„Doro-Festspiele“ in Görlitz: Dorothee Schneider siegt zweimal, einmal mit neuem Pferd

Dressur
Maxi Kraft's Barcelo OLD - hier beim Sieg im Nürnberger Burg-Pokal 2024 (Archivfoto) mit Dorothee Schneider. Foto: sportfotos-lafrentz.de Maxi Kraft's Barcelo OLD - hier beim Sieg im Nürnberger Burg-Pokal 2024 (Archivfoto) mit Dorothee Schneider. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Das Turnier in Görlitz wird zu „Doro-Festspielen“ – zwei Siege mit mehr als 74, bzw. 75 Prozent gingen heute auf das Konto der Reitmeisterin. Dabei gab es einen Premiere: Erstmals ritt sie die dänische Stute Valerie B, eines der auffälligsten Pferde der Weltmeisterschaften junger Dressurpferde der vergangenen Jahre. Schneider war nicht die einzige mit olympischer Erfahrung, die in Görlitz am Start und erfolgreich war.

Barcelo OLD ist gemacht fürs große Viereck, allein schon (aber nicht nur) was sein Stockmaß anbelangt. Denn der hoch aufgeschossene Oldenburger Wallach v. Bon Coeur schreit förmlich nach einem 20 x 60-Viereck. Und dass er sich darin wohl fühlt, hat der Wallach unter Dorothee Schneider schon mehr als einmal unter Beweis gestellt. Stichwort: Sieg im Finale des Nürnberger Burg-Pokal 2024. Und auch gestern hatte der Braune mit Dorothee Schneider in Görlitz bereits gesiegt.


Der kann alles


Auch in Görlitz stellte er in der S***-Prüfung, im Rahmen der Serie Derby Stars von Morgen, unter Beweis, wie wohl er sich auf der großen Bühne fühlt. Schwungvoll und geschmeidig in der Trabtour, im Vorwärts wie im Seitwärts, begann das Paar. In der ersten Piaffe hätte man sich die Hinterbeinaktivität bei einigen wenigen Tritten noch etwas gleichmäßiger im Durchfußen wünscht.


Die Passage und auch der folgende starke Schritt zeigten dann: Hier ist ein Paar am Start mit Ambitionen. Die Schaukel: aus ruhigem Halten flüssig zurückgetreten – ein weiteres Highlight.


Pirouetten wie aus dem Lehrbuch


In der Galopptour begann das Paar, dann gleich mit einer richtig guten Linkspirouette und auch die Pirouette nach rechts gelang in gleicher Qualität – Noten bis 8,5. Ein weiteres Highlight der Prüfung: die fliegenden Galoppsprünge zu zwei Sprüngen. Die Einerwechsel waren im Prinzip von ähnlich guter Qualität. Allerdings sprang der in Dänemark geborene Oldenburger einen Wechsel etwas kürzer.


Die Passage des Pferdes insgesamt schon sehr ausgereift, klar abgesetzt und gleichmäßig. Der Übergang in die Schluss-Piaffe dann ganz gleichmäßig und fließend und auch aus dieser fleißig getretenen Piaffe ging es mit einem gleitenden Übergang in die abschließende Passage zum Schlussgruß.


75+ für Dorothee Schneider in Görlitz


Die Richter waren sich einig, das war der mit Abstand bester Ritt in dieser Prüfung. Olympiasiegerin Heike Kemmer, die für ClipMyHorse kommentierte, sprach von einem „Bombenleistung“, schwärmte von den Pirouetten, „getragen, gesetzt, präzise auf der Mittellinie“. Es war der fünfte Sieg beim sechsten Start 2026 für das Paar. Dorothee Schneiders Fazit: „Absolut happy“.


Die Note unterstrich den Eindruck: 75,316 Prozent – fünf Prozent mehr als die Zweitplatzierte. „Er ist wirklich immer motiviert, es ist ein Genuss dieses Pferd zu reiten“, so Dorothee Schneider gegenüber EQUI PAGES. Trotz seiner Größe fiele ihm alles leicht, „und das ist bei seiner Größe nicht selbstverständlich“.


