Ausblick auf die Dressur bei den Deutschen Meisterschaften in Balve

Monica Theodorescu zur WM-Auswahl: „Alle müssen erst einmal reiten“

Dressur
Vom 3. bis 7. Juni werden in Balve die Deutschen Meister getauft … Foto: Thomas Hellmann Vom 3. bis 7. Juni werden in Balve die Deutschen Meister getauft … Foto: Thomas Hellmann
In vier Wochen werden in Balve die Deutschen Meister gekürt. Für die Dressurreiter ist die DM verpflichtende WM-Sichtung. Ein Ausblick und ein Interview.

In Balve geht es um Titel, Schärpen und Medaillen – und um einen Platz im WM-Kader. Für die Dressurreiter sind die Deutschen Meisterschaften im Rahmen des Balve Optimum traditionell erste offizielle Sichtung auf dem Weg zum Championat. Das sind in diesem Jahr bekanntlich die Weltmeisterschaften in Aachen. Eine WM im eigenen Land – das ist ein Extra, bei dem alle dabei sein wollen.


Die Teilnehmer in Balve


Fest steht schon jetzt, dass die EM-Goldmannschaft von 2025 in Balve am Start ist: Isabell Werth, Frederic Wandres, Katharina Hemmer und Ingrid Klimke. Sie werden teilweise zwei Pferde reiten, kündigt Bundestrainerin Monica Theodorescu an. Das könnte beispielsweise auf die erste direkte Begegnung von Olympiastute Wendy und Nachwuchsstar Viva Gold OLD aus dem Stall Werth hinauslaufen.


Aus dem Perspektivkader werden Semmieke Rothenberger und Raphael Netz erwartet. Und Theodorescu verspricht weiter: „Ergänzt wird das Feld durch Reiter-Pferd-Paare, die beim Finale des Louisdor-Preises erfolgreich waren. Außerdem wird es definitiv auch einige Überraschungen geben.“ Jessica von Bredow-Werndl/Kismet? Benjamin Werndl/Quick Decision? Das Aubenhausener Geschwister-Duo hat auf jeden Fall seinen Start bei der Pferd International in München vom 14. bis 17. Mai angekündigt. Dann könnte man sich auch die Shooting Stars aus Fontainebleau in Balve vorstellen, Evelyn Eger und Global Power.


Monica Theodorescu ist jedenfalls überzeugt: „Es wird unglaublich spannend!“


Die DM beginnt am Donnerstag, 4. Juni, mit dem Grand Prix. Der Special steht für Samstag, die Kür für Sonntag auf dem Programm.


Moritz Treffinger – einer, der es geschafft hat


Nicht nur für die etablierten Größen, auch für die nächste Generation ist Balve ein wichtiger Standort. Hier finden nämlich auch die Deutschen Meisterschaften der U25-Reiter statt. Einer, der weiß, wie es sich anfühlt, hier auf dem obersten Treppchen zu stehen, ist Moritz Treffinger. Nach zwei DM-Titeln ging es für ihn direkt weiter zur U25-Europameisterschaft, wo er sich den Sieg in der Kür schnappte. Das alles wurde nur noch getoppt von seiner Hallensaison, die mit der Teilnahme am Weltcup-Finale gipfelte. Wie es dazu kam bzw. erst einmal wie er es geschafft hat, Bereiter auf dem Gestüt Bonhomme zu werden, das ihm seine vierbeinigen Partner zur Verfügung stellt, hat er bei der Homestory mit EQUI PAGES verraten. Im Gespräch mit den Kollegen aus Balve plaudert er über seine Weltcup-Erlebnisse und mehr.


Interview


Moritz, deine Saison war bislang außergewöhnlich – spätestens mit deinem Auftritt beim Weltcup-Finale bist du endgültig in der Weltspitze angekommen. Wann hast duselbst gespürt: „Jetzt kann ich hier wirklich mithalten“?

So richtig gespürt habe ich das bei der Weltcup-Station in Amsterdam. Das Starterfeld dort war unglaublich hochklassig und renommiert – und dann in der Kür über 78 Prozent zu reiten, das war schon ein besonderer Moment. Da habe ich gemerkt: Ich kann hier wirklich mittendrin sein.

Amsterdam war gleichzeitig auch die erste Weltcup-Station mit Fiderdance. Vorher war ich mit Cadeau Noir in Herning, Stuttgart und London unterwegs. Eigentlich war Cadeau auch für Amsterdam vorgesehen, konnte aber wegen der Quarantäne an der Deckstation nicht starten. Deshalb ist Fiderdance kurzfristig eingesprungen – und das hat fantastisch funktioniert. Am Ende waren tatsächlich beide Pferde für das Weltcup-Finale qualifiziert. Das war natürlich ein absolutes Luxusproblem. Wir haben uns dann für Fiderdance entschieden, weil er einfach der erfahrenere Routinier ist, flugerfahren war und die Klimaumstellung schon kannte. Mit Cadeau Noir war die Europameisterschaft mein absolutes Highlight, mit Fiderdance dann das Weltcup-Finale. Dass ich mit gerade einmal 22 Jahren als Chefbereiter zwei solche Pferde reiten darf, ist alles andere als selbstverständlich. Dafür bin ich extrem dankbar – das ist ein echtes Privileg.


