League of Nations-Finale Barcelona: Deutschland siegt im Stechen vor Brasilien
Richard Vogel sichert deutschen Sieg im Stechen beim League of Nations-Finale
Die Trophäe für den Sieg der League of Nations 2026 geht nach Deutschland. Foto: FEI/Liz Gregg Es gab einiges zu springen beim Nationenpreis-Finale der League of Nations 2026. Luftige Oxer, eine Dreifache Kombination – Oxer, zwei Galoppsprünge, Oxer, ein Galoppsprung Steilsprung – kurz vor Schuss. Ein offener Wassergraben und viele Distanzen auf sechs Galoppsprünge. Dazu tolle Hindernisse mit Barcelona-typischen Motiven – die Kathedrfale Sagarada Familia als Wendemarke, Gaudi-Bauten aus dem Parc Güell. Und der Regen, der die katalanische Hauptstadt gestern mit über 150 Litern pro Quadratmeter heimgesucht hatte, zeigte auch ein Verständnis mit den Reiterinnen und Reitern.
Deutschland schon nach Runde eins in Führung
Die deutsche Equipe hatte schon im ersten Umlauf ihre Ansprüche deutlich gemacht. Marcus Ehning/Coolio, Jörne Sprehe/Toys und Richard Vogel/Cloudio blieben fehlerfrei. Iron Dames my Prince und Sophie Hinners mussten einen Abwurf in Kauf nehmen. Weil aber in der ersten Runde noch der reguläre Nationenpreis-Modus galt, vier Reiterinnen und Reiter, ein Streichergebnis, ging Deutschland ohne Fehler in die zweite Runde, in der es denselben Parcours noch einmal zu überwinden galt.

Marcus Ehning und Coolio machten wie schon beim Titelgewinn bei der Mannschaftsweltmeisterschaft in Aachen den Auftakt. Mühelos sprang der Holsteiner über die 15 Sprünge. Nicht anders tat es Jörne Sprehe mit Toys. Sprehe lobte ihren Wallach „Toys ist schon die ganze Saison über wirklich, wirklich gut gesprungen, und heute hat er wieder einmal einen fantastischen Job gemacht. Danke an meine Teamkollegen, dass ich hier in diesem großartigen Team in Barcelona mitreiten durfte.“

Cloudio beschert den Zuschauern maximale Spannung
Zwei Nuller – es fehlte noch eine dritte fehlerfreie Runde, dann wäre Deutschland nach zwei Umläufen Sieger des Finales der diesjährigem Longines League of Nations gewesen. Denn in der zweiten Runde weicht das Reglement ab: Es gehen nur drei Kombinationen an den Start. Ein Streichergebnis entfällt.
Richard Vogels Casall-Sohn Cloudio begann souverän. Der Schimmel ging in vergleichsweise hohem Grundtempo. Doch eine Stange spielte nicht mit. „Leider habe ich ihn in der zweiten Runde ein bisschen im Stich gelassen – ich war bei einem Oxer zu weit entfernt, und er hat die hintere Stange mitgenommen“, so Vogel. Weil Deutschland als führende Mannschaft den letzten Startplatz hatte, stand fest: Das Nationenpreis-Finale 2026 wird im Stechen entschieden. Brasilien, die einzige Nation, die mit vier Strafpunkten aus den sieben Ritten hervorgegangen war, gegen Deutschland.
Major Tom ist in der Startphase noch nicht „völlig losgelöst“
Den Auftakt machte Rodrigo Pessoa, dessen Major Tom v. Vagabond de la Pomme in der zweiten Runde seinem Namen alle Ehre gemacht hatte und wirklich „völlig losgelöst“ gesprungen war. Doch im Stechen unterlief dem Dunkelfuchs gleich am ersten Hindernis ein Abwurf. Olympiasieger Pessoa reagierte und legte den Turbo ein. Abgesehen von dem Missgeschick an Sprung eins, flog Major Tom über den Stechparcours, in dem es mehrere längere Strecken zum Galoppieren gab, aber auch ein paar enge Wendungen.
Taktik aufgegangen, aber spannend bis zur letzten Sekunde
Vogel sah den Ritt von Pessoa vom Abreiteplatz aus. „Die Taktik war, meine Aufwärmsprünge hinter mich zu bringen, bevor Rodrigo springt, um mir genau anzusehen, wie er sich schlägt, und dann den zweiten Startplatz als Vorteil zu nutzen.“ Die Taktik ging auf. Cloudio sprang sicher und souverän. Am letzten Sprung ließ er das Stadion dann noch einmal die Luft anhalten. Der Schimmel berührte die Stange am letzten Sprung mit der Hinterhand. Sie wackelte noch lange in der Auflage, blieb aber liegen. Da war „Richie“ schon im Ziel und Deutschland stand als Sieger des Nationenpreis-Finale der League of Nations fest.
Richard Vogel bilanzierte gewohnt nüchtern, aber auch mit einem Augenzwinkern: „Cloudio war in der ersten Runde entscheidend fürs Team, und dann – ja, Gott sei Dank – konnte ich es in der zweiten Runde (dem Stechen) wieder gutmachen. Wir haben es für uns spannender gemacht, als es hätte sein müssen. Aber ich denke, für das Publikum war es mitreißender Sport.“
Cloudio – bestes Pferd der Serie 2026

Otto Becker war glücklich. Schnell hatte er sich noch einen Schlips gebunden auf dem Abreiteplatz, bevor es zur Siegerehrung ging. „Teamwork makes the Dream work –dieses Team hier hat es wieder geschafft: Alle Reiter haben heute hervorragende Runden abgeliefert, und ich bin froh, dass Richie es am Ende im Stechen geschafft hat. Es ist ein tolles Gefühl, es ist das Finale dieser Saison“, so der Bundestrainer.
Und das Pferd der Saison brachte am Ende die Entscheidung. Kein Pferd ging erfolgreicher als Cloudio in der Saison 2026 bei der Longines League of Nations. „Ich denke also, wenn jemand diesen Sieg verdient, dann ist es Cloudio“, so Richard Vogel. „Und wieder einmal haben meine Teamkollegen einen fantastischen Job gemacht“. Auch Sophie Hinners freute sich über den Teamspirit.

Neben Pessoa ritten für die zweitplatzierten Brasilianer Stephan de Freitas Barcha/Chevaux Primavera Imperio Egipcio (0/0), Joao Victor Castro Aguilar Gomes de Lima/Cashpaid (0/0), Pedro Junqueira Muylaert/Gemme Villers (4/-). Platz drei ging an Belgien (Pieter Devos/Primo DV (0/0), Emilie Conter/Portobella van de Fruitkorf (0/4), Abdel Said/Wathnan Bonne Amie (1/0) und Roy van Beek/Cavoira H OLD (4/-).
Ergebnis Finale League of Nations, Barcelona 2026