Dorothee Schneider und Valerie B qualifizieren sich in Görlitz für das Finale im Burg-Pokal
Valerie B – Dorothee Schneiders 25. Burg-Pokal Finalistin
Valerie B mit Anne-Mette Strandby Hansen als Sechsjährige im Finale der WM junge Dressurpferde.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Sie sind DIE Überraschung dieses Wochenendes: Reitmeisterin Dorothee Schneider und die zweifache WM junge Dressurpferde-Vierte Valerie B. Die dänische Revolution-Tochter aus der Zucht von Karin und Peer Guldbrandsen ist eine Verwandte von Isabell Werths Wendy de Fontaine. Beide gehen auf die Elite-Stute Vanessa Stensvang v. Lobster zurück, Wendy in dritter, Valerie B in zweiter Generation. Was die beiden „Großcousinen“ definitiv gemein haben: Gummi, Go und Größe! Beziehungsweise auch in Sachen Leistungsbereitschaft scheinen sie sich zu ähneln. Schließlich bekam Dorothee Schneider die Stute erst im November 2025 unter den Sattel und ging dieses Wochenende ihr erstes Turnier in der schweren Klasse.
Valerie B gehört inzwischen Maik Kanitzky, für den Dorothee Schneider nun die Ausbildung der Pferde im Gestüt Famos verantwortet. Von Valerie Bs Wechsel aus dem Stall Helgstrand nach Syke war noch nichts publik geworden, als Dorothee Schneider sie gestern in der Qualifikation zur Finalqualifikation von Görlitz vorstellte. Von daher war es eine unverhoffte Freude, diese hoch talentierte Stute nun unter einer der besten Ausbilderinnen der Welt zu sehen. Eine Partnerschaft, die ja schon gestern, bei der Premiere auf S-Niveau, Eindruck machte.
Perspektive? Alles ist möglich!
Heute schien Valerie B – vielleicht auch angesichts von Wind und Regen über dem Görlitzer Viereck – beim Einreiten noch angespannt zu sein. Aber nach dem Gruß war sie voll auf Sendung und konzentrierte sich auf ihre Aufgaben. Unter ihrer vorherigen Reiterin Anne-Mette Strandby Hansen wirkte die Stute bisweilen fast hektisch. Unter Dorothee Schneider kam sie zum Durchatmen und Schwingen, ohne dass die Verstärkungen an Schub und Energie verloren hätten.
Das Maul war in der ersten Trabreprise noch recht unruhig, aber nicht abwehrend, und im Laufe der Aufgabe wurde es auch immer besser. Ein Highlight waren die Schrittpirouetten. In der Galopppirouette nach rechts hätte man sich noch etwas mehr Erhalt des Galoppsprungs gewünscht, in der nach links klappte das schon besser.
Olympiasiegerin Heike Kemmer hatte heute die Aufgabe übernommen, die Ritte zu kommentieren und schwärmte: „Sie kam ja noch mit etwas kurzem Galoppsprung rein, fing dann aber über die Trabtour an, schön loszulassen und entwickelte auf den Diagonalen ihre Trabmöglichkeiten.“
Kemmer hob außerdem die „hervorragenden“ doppelten halben Trabtraversalen ebenso hervor wie die „richtig, richtig guten“ Schrittpirouetten.
Zu den Galopppirouetten erklärte sie: „Da kommt sie vielleicht schon ein bisschen zu sehr zurück. Dann muss sie sich balancieren und springt vielleicht noch etwas kurz. Aber man sieht ja, dass sie das Talent dafür hat, die Last aufzunehmen, und das wird sich definitiv später auszahlen“, schielte sie gedanklich schon Richtung Grand Prix.
Dorothee Schneider: „Gänsehaut“
Das ist natürlich das Ziel. Was die Stute aus Dorothee Schneider zu etwas „ganz Besonderem“ macht? „Das ist die Kombination aus Bewegungsqualität, Ehrgeiz und Versammlungsbereitschaft.“ Und das Gefühl, das sie ihr gibt: „Ich muss sagen, ich habe heute Gänsehaut, aber nicht weil mir kalt ist, sondern einfach, weil dieses Pferd wunderschön zu reiten ist.“
Im Vergleich zu gestern habe sie sogar noch eine Schippe drauflegen können. „Das war ja gestern unsere erste gemeinsame Prüfung. Da war ich noch etwas vorsichtiger, weil ich die Reaktionen noch nicht genau abschätzen konnte. Aber ich habe gemerkt, die Stute ist supercool in der Prüfung. Da habe ich gedacht, ich lege heute noch mal eine Schippe drauf, weil sie kann ja traben, sie kann ja galoppieren! Da habe ich gedacht, das zeigen wir heute.“
Hat geklappt. Den Richtern hat es auch gefallen: Sieg mit 74,293 Prozent, fast drei Prozent mehr als der Rest des Feldes.
