WM Aachen Dressur Grand Prix Special: Gold für Titelverteidigerin „Lottie“ Fry (GBR), Silber an Cathrine Laudrup-Dufour (DEN), Bronze für Katharina Hemmer

WM Aachen Grand Prix Special: Charlotte Fry Weltmeisterin, Sensations-Bronze für Katharina Hemmer, Laudrup-Dufour Silber

Dressur
Bronzemedaille für Katahrina Hemmer und Denoix bei der Weltmeisterschaft 2026 in Aachen im Grand Prix Special. Foto: sportfotos-lafrentz.de Bronzemedaille für Katahrina Hemmer und Denoix bei der Weltmeisterschaft 2026 in Aachen im Grand Prix Special. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Die neue Dressur-Weltmeisterin ist die alte: Die Britin Charlotte, Lottie, Fry hat mit Glamourdale Gold im Grand Prix Special in Aachen gewonnen. Silber ging an Cathrine Laudrup-Dufour (DEN). Sensationell gewannen Katharina Hemmer und Denoix die Bronzemedaille.

Schon der Auftakt der Prüfung von Charlotte Fry (GBR) und Glamourdale machte klar: Zum „Mitreiten“ war das Paar nicht nach Aachen gekommen. Selbstbewusst stand der Rappe zum Gruß, schwungvoll ging es los. Der 15-jährige marschierte in der ersten Trabverstärkung los wie ein König. Aber kein Hengstvorführungs-Trab, sondern eine reell über den schwingenden Rücken entwickelte Trabverstärkung. Er passagierte mit Gleichmaß und viel Aushaltmoment. Das Maul war während der Prüfung selten geschlossen, aber das galt für nahezu das gesamte Spitzenfeld.


Gold für Charlotte Fry und Glamourdale


Der Schweif (reicht für zwei) des imposanten KPWN-Hengstes pendelte locker. Vorm Schritt lag das britisch-niederländische Duo bei 81,5 Prozent in der Zwischenwertung.


Weltmeisterin 2026: Charlotte Fry (GBR) und Glamourdale. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Weltmeisterin 2026: Charlotte Fry (GBR) und Glamourdale. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Vor der ersten Piaffe gab es einen kleinen Stopper. Dann piaffierte Glamourdale aber willig an, in der zweiten Piaffe zeigte das Paar sicherlich nicht zu wenig Tritte. Beim Angaloppieren gab es dann eine weitere Unsicherheit.


Galopp - Punkt für Punkt für Punkt


Aber dann ging es rund. Sehr gute Galopptraversalen in toller Silhouette. Doe Zweierwechsel sehr gut, die Einerwechsel nahezu perfekt. Die große Galoppade des Hengstes zu versammeln, ist nicht einfach. Aber als das ausgereifte Grand Prix-Pferd, das der Rappe mittlerweile ist, kann er nun „klein“ und „groß“ galoppieren. Das zeigte sich auch in den Pirouetten. Vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen und auch noch in Crozet bei der Europameisterschaft 2025 sah diese Lektion noch ganz anders aus – gestemmt, gedreht, so wie es die internationale Richterschaft lange Zeit nicht moniert hat. Nun springt der Hengst die Pirouetten so wie es sein soll. Es wurde immer lauter auf der Tribüne, spätestens, als eine 9,9 für den starken Galopp auf der Anzeigetafel erschien.


Euphorie im Stadion


Die letzte Linie mit einer aktiv von hinten nach vorne über den Rücken arbeitenden Passage, einem gleitenden Übergang in die Piaffe, die aktiv getreten und ganz gleichmäßig gezeigt wurde, unterstrich den Anspruch des Paars: Podium! Und zwar weit oben.


Am Ende begannen einige im Publikum schon zu klatschen, während andere das vergeblich mit lautem „Psssst“ zu verhindern versuchten. 82,295 Prozent vergaben die Richter. Das war die Führung, nur noch Katharina Hemmer stand auf der Starterliste. Und es sollte die Titelverteidigung bedeuten.


Der Grund für den Erfolg: Partnerschaft


Mittlerweile kenne sie „Glamie“ in- und auswendig, sagte Charlotte Fry. Am Tag vorm Grand Prix habe sie schon gefühlt, „er ist in Topform, das kann gut werden“. „Glamourdale liebt Aachen, liebt Stadien“. In der Prüfung habe sie immer gesagt, „ho, vorsichtig, er aber immer: nee, los, Risiko!“


Aachen und Glamourdale – das passt


„Ich hatte noch nie einen schlechten Ritt in Aachen – bislang“, das sei ihr Credo im Vorfeld gewesen. Die deutliche Verbesserung des ja mittlerweile auch schon 15 Jahre alten Hengstes sei in der langen Partnerschaft begründet, so Lottie Fry. „Ich weiß, welche Turniere er mag, wir sind viel zu Hause geblieben. Weniger Turniere, Fokus auf viel versammelnde Arbeit wie Passagen.“ Und da ist noch etwas: „ihn auch decken zu lassen, wenn er möchte“, grinst die Weltmeisterin.


