Faustino G. gewinnt Qualifikation der Sechsjährigen bei der WM junge Dressurpferde in Verden

WM junge Dressurpferde: Dänische Doppelspitze bei den Sechsjährigen

Dressur
Letztes Jahr Vierter der Qualifikation und im Finale, dieses Jahr Sieger der Quali bei den Sechsjährigen: Faustino G. mit Betina Jæger Jensen.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Letztes Jahr Vierter der Qualifikation und im Finale, dieses Jahr Sieger der Quali bei den Sechsjährigen: Faustino G. mit Betina Jæger Jensen. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Die WM der jungen Dressurpferde in Verden wurde heute mit der Qualifikation der Sechsjährigen eingeleitet. Das Dänische Warmblut stellte die beiden Spitzenpferde, aber die Teilnehmer aus deutschen Zuchtgebieten konnten ebenfalls überzeugen.
Faustino G. mit Betina Jæger Jensen – 9,7 für den Trab. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Faustino G. mit Betina Jæger Jensen – 9,7 für den Trab. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Letztes Wochenende hat Betina Jæger Jensen noch ihre Tochter auf dem Weg zum EM Titel bei den Ponys in Le Mans gecoacht, dieses Wochenende ist Filippa mit Mama in Verden bei der WM junge Dressurpferde dabei. Mitgebracht haben sie Faustino G.. Der war bereits im vergangenen Jahr bei der Verdener WM am Start. Damals war er Vierter in der Qualifikation und später auch im Finale. Heute gewann er die Quali gegen 44 Konkurrenten …


Das „G.“ im Namen des Hengstes lässt es erahnen – auch Faustino stammt aus der Zucht von Helene Geervliet, die u.a. auch Züchterin der inzwischen von Fiona Bigwood vorgestellten dreifachen Weltmeisterin Quinn G. ist. Allerdings kommen die beiden Pferde aus unterschiedlichen Mutterstämmen.


Faustino G. ist ein blutgeprägtes elegantes Pferd, das sich im Trab leichtfüßig und elastisch bewegt und das diese Elastizität und den Schwung auch in die Seitengänge mitzunehmen vermag. Dazu hat er einen losgelassenen und ausgesprochen taktsicheren Schritt mit gutem Raumgriff und eine praktische Galoppade mit engagiertem Hinterbein und guter Bergauftendenz.


Der erste Wechsel war zwar durchgesprungen, aber noch festgehalten und schief, der zweite etwas besser. Was das Thema Ausbildung ansonsten angeht, präsentierte die Reiterin den Hengst stets vor den treibenden Hilfen und mit stetiger Bergauftendenz. Man hätte sich jedoch mehr Länge im Hals gewünscht – der Hengst war zeitweise sehr hoch und eng aufgerichtet – und in den Verstärkungen deutlicher herangeschlossene Hinterbeine.


Die Wertnoten: 9,7 für den Trab, 8,5 im Schritt, 9,3 für den Galopp, 9,5 für die Durchlässigkeit und 9,3 für die Perspektive. Endnote: 9,26 oder 92,6 Prozent.


Dänen-Duo Nummer zwei


Dizzy war eines von drei Helgstrand-Pferden bei den Sechsjährigen, die alle auf direktem Weg das Finale erreichten. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Dizzy war eines von drei Helgstrand-Pferden bei den Sechsjährigen, die alle auf direktem Weg das Finale erreichten. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Auch Platz zwei ging ans Dänische Warmblut dank der Donkey Boy-Zack-Tochter Dizzy, die von Merita Hagren für Helgstrand Dressage präsentiert wurde und die im Gestüt Hesselhøj zur Welt kam. Anders als so viele andere der Teilnehmer ist sie zum ersten Mal bei einer WM am Start.


