Amateur Springreiter Club (ASC): Interview mit Vorsitzendem Malte Laub

Amateure: Interview mit ASC-Präsident Malte Laub – „Reiten ist die schönste Nebensache der Welt“ 

Interview 25.08.2026
Redaktion von Redaktion
Malte Laub, Vorsitzender des Amateur Springreiter Club (ASC) Malte Laub, Vorsitzender des Amateur Springreiter Club (ASC)
Amateure bestimmen den Reitsport, auch den Turniersport. Doch genauso wenig wie es den Turnierreiter oder die Turnierreiterin gibt, sind Amateure alle gleich. Der Amateur Springreiter Club (ASC) wendet sich an Menschen, die sich in anspruchsvollen Parcours auf Turniern messen möchten. Aber der Anspruch des ASC geht weit darüber hinaus, sagt der ASC Vorsitzende Malte Laub.

Im Mai 2025 wurde Malte Laub zum Präsidenten des Amateur Springreiter Clubs Deutschland (ASC) gewählt. Der vor 30 Jahren gegründete Club hat sich „Sport, Freundschaft, Zusammenhalt“ auf die Fahnen geschrieben. Ein Motto, das in schwierigen Zeiten für den Reitsport in Deutschland aktuell ist wie nie zuvor. Denn die Explosion der Kosten, der Rückgang der etablierten Turniere, die kritische Haltung gegenüber dem Reitsport in Teilen der Öffentlichkeit, Rückgang der Mitgliederzahlen beim deutschen Verband „Pferdesport Deutschland“ und die angespannte Situation angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage machen es vielen der insgesamt 660.000 eingetragenen Reiter (Quelle: Pferdesport Deutschland, Mitgliederzahlen 2024) schwer, sorgenfrei in den Sattel zu steigen.




Malte Laub, Vorsitzender des Amateur Reiter Clubs (ASC)

Malte Laub, Vorsitzender des Amateur Reiter Clubs (ASC)


Im Interview berichtet der gebürtige Ravensburger Malte Laub, der seit 1994 die   Geschäftsführung der Laub Immobiliengruppe mit Sitz in Chemnitz innehat, über die Stimmung bei den organisierten Amateurreitern. Der Vater von drei Kindern kennt alle Facetten des Reitsports:  Er reitet seit Kindesbeinen an, ebenso wie Ehefrau Nicole und Sohn Marius, der bereits zweifacher Landesmeister bei den Children in Sachsen ist. Malte Laub nahm aktiv an mehreren Deutschen Amateur-Meisterschaften im Springreiten teil. Von 2021 bis 2024 war die Laub Immobiliengruppe Titelsponsor der Deutschen Amateurmeisterschaften in Springen und Dressur.




Die Krise im Reitsport betrifft Amateure wie Profis gleichermaßen. Gibt es einen Ausweg?


Zuerst einmal: Ein Mensch mit einem Pferd ist ein Reiter. Und ein Mensch ohne ein Pferd ist nur ein Mensch. Wir sind Teil einer großen Familie an Pferdefreunden. Was uns verbindet: Wir betreiben die schönste Nebensache der Welt.


Das ist unsere gemeinsame Basis. Wir treiben alle mit den Pferden Sport. Die Pferde sind zum großen Teil echte Familienmitglieder. Das gilt für uns alle – Amateure wie Profis, das würde ich nicht trennen wollen. Trennen muss man nur die Interessen, die dahinterstehen. Bei den einen sind es professionelle Interessen, bei den anderen Fall ist es der Ausgleich in der Freizeit. Die Ziele der Amateure sind naturgemäß anders gelagert, auf ganz anderem Level angesiedelt.


Ohne Amateure gäbe es keine Profis: Jeder Profi hat irgendwann einmal als Amateurreiter begonnen. Im Schulbetrieb, im Verein. Profis unterrichten Amateure, geben Lehrgänge, coachen beim Turnier. Amateure kaufen ihre Pferde bei Profis und umgekehrt. Allein durch die Anzahl der Amateure ist die Pferdewirtschaft am Leben zu halten: Ausrüstung, Stallbau, Boden, Futter, Hufschmied, usw. Turniere benötigen Amateurklassen zum Weiterbestehen. Das heißt, uns allen muss daran gelegen sein, dass die über Jahrzehnte gewachsene Symbiose und Struktur weiter funktioniert – zum Wohle aller Beteiligten.


Die schlechte Stimmung, die derzeit zu spüren ist, sollte zwar ernst genommen werden. Dennoch plädiere ich dafür, den Reitsport wieder positiver zu betrachten und dies hervorzuheben. Der Umgang mit dem Sportpartner Pferd ist – wie wir alle wissen – ein großes Geschenk.


Wie erleben Sie die Turnierszene im Amateurbereich derzeit? Was treibt Sie und Ihre Kollegen um?


Das ist jeweils eine ganz individuelle Situation. Manche befinden sich aufgrund ihrer beruflichen Aktivitäten und der aktuell sehr disruptiven Phase unserer Wirtschaft in einer schwierigen Phase. Die geringe Zeit, die zur Verfügung steht, sorgt dann dafür, dass der Reitsport eine weitere Belastung darstellt. Es gibt auch andere Amateurreiter bei uns, die den Reitsport seit Jahrzehnten betreiben und ihrem Hobby fast schon professionell nachgehen. Sie arbeiten oft eng mit Profis zusammen, da sich der Reitsport rapide weiterentwickelt. Auf diesem Niveau mitzumachen, heißt, unter großem Einsatz angesehene nationale Turnierplätze oder gar internationale Turniere zu besuchen. Die Veranstalter bieten hier zahlreiche Prüfungen an, es gibt einen Zulauf von Reitern. Wobei bei kleineren Turnieren diese Entwicklung entgegen läufig ist.