Platz zwei für Carina Scholz und Fideleo


Der geschmeidige, elfjährige Hannoveraner Wallach Fideleo v. Finest zeigte sich bereits sicher und ausgereift in der Passage. Die Piaffe legte Carina Scholz noch leicht im Vorwärts an. Davon profitierten die Übergänge. Sicheres Schreiten im starken Schritt mit deutlich Übertritt, leider eine kleine Taktunsicherheit am Anfang des versammelten Schritts.


Im Galopp war die Linkspirouette noch recht groß, die nach rechts war dann schon auch in der Vorbereitung und Einleitung deutlich kleiner. Den fliegenden Galoppwechseln von Sprung zu Sprung hätte man etwas mehr Balance gewünscht. Auf der letzten Mittellinie vermochte das Paar dann in Passage und vor allen Dingen einer lebhafteren Piaffe als die erste in der Prüfung noch einmal im Siebener-Bereich zu punkten (70,316).


Vaderland mit mehreren besonderen Momenten


Lektionen zuhause erarbeiten, das ist das eine. Sie dann in der Prüfung aneinandergereiht zu präsentieren, das andere. Das weiß jeder, der schon mal ein Dressurpferd ausgebildet hat. Die Prüfung von Bernadette Brune und Vaderland OLD zeigte, wie ein ein Pferd auf dem Weg gen größere Aufgaben wachsen muss.


Es klappte längst noch nicht alles, aber es gab immer wieder Momente, die aufmerken ließen. Und das in ganz unterschiedlichen Lektionen. Beispielsweise die mitunter schon sehr ausdrucksstarke Passage. Dabei zeigte der Braune viel „Airtime“, sprich der Aushaltemoment war schon phasenweise sehr ausgeprägt.


In der ersten Piaffe gab es Balanceprobleme und auch der Takt stimmte nicht ganz. Die Reiterin wirkte aber dezent ein und gab dem noch jungen Pferd die Möglichkeit, sich zu entwickeln, was zum Ende dieser Piaffe dann auch gelang. Davon profitierte auch der Übergang in die anschließende Passage.


Noch im Kraftaufbau


Vaderland OLD war lange Zeit durch einen Infekt gehandicapt, sodass die Reiterin immer noch dabei ist, die einst schon vorhandene Kraft wieder zurückzuerlangen. Das braucht Zeit. Die Leistungskurve des Paares zeigt momentan klar nach oben.


Die Pirouetten gelangen der Kombination aus dem Ammerland im Norden Oldenburgs schon gut zentriert, die nach rechts funktionierte schon richtig gut.


Während die fliegenden Galoppwechsel zu zwei Sprüngen gleichmäßig gerade und im Berg aufgezeigt werden konnten, verhaspelte sich der Vitalis-Sohn in den Einerwechseln, die allerdings auch in der Qualität der Zweierwechsel begonnen hatten. Platz drei mit nicht ganz 70 Prozent.


Ergebnisse Derby Stars von Morgen, Görlitz 2026 S***


Überragend: Valerie B und Dorothee Schneider in Görlitz


In der Qualifikation für die morgige Finalqualifikation zum Nürnberger Burg-Pokal 2026 gab es einen Ritt wie aus dem Bilderbuch, beinahe wie von einem anderen Stern. Dorothee Schneider zeigte erstmals die dänische Stute Valerie B. Die Revolution-Tochter, die bei Karin und Peer Guldbrandsen geboren wurde, ist keine Unbekannte. Die heute acht Jahre alte,  hochelegante Stute gewann sowohl fünf- als auch sechsjährig die erste Prüfung bei der Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde. Und beide Male landete sie im Finale auf Platz vier. Damals ritt sie noch Anne-Mette Strandby Hansen für Helgstrand Dressage.


