Die Geschichte der WM-Silbermedaillengewinner, Thibeau Spits und Impressionen-K van't Kattenheye

Thibeau Spits und Impress-K van’t Kattenheye – eine Liebesgeschichte

Feature 24.08.2026
Sprung in die Geschichtsbücher: Thibeau Spits und Impress-K van't Kattenheye auf dem Weg zur Silbermedaille Nummer zwei bei der WM in Aachen.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Sprung in die Geschichtsbücher: Thibeau Spits und Impress-K van't Kattenheye auf dem Weg zur Silbermedaille Nummer zwei bei der WM in Aachen. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Mit zwei Silbermedaillen dekoriert kehrte das jüngste Mitglied der belgischen Springmannschaft von der WM in Aachen heim: Thibeau Spits, 25. Der eine oder andere mag denken, das habe er hauptsächlich seinem Hengst Impress-K van’t Kattenheye zu verdanken und Thibeau würde das sofort bejahen. Aber derjenige, der aus dem Rohjuwel einen Hochkaräter gemacht hat, war Thibeau selbst.

Als Impress-K van’t Kattenheye 2017 ins Leben der Familie Spits trat, war Thibeau 16 und der Hengst zwei Jahre alt. Thibeau Spits‘ Vater Patrik, selbst Springreiter bis Fünf-Sterne-Niveau, entdeckte Impress zweijährig. Sein Freund Niels Bruynseels veranstaltete eine Auktion. Spits verband die Musterung der Pferde mit einem Ausflug auf seiner Harley Davidson. Die Ställe Spits und Bruynseels liegen unweit voneinander entfernt in der Nähe von Mechelen. Bis Spits wieder wegfahren wollte, hatte er gar nicht bemerkt, dass auf der Weide neben dem Parkplatz noch ein Pferd stand. Wer schon mal eine Harley Davidson neben sich hat aufröhren hören, weiß: Das geht durch Mark und Bein. Als Spits den Motor anließ, explodierte das Pferd auf der Weide und machte einen solchen Satz, dass Spits sofort wusste: den oder keinen. Das war Impress-K van’t Kattenheye.


Ein bisschen Verhandlungsgeschick war schon nötig, Impress-K van’t Kattenheye schon zweijährig erwerben zu können. Aber Spits ließ nicht locker und so kam der Hengst auf den Hof der Familie, wo in der dritten Generation Pferde gezüchtet und ausgebildet werden. Thibeau hat noch drei Geschwister, die auch alle reiten. „Wir sind da reingewachsen“, sagt er. Und wer seinen Großvater Jos Ceulemans schon mal während einer wichtigen Entscheidung beobachtet hat, weiß: Diese Familie lebt Pferd, und das 24/7. In dem Jahr, in dem Thibeau die Schule abschloss, wurde er Profi und Impress-K eines seiner ersten Projekte, quasi sein Gesellenstück.


Einer der erfolgreichsten Nachwuchsreiter des Landes


Thibeau war bereits zu diesem Zeitpunkt kein Unbekannter mehr in Belgien. Er gehörte mit diversen Pferden zu den Stammreitern der EM-Teams von den Children bis hin zu den Jungen Reitern. Bei seiner ersten Europameisterschaft 2015 in Wiener Neustadt ging er in Sachen Edelmetall noch leer aus. Die Mannschaftsgoldmedaille der Children holte damals Deutschland. Im Team Germany ritten Britt Roth und Hannes Ahlmann, die am vergangenen Wochenende parallel zu Thibeaus Weltmeisterschaftserfolg die Plätze eins und zwei in Deutschlands U25 Springpokal belegten. Schon diese Tatsache ordnet Thibeaus Erfolg ein – und die Bedeutung des passenden Pferdes für die Karriere eines talentierten Reiters.


In seiner Zeit als Nachwuchsreiter gewann Thibeau Spits vier Goldmedaillen, drei mit der Mannschaft, eine in der Einzelwertung. Im Sattel der Casall-Tochter Classic Touch DH schloss er seine Junge Reiter-Zeit mit Doppelgold ab.