Silber: Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle


Locker und elastisch in der gesamten Trabtour. Akzentuiert und schwingend in der Passage, vom Fleck weg im starken Trab und weich in der Zurückführung. Das Maul war permanent in Bewegung, die Stute wirkte aber zu keinem Zeitpunkt dabei unzufrieden. Lange sah es nach einem Durchmarsch der Dänin Richtung Goldmedaille aus.


Vor dem Schritt lag die Zwischenwertung bei über 84 Prozent. Ein kleiner ungleicher Tritt in der ersten Piaffe fiel zunächst nicht weiter auf.  In der zweiten musste Cathrine Laudrup Dufour auch noch einmal korrigierend eingreifen. Das waren die wenigen Lektionen, die keine Acht vor dem Komma hatten.


Cathrine Laudrup-Dufour (DEN) und Freestyle gewann Silber. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Cathrine Laudrup-Dufour (DEN) und Freestyle gewann Silber. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Zunächst klar auf Goldkurs


Die Galopptraversalen gelangen beispielhaft in Balance und Gleichmaß. Einer der Zweierwechsel war kürzer gesprungen als der Rest. Aber dann: In den Einerwechseln kam es zu einem Fehler. Da ging ein Raunen durchs Publikum. Doch es sollte nicht bei diesem einen Problem bleiben. Die Linkspirouette war an der Grenze im Rhythmus, wenn auch sehr zentriert. Die nach rechts dann mit beidbeinigem Stemmen statt klarem Galoppsprung im Hinterbein.


Dank der geschmeidigen Schlusslinie blieben die beiden bei über 80 Prozent (80,127). „Ich war enttäuscht von mir. Sie ist in solch einer tollen Form. Sie ist fit, sie mag die Arena. Sie hätte es verdient, dass ich in solch guter Form war, wie sie ist.“


Aber einen Tag gibt es ja noch. Morgen steht die Kür an. „Die neue Musik liebt sie“, ist sich Cathrine Ludrup-Dufour sicher. Am Ende der 80er Jahre-Melodien heißt es „nothing’s gonna stop me now“ – na denn…


Bronze für Katharina Hemmer (GER) und Denoix


Katharina Hemmer hielt den Zeigefinger vor ihre Lippen beim Hereinreiten, leise, bitte! Auf dem Sand angekommen ritt sie eine halbe Schrittpirouette und galoppierte zügig an.


Und ab dann lieferte das Paar. Alles im Fluss, kreuzende, losgelassene Traversalen nach links. Passagen im absoluten Gleichmaß, kein Bein zuckte da höher als das andere. Hier zucckte nichts, dafür schwang alles. 80,93 Prozent lautete die Note vorm Schritt. Der war nicht ganz spannungsfrei im starken Tempo. Aber versammelte war einer der besten der WM-Prüfung.


Piaffen vom Feinsten


Die erste Piaffe kam auf die erste Hilfe. Der Oldenburger arbeitete taktmäßig auf der Stelle. Die zweite Piaffe und die Übergänge waren von noch besserer Qualität. Einmal „klaute“ Denoix seiner Ausbilderin den fliegenden Galoppwechsel zwischen den Traversalen. Makellose 15 Einerwechsel ohne den Hauch einer Schweifbewegung.  Die Rechtspirouette war nicht die kleinste des Tages. Mit Passagen und der Piaffe bei X und einem langen, sicheren Halten zum Abschluss, „da habe ich ihm gesagt, wir müssen nun wirklich halten, auch wenn die Leute applaudieren“. Sie habe viel gesprochen in der Prüfung. Aber weniger zu Denoix als zu sich selbst, „Fokus, vors innere Bein …“. 80,866 Prozent, Bronze!


Für die 32-Jährige ist der heutige Tag, wie sie ihn niemals erwartet hätte. „Ich hätte nie von einer Einzelmedaille geträumt.“ Der Fokus lag immer auf der Mannschaft, bei der sie mit persönlicher Bestleistung ideal abgeliefert hatte. „Das heute ist die Kirsche auf der Sahne“. Dann hielt sie kurz inne. „Er ist mein bester Freund.“  Dann rollten die Tränen.


Keine Kür für Denoix


Anschließend gab es noch eine Überraschung. Hemmer wird keine Kür reiten. Weil der Fuchswallach kurz vor den Deutschen Meisterschaften ausgefallen war, sei die Kür „nicht so gut vorbereitet, wie es sein sollte“. Sie habe die Kür in diesem Jahr nur einmal geritten.


Isabell Werth und Wendy Vierte


Gute Traversalen, leicht gelaufene Trabverstärkungen, Passagen, denen in einigen Momenten mehr Abdruck aus dem Hinterbein gewünscht hätte, ließen Isabell Werth und Wendy in der Zwischenwertung bei 80,6 Prozent vorm Schritt landen. Ein Stolperer beim Einstieg in die erste Piaffe drückte die Note des versammelten Schritts. Die Piaffe selbst gelang dann aber sicher. In der zweiten Piaffe hatte die dänische Stute den Takt eines Metronoms und die Nase sehr klar vor der Senkrechten.


