Newsletter WM Tag 5: Bronze für Katharina Hemmer, promovierter Kursdesigner, Kürverzicht von Denoix

Newsletter WM Tag 5: Hemmer the Hammer 🔨  Promovierter Kursdesigner, Kürverzicht von Denoix, Kürbasteln mit Simone Pearce

Standpunkt 15.08.2026
Der WM Newsletter aus Aachen. Täglich wissen, was Sache ist. Der WM Newsletter aus Aachen. Täglich wissen, was Sache ist.
Das Editorial des Newsletters vom fünften WM-Tag, Samstag, 15. August. Von Geländekurs bis Kürbasteln. Und natürlich „Katha“ Hemmer, the Hammer.

Heute ist das, was auch schon gestern war: Entscheidungstag. Außerdem steht die sportlich größte Herausforderung dieser Weltmeisterschaft an: die Geländestrecke der Vielseitigkeit. Was sich schon gestern andeutete, wurde heute zur Gewissheit. Nicht nur wir waren mit den vielen Zahlen und Buchstaben sowie den Farben grün und rot an den Hindernissen überfordert. Der Satz von dem „promovierten“ Kursdesigner fällt häufiger. Dr., bzw. Dottore, Giuseppe della Chiesa – quasi der Doktor Kirchen Jupp – hat insofern etwas erstmaliges geschaffen, als dass es noch nie eine WM mit zwei Geländekursen gab. Natürlich ist die Cross Country Strecke auch nur ein Kurs, aber mit zwei Routen. Routenplanung ist, „wenn möglich, bitte wenden“, nichts für Anfänger. Es würde den Platz dieses Newsletters sprengen, wenn ich das alles nochmal ausführe. Wer wirklich verstehen möchte, wie das Konzept ist, möge bitte die ausführliche Darstellung mit Einschätzungen von Andreas Dibowski und Dr. Annette Wyrwoll (mit Bildern von der Strecke) lesen, die wir zusammengestellt haben. Dann weiß man vorm Fernseher oder Laptop die Ideen des Dr. Kirchen Jupp vielleicht etwas besser einzuschätzen.


Gestern gab es die erste Einzelentscheidung der WM. Grand Prix Special in der Dressur. Die neue Weltmeisterin ist die alte, Charlotte, Lottie, Fry und Glamourdale. Die waren weniger hoch gewettet im Vorfeld, aber sie haben durch Leistung überzeugt. Was auch für die Gewinnerin der Bronzemedaille gilt: Katharina Hemmer und Denoix wurden im Grand Prix noch stiefmütterlich behandelt im Vergleich zur Konkurrenz. Gestern haben sie es allen gezeigt. Ein toller Ritt (die Ritte der Top-Paare kann man hier nochmal nachlesen). Zwei kurze Anmerkungen: Katharina Hemmer verzichtet auf den Ritt in der Kür, weil Denoix ja eine kurze Auszeit in der Saison hatte. Horsemanship!


Genauso bemerkenswert finde ich, wie Lottie Fry ihren Glamourdale verbessert hat. Die Britin stand immer auch mal in der Kritik, sie hat ihr Reiten verfeinert und – meine persönliche Meinung – an dem Weltmeister Glamourdale 2026 kann ich mich erfreuen. Mit dem von Herning 2022 hatte ich da so meine Probleme.