Auch diese Fuchsstute ist ein leichtfüßiges, schwungvolles Pferd, das aufmerksam, willig und super engagiert mitarbeitete. Bisweilen heute sogar etwas überambitioniert. Dizzy zeigte in der Trabtour so viel Go, dass ihre Reiterin nicht recht zum Treiben zu kommen schien, so dass die Stute zeitweilig sehr kurz im Hals wurde und in den Verstärkungen etwas anfing zu laufen (9,0).


Ein Highlight ist auch hier der Schritt – top in Losgelassenheit, Takt und mit maximalem Raumgriff bei guter Dehnung zur Hand hin (9,0). Im Galopp sprang sie rhythmisch und energisch vom Boden. Hier hätte man sich etwas mehr Bergauf gewünscht (8,8). Den ersten Wechsel „klaute“ sie ihrer Reiterin, den zweiten sprang sie sehr schön nach oben-vorne durch. 8,8 lautete hier die Wertnote für die Durchlässigkeit. Zusammen mit der 9,0 im Bereich Perspektive ergab das 89,20 Prozent bzw. eine 8,92.


Secret, der erste


Beatrice Arturi und Sir Gribaldi, bestes deutsches Paar. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Beatrice Arturi und Sir Gribaldi, bestes deutsches Paar. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Der einstige WM-Silbermedaillengewinner Secret aus der Württemberger Zucht war mit vier Nachkommen gut vertreten in dem 45-köpfigen Teilnehmerfeld. Der beste von ihnen war heute der Hannoveraner Sir Gribaldi unter der Italienerin Beatrice Arturi für das Gestüt Sprehe und damit die deutsche Delegation. Seinen Namen verdankt der von der ZG Aronis und Janßen gezogene Hengst seinem Muttervater All Inclusive v. Gribaldi.


Die Trabtour des schicken Braunen war von hohem Gleichmaß und sehr guter Balance geprägt. Der Hengst zeigte sich beständig mit gutem Rahmen in der Kopf-Hals-Haltung. Allerdings wirkte er nicht wirklich zufrieden im Maul und die Anlehnung schien recht fest zu sein. In der Schritttour war er kurz abgelenkt, wieherte und kam dadurch nicht ganz zur Losgelassenheit und in die Dehnung, besonders im starken Schritt. Dennoch hat auch er von Hause aus einen sehr guten Schritt. Die Galopptour war geprägt von einem sehr engagiert durchspringenden Hinterbein und bereits ausgeprägter Balance. Der erste Wechsel gelang sehr gut, der zweite noch leicht festgehalten.


Mit 88,20 Prozent reihten die beiden sich an dritter Stelle ein. Im Trab gab es eine 8,6, im Schritt 8,7, im Galopp 8,9, in der Durchlässigkeit 9,0 und für die Perspektive eine 8,9.


Viva Gold lässt grüßen


Isabell Werth und V-Power. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Isabell Werth und V-Power. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Lange Zeit hatten Isabell Werth und der einstige Siegerhengst der NRW-Hauptkörung, V-Power, das Feld angeführt. Der schicke Westfale ist ein Sohn von Werths großer Zukunftshoffnung Viva Gold aus einer Fidertanz-Mutter, gezogen von Bernd Goeke und seit besagter Körung im Besitz von Helgstrand Dressage. Als Isabell Werths Stall in Rheinberg Anfang des Jahres die neue deutsche Dependance von Helgstrand Dressage wurde, zog auch V-Power bei ihr ein. Sie postet regelmäßig Videoschnipsel von dem Hengst, auf denen sie zeigt, dass er im Training auch schon mit halben Tritten spielt. Das Talent dafür dürfte er von seinem Vater geerbt haben.


Im Trab (9,5) bewegte der Hengst sich elastisch und locker durch die Gelenke mit engagiertem Hinterbein und natürlicher Kadenz ins Bergauf. In den den Traversalen konnte er das noch nicht ganz halten, zeigte aber große Schulterfreiheit in den Seitengängen. Insbesondere vorne rechts bügelt er deutlich.