Ein weiteres neues Paar auf Platz zwei
Dorothee Schneider und Valerie B waren nicht die einzige Entdeckung an diesem Wochenende in Görlitz. Die andere waren Carina Scholz und der gekörte Oldenburger Hengst Matisse GG OLD v. Morricone-Don Olymbrio aus der Zucht und im Besitz von Muriel Leontine Blackstone Rosie. Man kannte den hoch eleganten Rappen bislang unter Claudia Rüscher, mit der er fünfjährig Achter im Bundeschampionatsfinale war und sechsjährig als Sieger des kleinen Finales nachrückte. 2024 ging er nur ein Turnier, eine M**-Prüfung. Das ist über ein Jahr her und nun tauchte Matisse in Görlitz unter Carina Scholz wieder auf.
Gestern in der Qualifikation setzte die einstige Kaderreiterin noch auf Sicherheit und belegte mit knapp 70 Prozent (69,951) Rang sechs. Heute in der eigentlichen Finalqualifikation trotzten auch sie dem Wetter und legten eine ganze Schippe drauf: 71,463 Prozent Platz zwei.
Carina Scholz konnte gar nicht aufhören, den Rappen zu loben als sie gen Ausgang ritt und auch Heike Kemmer war begeistert:
„Das fing schon so toll an – Einreiten, halten, das war perfekt. Dann ging das wirklich in einem Guss und Fluss los. Der erste starke Trab schon sehr gut, dann sehr harmonisch in die doppelten halben Traversalen mit guter Stellung/Biegung. Flüssig in die Schritttour und da war nichts zu deuteln in den Pirouetten. Und die Galopptour heute auch schon viel besser als gestern, vielleicht hier und da noch ein Wechselchen ein bisschen kürzer. Aber das Pferd war heute deutlich (!) besser vor den Hilfen. Auch das letzte Rückwärtsrichten ist zu erwähnen. Das Pferd stand perfekt, vier Tritte rückwärts, schnurgerade angetrabt. Also ich fand’s richtig klasse!“
Bouten komplettiert das Spitzentrio
Matthias Bouten hatte die Prüfung auf der Ibiza-Tochter Diniza mit 69,049 Prozent eröffnet und schloss sie auch. Sein zweites Pferd war der neunjährige Fürstenball-Sohn Firmino VS aus der Zucht von Volker Schmale-Steinkamp, den er im vergangenen Jahr in Beritt bekommen hat, nachdem er Bayern den Rücken gekehrt hatte, um ins Rheinland zurückzukehren. Görlitz war die dritte Burg-Pokal Station, die der Wallach diese Saison gegangen ist nach Hagen und Balve und jedes Mal konnte er eine Schippe drauflegen. Ärgerlich war die erste Grußaufstellung, wo Bouten Firmino unmittelbar vor der ganzen Parade einmal kurz aus der Balance gebracht zu haben schien, so dass er umspringen musste. Aber der Rest gelang ihnen „ziemlich gut“ und unter dem Strich wurden es 71,244 Prozent, das bisherige Bestergebnis der Saison für die beiden.
Damit wurden sie Dritte vor Jessica von Bredow-Werndl mit Feliciana BB (70,829) und Bernadette Brune auf dem verhinderten Bundeschampion San to Alati FRH (70,268), der in Görlitz ebenfalls seine dritte Burg-Pokal Qualifikation ging und erstmals unter die Top 12 kam, die um das Finalticket kämpfen.
Krönender Abschluss: Special-Sieg mit Karlijn für Schneider
Das Wochenende in Görlitz wird Dorothee Schneider vermutlich so schnell nicht vergessen – drei Pferde, sechs Prüfungen, alle gewonnen. Während die beiden Youngster Barcelo OLD und Valerie B in den Nachwuchsprüfungen glänzten, war es die elfjährige Governor-Tochter Karlijn V., die die CDI3*-Tour dominierte. Nach dem Grand Prix sicherte sie sich heute auch den Special, diesmal mit 70,94 Prozent.
Das Nachsehen hatten erneut die Louisdor-Preis Finalisten des Vorjahres, Juliane Brunkhorst und Diamante Negro, mit 69,11 Prozent. Rang drei ging an Diana Porsche mit Charlotte Dujardins EM-Silbermedaillengewinner von 2023, Imhotep (68,60). Auch auf dem vierten Platz rangierte hauchdünn geschlagen eine Louisdor-Finalistin: die erst neunjährige Chere Celine OLD mit ihrer Ausbilderin Lena Haßmann (68,40).
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