WM Aachen Grand Prix Special, erste Hälfte: Führung für Moody (GB) vor von Essen (SWE) und Netz (GER)

WM Aachen: Becky Moody führt nach erster Hälfte des Grand Prix Special, Raphael Netz Dritter

Dressur
Raphael Netz und Great Escape Camelot schafften eine persönliche Bestleistung im Grand Prix Special bei der WM in Aachen. Foto: sportfotos-lafrentz.de Raphael Netz und Great Escape Camelot schafften eine persönliche Bestleistung im Grand Prix Special bei der WM in Aachen. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Nach der ersten Hälfte des Grand Prix Special liegt die Britin Becky Moody mit Jagerbomb klar in Führung. Ein wunderbar anzuschauender Ritt der Schwedin Maria von Essen lässt sie in der Zwischenwertung auf Rang zwei stehen. Raphael Netz ist dank einer Kleinigkeit Dritter.

Schon die Arbeit gestern war sehenswert: Becky Moody und Jagerbomb arbeiteten mit Carl Hester vor allem an der Geschmeidigkeit. Traversale bis zur Viertellinie, dort Schulterherein. Wechsel zwischen Renvers und Travers, klassisches Arbeiten – schön anzuschauen. Und diese Geschmeidigkeit nahm das Paar mit in die heutige Prüfung.


Jagerbomb ist kein hocheleganter Tänzer. Sein wuchtiger Körper schreit nicht nach dem Ballettsaal, aber auf der Tanzfläche besticht er dann doch. Der starke Trab energisch, die Passagen klar abgesetzt. Im Grand Prix Special mit dem Wechsel zwischen versammeltem und starkem Trab und Passagen im ersten Drittel der Aufgabe ließ Becky Moody keinen Punkt liegen. Der bei ihr geborene Wallach ist kein Pferd für eine 9,0, aber eben auch keins für ein 6,5.


Ein Grand Prix Special zum Genießen


In den Piaffen riss er nicht die Vorderbeine hoch, aber er senkte sich in der Kruppe, blieb geschmeidig, fußte gleichmäßig und sicher ab. Das Gleichgewicht und die beständige, weiche Anlehnung bestand während der gesamten Prüfung.


Punkten konnten die beiden vor allem in den Galopplektionen, in den Serienwechseln und den Pirouetten. Im starken Galopp „trat“ Becky Moody schon recht früh auf die Bremse. 77,76 Prozent erhielt das Paar und ging damit nach der Hälfte der Starter in Führung.


Becky Moody (GBR) und Jagerbomb lieferten im Grand Prix Special einen Ritt ohne Fehl und Tadel bei der WM in Aachen ab. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Becky Moody (GBR) und Jagerbomb lieferten im Grand Prix Special einen Ritt ohne Fehl und Tadel bei der WM in Aachen ab. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Maria von Essen und Invoice


Der schicke Rapphengst Invoice war im Grand Prix noch recht beeindruckt gewesen. Heute wirkte er etwas entspannter und das zahlte sich aus: 75,274 Prozent, persönliche Bestleistung. Der wahrscheinlich letzte sportaktive Sohn des KWPN-Hengstes Jazz glänzte in den Momenten höchster Versammlung – in den Piaffen und Pirouetten, mit Hankenbeugung, Aktivität im Hinterbein und wunderbar balanciert.


Maria von Essen (SWE) und Invoice zeigten nicht nur eine persönliche Bestleistung, sondern vermutlich den Ritt ihres Lebens. Foto:sportfotos-lafrentz.de
Maria von Essen (SWE) und Invoice zeigten nicht nur eine persönliche Bestleistung, sondern vermutlich den Ritt ihres Lebens. Foto:sportfotos-lafrentz.de

Dass die Reiterin, die mit ihrer Schwester gemeinsam trainiert (hier ein kleines Porträt), die beste der drei schwedischen Teammitglieder würde, hätte wohl kaum jemand gedacht. Sie am wenigsten. Beim Herausreiten flossen Glückstränen, bei so ziemlich allen Schweden vor Ort. Und auch bei einigen auf den Rängen.


Raphael Netz und Great Escape Camelot


Das Paar kam im entspannten Schritt ins Stadion, dessen Tribünen schon deutlich voller waren als noch im Grand Prix. Eine leichte Brise wehte durch Stadion, es war warm, aber keine, pardon, Affenhitze.


