Lebensleistung der Oldenburger Stute, die schon ihre Stutenschau aufgrund ihrer überragenden Reiteigenschaften als Siegerin verließ, können Sie hier nachlesen.
2014: Samba King mit Matthias Alexander Rath – der dänische Sohn des Sandro King wurde von Matthias Alexander Rath nach seinem Sieg noch bis Intermédiaire II auf Turnieren vorgestellt. Später ging er ins thailändische Königshaus, um Prinzessin Sirivannavari Nariratana Rajakanya Mahidol das Dressureinmaleins beizubringen. Sie stellte den Wallach 2023 in der kleinen Tour vor.
2015: Santiago mit Dorothee Schneider – der erste von drei Siegern bei 20 Finals, die Dorothee Schneider geritten ist. Dorothee Schneider selbst bildete ihn bis Klasse S*** aus. 2018 stellte Simone Pearce den Stedinger-Sohn in der Zeit, als sie noch für Helgstrand arbeitete, in Dänemark bei zwei Turnieren vor. Danach hörte man lange nichts von dem Wallach, bis er 2024 wieder in Deutschland auftauchte und in Klasse M mit einer Amateurin ging.
2016: Vitalis mit Isabel Freese – der KWPN-Hengst ist wohl der einzige Sieger, der nach dem Nürnberger Burg-Pokal nicht wenigstens eine S*** Prüfung bestritten hat. Er hatte wichtigeres zu tun, nämlich einer der begehrtesten Dressurpferdevererber der Welt zu werden. Mit 79,220 Prozent kratzte er damals am Elvis-Rekord.
2017: Flamboyant mit Isabell Werth – nein, noch ein Sieger, der nie Grand Prix ging. Der Oldenburger Fidertanz-Sohn wurde nach dem Burg-Pokal Erfolg an die Familie Pistner verkauft und wurde unter Tochter Valentina zu einer sicheren Bank bei sämtlichen Nachwuchs-Europameisterschaften. Fünfmal waren sie dabei, dreimal holten sie Gold mit der Mannschaft, zweimal Silber. Hinzu kommen einmal Kür-Gold, fünf Silber- und zwei Bronzemedaillen in der Einzelwertung.
2018: First Romance und Dorothee Schneider – kein Championats-, aber ein sehr erfolgreiches Grand Pfix-Pferd ist Dorothee Schneiders Württemberger Wallach v. First Romancier geworden, wie eh und je von der Chefin selbst geritten.
2019: Total Hope und Isabel Freese – dass die Nachkommen eines Hengstes in der gleichen Serie wie ihr Vater reüssieren, ist nicht besonders ungewöhnlich. Dass aber eine Stute sich so durchschlagend vererbt wie Weihegold, ist sehr sehr selten. Total Hope war ihr erster großer Wurf, ein Sohn des Totilas, den auch jeder Nicht-Reiter kennt, und das Pferd, das Isabel Freese, den Traum vom Olympiastart 2024 in Paris ermöglicht hat. Dort erreichten die beiden ebenso das Finale wie bei den Weltmeisterschaften 2026 und den Europameisterschaften 2023 und 2025. Außerdem waren sie bei den Weltmeisterschaften 2022 dabei und wurden beim Weltcup-Finale 2025 Dritte.
2020: Destacado mit Matthias Alexander Rath – der selbst ausgebildete Destacado ging mit Matthias Alexander Rath auch Grand Prix, wurde in den Bundeskader aufgenommen und holte u.a. 2025 DM-Silber in der Kür. Zum Jahreswechsel verkaufte Rath den Desperados-Sohn allerdings an die Nachwuchsreiterin Ava Osing. Die beiden waren für die Junioren-EM 2026 nominiert, konnten aber nicht antreten, laut FN wegen gesundheitlicher Probleme der Reiterin.
2021: Straight Horse Ascenzione und Helen Langehanenberg – mit der Sezuan-Vollschwester war Helen Langehanenberg dieses Jahr mehrfach national wie international auf Grand Prix-Niveau am Start.
2022: Briatore mit Andrina Suter – die beiden wurden unter anderem 2024 Schweizer Meister auf Intermédiaire II-Niveau.
2023: Skovens Tzarina mit Isabell Werth – Isabell Werth stellte die dänische Zack-Tochter für deren Besitzerin vor, ihre Schülerin Victoria Max-Theurer. 2025 präsentierte Werth sie noch einige Male siegreich in der kleinen Tour, 2026 ging Tzarina bislang kein Turnier.
2024: Barcelo und Dorothee – Burg-Pokal Sieger Nummer drei für Schneider, der sich dieses Jahr souverän für das Finale im Louisdor-Preis qualifizierte und hier zum Favoritenkreis zählt.
2025: Life Time mit Charlott-Maria Schürmann – Schürmanns zweiter selbst ausgebildeter Fuchshengst, der auf ganzer Linie überzeugte in Frankfurt. Dieses Jahr haben die beiden ihre ersten S*** Starts absolviert.
Und 2026? Chancen haben diese Paare
Horses & Dreams Hagen a.T.W., 22.04. – 26.04.2026
Patrik Kittel J’Adore Dior H (75,512%)
Frederic Wandres Fänomen de Malleret (74,463%)
Pferd International München-Riem, 14.05. – 17.05.2026
Sabina Schrödter Feine Bella NRW (74,732%)
Nicole Grosch Visser’s Hit Valeria VEC OLD (74,049%)
Longines Balve Optimum / Deutsche Meisterschaften, 04.06. – 07.06.2026
Bianca Nowag-Aulenbrock Sky (74,463%)
Görlitzer Summerweeks Rosenhof Görlitz, 16.07. – 19.07.2026
Dorothee Schneider Valerie (74,293%)
Elmloher Reitertage, 30.07. – 02.08.2026
Bernadette Brune San to Alati FRH (74,415%)
Schäftlarn / Fichtenhof Classic, 04.09. – 06.09.2026
Sina Aringer Dalma Sia Bellante (76,000%)
Raphael Netz Glamourdoc (74,683%)
Darmstadt-Kranichstein, 17.09. – 20.09.2026
Charlotta Rogerson Nice Touch W (76,537%)
Guxhagen-Dörnhagen, 08.10. – 11.10.2026
Rose Oatley Ferdades (74,707%)
Rose Oatley Debutant PS (74,463%)
Den Vorergebnissen nach hätten also Charlotta Rogerson und ihre KWPN-Stute Nice Touch W die besten Chancen im Finale 2026. Aber die Erfahrung hat gelehrt, dass in Frankfurt die Karten neu gemischt werden. Schon wegen der Atmosphäre in der Festhalle.
Bemerkenswert auch der Erfolg von Rose Oatley, die neben ihren beiden Finalisten in Darmstadt mit dem hoch talentierten Opoque gleich noch ein drittes Pferd in die Schleifenränge ritt, allerdings ohne Platzierung. Aber was für eine Saison für die 19-Jährige, die außerdem U25-Europameisterin wurde und in vor wenigen Wochen bei ihrem ersten CDI in Herning ihren ersten Grand Prix Special gewann - das alles dank ihrer erfahrenen Alive and Kicking, die sie von Charlotte Dujardin übernommen hat.
