Holsteiner Verband erläutert Konzept des Verkaufs von Sport- und Zuchtrechten, Hengst United Way derzeit bei Max Weishaupt
Holsteiner Verband: Vermarktung von Sportrechten - United Way derzeit bei Max Weishaupt
Der Holsteiner Hengst United Way unter Lucas Wenz, hier bei den VR Classics in Neumünster 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de Das neue Konzept der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH wurde den Delegierten aus den Körbezirken bereits vorgestellt. Die Idee: Ein Hengst – ein Deckhengst – ist ein Individuum, aber eines das in zweifacher Hinsicht vermarktet werden kann: sportlich und züchterisch.
Sportrechte verkaufen, Zuchtrechte behalten
„Sporterfolg soll zum Motor für die langfristige züchterische Nutzung und Sicherung der Holsteiner Genetik werden“, heißt es beim Holsteiner Verband. So wolle man die die Leistungsfähigkeit des Holsteiner Pferdes international sichtbar machen. Championate, Global Champions Tour … – der Holsteiner setzt also auf noch mehr auf das Marketingkonzept „TV-Hengste“. So werden die Deckhengste genannt, die im internationalen Sport gehen. Gerade unter Springpferdezüchtern sind diese Hengste extrem begehrt. Die „Big Names“ der väterlichen Abstammung und der Verkaufserlös ihrer Nachkommen auf den landauf, landab im gefühlten Wochentakt stattfindenden Fohlenauktionen belegt das.
Holsteiner Genetik sichtbar machen
Ohne auf den offenen Brief, den mehrere Medien unkommentiert veröffentlicht hatten, direkt einzugehen, erläutert die Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH auf der Webseite des Verbandes ihre Strategie. Die Sportrechte verkaufen, die Zuchtrechte behalten. Sprich: Der Hengst verlässt das Land zwischen den Meeren, sein Sperma ist aber weiterhin über den Holsteiner Verband zu beziehen. Gute Erfahrungen habe man mit dem noch relativ neuen Verfahren „TG wie frisch“ gemacht. Es soll die Handhabung von Tiefgefriersperma vereinfachen. Das Verfahren, auch als „Frozen as Cool“ bekannt, soll Kosten für Bedeckungen senken, da es im Handling wie Frischsperma zu verwenden ist. Nur dass der Samen am selben Tag zum Einsatz kommen muss, an dem er den Stutenbesitzer erreicht.
Pferdezucht in stürmischem Gewässer im Land zwischen den Meeren
Die Zeiten für Pferdezuchtverbände sind generell alles andere als rosig. Die Märkte brechen weg, die Pferdezucht wird – nicht nur, aber auch wegen der GOT – immer teurer. Die Zahl geborener Fohlen schrumpft. Der Holsteiner Verband hatte in den vergangenen Jahren massive Rückgänge zu verzeichnen.
Diverse Maßnahmen wurden in den vergangenen zehn Jahren durchgeführt, um die finanzielle Lage des Verbandes, immerhin aktuell der zweiterfolgreichste Verband für die Zucht von Springpferden im Ranking der Weltzuchtverbandvereinigung WBFSH (World Breeding Federation for Sport Horses), zu stabilisieren, bzw. zu verbessern.
Zuchtkarriere nach dem Sport in Elmshorn
Das Konzept Sport-/Zuchtrechte sieht vor, dass die Hengste nach der Karriere im Sport wieder zurück in den Hengststall nach Elmshorn kommen. Ein Prinzip, dass im Holsteiner Verband von Corrado bis Casall gängige Praxis war. Mit dem Unterschied, dass diese Hengste auch in ihrer aktiven Turnierlaufbahn entweder in Holstein stationiert waren, oder aber zumindest Frischsamen relativ konstant verfügbar war. Und, dass sie im Besitz des Holsteiner Verbandes verblieben.
Der Vorwurf des promovierten Experten für Halbleiter, Slawinski, in seinem offen Brief: Nach dem Sporteinsatz seien Hengste „alt“, ihr Marktwert gesunken. Andere aktuell sporterfolgreiche Vererber würden dann das Zuchtgeschehen bestimmen.
Will der Holsteiner Verband wieder mehr Fohlen kaufen?
Im Rahmen der Maßnahmen war der Ankauf von Fohlen in den 2020er Jahren durch den Verband massiv zurückgefahren worden. Auch das ein Kritikpunkt in dem Brief des ehemaligen Vorstandsmitglieds Slawinski. „Die aus dem Verkauf von Sportrechten generierten Mittel sollen gezielt wieder in die Zucht investiert werden. Geplant sind insbesondere der Ankauf von Fohlen aus Züchterställen sowie der Erwerb junger Hengste mit interessanter züchterischer Perspektive“, heißt es nun in der Pressemitteilung.
Stehen Hengste stehen zum Verkauf?
Einst lebten die Holsteiner Züchter im Schlaraffenland. Fohlen wurden ungeboren für viel Geld verkauft. Problem: Das ist mehr als 30 Jahre her. In der Gegenwart ist es kaum möglich, dass sich Hengsthaltung gegenfinanziert. Wenige Ausnahmen ausgenommen – beispielsweise United Way, der auch jenseits von Holstein begehrt ist – erzielt kaum ein Deckhengst noch dreistellige Bedeckungsziffern. So gehört auch der Verkauf von Hengsten zum Geschäftsmodell in Elmshorn. Auch das nichts Neues. Slawinski fürchtet, dass Hengste wie United Way, Keaton, Vigado und Charaktervoll auf der Verkaufsliste stehen könnten. Darauf geht der Verband nicht ein in seinem Statement. Wohl aber darauf, dass die „Sicherung der eigenen wirtschaftlichen und züchterischen Handlungsfähigkeit“ langfristig gewährleistet werden müsste.
Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass Hengste der Kategorie wie die genannten im internationalen Markt zu siebenstelligen Summen gehandelt werden. Und dabei muss nicht zwangsläufig „nur“ eine 1 am Anfang stehen. Gerade Keaton macht in dieser Saison unter Arne van Heel Werbung für das Holsteiner Pferd. Und für sich. United Ways Reiter Lucas Wenz hat gerade den Holsteiner Verband verlassen.
United Way aktuell bei Max Weishaupt
Der Hengst United Way steht aktuell bei Max Weishaupt. Das hat der Geschäftsführer der Holsteiner Verband Hengsthaltungs GmbH, Felix Flinzer, gegenüber EQUI PAGES bestätigt. „Das Pferd steht aktuell bei Max Weishaupt, weil wir denken, dass es reiterlich sehr gut passen könnte“, so Flinzer. Weishaupt reitet auch den ehemaligen Verbandshengst Zuccero international erfolgreich. „Um Missverständnissen vorzubeugen: United Way ist aktuell bei Max Weishaupt und es geht nur darum, zu sehen, wie und ob der Hengst und Max gut zusammenpassen und man sich auch finanziell einig wird. Sollte, aus welchen Gründen auch immer, das Übereinkommen nicht zustande kommen, nehmen wir ihn gerne wieder nach Elmshorn. Dann wird Arne (van Heel) ihn weiter sportlich herausbringen.“ Sprich: Es geht um eine konkrete Abmachung und nicht darum, dass der Hengst aktiv zum Ankauf angeboten wird.