Diese Stute hat alles, was man sich von einem Dressurpferd wünscht: Go, Leichtfüßigkeit dazu Charme und Eleganz. Alle technischen Anforderungen des St. Georges Special meisterte die neue Kombination souverän. Das Rückwärtsrichten auf der Mittellinie mit anschließendem Mitteltrab hätte noch etwas selbstverständlicher sein können. Aber bis zum Finale in Frankfurt ist ja noch etwas Zeit. 74,073 Prozent vergab die Jury, Schneider-Sieg Nummer zwei an diesem Tag.


Die Stute kam im November 2025 zu Dorothee Schneider, damals noch nach Framersheim, wo Familie Schneider ansässig ist. Dann ging es im Februar auf das Gestüt Famos, das im Besitz des Unternehmers Maik Kanitzky („Maxi Kraft“ – so ja auch der Voirname von Barcelo OLD) , steht. Dorothee Schneider sagt, die Stute verfüge über „alles, was ein Pferd braucht“. Auch diese Stute ist vom Stockmaß im Bereich XXL anzusiedeln. Aber im Talent genauso. „Sie ist ein Pferd, das mein Ausbilderherz höher schlagen lässt“, so Schneider.


Erste gemeinsame Prüfung von Valerie B und „Doro“ Schneider


Der Herzschlag ist nach dem ersten gemeinsamen Start noch ein paar Pulsschläge nach oben gegangen. „Es ist ja auch immer die Frage, wie gut die Pferde einem im Viereck zuhören. Ich bin wirklich begeistert, wie sie das gemacht hat. Das ist nicht selbstverständlich“. Morgen steht dann die eigentliche Finalqualifikation für den Nürnberger Burg-Pokal an. Und in der Frankfurter Festhalle hat die Mannschafts-Olympiasiegerin ja eh ein Dauerabo auf die Teilnahme…


Lena Haßmann Zweite mit Bacchabundus OLD


Bacchabundus OLD – der Name allein verspricht bereits ein besonderes Pferd. Und das ist der Fuchs auch. Sein Vater Baron stand auf dem dänischen Gestüt Blue Hors, seine Karriere hatte auf dem Gestüt Westfalenhof begonnen.


Lena Haßmann stellte den Oldenburger schwungvoll immer mit Zug nach vorn vor. Diese Frische war wohltuend, die Elastizität beispielhaft.


In der Trabtour zeigte sich der Wallach gut im Gleichgewicht. In den Serienwechseln musste Lena Haßmann im Sattel allerdings deutliche Hilfen geben. Auf die reagierte der Wallach sicher, aber schaffte es noch nicht dabei auch gerade zu bleiben. 72,756 Prozent bedeuteten Platz zwei.


Dritte wurde Jessica von Bredow-Werndl, die mit Feliciana v. Follow Him’s Schönweide in den Verstärkungen punkten konnte. Die gerade erst sieben Jahre alte, bewegungsstarke Hannoveraner Stute ging ihre zweite S-Dressur. Im vergangenen Jahr platzierte sie sich noch im Finale beim Bundeschampionat unter dem Sattel von Adrian Muñoz Jurado, der damals noch für Familie Werndl ritt. 72,293 Prozent, Platz drei.


Ergebnisse aus Görlitz


Ähnliche Beiträge

Zum Abschluss zweimal Silber, zweimal Bronze für Junioren und Children bei EM in Olomouc
Zum Abschluss zweimal Silber, zweimal Bronze für Junioren und Children bei EM in Olomouc Zum Artikel
Valerie B – Dorothee Schneiders 25. Burg-Pokal Finalistin
Valerie B – Dorothee Schneiders 25. Burg-Pokal Finalistin Zum Artikel
Die nächste Goldmedaille für den deutschen Dressurnachwuchs
Die nächste Goldmedaille für den deutschen Dressurnachwuchs Zum Artikel
WP Wehrmann Publishing