Im Schritt schien er heute nicht ganz zu Losgelassenheit und Gleichmaß zu finden und auch der Raumgriff war eher begrenzt (7,2). Die höchstbewertete Grundgangart war heute der Galopp (9,7) mit deutlicher Bergauftendenz, gutem Durchsprung und sehr gutem Raumgriff in den Verstärkungen. Die fliegenden Wechsel gelangen beide, das Überstreichen war das vielleicht deutlichste des gesamten Starterfeldes, wobei V-Power gut in der Selbsthaltung blieb. Beim Übergang vom Galopp in den Trab vor dem Abwenden auf der Mittellinie kam es zu Unstimmigkeiten und die Parade wurde zu spät und über Schritt ausgeführt. In der Durchlässigkeit gab es eine 8,8, in der Perspektive 8,9, insgesamt 8,82 oder 88,2 Prozent.


Für Isabell Werth ist dieses Wochenende übrigens eine kleine logistische Herausforderung, denn parallel zur WM findet in Warendorf das finale Trainingslager vor der WM Aachen statt, wo in sechs Tagen der Grand Prix für die Mannschaftswertung beginnt. Darum pendelt Werth derzeit zwischen Verden und Warendorf hin und her, um ihren beiden WM Pferden V-Power und Wendy de Fontaine gerecht zu werden.


Silber 2025, ? 2026


Auch dieses Jahr das Bild eines zufriedenen Pferdes mit herrlicher Anlehnung: Viva Diamond OLD mit Linda Weiß. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Auch dieses Jahr das Bild eines zufriedenen Pferdes mit herrlicher Anlehnung: Viva Diamond OLD mit Linda Weiß. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Vivaldi war einmal mehr der dominierende Vererber in diesem Startfeld mit elf „V-Pferden“, das Gros davon über den einstigen Burg-Pokal Sieger Vitalis. Der ist auch Vater der Fünftplatzierten dieser Qualifikation, der Silbermedaillengewinnerin der Fünfjährigen aus dem Vorjahr, Viva Diamond OLD mit Linda Weiß im Sattel aus der Zucht des Zuchthofs Alberding und im Besitz der 360° Sportpferde. Schon im letzten Jahr begeisterte dieses Paar durch die nach klassischen Kriterien altersentsprechende Vorstellung. Das gelang ihnen auch heute – wunderschön in der Anlehnung, absolut ausbalanciert, immer im passenden Maß und Tempo flossen die beiden durch die Prüfung. In der Durchlässigkeit erhielten die beiden völlig zu recht eine 9,0. Und die Gesamtnote (87,2, bzw. 8,72) wäre auch noch höher ausgefallen, hätte Viva Diamond nicht kurz nach den Freunden auf dem Abreiteplatz gerufen. Aber selbst dabei blieb sie noch sicher und fein in der Anlehnung. Tolle Runde!


Dreimal Lord Europe


Bergauf hat einen Namen: Lodovico. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Bergauf hat einen Namen: Lodovico. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Leonie Richters Lord Europe v. Lord Leatherdale ist nicht nur selbst hoch erfolgreich im Sport, er macht auch zunehmend durch seine Nachkommen auf sich aufmerksam. Im heutigen Starterfeld war er allein mit drei Nachkommen dabei und alle erreichten das Finale. Der Beste war der Bronzemedaillengewinner des Vorjahres, der dänische Warmbluthengst Straight Horse Leonardo aus der Zucht der Straight Horses ApS mit Mette Sjebjerg Jensen für Helgstrand Dressage. Der schicke Rappe kam auf 86,6 Prozent mit u.a. einer 9,2 im Trab.


Die anderen beiden Lord Europe-Botschafter sind zum einen der Bundeschampion des Vorjahres, Lodovico OLD, Oldenburger aus der Zucht der Wieghaus-Vorwerk GbR, mit seiner neuen Reiterin Beatrice Hoffrogge. Die beiden zeigten eine sichere, harmonische Prüfung, bei der man sich eine etwas leichtere Anlehnung gewünscht hätte. Mit 82,4 Prozent sicherten sie sich als Elftplatzierte den Einzug ins Finale.


