Newsletter EQUI PAGES, 21. September 2021: Al Shira'aa und Probleme von Turnierveranstaltern, Gedanken zu Dressurrichter Uwe Mechlem

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Standpunkt 22.09.2026
Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Newsletter EQUI PAGES, 21. September 2021: Al Shira'aa und Probleme von Turnierveranstaltern, Gedanken zu Dressurrichter Uwe Mechlem. Jan Tönjes meldet sich jede Montag mit einer Rückschau auf die Themen der Woche. Und einem Ausblick auf das, was kommt.

ABBA wussten es, „Money, money, money, must be funny …“! Ja, es ist schon alles etwas einfacher, wenn Geld vorhanden ist. Gerade, wenn man ein großes Turnier veranstalten möchte. Sponsoren müssen her. Nur – woher nehmen in Deutschland, wenn nicht stehlen? Deutsche Unternehmen überlegen derzeit nicht, wie viele ihrer Geschäftsbeziehungen sie per Einladung zum Gespräch ein einer VIP-Loge vertiefen möchten. Ihre Themen lauten: Wettbewerb, Energiekosten und mittlerweile immer häufiger Bürokratie, Meldepflichten oder Sozialplan. Das soll kein Lamento sein, es ist nur der Ist-Zustand. Lief schon besser in Deutschland. Das spüren alle, die überhaupt noch das Wagnis eingehen, ein Turnier auf die Beine zu stellen.


Die Lösung?


Tja, und inmitten dieser Problematik erscheint dann einer Fata Morgana gleich eine geheimnisvolle Schönheit aus dem Morgenland, um mit einer Gießkanne Geld über den danach dürstenden Seelen der Turniermacher auszuschütten. Da geht der Puls in den Teams nach oben. GELD! Es gibt es also dennoch. Nun aber schnell zupacken, solange es sprudelt wie Erdöl aus dem Bohrloch oder Touristenströme aus Urlaubsjets!


Woher das Geld kommt, wie verlässlich die Quelle? Alles egal, Hauptsache, „Kohle“ ist da. Turnier klappt. Haken dran.


Theoretisch.


Zahlungsmoral made in Middle East


Denn wie überall nachzulesen ist, hat die Sache doch einen Haken: Nennen wir es mal „kulturell unterschiedliche Auffassungen in Sachen Vertragstreue“. Sheikha Fatima Bint Hazza Bin Zayed Al Nahyan, die Fata Morgana mit dem Geldregen, scheint untergetaucht zu sein. Das Unternehmen Al Shira‘aa in Abu Dhabi, dem – Stichwort sprudeln – ölreichsten der Arabischen Emirate, wird umstrukturiert. Dabei scheint man keine Zeit haben, verabredete Überweisungen zu tätigen. Oder man feixt sich einen über die dämlichen Europäer, die beim Wedeln mit Petro-Dollars ungefähr so reagieren, wie eine Horde von Straßenhunden angesichts einer läufigen Hündin. Dass die Zahlungsmoral von Al Shira’aa eigenen Vorstellungen folgt, waberte schon lange als Gerücht durch die Szene. Auf die Idee, auf eine Vorkassen-Regelung zu pochen, die anzufragen sicherlich nicht der angenehmste Part einer Verhandlung wäre, ist wohl niemand gekommen.


Wen trifft die arabische Zahlungsmoral?


Nun also warten Pferdesport Deutschland, das Turnier der Sieger und das Deutsche Spring- und Dressur-Derby auf ausstehende Zahlungen. Man kann nur hoffen, dass die Finanzdecke der drei Veranstalter dick genug ist, um den Wegfall sechsstelliger Summen kompensieren zu können. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Finanzloch weitergereicht wird. An diejenigen, die auf den Turnieren tätig waren. Die dort aufgebaut haben, Toiletten geputzt oder als Caterer mit hohem Personalaufwand tätig waren. Alles Menschen, die dafür sorgen, dass wir als Turnierbesucherinnen und -besucher den Pferdesport genießen können. Träfe es sie, wäre das doppelt bitter.


Wie es weitergeht?


Das möchte wohl jeder gern wissen. Schön wäre es, wenn sich irgendwann wieder Sponsoren finden ließen, die nicht auf die Errichtung eines Extrazelts für eigene Belange pochen. Sponsoren, die das Erlebnis Pferdesport für ihre Zwecke nutzen und dafür eine Summe X nicht nur ins Aussicht stellen, sondern wirklich auf den Tisch legen. Aber die sind derzeit schwer zu finden.


Uwe Mechlem (1935-2026)


Schwer zu finden sind auch Menschen, denen es im Reitsport um die Sache geht. Nicht um persönliche Eitelkeiten, sondern den Sport an sich. Mit Uwe Mechlem ist ein Dressurrichter in der vergangenen Woche verstorben, der international die größten Entscheidungen gerichtet hat. Die Bodenhaftung verloren hat er dabei nie. Uwe Mechlem hatte etwas, das man sich – ja so groß muss man es machen – nicht nur von der Pferde-Community, sondern von der gesamten Gesellschaft wünschen würde: Wohlwollen. Uwe Mechlem zeichnete seine positive Grundhaltung aus und die Kompetenz und der Wille, sich argumentativ auszutauschen. Gespräche mit ihm waren sachlich spannend, nie emotional. Seine vereinende Art, die aber niemals einen faulen Kompromiss zugelassen hätte, wird fehlen.


In diesem Sinne, bis kommenden Montag!


Jan Tönjes


Redaktion EQUI PAGES




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