Newsletter EQUI PAGES Tierschutztag Pferdesport Deutschland mit großem Potenzial
Newsletter: Tierschutz, Theorie, Trainingsalltag – ein Termintipp
Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de Jan Tönjes meldet sich jede Montag mit einer Rückschau auf die Themen der Woche. Und einem Ausblick auf das, was kommt.
Ich mache heute mal Werbung. Für Pferdesport Deutschland, the Verband formerly known as Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN). In Warendorf lädt man zum Tierschutztag ein. Die Expertinnen und Experten, die am 24. November zusammenkommen, versprechen eine wirklich praxisorientierte Diskussion. Das Wort „Praxis“ bitte zweimal rot unterstreichen. Wenn versprochen wird, dass Wissenschaft und Praxis aufeinandertreffen, dann kommt dabei zumeist ein mehr oder weniger freundliches – wogegen nichts einzuwenden ist – Geplänkel (das ist dann schon, weil Höflichkeit manchmal von unbequemen Fragen abhält, nicht mehr so mein Ding), in dem am Ende herauskommt, dass Pferd X 17-mal mit dem Schweif geschlagen hat und Pferd Y nur dreimal. Das wiederum hat aber mit den Zähnen geknirscht, was einige aus dem Bereich Training dann wieder „nicht so schlimm“ finden. Und das war er dann schon, der Diskurs. Im besten Fall, „we agree to disagree“.
Tolle Besetzung
Die Besetzung beim diesjährigen Tierschutztag verspricht eine breitere Diskussion. Vor Ort sind Menschen, die die sportliche Nutzung des Pferdes nicht in Frage stellen, sondern als Selbstverständlichkeit erachten. Ohne Reiterinnen und Reiter keine Pferde, der Bedarf von Zoos an Warmblütern ist eher überschaubar. Die Referentinnen und Referenten sind Menschen, die nicht in Hörsälen die unterschiedlichen „Schmerzgesichter“ eines Pferdes gebüffelt haben. Sie sind Praktiker, die sich sehr wohl Gedanken nicht nur um den Pferdesport, sondern auch ums Pferd ganz allgemein machen. Das kann spannend werden! Ich will die Richtigkeit der theoretischen Abhandlungen über Schmerz- und Abwehrverhalten beim Pferd nicht in Frage stellen. Im Gegenteil, ich wünschte mir bei manch einem Richter diesbezüglich ein noch genaueres Hinsehen. Aber, man kann es – meine Meinung – mit der Verwissenschaftlichung auch übertreiben. Ja, es braucht wissenschaftlich valide Grundlagen für Forschungen. Ja, Statistiken unterfüttern viele universitäre Projekte. Aber genauso wie Reiten nicht die Eitelkeit der Reiterin oder des Reiters befriedigen sollte, sollte die Wissenschaft immer bemüht sein, neben den in der Theorie statistisch verwertbaren Details am Computer den Blick auf das Gesamtbild nicht zu vergessen. Und genau das könnte bei diesem Tierschutztag herauskommen.
Wissenschaft? Ja, aber praxisnah!
Nur um nicht falschverstanden zu werden: Ich bin ein Fan gut gemachter wissenschaftlicher Untersuchungen. Und ein Riesenfan von Austausch über alle Professionen hinweg. Aber ich bin eben auch ein Anhänger des praktischen Wissens, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Ein Gespräch mit Bundestrainerin Monica Theodorescu, die zu den Diskutanten am 24. November zählt, ist immer erhellend. Sie braucht keine Durchschnittswerte von Lippenkräuseln oder Schweifschlagen pro Minute, um zu sehen, ob ein Pferd richtig gearbeitet wird oder nicht. Sie weiß es. Nach Sekunden. Und sie, wie auch Martin Plewa, der den praktischen Teil leiten wird, wissen auch: Training bedeutet Anstrengung, da guckt ein Pferd auch mal verdrießlich. Tierschutzrelevant ist das nicht. Nur eine Reaktion auf Anstrengung. Die gehört zum Training dazu. Und – zum Alltag! Das ist so beim Fluchttier Pferd, das nicht immer 24/7 heukauend mit glücklichem Gesichtsausdruck in seiner Box oder seinem Auslauf steht.
Was kommt raus?
Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse der Tierschutztag bringt. Und auf die Reaktionen in den Sozialen Medien, wenn ein Pferd im praktischen Teil zu mehr Abfußen im Hinterbein aufgefordert wird und dabei mit dem Schweif schlägt und nicht sein „Happy Athlete“-Gesicht in diesem Moment aufsetzt.
In diesem Sinne, bis kommenden Montag!
Jan Tönjes
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Dieser Text wurde erstmals am 28. September 2026 veröffentlicht. Immer montags kommentiert Jan Tönjes auf EQUI PAGES das Geschehen in unserem wöchentlichen Newsletter.
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