Mehrfaches Schnauben begleitete die Galopptraversalen. Die Zweierwechsel gelangen ohne Fehler, so wie im Grand Prix. Dann kamen die 15 Einerwechsel: Gleich zu Beginn gab es einen Fehler. In der Linkspirouette sprang Wendy hinten nicht ganz flüssig. Auch in den folgenden Einerwechseln kam es wieder zu Fehlern. Die anschließende Rechtspirouette gelang gut.


Punkte auf der letzten Mittellinie


Mit der Piaffe bei X und den Passagen konnte das Paar dann noch Punte wiedergutmachen. 79,544 Prozent waren es, Platz vier, einige Punkte vor dem Belgier Justin Verboomen.


Justin Verboomen (BEL) und Zonik Plus


Auch wenn im starken Trab wenig Rahmenerweiterung zu erkennen war, wirkte das Paar konzentrierter als im Grand Prix. Passagen mit viel Aushaltemoment, ein entspannter starker Schritt. In den Piaffen glänzte der Rappe nicht in dem Ausmaß, wie man es schon gesehen hat.


Eine Linie wie eine Achterbahn


Im Galopp gab es Fehler in den Einerwechseln. Auch an der kurzen Seite im Anschluss war das Paar sich nicht einig. Aber dann: Eine Pirouette, an dder kaum etwas nicht richtig gut war, dann Einerwechsel, wieder Fehler,. Und eine weitere tolle Pirouette. Alle Ups and Downs auf einer Linie. Auf der letzten Linie mit einer technisch sicheren Passage und Piaffe wackelte der Zonik-Sohn immer leicht mit dem Kopf hin und her, 79,362 Prozent.


Carl Hester (GBR) und Fame


Geschmeidige, aber weniger stark kreuzende Trabtraversalen, erhabene Passagen zum Auftakt. Der Wallach ging phasenweise immer wieder leicht hinter der Senkrechten. Nach dem Durchparieren aus der Passage, dehnte sich der KWPN-Wallach sofort an die Reiterhand mit tiefem Hals.


Die erste Piaffe war sicher am Platz, die zweite lebhafter und mit besserer Position der Stirn-Nasenlinie. Die war da zumindest beinahe an der Senkrechten.


Hesters letztes Championat


Durchgängig galoppierte Fame an der Grenze des Dreitakts, nicht nur im Vorwärts, sondern in der Tendenz auch in den Traversalen. Die Serienwechsel absolvierte er fehlerfrei, gerade und ausbalanciert.


Die Einerwechsel gehörten zum besten der Prüfung. Eine zweite Pirouette auf kleinem Kreis und eine sehr gleichmäßige Passage-Piaffe-Tour auf der Mittellinie schloss eine runde Prüfung ab: 78,298 Prozent – damit hatte sich der 59-Jährige, der seine Karriere mit der Kür am Samstagabend abschließen wird, zwischenzeitlich an die Spitze des Feldes gestellt. Am Ende war es Platz sechs vor seiner Schülerin Becky Moody und Jagerbomb.


Marieke van der Putten (NED) und Zantana


Die Stute und die erfahrene Reiterin sind definitiv „one to watch“, aber das schon seit ein paar Monaten. War das Championatsdebüt bei der Europameisterschaft in Crozet 2025 noch sehr von Spannung geprägt, zeigte sich die Oldenburger Rappstute aus der Zucht von Paul Schockemöhle in Aachen deutlich gereifter.


Aber dass die Routine im Grand Prix Special noch nicht voll da ist, war mehr als einmal zu bemerken. Erst galoppierte die Stute im starken Trab auf der linken Hand an, später auch noch einmal an der langen Seite. Ein Galoppwechsel zu drei Sprüngen zu Beginn der Zweierwechsel kostete weitere Punkte. Die 15 Einer gelangen, waren aber schlecht eingeteilt – einfach zu früh begonnen. Ehrgeizig gesprungene Pirouetten und eine mechanisch aufwendige Passage zum Schluss ließen es trotz der Fehler ein „Personal Best“ werden, 76,426 Prozent, Platz acht.


Frederic Wandres und Bluetooth OLD


Es fing so gut an. Der Auftaktsgruß sicher. Plötzlich war es ganz leise im Stadion. Beinahe anmutiges Schweigen. Frederic Wandres ritt millimetergenau von Punkt zu Punkt. Federnde Passagen, klar zu erkennende Rahmenerweiterung im starken Trab.


Die erste Piaffe war im Vorwärts und in drei Phasen. Die zweite Piaffe gelang besser, am Punkt, aber mit etwas wenig Tritten.


Im Galopp lief zunächst alles nach Plan. Aber nach der ersten Pirouette ritt Frederic Wandres dann elf statt neun Einerwechsel. In der folgenden Rechtspirouette sprang der Bordeaux-Sohn dann auch noch hinten einmal um. Ein extrateurer Fehler – auch diese Lektion wird mit zwei multipliziert. 74,24 Prozent. Damit war klar: Raphael Netz wird in der Kür dabei sein. Nach Katharina Hemmers Verzicht auf die Kür, kann aber auch „Freddie“ am Samstag unter Flutlich reiten.


Ergebnis Weltmeisterschaft Dressur Grand Prix Special 2026


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