Jessica von Bredow-Werndl und Times Kismet gewinnen Grand Prix auf Gut Ising
Treffen der Championatsreiter im Grand Prix auf Gut Ising
Jessica von Bredow-Werndl und Times Kismet, hier in Balve 2026.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Die letzten Turniereinsätze von Jessica von Bredow-Werndl und ihrer elfjährigen Ampere-Tochter Times Kismet verliefen eher suboptimal. In Balve wurden sie Zehnte, hatten in den Piaffen aber zunehmend Probleme, in den Takt zu finden. Danach hatte die Stute eine Weile Pause. Den nächsten Turnieranlauf machte Jessica von Bredow-Werndl im Juli in Görlitz gab hier im Grand Prix jedoch auf. Nach Wochen des Trainings zuhause wagten sie heute auf Gut Ising einen neuen Anlauf.
Der gelang recht gut. Jessica von Bredow-Werndl konnte die Prüfung weitgehend störungsfrei zu Ende reiten. Lediglich in der zweiten Piaffe machte die Stute beim Übergang in die Passage einmal einen großen Satz nach vorn, war dann aber sofort wieder bei ihrer Reiterin. Insgesamt fehlt es aber noch an Souveränität und (Los-)Gelassenheit. Hinzu kamen Details wie die Rechtstraversale im Trab, in der von Bredow-Werndl die Stute nur mit viel Mühe zum Punkt bringen konnte, ein vorweggenommener Wechsel beim Umstellen in den Zick-Zack-Traversalen, die man sich ingesamt geschmeidiger gewünscht hätte und immer mal wieder ein Ausweichen mit der Hinterhand bei den einzelnen Wechseln. Dafür gelangen die Einerwechsel schnurgerade – aber wie auch vieles andere noch nicht mit der nötigen Ruhe, um Erhabenheit auszustrahlen. 74,067 Prozent gab das nationale Richtergremium der Lokalmatadorin mit den vier Olympiagoldmedaillen. Das reichte für den Sieg.
Lisa Müller Zweite
Einen starken zweiten Platz erreichte Lisa Müller auf dem hoch begabten Dante Weltino-Sohn Gut Wettlkam’s Dantiamo. Der Braune hat drei weit überdurchschnittliche Grundgangarten und alles Talent der Welt für Piaffe und Passage, wo er richtig punkten kann. Wenn es Lisa Müller gelingt, ihn gleichmäßiger und losgelassener von hinten nach vorne an die Hand heran in die Selbsthaltung zu reiten, hat sie ein Pferd von internationaler Qualität. Heute erhielten sie trotz einer Unstimmigkeiten, die vor allem auf Spannungsmomente und das noch nicht immer sicher tragende Hinterbein zurückzuführen waren, 73,60 Prozent.
Lehrstunde für Vita di Lusso
Mannschaftsweltmeister Raphael Netz hat seit dieser Saison den elfjährigen rheinischen Vitalis-Sohn Vita di Lusso unter dem Sattel. Der war von Dinja van Liere in den Sport gebracht worden und machte unter ihr den Eindruck, als müsste man eher auf der Bremse stehen, statt ihn zu motivieren. Nach einem sehr erfolgreichen Auftritt der beiden in der in der niederländischen Mannschaft beim CHIO Aachen investierte Familie Söder in den Wallach als U25 Pferd für Selina Söder, Raphael Netz‘ Lebens- und Geschäftspartnerin. Die hatte auch einige Erfolge mit dem Braunen, aber zuletzt auch Probleme. So übernahm Raphael Netz die Zügel.
Das erste Turnier der beiden war auf dem Gut Eicherloh, wo sie Grand Prix und Special mit jeweils über 74 Prozent gewannen. Auch in Schäftlarn waren sie vorn dabei, gewannen den Grand Prix mit 73,940 Prozent und wurden Zweite im Special. Danach folgte das Chiemsee Pferdefestival, das ebenfalls auf Gut Ising stattfindet. Hier beschloss Vita di Lusso nach vielen guten Momenten in der ersten Prüfungshälfte am Ende, dass er sich die letzte Piaffe eigentlich auch sparen könnte. Netz musste ihn energisch daran erinnern, dass im Grand Prix erst bei G Schluss und bei X noch Piaffe angesagt ist.
Heute also der nächste Auftritt auf Gut Ising, diesmal in der Halle. Vita di Lusso war „an“ und sein Reiter auf der Hut. Der überragend zu Pferde sitzende Netz hatte den Wallach wirklich zu jeder Sekunde eingerahmt zwischen seinen Hilfen und ließ ihm gar keine Chance, an etwas anderes zu denken als an seinen Job, nicht grob, nur konsequent. Man hat schon Prüfungen mit mehr Leichtigkeit gesehen von Netz – aber nur wenige, in denen sein reiterliches Können so deutlich wurde. Mit 72,20 Prozent wurden die beiden Zweite.
Dancier Gold Vierter
Jessica von Bredow-Werndl hatte zwei Eisen im Feuer im Grand Prix von Ising. Das zweite war der Hannoveraner Hengst Dancier Gold, mit dem sie gestern schon die Intermédiaire II gewinnen konnte. Da hatte man den Eindruck, dass es Jessica von Bredow-Werndl inzwischen besser gelingt, den Bewegungsfluss und die Verbindung von hinten nach vorne über den Rücken an die Hand heran zu erhalten. Das war heute nicht mehr ganz so sicher gegeben, so dass sich vor allem in Piaffe und Passage, aber auch in den Traversalen wiederholt ungleiche Tritte einschlichen. In den Pirouetten neigt der Hengst noch dazu, sich eher zu heben und zu drehen, statt dass er fleißig im Takt um das innere Hinterbein springt. 71,657 Prozent bedeuteten Rang vier vor Benjamin Werndl mit Quick Decision, die den Grand Prix mit 71,267 Prozent eröffnet hatten.
Pony-Power bei den Stars von Morgen
Heute stand auch die Einlaufprüfung für das Finale Süd der DERBY Stars von Morgen auf dem Programm, die Intermédiaire II. Hier zeigte einmal mehr Ann-Cathrin Riegs zwölfjähriger Reitponyhengst Steendieks Derrick aus der Holsteiner Zucht von Peter Böge, dass ein gut gerittenes talentiertes Pony es mit jedem Großpferd aufnehmen kann: Sieg mit 73,904 Prozent vor dem für den Louisdor-Preis qualifizierten Duo Franz Trischberger und Henriettenhof’s Kinshasa (72,588). Dritter wurde Rudolf Widmann auf dem Oldenburger Hengst Romantic Prinz OLD v. Rock Forever (71,623).
Embolo gewinnt S
Die Dressurprüfung Klasse S* sah ebenfalls einen prominenten Sieger, nämlich den sieben Jahre jungen Escamillo-Sohn Embolo, der einst für einen Rekordpreis über die Westfälische Reitpferdeauktion nach Aubenhausen wechselte und von Benjamin Werndl ausgebildet wurde. Mit vielen Höhepunkten in der Trab- und Galopptour kamen die beiden auf 72,976 Prozent und setzten sich damit gegen Svenja Holzmayr auf dem ebenfalls westfälisch eingetragenen Escolar-Sohn Equador (72,063) sowie Franz Trischberger auf Henriettenhof’s Kenia durch. Die Namensähnlichkeit der beiden Trischberger-Stuten ist übrigens kein Zufall. Sie haben dieselbe Mutter, Kelia v. Sir Donnerhall-Quattro B, und stammen beide aus der Zucht von Dr. Alexandra Montkowski.
Alle Ergebnisse aus Ising gibt es hier.