Raphael Netz erzählte im Anschluss, dass er sich zeitlich mit dem Schrittreiten etwas verplant hatte und deswegen noch einmal kurz zurück in den Stall gegangen war. Von Fehlplanung war allerdings bei diesem Ritt nichts, aber auch gar nichts zu sehen.


Traversalen – so soll das aussehen


Mit einem frischen Galopp an der langen Seite holte „Raphi „Schwung, dann ging es auf die Mittellinie. Der erste Gedanke: Immer wieder unfassbar, wie dieser Mann zu Pferde sitzt. Die Trabtraversalen nach links, Koeffizient zwei in dieser Aufgabe, erfüllten alle Kriterien – elastisch, weit ausgreifend und kreuzend, stabil im Genick, sicher gestellt und gebogen. Das hätte auch eine Acht sein dürfen, aber nicht alle Richter konnten sich dazu durchringen. Aber die meisten.


Prima Passagen


Die Passage, generell eines der Highlights des Johnson-Sohns, riefen die ersten Achten auf die Anzeigetafel des Runnings Scores, also der laufenden Wertung, die nur die Zuschauer sehen können. Die Wechsel zwischen höchster Versammlung und starkem Tempo arbeitete Raphael Netz hervorragend heraus.


Versammelter Schritt – Demonstration von Durchlässigkeit


Der starke Schritt war vom Fleck weg losgelassen. Der versammelte nicht nur der Beweis für reelle Ausbildung, sondern auch ein Beispiel, wie diese Lektion geritten sein will. Jeder Schritt mit Fleiß, aber versammelt, super taktsicher. Wohltuend anders als bei vielen der Konkurrenten, die im versammelten Schritt die Luft anhalten und nur hoffen, dass die Richter nicht merken, dass von Viertakt kaum mehr die Rede sein kann.


Das Anpiaffieren aus dem versammelten Schritt war sicher. Die Piaffen sind keine der Lektionen mit maximaler Strahlkraft bei Camelot. Aber auch hier zahlt sich gutes Reiten aus. Das Paar zeigte sie sicher am Platz, die anschließenden Passagen mit viel Ausdruck.


Galopptour


Gerade und bergauf gesprungene Zweierwechsel zu Beginn der Galopptour. Dann die Einerwechsel, die im Grand Prix noch zu einem Missverständnis geführt hatten. Sie waren immer noch leicht schwankend aber mit mehr Volumen – Luft nach oben, aber schon ein ganzer Schritt weiter als im Grand Prix. Diesmal ist die Strategie schwungvoller als sonst in die Serienwechsel zur reiten, voll aufgegangen.


Beim starken Galopp gab es einen kleinen Fehler in der Rückführung. Die erste Pirouette war ein weiterer Höhepunkt, in der zweiten war am Ende etwas viel Schwung, aber das waren Nuancen. Am Ende ein Halten wie aus dem Lehrbuch.


Vertrauen


Mochte das Publikum noch so toben, in diesem Moment, als längst die ersten schwarz-rot-goldenen Flaggen geschwenkt wurden, stand der Wallach wie ein Denkmal. Ein entspanntes. Das Urvertrauen zu seinem Reiter, das Camelot da an den Tag legte, war sicherlich auch einer der vielen Faktoren, die einen Beitrag zu der persönlichen Bestleistung des Paars beigetragen hat – 75,319 Prozent!


Bundestrainerin Monica Theodorescu sagte, Camelot gäbe immer alles im Viereck. Das musste Raphael Netz korrigieren. „Er gibt mehr, mehr, immer mehr. Ich frage mich selbst, wo er das hernimmt.“


Pearce Vierte der Zwischenwertung


Die Australierin Simone Perace und Will Marq lieferten ebenfalls eine persönliche Bestleistung ab. Das Paar, das beständig gute Platzierungen in der laufenden Saison geliefert hat, konnte mit Passagen und Piaffen Punkte sammeln. Der Braune ist ein recht komplettes Pferd und steht mit seinen zehn Jahren noch am Anfang seiner Karriere. Die 74,438 Prozent von heute dürften nur ein Zwischenziel des Paars sein.


Zwischenergebnisse des Grand Prix Special Weltmeisterschaft Aachen 2026


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