Interview: Futtermittelhändler und Springreiter Axel Fromm berichtet, wie das Gefühl der Krise in deutschen Ställen angekommen ist
Amateure: Interview mit Axel Fromm – „Krise beim Kauf von Pferdefutter sichtbar“
Axel Fromm ist im Amateur Reiter Club (ASC) engagiert. Als Unternehmer beschäftigt er sich im Futtermittelhandel auch beruflich mit dem Thema Pferd. Foto: privat Axel Fromm ist Geschäftsführer und Inhaber von „Axel’s Futterkarre“, einem Unternehmen aus Remscheid, das sich auf den Bereich Pferdefutter, Einstreu und den Handel mit Pferdetransportern spezialisiert hat und seit über 30 Jahren besteht. Durch seine lange Erfahrung als Sportler, Trainer und noch immer aktiver Teilnehmer von Springen in den Klassen S bis 2* hat er viel Kontakt zu Pferdesportlern.
Die Situation im Pferdesport sieht er mit Sorge. Auch wenn er nicht schwarzmalen möchte und aus Erfahrung weiß, dass es immer wieder Wellen gebe, in denen es auf und ab gehe, erkennt er derzeit einen Unterschied. Aufgrund der hohen Kosten im Reitsport - besonders nennt er die Tierarztkosten und auch der Preis für Diesel - sparen die Kunden an Menge und Qualität bei den Futtermitteln, erläutert er im EQUI PAGES Interview.
Sie sind seit Jahrzehnten Turnierreiter im Amateurbereich, haben einen Futtermittelhandel aufgebaut und sind damit sehr nah dran an der Basis. Außerdem haben Sie als engagiertes Mitglied des Amateur Springreiter Clubs Deutschland engen Kontakt zu Kollegen, die selbst Unternehmen leiten. Wie laufen Ihre Geschäfte derzeit?
Schlecht. Ich kann das für meinen Bereich sogar genau festmachen: Seit November 2025 geht es bergab. Das Weihnachtsgeld im Dezember hat meinen Kunden zwar noch etwas Luft verschafft. Aber inzwischen wachsen die Sorgen. Auf der Messe Pferd und Jagd in Hannover berichteten mir die Aussteller, dass sie früher bis zu 30 konkrete Abschlüsse in den Büchern gehabt hätten, nun seien es etwa drei! Ich selbst stelle zwei Richtungen fest. Die Menge an Bestellungen sinkt erheblich. Erschreckender ist jedoch, dass keine teuren hochwertigen Produkte mehr gekauft werden.
Was hat sich geändert?
Einen großen Anteil haben die hohen Tierarztkosten. Um diese zu umgehen, schauen die Kunden, dass sie selbst über Futterzusatz-Produkte ihre Pferde „behandeln“. Die Kosten für Diesel sind ums 1,5 fache gestiegen.
Welche Sorgen treiben Ihre Kundinnen und Kunden um?
Man hält jetzt sein Geld zusammen, weil viel passiert und es schon eine diffuse Angst gibt, wie es weltpolitisch weitergeht, wie wirtschaftlich wieder ein Aufschwung eingeleitet werden kann und wie sich das Leben in den kommenden Jahren weiter verändern wird. Das geht ja nicht nur den Amateuren so, sondern auch die Profis sind betroffen. Man fährt weniger auf die Turniere.
Veranstaltungen, die wir früher unterstützt und gesponsert haben, finden nicht mehr statt. Die Kosten für ein Wochenende, allen voran die Spritpreise , sind einfach zu hoch. Ich selbst war bestimmt schon 18 Mal in Palermo. Früher wurde da alles vom Veranstalter bezahlt. Inzwischen fahre ich nicht mehr hin, weil es unser Budget einfach übersteigt. Bei vielen Reitern muss die Familie zurückstecken. Das ist nicht zu rechtfertigen. Wenn die Turniere dann bereits am Donnerstag oder noch früher beginnen, können wir Amateure nicht mehr teilnehmen. Das Dilemma ist, bei tollen Turnieren wie zum Beispiel in Balve bekommen wir nur Startzeiten am Donnerstag, Freitag und Samstag.
Haben Sie eine Idee, wie sich der Pferdesport verändern wird?
Ich möchte nicht alles der Politik in die Schuhe schieben. Die Weltwirtschaft gibt den Takt vor. Während Corona liefen unsere Geschäfte sehr gut. Da ich auch einen Anhänger-Betrieb habe, kann ich sagen, dass in dieser Zeit ganz viel gekauft wurde, dass das Equipment auf Vordermann gebracht worden ist.
Die verkauften Schubkarren sind noch immer neu, man braucht also gerade keine. Jetzt ist dieses Geschäft rückläufig, weil es halt nicht immer höher, schneller, weiter geht. Das Leben ist keine Einbahnstraße. Dennoch macht uns auch die negative Stimmung in der Szene zu schaffen. Gefühlsmäßig hilft der deutsche Pferdeverband auch nicht, dies zu verbessern. Ein Punkt, der gerade für ziemliche Verstimmung sorgt, sind die neuen EU-Vorschriften für den grenzüberschreitenden Transport, der auch nicht-gewerbliche Pferdetransporte betrifft.
Danke für das Gespräch
Axel Fromm engagiert sich seit vielen Jahren im Amateur- Springreiterclub Deutschland, und wird im Herbst wieder bei den Deutschen Meisterschaften der Amateurreiter an den Start gehen.

Was können die reitenden Amateure für den Reitsport machen?
EQUI PAGES widmet dem Amateursport in den drei olympischen Disziplinen eine ausführliche Serie mit Hintergrundinformationen. Dabei wollen wir das Geschehen in Deutschland beleuchten, einen Blick in andere Länder und deren Umgang mit Amateuren im Reitsport betrachten und am Ende in einem Live Event die Frage klären, welchen Beitrag Amateurinnen und Amateure leisten können, um den Pferdesport proaktiv zu gestalten. Gerade auch angesichts öffentlicher Diskussionen lautet deswegen der Gedanke: „Reitsport in der Krise – und was wir dagegen tun“


