FN erwägt Klage gegen Al Shira'aa wegen ausbleibender Zahlungen für Bundeschampionat

Al Shira’aa fühlte sich ungerecht behandelt – jetzt werden die eigenen Versprechen nicht gehalten

Szene
Im November 2024 wurde die Partnerschaft zwischen Al Shira'aa und dem Turnier der Sieger bekannt gegeben, 2025 prangte das Logo erstmals überall. Sieger im Großen Preis: Michael Viehweg und Contario.
Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de Im November 2024 wurde die Partnerschaft zwischen Al Shira'aa und dem Turnier der Sieger bekannt gegeben, 2025 prangte das Logo erstmals überall. Sieger im Großen Preis: Michael Viehweg und Contario. Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de
Die Sponsorentätigkeiten der Al Shira'aa Stables sind ins Stocken geraten, Gelder wurden nicht gezahlt, der Kontakt ist abgebrochen. Die FN erwägt, den juristischen Weg zu gehen.

Es wurde kontrovers diskutiert, als die Al Shira’aa Stables das Titelsponsoring traditionsreicher Turnierveranstaltungen übernahmen: der Derby-Turniere in Hickstead und Hamburg, des Turniers der Sieger in Münster und der Bundeschampionate in Warendorf. Auch die Dressur bei der Royal Windsor Horse Show wird unter dem Al Shira’aa Logo abgehalten. Eigentlich sollte der UAE Sportstall aus Abu Dhabi mit Niederlassungen in u.a. Großbritannien und Münster auch Titelsponsor der Falsterbo Horse Show in Schweden werden. Doch hier war der Widerstand und der Protest so groß – unter anderem von Ausstellern und anderen Sponsoren –, dass die Veranstalter einen Rückzug machten.


Offener Brief


Hinter den Al Shira’aa Stables steht ein Mitglied des Königshauses von Abu Dhabi, Sheikha Fatima bint Hazza bin Zayed Al Nahyan, die Enkelin des Gründers und Tochter des aktuellen stellvertretenden Herrschers von Abu Dhabi. Nach Beendigung der Kooperation mit Falsterbo veröffentlichte das Büro der Sheikha einen offenen Brief. Darin erklärt sie unter anderem:


Unsere Mission war es, dazu beizutragen, diese historischen Veranstaltungen vor einer kommerziellen Übernahme zu schützen und den Sport den Menschen zurückzugeben, denen er gehört: den Fans, den Familien, den Pferdezüchtern und der Kultur, die ihn hervorgebracht hat.“


In Schweden hingegen sei sie durch die Medien „Hass, Gewalt und Rassismus“ ausgesetzt gewesen. Sie glaube u.a. an Meinungsfreiheit und die schwedischen Rechte. Aber sie und ihre Marke zu beleidigen sei keine Freiheit, sondern „ein Angriff, der Schaden anrichtet“. „Worte mögen unwichtig erscheinen – doch Taten zählen“, so die Sheikha.


So weit, so gut. Doch nun sind es die vertraglich zugesicherten Taten von Al Shira’aa selbst – oder vielmehr deren Ausbleiben, wie zum Beispiel eine Überweisung auszustellen –, die mehr zählen als Worte.


Ausbleibende Gelder


Genauer gesagt zählen sie sogar siebenstellig. So hoch soll die Gesamtsumme sein, auf die die deutschen Turnierveranstalter, die Al Shira’aa als Titelsponsor ins Boot geholt haben, noch warten. Beim Bundeschampionat wurde 2025 die vereinbarte Summe gezahlt, 2026 stehe das Geld aber noch aus, bestätigte Dr. Dennis Peiler, der Vorstandsvorsitzende von Pferdesport Deutschland. Verbandspräsident Martin Richenhagen spricht gegenüber der Süddeutschen Zeitung von einer 200.000 Euro-Lücke, die im Bundeschampionatsetat klafft. Peiler beruhigt, dass die Veranstaltung in diesem Jahr „auch ohne Titelsponsor wirtschaftlich stabil wäre“.


Münsters Turnierchef Hendrik Snoek will keine konkreten Summe nennen, die fehlt, sagt aber, der Gesamtetat des Turniers der Sieger läge bei 1,8 Millionen Euro. Von dem im Rahmen der Ankündigung von Al Shira’aa als neuem Titelsponsor in Aussicht gestellten Fünf-Sterne-Status des Turniers habe man sich bereits 2025 verabschiedet. „Das wären noch einmal 250.000 Euro mehr, und das ist in der heutigen Zeit schlecht darstellbar“, so Snoek.


Der Vertrag zwischen dem Turnier der Sieger und Al Shira’aa läuft eigentlich noch bis 2030. Aber Snoek bestätigt: „Im Moment gibt es große Irritationen. Keiner weiß ganz genau, was ist.“ Das liege an Umstrukturierungsprozessen innerhalb der Emirate was die Verteilung der Zuständigkeiten für z.B. den Sport angeht, so seine Erklärung. Ähnlich äußerte sich FN-Vorstand Peiler: „Wir stehen mit unserem Vertragspartner in Kontakt und können sagen, dass Al Shira’aa sich gerade strukturell neu aufstellt.“


Bloß, wer ist der Vertragspartner? Danach gefragt, konkretisiert Peiler: „Wir stehen mit dem Generalbevollmächtigten der Sheikha weiter in Kontakt. Er war von Anfang unser Ansprechpartner, möchte aber nicht namentlich genannt werden. Der Kontakt besteht weiterhin.“


Veranstalter verbreiten Optimismus


Trotz der Situation gibt sich Hendrik Snoek gelassen: „Für dieses Jahr ist die Thematik offen. Aber wir haben die Aussage, dass es kommt.“ Und wenn es nicht kommt – Hendrik Snoek ist überzeugt: „Wenn ein Sponsor ausfällt, muss man das neu gestalten. Das Turnier der Sieger hat eine lange Tradition. Es wird weitergehen.“ So optimistisch gab sich auch Hamburgs Turnierleiter Matthias Alexander Rath gegenüber der Süddeutschen Zeitung.


Er habe hier eine Reihe interessierter Geldgeber aufgezählt und setzt außerdem auf die Kooperation mit der neuen „Premier Jumping League„, die nächstes Jahr Station auf dem Hamburger Derby-Platz machen will. Tatsächlich listet die FEI für 2027 zwei Turniertermine auf: das traditionelle Derby-Wochenende an Himmelfahrt (5. bis 9. Mai) und ein weiteres vom 2. bis 5. September mit den Codes „CSI5* PJL, CSI4*, CSI3*, CSIAm-A“.


Da ist also eine große Veranstaltung in Planung, die parallel zum Bundeschampionat in Warendorf stattfinden würde.


FN erwägt Klage


Die FN ist zwar ebenso optimistisch, was den Fortbestand des Bundeschampionats angeht - der Vertrag mit Al Shira’aa läuft ohnehin nur bis 2027 –, aber auf die ausstehende Zahlung will Präsident Richenhagen dennoch nicht verzichten. Er habe einen Brief an die UAE Botschaft in Berlin geschrieben, erklärte er gegenüber Gabriele Pochhammer von der Süddeutschen Zeitung. Aber man „ziehe auch ein reguläres Mahnverfahren gegen die Al-Shira-Firma in Betracht und werde das Geld notfalls gerichtlich eintreiben“.


 


 


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