Gibt es Reiter, die ihren Sport aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben mussten/müssen ? 


Die Teuerung im Reitsport betrifft alle Sparten der Pferdesportler. Leider kommt dazu, dass sich die aktuelle schwierige wirtschaftliche Situation auch auf den Reitsport auswirkt. Es gibt genügend Reiter, die sich derzeit in einer schwierigen Lage befinden und die den Reitsport jetzt reduzieren müssen oder gar aufgeben. Ein ganz großes Thema hierbei sind zum Beispiel die Tierarztkosten.


Viele Ihrer Kollegen im Amateur Springreiter Club sind unternehmerisch tätig. Das heißt, nach einem herausfordernden Arbeitstag ist die Zeit mit dem Pferd oder den Pferden am Feierabend nicht mehr so erholsam, wie es zu besseren Zeiten war. Belastet diese Situation?


Der Pferdesport sorgt eigentlich immer für einen Ausgleich und eine positive Erfahrung bei uns Reitern. Deswegen üben wir diesen Sport aus. Nichtsdestotrotz ist die zur Verfügung stehende Zeit ein knappes Gut. Wir können nur zu Zeiten diesen Sport ausüben, wenn wir nicht beruflich und familiär gebunden sind. Diese Zeit nimmt ab, was wiederum zur Anspannung führt und am Ende auch bedeuten kann, dass die Reiter ihren Sport nicht mehr so intensiv betreiben.


Wie haben sich die Turnierbesuche in den vergangenen Jahren geändert?


Die Aktiven im Amateur Springreiter Club Deutschland sind geneigt, schöne Turniere auszuwählen, bei denen die familiären Ansprüche erfüllt werden können. Es sollen ebenfalls der Freizeitgedanke und der hohe Anspruch an die Turnierbedingungen erfüllt werden. Also optimale Bedingungen für Pferde, für die Reiter, schöne Angebote für die Familien, damit der Turnierbesuch gleichzeitig ein Familienereignis ist und bleibt. Nur dann können wir als Amateure diesen Sport nachhaltig ausüben.


Beim ASC kommen gleichgesinnte Amateurreiter nicht ausschließlich zusammen, um sich bei Turnieren sportlich zu messen. Was zeichnet die Gemeinschaft in diesem seit fast 30 Jahren bestehenden Club aus?


Beim ASC ist nicht allein der Sport mit dem Pferd ausschlaggebend. Wir stehen auch für eine Betätigung auf gesellschaftlicher Ebene, pflegen soziale Kontakte, schließen Freundschaften, die über Jahre bestehen. Man knüpft nachhaltige Geschäftsbeziehungen. All das führt dazu, dass unsere Mitglieder Menschen treffen, um gemeinsam ihre Zeit positiv zu verbringen. Bei der Heimfahrt von den Events soll am Ende das Gefühl stehen, dass man gemacht hat, was man gerne tut, gemeinsam mit seinen Pferden, Familie und Freunden.


Mit dem ASC haben wir das Ziel festgeschrieben, den Amateur-Reitsport in Deutschland nachhaltig zu stärken und unseren Verein durch die Aufnahme gleichgesinnter Pferdefreunde zukunftssicher und stabil weiterzuentwickeln. Der Club möchte wachsen. Herzlich willkommen sind Interessenten aus allen Berufsgruppen, die zur Sichtbarkeit des Amateur-Reitsports beitragen.


 Was wünschen sich die organisierten Amateure für die Zukunft?


Insgesamt ist das ein politisches, gesellschaftliches Thema. Die Gesellschaft entwickelt sich auf eine Weise, die sehr Freizeit lastig ist. Das bedeutet, man tut Dinge, die einem Spaß machen und räumt diesen mehr Gewicht ein als den Dingen, die Verpflichtungen darstellen. Dies ist gesellschaftlich und über viele Jahrzehnte politisch ermöglicht worden. Ich denke, dass sich die Turniere genauso entwickelt haben. Die Veranstaltungen sind immer größer geworden. Die gehen los am Mittwoch, manchmal sogar am Dienstag, Das bedeutet, Turnierveranstaltungen, die von Dienstag bis Sonntag gehen, sind für einen normalen Amateur nur im Urlaub realisierbar.


Der Reitsport ist wichtig, aber er ist nicht das einzig wichtige Element in unserem Leben. Wir arbeiten, um reiten zu können. Wir haben Familien, die ebenso einen festen Platz im Leben haben. Es ist unrealistisch, dass die Amateure dienstags oder mittwochs schon aufs Turnier fahren. Es wird in meinen Augen die Welt etwas auf den Kopf gestellt. Dieses Anspruchsdenken sollte revidiert werden. Das trifft nicht nur unseren Sport, sondern große Teile der Gesellschaft. Ich würde gern zurück zum Wesentlichen kommen und Prioritäten setzen.




Was können die reitenden Amateure für den Reitsport machen?


EQUI PAGES widmet dem Amateursport in den drei olympischen Disziplinen eine ausführliche Serie mit Hintergrundinformationen. Dabei wollen wir das Geschehen in Deutschland beleuchten, einen Blick in andere Länder und deren Umgang mit Amateuren im Reitsport betrachten und am Ende in einem Live Event die Frage klären, welchen Beitrag Amateurinnen und Amateure leisten können, um den Pferdesport proaktiv zu gestalten. Gerade auch angesichts öffentlicher Diskussionen lautet deswegen der Gedanke: „Reitsport in der Krise – und was wir dagegen tun“




 


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