Die ganze Zeit ritt er auch immer junge Pferde, nicht nur Impress-K, auch andere. Bei der Weltmeisterschaft der jungen Springpferde 2021 hatte er gleich drei vierbeinige Talente dabei, für jede Altersklasse eines, und alle drei brachte er ins Finale. Impress war damals sechsjährig und war als Siebter der Bestplatzierte von Thibeaus Youngstern in jenem Jahr. Jeder, der schon einmal in Lanaken dabei war, weiß, wie groß die Konkurrenz dort ist und was ein siebter Platz hier wert ist. Es ist eine wirkliche Selektionsveranstaltung, bei der schon Karrieren wie die einer Gazelle (Kent Farrington) oder eines Clooney (Martin Fuchs) begonnen haben.


Der Durchbruch


In den kommenden Jahren führte Thibeau Impress an den Spitzensport heran. Thibeau Spits sagt, was Impress auszeichne, sei nicht nur sein unglaubliches Vermögen. „Er ist superintelligent. Man muss ihm nie etwas mehrfach zeigen, er versteht sofort und dann kann er es. Und er ist der liebste und freundlichste Hengst, den man sich vorstellen kann.“ Eigenschaften, die ihm neben seinem Vermögen auch im Sport zugute kamen.


Der mächtige Rappe war selten ganz vorne platziert in internationalen Youngster-Springen. Aber die Fehler, die er machte, konnte man an einer Hand abzählen. Achtjährig verbuchten die beiden die ersten hohen Platzierungen in Großen Preisen über 1,40 und 1,45 Meter. Ein Jahr später bestritten sie ihre ersten 1,50 Meter-Springen, feierten in Gent ihren ersten Sieg in einem Großen Preis, wurden ins Global Champions League Team der Prague Lions berufen und spürten einen Hauch der großen weiten Welt des Springsports. Dabei hatte Thibeau Unterstützung von Niels Bruynseels, seinen Trainer und Mentor. Tatsächlich sieht man Bruynseels’ Einfluss an Thibeaus Reitstil, der selbst bei einem Kraftpaket wie Impress fein und leicht ist.


Das andere Pferd, das Thibeau damals für diese Tour zur Verfügung stand, war übrigens der zwölfjährige Zangersheider Hengst Calvino II de Muze, den er für den Züchter Danny Nijs vorstellte. Calvino II wurde später an das Team der Iron Dames verkauft und von Janne Friederike Meyer-Zimmermann geritten (inzwischen von Angelica Augustsson Zanotelli). Aber Impress blieb.


Der gemeinsame Weg von Thibeau und Impress ist gepflastert mit Meilensteinen. Ihren ersten ganz großen Triumph feierten sie bei der Global Champions Tour Etappe 2024 in Riesenbeck: Sie gewannen den Großen Preis – vor Marcus Ehning und Coolio, vor ihrem Landsmann Abdel Said und Bonne Amie, vor Sophie Hinners und Singclair, die alle mit ihnen im Stechen waren. Kurz darauf waren sie in Dublin erstmals Teil eines CSIO5* Nationenpreisteams.


Die Saison 2025 brach an. Bei drei Nationenpreis- bzw. League of Nations-Einsätzen hatte das Paar einen einzigen Abwurf und empfahl sich damit nachdrücklich für das EM Team in La Coruña. Es war Thibeaus erste Europameisterschaft bei den Senioren. Sie endete mit Mannschaftsgold. Alles, was die beiden sich in Spanien zuschulden kommen ließen, waren zwei Zeitfehler.


Thibeau hatte bewiesen, dass er nicht nur reiten kann, sondern auch in der Lage ist, ein Pferd systematisch für ein Championat aufzubauen und unter Druck abzuliefern. Das war es auch, was er in Aachen gezeigt hat. Obwohl – oder gerade weil – das Turnier mit einer herben Enttäuschung begann.


Die Wende bei der WM


Im ersten Umlauf des Nationenpreises hatten Thibeau und Impress einen Abwurf. „Da war ich ziemlich am Boden zerstört. Ich hatte das Gefühl, ich hatte nur wegen eines völlig überflüssigen Fehlers alles verloren, was ich mir erträumt hatte.“ Doch Thibeau tat das, was Menschen mit Siegermentalität auszeichnet. Er ließ sich nicht unterkriegen, sondern entwickelte eine Strategie. „Danach habe ich umgedacht. Ich habe mir gesagt, ich muss ihm und seinem Talent vertrauen.“


Das Ergebnis war schon am Tag danach zu erkennen, dem Entscheidungstag in der Mannschaftsweltmeisterschaft, Nationenpreisrunde Teil II. Ludger Beerbaum sagte, der Parcours sei um ca. 40 Prozent schwieriger, als der erste Umlauf. Kein Problem für Impress. Er flog nur so durch darüber. Fehlerfrei. Damit trugen Thibeau und Impress zusammen mit Abdel Said und Quaker Brimbelles den Löwenanteil zum Mannschaftssilber der Belgier bei.


