Überlegener Nationenpreissieg für Dänemark im Dressur Nationenpreis von Falsterbo, Freestyle in eigener Liga

Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle mit weltmeisterlichem Auftritt in Falsterbo

Dressur
Das siegreiche dänische Team von Falsterbo. Foto: FEI/Kim Lundin Das siegreiche dänische Team von Falsterbo. Foto: FEI/Kim Lundin
Ähnlich deutlich wie bei den Deutschen in Hagen fiel der Sieg der Dänen im Dressur Nationenpreis von Falsterbo aus. Einsame Spitze: Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle.

Wäre Dänemark in der Besetzung von Falsterbo beim Dressur Nationenpreis in Hagen am Start gewesen, wäre der Sieg für Deutschen dort weit weniger deutlich ausgefallen. Deutschland holte in Hagen in Summe  231,107 Prozent, Dänemark heute in Falsterbo 229,653 Prozent – und das gegen die Gastgeber Schweden, die 212,609 Prozent Zweite wurden, gefolgt vom deutschen Team mit 211 und den Niederlanden mit 207,457 Prozent.


Weltmeisterliche Form in Dänemark


Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle. Foto: FEI/Kim Lundin
Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle. Foto: FEI/Kim Lundin

Das dänische Team wurde angeführt von Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle, den beiden Einzel-Silbermedaillengewinnern der Europameisterschaften in Crozet, die schon damals den Grand Prix vor dem späteren Europameister Justin Verboomen mit Zonik Plus gewonnen hatten. Nach dem heutigen Ritt muss man sagen: Wenn das dänisch-hannoversche Duo (die 17-jährige Freestyle ist ja eine Hannoveraner Fidermark-Tochter) diese Form in Special und Kür bei der Weltmeisterschaft zeigen, die sie heute im Grand Prix von Falsterbo präsentierten, dürften sie in Aachen sehr, sehr schwer zu schlagen sein. Und das zu Recht.


In unserem letzten Newsletter beschrieb mein Kollege Jan Tönjes in seinem Editorial unter anderem die Bedeutung des Rückwärtsrichtens als Gradmesser für Losgelassenheit, Rückentätigkeit und Durchlässigkeit. Er bezog es auf Raphael Netz, der es mit Camelot dank seines schönen Reitens erfreulicherweise ins deutsche Team geschafft hat. Das Rückwärtsrichten ist eine der Glanzlektionen der beiden. Das gilt auch für Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle. Die damit heute von allen Richtern die Noten 8 oder 9 erhielten (okay, nicht von ihrem Landsmann Kurt Christensen, der hier nur eine 7 vergab. Warum auch immer). Wie bei Netz und Camelot zeigte das Rückwärtsrichten auch bei diesem Paar, was für die gesamte Prüfung galt: Das war Dressurreiten, wie man es sich wünscht.


Nach der ersten noch nicht ganz geschlossenen Grußaufstellung verlor die Stute während der gesamten Aufgabe nicht einmal die Balance, den jeweils geforderten Takt, die Losgelassenheit, die Anlehnung. Immer hatte sie die Nase leicht vor der Senkrechten, trat vertrauensvoll ans Gebiss heran und präsentierte sich mit einem Ausdruck höchster Zufriedenheit.


Anders als ein Zonik Plus, der mit seiner Energie, Kraft und Leichtfüßigkeit beeindruckt, sind es bei Freestyle die ruhige Erhabenheit und Gelassenheit, mit der sie gefällt. Und genau das zelebrierte Cathrine Laudrup-Dufour in jeder Lektion. Die beiden machten nicht einen falschen Tritt. Sie erhielten 83,718 Prozent. Das ist etwas weniger als ihr Personal Best, was bei 84,174 Prozent liegt. Winzige Kleinigkeiten ließen noch Luft nach oben – das erste Halten, das nicht ganz geschlossen war, der starke Schritt, der zwar großzügig marschierend war, aber wo man sich Dehnung an die Hand heran hätte konstanter vorstellen können, und die Piaffen, in denen die Stute mit der Vorhand leicht rückständig blieb, die letzte zudem deutlich vor X ausgeführt.


