Ben Maher gewinnt Rolex Grand Prix von Sprucee Meadows vor Lillie Keenan und Steve Guerdat
Es hat nicht sollen sein für Richard Vogel in Spruce Meadows – aber für Ben Maher
Ben Maher und Enjeu de Grisien, hier im Rolex Grand Prix von Aachen im Mai 2026.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – so ist der Springsport. Im Fall von Ben Maher in Spruce Meadows war es umgekehrt. Gestern im Nationenpreis hatte der Olympiasieger von 2021 einen üblen Sturz und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Schulter, als er den Platz verließ.
Er hatte sogar überlegt, gar nicht zu reiten bzw. seine Frau wollte es ihm verbieten, berichtete er heute. „Ich bin froh, dass ich es doch gemacht habe.“ Kein Wunder. Heute saß er wieder ganz oben auf dem Glücksrad der Fortuna.
Erster Umlauf
Nur acht Paare hatten es fehlerfrei durch den ersten Umlauf geschafft, darunter Richard Vogel und United Touch S. Nicht jedoch Maher und Enjeu de Grisien, der ein Eisen verloren hatte und dadurch einen unsicheren Moment in der zweifachen Kombination hatte, der sofort mit vier Fehlern geahndet wurde. Dennoch waren sie schnell genug, um sich für den zweiten Umlauf zu qualifizieren. Das traf auch auf Christian Kukuk und Checker zu, die einen Abwurf an der Triplebarre mitnahmen.
Für die anderen deutschen Paare lief es weniger gut. Jörne Sprehe und Toys waren erstes Paar für Deutschland, aber Sprehe stürzte. Was zunächst böse aussah, schien gut ausgegangen zu sein – u.a. der Airbag-Weste sei Dank. Toys und seine Reiterin verließen den Platz wohlauf.
André Thieme und Derby-Sieger Paule S hatten einen Superritt, nur einen ganz leichten Fehler an der Mauer. Bei Daniel Deußers Otello schien etwas die Luft raus zu sein. Die beiden hatten gleich am ersten Hindernis einen Fehler, ein weiterer am Wasser gesellte sich hinzu. Sophie Hinners‘ Singclair hatte gleich drei Abwürfe im ersten Umlauf über 13 Hinderniss mit 17 Sprüngen.
Sehr viel besser begann die Prüfung für die Neuseeländerin Katie Laurie, die unweit von Spruce Meadows beheimatet ist, und vom Publikum als eine der ihren gefeiert wurde. Sie ritt den Lordano-Sohn Django II als erste fehlerfrei über den Stangenwald von Leopoldo Palacios. Yuri Mansur und sein 19 Jahre junger QH Alfons Santo Antonio schlossen sich an. Riesig war der Jubel auch bei Sameh El Dahan aus Ägypten auf Oscar. Und natürlich bei Richard Vogel und United Touch S. Ein paarmal klapperte es, aber sie waren dem Traum vom Rolex Grand Slam als eines von acht Null-Fehler-Paaren im ersten Umlauf einen Schritt näher gekommen.
Zweiter Umlauf
Dann kam Runde zwei. Keiner der Null-Fehler-Ritte aus dem ersten Umlauf schaffte es ein zweites Mal ohne Abwurf über den nun umgebauten Parcours, dessen besondere Klippe eine zweifache Kombination mit zwei mächtigen Oxern unter den charakteristischen Bäumen des International Ring war. Die schafften Richard Vogel und United Touch S noch – auch wenn es gefährlich klapperte. Aber am vorletzten Sprung erwischte es sie.
Nachdem alle Nuller vor ihr gepatzt hatten, hätte Lillie Keenan es in der Hand gehabt, sich mit der einzigen Doppelnullrunde, den Sieg ohne Stechen zu schnappen. Aber es sollte nicht sein.
Das war ein Glück für Ben Maher mit Enjeu de Grisien sowie Steve Guerdat auf Iashin Sitte, denn die beiden gehörten zu den schon mit vier Strafpunkten belasteten Paaren im zweiten Umlauf, hatten hier aber alles liegen gelassen und gehörten somit zu den sechs Vier-Fehler-Paaren, die die Entscheidung nun im Stechen unter sich ausmachen mussten. Nicht mehr mit dabei war Christian Kukuk, nachdem eine weitere Stange gefallen war. Und auch Yuri Mansur musste nach fünf Fehlern die Segel streichen.
Das Stechen
Steve Guerdat machte den Anfang im Stechen und tat, was man von einem Weltmeister erwartet: weltmeisterlich reiten. Sein Iashin Sitte sieht ja gar nicht so aus, als hätte er das Vermögen für Spruce Meadows. Aber da täuscht man sich. Sie waren nicht nur null, sondern in 42,25 Sekunden auch flott unterwegs. Das war nun die Benchmark, an der sich alle anderen messen mussten.
Ben Maher nahm die Herausforderung an und sein zwölfjähriger Toulon-Sohn Enjeu de Grisien machte mit. Sie unterboten die Zeit des Schweizers locker: 41,40 Sekunden.
Katie Laurie hatte ebenso einen Abwurf wie der Belgier Roy van Beek, der mit 24 Jahren der jüngste Teilnehmer des Stechens war und mit dem elfjährigen OS-Wallach Cavoiro H v. Casallco ein deutsches Pferd aus der Zucht von Johannes Heinrichs unter dem Sattel hatte. Doch für beide Paare war es schon ein Riesenerfolg, überhaupt so weit gekommen zu sein.
Anders sah es aus für Richard Vogel und United Touch S. Der Weltranglisten-Erste und Mannschaftsweltmeister war kurz davor, nach Scott Brash als zweiter Rolex Grand Slam-Gewinner in die Geschichte des Springsports einzugehen. United Touch segelte über den ersten Sprung und attackierte mit seinem bodenfressenden Galopp den Rest des Parcours. Tückisch im Stechen: Die zweifache Kombination unter Bäumen war stehen geblieben. Und diesmal wurde sie den beiden zum Verhängnis. Die hintere Stange des zweiten Oxers fiel. Man sah Richard Vogel die Enttäuschung deutlich an, als er mit vier Fehlern belastet ins Ziel galoppierte und United Touch ausgiebig lobte. Das Publikum feierte ihn trotzdem mit Standing Ovations. Ihn und dieses unglaubliche Pferd, auf das Vogel immer wieder zeigte, um klarzumachen, wer die eigentliche Nummer eins ist.
Einmal musste der immer noch führende Ben Maher noch zittern. Lillie Keenan und Fasther betraten den Parcours. Das WM Paar der USA war schnell, aber nicht fast(h)er. Bei 41,85 Sekunde stoppte die Uhr. Damit war klar: Der Sieger im Rolex Grand Prix von Spruce Meadows 2026 heißt Ben Maher.
Kaum zu glauben, aber wahr: Für Maher war es der erste Rolex Major-Sieg überhaupt. Lillie Keenan wurde Zweite, gefolgt von Weltmeister Steve Guerdat.
Richard Vogel belegte letztlich Rang fünf mit der schnellsten Vier-Fehler-Runde von 41,92 Sekunden (was ja auch „nur“ die drittschnellste Zeit gewesen wäre). Christian Kukuk war als Elfter ebenfalls noch im Geld.
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