Du hast in Fort Worth nicht nur sportlich überzeugt, sondern auch sehr emotionale Momente im Interview gezeigt. Was ging dir in diesem Augenblick durch den Kopf?

Das war einfach pure Dankbarkeit, die in dem Moment aus mir herausgesprudelt ist. Dort habe ich eigentlich zum ersten Mal wirklich realisiert, wo wir gerade stehen und was wir erreicht haben. Vorher war ich die ganze Zeit wie in einem Tunnel – Vorbereitung, Training, Organisation. In diesem Augenblick beim Interview fiel dann plötzlich alles ab von mir. Ich war einfach unglaublich stolz und dankbar – auf mein ganzes Team, meine Familie und natürlich auf die Pferde. Gerade auch, weil die ganze Reise mit enorm viel Organisation und Bürokratie verbunden war. Allein die Ein- und Ausreise mit den Pferden, der ganze Papierkram – das war absolutes Neuland, ich bin noch nie mit Pferden geflogen. Dass am Ende alles funktioniert hat, war ein riesiger Kraftakt.

Dazu kommt natürlich auch die eigene Erwartungshaltung. Wenn man einmal die Chance bekommt, bei einem Weltcup-Finale dabei zu sein, dann möchte man sie auch bestmöglich nutzen. Als der Druck nach dem Ritt abgefallen ist, kamen einfach alle Emotionen auf einmal raus. Es war ein unglaublich schöner Moment. Und ich glaube, nichts ist so besonders wie beim ersten Mal.


Als Bereiter auf dem Gestüt Bonhomme arbeitest du täglich mit hochkarätigen Pferden. Wie sehr hat dich dieses Umfeld in deiner Entwicklung geprägt?

Der Wechsel zum Gestüt Bonhomme hat mich enorm geprägt. Plötzlich hatte ich nicht mehr nur drei Pferde wie vorher, sondern elf Pferde pro Tag in meiner Verantwortung. Dieses Vertrauen, das man mir dort entgegenbringt, ist etwas Besonderes – und ich gebe jeden Tag mein Bestes, um diesem Vertrauen gerecht zu werden. Vor allem die Arbeit mit den Deckhengsten hat mich sehr weitergebracht. Das sind alles große Persönlichkeiten mit ganz eigenen Charakteren. Jeder Hengst braucht seine Zeit, seine Aufmerksamkeit und ein individuelles Management. Man muss präsent sein und wirklich lernen, auf jedes einzelne Pferd einzugehen. Gerade wenn man so viele Pferde gleichzeitig managt, ist es wichtig, die richtige Balance zu finden. Jedes Pferd hat seinen eigenen Weg – und ich musste für jedes erst einmal die passende ‚Bedienungsanleitung‘ finden. Man lernt mit der Zeit auch sehr genau, wo die Stärken liegen, aber eben auch, wann ein Pferd an seine Grenzen kommt. Ich komme selbst aus einem kleinen Stall mit sieben Pferden, zuhause haben wir immer alles selbst gemacht. Deshalb weiß ich genau, wie viel Arbeit hinter allem steckt. Für mich war es anfangs gar nicht so leicht, Verantwortung auch mal abzugeben, wie beispielsweise beim Misten, weil ich schon ein ziemlicher Kontrollfreak bin. Aber genau daran wächst man natürlich auch.


Mit Blick auf Balve bleibt offen, ob wir dich in der U25 oder schon bei den Senioren sehen werden. Was würde dir die jeweilige Entscheidung bedeuten – sportlich, aber auch persönlich – und hast du dich bereits entschieden?

Sagen wir mal so: Das letzte Jahr in der U25-Tour war so super. Ich habe bis auf ein Gold alles gewonnen - und fühle mich jetzt bereit für den nächsten Schritt.


Dein Reiten wirkt unglaublich harmonisch und fein – fast mühelos. Was steckt hinter dieser Leichtigkeit, und was ist dir in der täglichen Arbeit mit deinen Pferden besonders wichtig?

Erst einmal vielen Dank. Hinter dieser Leichtigkeit steckt vor allem ganz viel Passion und der tägliche Wunsch, mich selbst ständig weiterzuentwickeln. Am Ende ist es immer ein gemeinsamer Entwicklungsprozess mit dem Pferd. Gerade die erfahrenen Pferde bringen mir selbst jeden Tag noch etwas bei. Mit ihnen geht es oft weniger darum, dem Pferd etwas beizubringen, sondern vielmehr darum, an mir selbst zu arbeiten – an meinem Sitz, an meinen Hilfen und daran, dass alles noch feiner und leichter aussieht. Mir ist dabei besonders wichtig, jeden Tag neu zu gestalten. Ich sehe meine Pferde nicht so, wie ein Lehrer seine Schüler sieht. Ich möchte eher ein ‚cooler Lehrer‘ sein und gemeinsam mit ihnen etwas erarbeiten. Die Pferde sollen wirklich Lust darauf haben, mit mir zu arbeiten. Deshalb versuche ich, keine sturen Routinen entstehen zu lassen. Ich möchte meinen Pferden Abwechslung bieten, damit nicht jeder Tag gleich aussieht. Sie sollen neugierig bleiben und Freude an der Arbeit haben. Mein Ziel ist, dass sie morgens, wenn ich in den Stall komme, schon mit den Hufen scharren und wirklich Bock auf das Training mit mir haben.


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