Turnier in Stadl Paura mit neuen Pferden und neuen Paaren
Turnierwochenende in Stadl Paura mit WM-Finalisten unter neuen Reitern, einer Damon Hill-Großnichte mit Raphael Netz und mehr
2025 vertrat So Special unter Jessica Lynn Thomas die deutschen Farben bei der WM der fünfjährigen Dressurpferde. Foto: sportfotos-lafrentz.de Ein solch bekanntes Pferd, das in Stadl Paura erstmals mit neuem Reiter ging, ist der Hannoveraner Hengst So Special v. Secret-Bon Coeur aus der Zucht von Familie Wahlers, die den Starvererber Secret einst entdeckt hatte. So Special machte seinem Namen schon dreijährig alle Ehre, als er Silber beim Bundeschampionat gewann, damals hinter Global Hope, der am Wochenende über die Auktion des Klosterhofs Medingen in die USA verkauft wurde. Geritten wurde er damals von Jessica Lynn Thomas, die ihn auch noch in den beiden folgenden Jahren vorstellte.
Vierjährig wurde So Special erst Hannoveraner Champion und belegte dann gegen starke Konkurrenz den vierten Platz bei der internationalen Dressurpferdeprüfung für die Vierjährigen im Rahmen der WM in Ermelo. Fünfjährig qualifizierte der Hengst sich für die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde in Verden. Übers kleine Finale schaffte er den Sprung in die WM-Prüfung, wo er allerdings deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb und abgeschlagen auf Rang 14 endete. Anschließend wurde er Vierter beim Bundeschampionat.
Dieses Jahr wurde bekannt, dass So Special umgezogen ist in den Süden und nun von Philipp Mücke weitergeritten wird. In Stadl Paura hatten die beiden ihren ersten öffentlichen Auftritt, wo sie in den FEI-Prüfungen für die Sechsjährigen an den Start gingen, die auf Dressurpferde-M-Niveau geritten werden, also inklusive Seitengängen und fliegenden Wechseln.
In der ersten Prüfung wurden die beiden Zweite hinter Sylvia Gugler im Sattel des von Stephan Borgmann im westfälischen Ostbevern gezogenen, aber in Mecklenburg registrierten Ancelotti v. About You I-Estobar NRW. Der war mit 81,4 Prozent aus der Prüfung gekommen. In Einzelnoten: Trab 8,2, Schritt 8,5, Galopp 8,0, Durchlässigkeit 7,8, Perspektive 8,2. So Special erhielt die 8,5, 8,3, 8,0, 7,0 und 7,8. Endergebnis: 79,20 Prozent. In der zweiten Prüfung wurden die beiden Vierte, diesmal mit 74,2 Prozent und den Einzelnoten Trab 8,0, Schritt 7,4, Galopp 7,7, Durchlässigkeit 6,5 und Perspektive 7,5.
Sieger war erneut Ancelotti, diesmal mit einer Schippe mehr: 83,2 Prozent, Trab 8,6, Schritt 8,7, Galopp 8,0, Durchlässigkeit 7,8, Perspektive 8,5.
Über Rang zwei konnte sich Selina Söder freuen, die den KWPN-Wallach Peptalk v. Kjento-Krack C-Gribaldi präsentierte, der in den Niederlanden gezogen wurde und der Familie Netz gehört. Selina stellte den Dunkelbraunen allerdings nicht zum ersten Mal vor, sondern reitet ihn schon seit er fünfjährig seine erste Dressurpferde-L ging. Dieses Jahr konnten die beiden bereits mehrere Dressurpferdeprüfungen der Klasse M gewinnen. Gestern kamen sie mit 80,8 Prozent under Schleife für Platz zwei aus der Prüfung.
WM-Fünfter Zulu GV mit Stefan Lehfellner
Im vergangenen Jahr ging der achtjährige Oldenburger Zulu GV v. Zarathustra noch mit Laura Strobel für Deutschland bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde, wo das Paar im Finale Platz sieben belegte. Diese Saison hat Stefan Lehfellner die Zügel des Hengstes aus der Zucht des Gestüts Vorwerk von seiner Schwiegermutter Elisabeth Max-Theurer übernommen.
Bei ihrem Heimturnier in Achleiten waren sie erstmals gemeinsam im Turniereinsatz, wurden mit knapp 71 Prozent Zweite im Prix St. Georges und beendeten die erste Intermédiaire I des Hengstes mit 67,677 Prozent als Dritte. Danach waren die beiden Anfang Oktober erstmals in Stadl Paura am Start.
