Newsletter Editorial 5. Oktober 2026: Gedanken zu Mäzenen und warum der Vielseitigkeitssport höhere Dotierungen verdient hätte

Newsletter: Ein Hoch auf die Gönner!

Standpunkt 07.10.2026
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Newsletter EQUI PAGES, 5. Oktober 2026: Ein Hoch auf die Mäzene und warum die Vielseitigkeit bessere Dotierungen verdient hätte.
Jan Tönjes meldet sich jede Montag mit einer Rückschau auf die Themen der Woche. Und einem Ausblick auf das, was kommt.

Julia Krajewski hat ihrer Karriere ein weiteres Highlight zugefügt. Zum dritten Mal hat sie in Boekelo die Vielseitigkeit gewonnen. Das hat noch niemand vor ihr geschafft. Mit drei verschiedenen Pferden, Samourai du Thot, Nickel und jetzt Ero de Cantraie, war sie siegreich. Der Lohn 2026: Ruhm, Ehre und 13.000 Euro für den Sieg in der Einzelwertung. Für Platz zwei in der Mannschaft noch einmal 850 Euro.


Zum Vergleich: Beim Sieg der Springreiter in deren Nationenpreisserie, der League of Nations, erhielt das Gewinnerteam gestern in Barcelona 490.000 Euro, 122.500 Euro pro Reiter.


Finanzielles Mauerblümchen: welcher Sponsor küsst die Vielseitigkeit wach?


Dass die Vielseitigkeit, der Sport, der den meisten Aufwand im Training benötigt, und, wie ich meine, die intensivste Partnerschaft zwischen Pferd und Mensch zur Grundlage des Erfolgs hat, weniger Aufmerksamkeit als Springen erzeugt, ist nicht neu. Leider. Ich führe diesen Vergleich nicht an, um Sozialneid oder Missgunst innerhalb der Disziplinen anzufachen. Warum auch? Aber eines ist klar: Vielseitigkeit funktioniert nur mit finanzstarken Enthusiasten im Hintergrund. Im Fall von Julia Krajewski ist das Professor Dr. Bernd Heicke und das Gestüt Fohlenhof der Familie Heicke. Heicke ist nicht nur der Besitzer von Boekelo-Siegern von Julia Krajewski. Auch Olympiasiegerin Amande de B’Neville gehört den Heickes. Andere Reiter, beispielsweise das Ehepaar Leuwer, sind dank der Heickes gut beritten.


Mäzene - ohne sie geht es nicht, gerade in der Vielseitigkeit


Heickes sind Mäzene – Menschen, die nicht auf Sponsoring aus sind, sprich eine Gegenleistung, zumeist im Marketingbereich, für ihr finanzielles Engagement erwarten. Sie sind Menschen, die viel Geld investieren, weil sie Pferde und den Sport lieben. Mäzene haben keinen Businessplan, sondern eine Passion.


Davon gibt es nicht viele. Madeleine Winter-Schulze ist die andere Größe, die in der Öffentlichkeit als Unterstützerin von Isabell Werth und Ludger Beerbaum bekannt ist, die aber auch gern an anderen Stellen hilft.


Finanzielle Sicherheit ermöglicht Spitzensportlerinnen und -sportlern wichtige Freiheiten


Das Engagement der Heickes, gerade in Bezug auf Julia Krajewski, zeigt, welche Kreise der finanzielle Rückhalt ziehen kann. Spätestens seit ihrem Olympiasieg ist Julia Krajewski viel mehr als „nur“ die disziplinierte Bundestrainerin des deutschen Buschnachwuchses.


2021 in Tokio, Minuten nach ihrem größten Triumph als erste Frau, die olympisches Einzelgold in der Vielseitigkeit gewonnen hat, ermunterte sie junge Mädchen, ihren Traum zu leben. Sich ein Beispiel zu nehmen. An sich zu glauben und der Welt zu beweisen, dass die Träume eines kleinen Mädchens wahr werden können. „Empowerment“ ist das Schlagwort. Machbar, weil es Mäzene gibt, die sicherstellen, dass sich Sportlerinnen und Sportler voll und ganz auf den Spitzensport konzentrieren können.


Ein Hoch auf dieses Engagement!


Gleichzeitig ein Appell an alle Sponsoring-Verantwortlichen da draußen: Mögen die Zeiten auch nicht gerade rosig sein, schauen Sie sich die Vielseitigkeit an. Erkennen Sie das Potenzial, das diesem Sport zu eigen ist! Kontinuität (drei Tage Topleistungen), Partnerschaft (anders geht es im Gelände einfach nicht) und hohe Flexibilität (drei Disziplinen) – ganz ehrlich, mehr geht doch nicht! Also ran ans Sponsoringkonzept Vielseitigkeit. Es müssen ja nicht gleich 490.000 Euro sein …


Was so ansteht …


Mit Barcelona und Boekelo verabschiedet sich der Reitsport allmählich aus der grünen Saison. Die Buschreiter haben noch ein paar Termine vor sich (die WM junger Pferde in Lion d’Angers in zwei Wochen, eine Woche darauf das CCI5*-L in Pau) und auch die anderen Disziplinen sind noch ein bisschen outdoor unterwegs, beispielsweise die Global Champions Tour. Aber die Halle ruft – am kommenden Wochenende findet in Oslo schon die erste Qualifikation für die Weltcup-Saison 2026/27 statt. Und im Zuchtbereich wird derzeit fleißig gesichtet, welche Hengste des Geburtsjahrgangs 2024 zur Körung in Frage kommen. Es ist was los in Sachen Pferd.


In diesem Sinne, bis kommenden Montag!


Jan Tönjes


Redaktion EQUI PAGES




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Dieser Text wurde erstmals am 5. Oktober 2026 veröffentlicht. Immer montags kommentiert Jan Tönjes auf EQUI PAGES das Geschehen in unserem wöchentlichen Newsletter.


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