Lord-Europe-Sohn Nummer drei ist der KWPN-Wallach Perfect Ritme aus einer Negro-Mutter, den Kom Noordijk für die niederländische Delegation präsentierte. Er kam auf 82,20 Prozent und ist damit eines von zwei Pferden, die auf Rang zwölf gerade so den direkten Einzug ins Finale geschafft haben. Das andere ist der Hengst Pythagoras WK v. All At Once-Vitalis unter seiner Besitzerin Franka Loos. Der Rappe ist ein enger Verwandter der Junge Reiter-Europameisterin Jatilinda von Lara van Nek und stammt wie diese aus der Zucht von Laras Mutter, Willeke Bos im Stal 104 BV.


Weitere Pferde, die auffielen


Ein Pferd, das sich toll weiterentwickelt hat: Atterupgaards Bernachi mit Selina Solberg Vittinghus. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Ein Pferd, das sich toll weiterentwickelt hat: Atterupgaards Bernachi mit Selina Solberg Vittinghus. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Siebte wurde die Westfalen-Stute True Love WS, über ihren Vater Toto Jr. eines von drei Pferden mit Totilas-Blut in den Adern. Gezogen wurde sie von Elena Starr, Besitzer sind die Westphalian Stables und Sabrina Geßmann stellte die elegante Dunkelbraune vor. Und das mit viel Gleichmaß, Elastizität und Schwung in Trab und Galopp und sehr gutem Takt und Losgelassenheit, bei gutem Raumgriff im Schritt. Die Anlehnung darf noch etwas gleichmäßiger werden. Genau 86 Prozent gab es für die Prüfung.


Der einstige Reitpferde-Bundeschampion Libertad hatte die Prüfung heute morgen um 9 Uhr eröffnet. Der Hannoveraner Hengst v. Libertad-Destano aus der Zucht der ZG Maak und im Besitz von Annelie Brunckhorst und Dr. Frederic Bünger bestach einmal mehr durch seine drei überdurchschnittlichen Grundgangarten und ging eine saubere Prüfung, wirkte allerdings zum Teil recht fest in der Anlehnung, was besonders in den ganzen Paraden auffiel. Mit 84,6 Prozent zeihen die beiden als Achte ins Finale ein.


Ein absolutes Wow-Pferd war schon im vergangenen Jahr der dänische Dunkelfuchshengst Atterupgaards Bernachi v. Bon Courage-Caprimond aus der Cassidy-Stutenfamilie des Gestüts Atterupgaard, das auch noch Besitzer ist. Wie im vergangenen Jahr war es Selina Solberg Vittinghus, die den Hengst vorstellte und wie im vergangenen Jahr war es herrlich zu sehen, wie die Reiterin den Hengst mit feiner Hand und viel Gefühl durch die Prüfung steuerte, immer bemüht, zur Hand hinzutreiben.

Der hochbeinige Bernachi mit den großen Bewegungen scheint bisweilen noch mit seiner Balance zu kämpfen und die Reiterin ist sichtlich bemüht, ihm die Zeit zu geben, sein Gleichgewicht auf klassischem Weg über die Entwicklung der Tragkraft der Hinterhand zu finden. Sehr schade: der zweite Wechsel ging total in die Hose, aber die beiden konnten ihn dann doch noch zeigen. Das war teuer in der Durchlässigkeit, aber 82,6 Prozent reichten dennoch, um auf direktem Weg ins Finale einzuziehen.


Last but not least hat es mit Evelyn Eger eine weitere deutsche Reiterin ins Finale geschafft. Allerdings stellt die Kasselmann-Stallreiterin mit der Fuchsstute Secret’s Weapon v. Secret (Z.: Heidi Lambrechts, B.: Bruns & Stamm Pferdezucht GbR) ein beim belgischen Warmblutzuchtverband eingetragenes Pferd vor. Die beiden teilten sich Rang neun mit Atterupgaards Bernachi und Selina Solberg Vittinghus.


 


 


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