Eines der Besonderheiten dieses Turniers ist, dass hier die FEI-Aufgaben für Junioren und Junge Reiter offen ausgeschrieben sind. Es können also auch ältere Reiter daran teilnehmen. Das hat Lehfellner genutzt und Zulu GV in der FEI-Vorbereitungsprüfung für die Jungen Reiter präsentiert, die ja auf Prix St. Georges-Niveau geritten wird. Bereits im Oktober war der Hengst siegreich und nun erneut, dieses Wochenende gleich zweimal, nämlich in der U21 Prüfung (71,898) und im Prix St. Georges (72,939).
Raphael Netz mit Damon Hill-Großnichte
Raphael Netz präsentierte in der FEI-Aufgabe für die Siebenjährigen (die entsprechend der offenen Ausschreibung in Stadl Paura auch mit Achtjährigen geritten werden kann) die 2018 geborene Oldenburger Stute Flavia Caledonia, eine Foundation-Tochter aus der Zucht von Raey Campbell in Schottland. Interessant ist bei diesem Pferd besonders die Mutterlinie. Die Großmutter Donna v. Donnerhall-Rubinstein ist eine Vollschwester zu keinem Geringeren als Damon Hill.
Der Name “Caledonia” mag dem einen oder anderen bekannt vorkommen, denn Pferde mit diesem Namenszusatz waren schon häufiger beim Bundeschampionat im Einsatz. Dort gewann z.B. die ebenfalls von Foundation abstammende Shadow Fairy Caledonia 2022 Bronze bei den dreijährigen Stuten und Wallachen.
Flavia Caledonia war nie auf dem Bundeschampionat im Einsatz, wurde aber wie Shadow Fairy Caledonia als junges Pferd von der spanischen Bereiterin des Gestüts Schafhof präsentiert, Judith Sarda Mañe. Auch hat das Gestut Schafhof ein Fohlen von Flavia gezogen, eine jetzt vierjährige Destacado-Tochter mit Namen Diorissima GS. Im Fokus stand bei Flavia aber der Sport. Bis März dieses Jahres war die Stute noch von der derzeitigen Bereiterin des Schafhofs auf Turnieren bis Klasse M** vorgestellt worden, Julia Torrallardona. Bis dato gehörte sie auch noch dem Schafhof. Im Mai wechselte sie dann in den Besitz von Suntari Assanta Maria Rücker aus dem bayerischen Ort Sachsen, und nun sitzt Raphael Netz im Sattel.
Das erste gemeinsame Turnier ließ sich schon mal gut an: ein Sieg mit 76,819 Prozent in der FEI-Vorbereitungsaufgabe für die Siebenjährigen auf Dressurpferde-S Niveau und ein zweiter Platz in der Finalaufgabe mit 72,803 Prozent.
Grand Prix-Prüfungen an von Bredow-Werndl und Netz
Auch Grand Prix wurde in Stadl Paura geritten. Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl nutzte die Prüfung am Freitag, um weiter Routine mit Dancier Gold zu sammeln. Sie gewannen sie mit 72,033 Prozent vor Christian Schumach auf dem neunjährigen Vitalis-Sohn Vidal (71,433).
Am Samstag gab es einen weitere Sieg mit 72,033 Prozent, diesmal von von Bredow-Werndls einstigem Stallreiter Raphael Netz mit dem Pferd seiner Partnerin Selina Söder, dem elfjährigen Rheinländer Vita di Lusso. Grand Prix Nummer drei an diesem Wochenende stand für Sonntag auf der Tagesordnung. Hier waren nur noch vier Paare am Start und Christian Schumach und Vidal gaben Netz und Vita di Lusso das Nachsehen (71,933 zu 71,033 Prozent). Letztere dürften dennoch zufrieden gewesen sein, denn anders als am Samstag, wo es einen dicken Patzer in den Zweierwechsel gab, erreichten sie die zweite Grußaufstellung diesmal ohne nennenswerte Zwischenfälle und mit u.a. Achten von allen Richtern für die Piaffen.
Im Grand Prix Special waren nur noch zwei Paare am Start. Eines davon war Annabelle Steffens auf dem Hannoveraner Samurai, der von Franziska Stieglmaier ausgebildet und in den Sport gebracht worden war und mit ihr auch international recht erfolgreich ging. Seit dieser Saison hat nun Annabelle Steffens die Chance, von dem 15-jährigen St. Moritz Junior-Sohn zu lernen und konnte sich bereits ein paar Schleifen mit ihm sichern. Gestern gewannen sie die Prüfung mit 67,222 Prozent, ihrem bislang besten Special-Ergebnis.