Ein Traum wird wahr


Als um 14.30 Uhr am Sonntag das Einzelfinale der Springreiter begann, standen Thibeau Spits und Impress-K van’t Kattenheye auf Platz 15 des Rankings mit 5,16 Strafpunkten. Doch ein Paar nach dem andren patzte, während sie das taten, was Impress am besten kann: abliefern. Fehlerfrei im ersten Umlauf, fehlerfrei im zweiten Umlauf. Das bedeutete Silber für Thibeau bei seiner ersten Weltmeisterschaft, Impress-K van’t Kattenheye sei Dank.


Man kann gar nicht oft genug sagen, was es für eine Meisterleistung von Parcourschef Frank Rothenberger war, dass am Ende nur die drei Medaillengewinner mit weißer Weste aus dem Finale gekommen waren. Und dass der Titel an das einzige Paar ging, das während der gesamten WM keinen Abwurf hatte, nämlich Steve Guerdat und Dynamix de Belheme aus der Schweiz.


Da stand Thibeau dann auf dem WM Treppchen in Aachen, dem Wimbledon des Reitsports, und neben ihm jener Mann, Steve Guerdat, den er vor einigen Jahren im FEI Interview als sein großes Idol bezeichnet hat. Und das mit gerade mal 25 Jahren. „Meine Karriere hat doch gerade erst angefangen und es kann nicht viel besser werden, als das hier. Ich habe nie gewagt, davon auch nur zu träumen“, staunte er auch noch eine Stunde nach der Siegerehrung über all das, was an diesem Tag passiert war.


Wahrscheinlich war es genau diese Unbeschwertheit, die genau die richtige Taktik war. „Nach der Teammedaille am Freitag fiel schon eine Menge Druck ab. Danach habe ich mir gesagt: Versuch es einfach und genieße es.“


Patrik Spits – wenn deine Zufallsentdeckung von vor neun Jahren und dein Sohn auf dem Weg in die zweite Finalrunden der Weltmeisterschaften von Aachen sind … Foto: sportfotos-lafrentz.de/Houou Tomita Patrik Spits – wenn deine Zufallsentdeckung von vor neun Jahren und dein Sohn auf dem Weg in die zweite Finalrunden der Weltmeisterschaften von Aachen sind … Foto: sportfotos-lafrentz.de/Houou Tomita
Anreiten … Foto: sportfotos-lafrentz.de Anreiten … Foto: sportfotos-lafrentz.de
… abliefern … Foto: sportfotos-lafrentz.de/Dirk Caremans … abliefern … Foto: sportfotos-lafrentz.de/Dirk Caremans
… freuen. Der Moment, wenn du gerade die zweite Nullrunde im WM Finale gedreht hast. Foto: sportfotos-lafrentz.de … freuen. Der Moment, wenn du gerade die zweite Nullrunde im WM Finale gedreht hast. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Team – einer der ersten Gratulanten war Niels Bruynseels. Foto: www.sportfotos-lafrentz.de/Houou Tomita Team – einer der ersten Gratulanten war Niels Bruynseels. Foto: www.sportfotos-lafrentz.de/Houou Tomita
Warm-Up bei den Europameisterschaften in La Coruña 2025, dem ersten Championat für Impress und für Thibeau Spits. Foto: sportfotos-lafrentz.de Warm-Up bei den Europameisterschaften in La Coruña 2025, dem ersten Championat für Impress und für Thibeau Spits. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Der größte Fan: Opa Jos Ceulemans. Foto: www.sportfotos-lafrentz.de Der größte Fan: Opa Jos Ceulemans. Foto: www.sportfotos-lafrentz.de
Danke, Impress. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Dirk Caremans Danke, Impress. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Dirk Caremans