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Schnell noch zwei Anekdötchen zur Dressur: Wobei Anekdötchen den Zustand von Raphael Netz, der gestern ebenfalls erneut persönliche Bestleistung geritten war, verharmlost. Denn während für die Pferde (auch auf der Geländestrecke und im Zielbereich) alles Erdenkliche möglich gemacht wird, gab es für die Reiter – nichts. Nach seinem Ritt musste er durch die Medienmühle. TV-Sender, Radiostationen. Es gibt ein Zelt, ein stickiges bei 36 Grad Außentemperatur, in dem die Athleten vorbeischauen müssen nach ihrem Ritt. Am Ende warten die NRH, die Non Right Holders. Menschen wie wir, die kein Geld dafür ausgeben, über die WM zu berichten. Wir sind nicht im Zelt, wir müssen draußen bleiben. Kein Zelt, kein Schatten, aber eine Wand mit Sponsporenlogos. Die hätte man sicherlich trefflich (apropos – Moritz Treffinger war heute auch da, Grüße gehen raus) als Schattenspender zweckentfremden können. Aber ich glaube, man hätte sich damit wenig beliebt gemacht. Kurzum: „Raphi“ kam, sprach von Camelot, der immer „noch mehr“ gibt, wurde blass und musste sich hinsetzen. Wasser für die Athleten? Fehlanzeige. Gut, wenn man sportliche Pressesprecherinnen hat. Sabine Gregg ist genau das und zusätzlich noch schwanger. Aber trotz Babybauch sprintete sie los, um Raphi zu versorgen. Chapeau!


Anekdote Nummer zwei: Die Australierin Simone Pearce hatte nicht damit gerechnet, mit ihrem zehnjährigen Will Marq bis ins Kürfinale vordringen zu können. Also ist sie ohne Kür nach Aachen gereist. Da galt es zu improvisieren. Sie hat einen Kürarrangeur gefunden, der seit gestern etwas bastelt. Und in einem Reitstall nahe Aachen hat sie sich ein Grand Prix Pferd geliehen, auf dem sie einmal die Linien reiten kann. Mal sehen, was draus wird.


Das gilt auch für den Wald rund um Hürtgenwald. Bei der nächtlichen Fahrt ins Quartier in Belgien sahen wir glutrot erleuchteten Himmel. Da schluckt man trocken ab. Tatsächlich sind aber Kolleginnen rund um uns herum im Pressezentrum deutlich betroffener. Die haben Unterkünfte in Hürtgenwald. Teilweise haben sie heute morgen Personaldokumente und Wertsachen sicherheitshalber mit in die Soers genommen. Klamotten sind ja zu ersetzen … Auch eine E-Mail vom Hotel, „wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir derzeit nicht von der Evakuierungsaufforderung betroffen sind“, mag ja nett gemeint sein, aber einen Beigeschmack (nach Gegrilltem?) hinterlässt sie schon.


Stichwort Gegrilltes – eine sehr gute, liebe Freundin von mir aus den USA hat von ihrem Sohn einen Trip zur WM geschenkt bekommen. Jetzt sind sie da und wollten einen Restauranttipp für gute deutsche Küche in Aachen. Da bin ich überfragt, habe mich aber an eine liebe Kollegin der Aachener Zeitung gewandt. Die war, obwohl Aachener Urgestein, überfragt und hat ihr gesamtes Team recherchieren lassen. Das nenne ich mal Teamwork, danke! (Wer noch Tipps parat hat – gerne an meine E-Mail).


Unsere nächste Folge des Podcasts in Kooperation mit wehore ist da!


Für die Tagesplanung: Hier die wichtigsten Zeiten in der Übersicht.


9.15 Uhr Start Geländeprüfung


10.00 Uhr Libussa Lübbeke mit Caramia FRH

11.36 Uhr Malin Hansen-Hotopp mit Quidditch K

13.39 Uhr Julia Krajewski mit Nickel

14.23 Uhr Christoph Wahler (Einzelreiter) mit D’Accord

15.28 Uhr Michael Jung mit Chipmunk


19.00 Uhr Start der Kür (die Liste war zum Versendungstermin noch nicht veröffentlicht).


Schließlich eine Erkenntnis: Die Götter können keine Berichterstatter sein: Gestern überschnitten sich die Startzeiten von Isabell Werth und Michael Jung. Und den beiden kann man ja wirklich nicht nachsagen, dem Olymp nicht recht nah zu stehen.


In diesem Sinne – bis morgen!


Jan Tönjes

jan.toenjes@equi-pages.de


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Dieser Text wurde erstmals am 15. August 2026 veröffentlicht.


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