WM Aachen Dressur: Raphael Netz mit einem technischen Fehler in Führung nach erstem Viertel des Starterfeldes

WM Aachen: Raphael Netz mit einer „2+“ im Grand Prix und einem Strategiewechsel bei den Einerwechseln

Dressur
Raphael Netz und Great Escape Camelot waren die Auftaktreiter für Team Deutschland in der Dressur bei der WM in Aachen. Foto: sportfotos-lafrentz.de Raphael Netz und Great Escape Camelot waren die Auftaktreiter für Team Deutschland in der Dressur bei der WM in Aachen. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Raphael Netz und Great Escape Camelot haben als erste Kombination die Weltmeisterschaften in Aachen für Team Deutschland eröffnet. Den beiden gelang ein Ritt, der Werbung war für solide Ausbildung, einen Sitz wie aus dem Bilderbuch. Nur auf zehn Metern in der Galopptour verlief nicht alles nach Plan. Schuld war ein Strategiewechsel in der Wechseltour.

„Es war eine 2+ – als Schulnote“, sagt Raphael Netz und strahlt in der Mittagssonne von Aachen. Gerade hat der 27-Jährige als erster Mannschaftsreiter für Team Deutschland seinen Grand Prix absolviert. Die 2+, die der Debütant im deutschen Team gefühlt hat, wurde von Seiten der Jury mit 73,388 Prozent bewertet.


Beim Einreiten ins Stadion sei er selbst so fokussiert gewesen, dass er sich nicht weiter um die Stadionatmosphäre gekümmert hätte. Dass das Publikum die beiden „sehr wohlwollend“ begrüßte, hat er aber doch gemerkt. „Das hat uns beiden getragen auf dem Weg von dem heiligen Rasen ins Viereck“.


Tatsächlich schielen die Pferde schon mal nach der großen Videowand, auf der sie sich im Verlauf des Ritts teilweise selbst sehen können.


Sehr guter Auftakt für Raphale Netz im WM Grand Prix


Im Viereck selbst, das in der Mitte des Springstadions aufgebaut ist, ging das Paar dann mit der gewohnten Konzentration und dem Sitz nahe der Perfektion zur Sache: Die Trabtraversalen fließend, gut kreuzend mit der nötigen Kadenz. Beim Halten vor dem Rückwärtsrichten stand der Wallach mit dem linken Hinterbein nicht ganz unter dem Körper. Das eigentliche Rückwärtsrichten war dann aber das beste der bisherigen Prüfung.


Kurzes Zögern in der ersten Piaffe


In der ersten Piaffe hatte man für einen Moment den Eindruck, dass ein klein bisschen der Sprit ausgehen könnte. Doch eine ermunternde Schenkelhilfe setzte der Johnson-Sohn sofort um, wenn auch mit einer leichten Vorwärtsbewegung. Nach sicherem starkem und gutem versammeltem Schritt passagierte der Wallach willig und elastisch an. Die zweite Piaffe gelang noch selbstverständlicher als die erste. Dass der Braune nach wie vor die Tendenz hat, in der Lektion auf den Vorderbeinen zu stützen, ist nicht neu. Aber das Gleichmaß und die Übergänge gelangen präzise.


Guter Auftakt im Galopp


Raphael Netz und Great Escape Camelot haben sich im vergangenen Jahr stetig verbessert. Eine Lektion, an der man das gut ablesen kann, sind die Zweierwechsel. Die sind mittlerweile schnurgerade, das Pferd losgelassen in Balance. Einfach schön anzusehen.


Im starken Galopp wagte Netz nicht das Allerletzte. Der fliegende Wechsel zum Abschluss dafür präzise am Punkt. Gelungene Zick-Zack-Traversalen schlugen positiv zu Buche. Aber dann kam der Moment, weswegen Raphael Netz in seiner Einschätzung des Ritts die Schulnote 2+ vergab, die Einerwechsel.


Strategiewechsel in den Serienwechseln


Dass es keine 1 geworden ist, hat mit den fliegenden Galoppwechseln von Sprung zu Sprung zu tun. Und mit dem Reiter. „Wir haben da etwas verändert in der letzten Woche“, erläutert Netz mit Blick auf das Trainingslager in Warendorf. Das Ziel sei es, jetzt mit einem etwas größeren Galoppsprung in die Einerwechsel hineinzureiten. Das war für Great Escape Camelot in der Prüfung noch neu. „Normalerweise fangen wir zwei, drei Galoppsprünge später mit den Einern an.“ Dieser kleine Moment nicht hundertprozentiger Übereinstimmung war aber auch der einzige Lapsus – den „Raphi“ voll auf seine Kappe nahm –, der den beiden unterlief. Beim Abreiten war genau dieses Konzept noch wunderbar aufgegangen.


In den Galopppirouetten sammelte das Paar dann noch einmal fleißig Punkte. Die Rechtspirouette so zentriert, auf kleinstem Kreisbogen gesprungen war eine Augenweide.


Im letzten Prüfungsabschnitt lief dann alles wieder Marke „1 plus Fleißsternchen“. Mit 73,88 Prozent rangierte Netz zunächst klar auf Position eins.


Debüt im Seniorenlager bei der Heim-WM Aachen


Als erster Reiter einzureiten. Beim Championatsdebüt. Bei der Heim-WM. In Aachen – ganz cool hatte ihn die Situation dann doch nicht gelassen. Geschlafen habe er gut, bis 5.30 Uhr, verrät Raphael Netz. Alles so weit nach Plan. Nur eines seiner Rituale, das wollte ihm heute nicht gelingen. „Ich mache vor der Prüfung immer einen Powernap, da habe ich heute im LKW gelegen und kein Auge zugemacht“. Aber Zeit für sich, die hätte er immerhin gehabt.


Morgen gilt alle Zeit des Teams – „fast 20 Leute, die involviert sind“ – Camelot. Der hat morgen Pause. Grasen lassen, vielleicht etwas Schritt reiten, so der Plan. Und natürlich abends dann Siegerehrung.


Der Mittwoch, der Entscheidungstag, ist „Damentag“. Katharina Hemmer und Denoix gehen um 12.30 Uhr, Isabell Werth und Wendy um 17.30 Uhr ins Viereck. Heute Nachmittag ist Frederic Wandres mit Bluetooth gefragt, Startzeit 17.40 Uhr.


Zwischenergebnis aus Aachen


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