LA ruft


Impress-K van’t Kattenheye gehört nach wie vor der Familie Spits und alle Verkaufsangebote wurden bislang in den Wind geschlagen. Spricht man mit Insidern der belgischen Springsport- und Zuchtszene wie Edith de Reys vom Gestüt van de Helle wird deutlich, dass Impress nicht nur für Thibeaus weitere Karriere eine elemantare Rolle spielt: „Ich glaube, Impress ist ein sehr wichtiges Pferd für das belgische Team, denn er hat alles drin, ist vorsichtig. Das ist sehr wichtig für Mannschaften.“ Aber sie sieht nicht nur das Pferd. „Hinzu kommt, dass Thibeau ein super Reiter ist. Er hat schon als junger Reiter alles gewonnen. Diese Talente brauchen nur das richtige Pferd, das dann ein Niveau höher springen kann.“ Das hat Thibeau in Impress-K zu 100 Prozent gefunden.


Ein anderes Beispiel für ein solches Paar sind Gilles Tomas und Ermitage Kalone. Doch der konnte bei der WM nicht an den Start gehen. „Daran hat man gesehen, wie schnell etwas passieren kann. Darum braucht man mehrere Paare, die auf diesem Niveau antreten können“, sagt die erfolgreiche Züchterin, deren Stute Camilla van de Helle bei der EM 2025 mit Kevin Jochems für die Niederlande am Start war. Edith de Reys sieht Thibeau Spits und Impress-K van’t Kattenheye in einer Liga mit Gilles Tomas und Superstar Ermitage Kalone. „Wenn wir für LA 2028 ein gutes Team haben wollen, müssen wir zusehen, dass die beiden zusammenbleiben.“


Züchterisches


Das deckt sich – wenig verwunderlich – mit den Wünschen von Thibeau Spits. Der hofft, dass Impress‘ sportlichen Erfolge mehr Züchter anlocken, denn dann wäre es einfacher, die Kaufangebote für den Hengst auszuschlagen. Bislang wurde Impress-K von den Züchtern nur sehr begrenzt eingesetzt. Die ältesten Nachkommen kamen 2021 zur Welt, wachsen also gerade erst in den Sport hinein. Dabei spricht neben seiner Erfolgsbilanz auch der züchterische Background für den Rappen als Vererber.


Hinter dem Namenszusatz „van’t Kattenheye“ verbirgt sich die kleine, aber feine Zucht von Annemarie Ramann-Strobbe und Tony Ramann, die auch zugegen waren, als ihr Fohlen am vergangenen Wochenende zwei WM-Silbermedaillen gewann.


Die Mutter, Julia vd Donkhoeve v. Vagabond de la Pomme-Vancouver d’Auvray-Robin II Z, geht letztlich auf den blutgeprägten BWP Prestatiestam 61 zurück. Aus dieser Familie ging unter anderem auch das US-Olympiapferd Don Juan vd Donkhoeve hervor, der 2021 in Tokio mit Jessica Springsteen im Sattel Mannschaftssilber gewann.


Bei der Anpaarung der damals erst fünfjährigen Julia entschieden sich Annemarie Ramann-Strobbe und Tony Ramann für einen Hengst aus der eigenen Zucht: Indoktro K van’t Kattenheye, über den Holsteiner Indoctro ein Capitol-Enkel mit einer Kannan-Baloubet du Rouet-Grandeur Mutter. Abgesehen davon, dass Intro-K selbst bis 1,50 Meter im Sport erfolgreich war, hat er in seiner Verwandtschaft auch 1,60-Pferde und gekörte Hengste.


Ergo, auf der Vater- und auf der Mutterseite finden sich bei Impress-K durchgezüchtete Stämme mit soliden Erfolgen – doch es sind nicht die ganz prominenten Namen belgischer Zucht. Aus Sicht von Edith de Reys ist das eine wichtige Botschaft. „Impress-K kommt aus einem guten Stamm, aber hat nicht den berühmtesten Vater und die berühmteste Mutter. Das sollte auch andere Züchter ermutigen, weiterzumachen. Natürlich, mit schlechten Pferden braucht man nicht zu züchten. Aber es müssen nicht immer die Nummer eins und die Nummer eins sein, die ein gutes Fohlen hervorbringen.“


Fragt man Thibeau, ist aus der Anpaarung der ZG Ramann/Strobbe nicht nur ein gutes Fohlen hervorgegangen, sondern das Beste. „Impress hat mein Leben verändert.“ Ob er den Hengst liebt? „Ohne jeden Zweifel!“


WP Wehrmann Publishing