Aber was soll’s? Wer bei so einer Vorstellung nicht begeistert ist, soll sich ein anderes Hobby suchen.


Flash Gordon will nach Aachen


Daniel Bachmann Andersen und Flash Gordon. Foto: FEI/Kim Lundin
Daniel Bachmann Andersen und Flash Gordon. Foto: FEI/Kim Lundin

Zweitbestes Paar der Mannschaft und auch der Prüfung waren mit genau 74 Prozent Daniel Bachmann Andersen und der zwölfjährige Oldenburger Fiderbach-Sohn Flash Gordon (also ein enger Verwandter von Freestyle, Z.: Jan Lüder Cornelius). Anders als Freestyle, die ja schon neunjährig mit ihrer Ausbilderin Charlotte Dujardin Championatserfahrung gesammelt hatte, ist Flash Gordon auf internationalem Parkett noch recht unerfahren. Für den Grand Prix-Sport ausgebildet wurde der Fuchs von Mathis Goerens. Anfang 2025 bekam Daniel Bachmann Andersen ihn zu reiten. Falsterbo ist ihr vierter CDI Start.


Vielleicht braucht Flash Gordon noch etwas Zeit, um selbstbewusster zu werden im Viereck. Insgesamt schien er im Viereck noch nicht recht aus sich herauszukommen, guckte hier und da, blieb dabei zwar bei seinem Reiter, aber es fehlte noch etwas der positive Zug nach vorne. Dennoch offenbarte Flash Gordon in Heder Lektion seine außerordentliche Qualität, und es war eine reiterliche Meisterleistung von Daniel Bachmann Andersen, wie er den Wallach immer wieder vor seine treibenden Hilfen holte, und die Aufgabe fehlerfrei beendete. Fazit: Ein Paar, das noch am Anfang seiner Karriere steht – aber die verspricht für Zukunft einiges.


Zwei weitere Ü70 Prozent-Paare


Auch die beiden weiteren dänischen Paare erhielten Bewertung von über 70 Prozent. Das war zum einen Nadja Aboe Sloth mit ihrem sympathischen Favour Gersdorf. Die beiden hatten bereits letztes Jahr zu Mannschaftsbronze der Dänen bei den Europameisterschaften beigetragen und lieferten auch heute einen gefälligen Ritt, der mit 71,935 Prozent bewertet wurde. Damit waren sie das fünftbeste Paar der Prüfung.


Komplettiert wurde die Mannschaft durch Anna Zibrandtsen und Quel Filou. Den beiden merkt man deutlich an, dass sie sich Tipps von Cathrine Laudrup-Dufour holen. Zibrandtsen ist immer um eine feine Anlehnung und dezente Hilfengebung bemüht, was zu einem harmonischen Gesamteindruck führt. Mit Fehlern in den doppelt zählenden Einerwechseln kamen die beiden heute auf 70,174 Prozent.


Schweden mit einem Weltcup-Sieger und einem Newcomer


Wie zu erwarten war, waren es Patrik Kittel und Touchdown, die Weltcup-Sieger von 2024, die das stärkste Ergebnis für das schwedische Team lieferten: 73,174 Prozent. Immer mehr in den Fokus rücken Therese Nilshagen und ihr zehn Jahre junger Negro-Sohn Navarro. Trotz eines Aussetzers in den Einerwechseln kamen die beiden auf 72,065 Prozent, unter anderem dank einer ansonsten starken Galopptour mit sehr schönen Zweiern, Zick-Zack-Traversalen und Pirouetten.


Einen im wahrsten Sinne des Wortes starken Eindruck macht Beata Söderbergs Talento, der seinem Namen besonders in den Grand Prix Lektionen zur Ehre gereicht, aber seiner Reiterin einiges zu tun gab. 67,370 Prozent wurden es für die beiden.


Einige Probleme hatten heute Anita Roslund und ihr elfjähriger Fontanell. Auch der Fürstenball-Sohn ist noch neu im CDI-Bereich. Sein internationales Debüt gab er vor genau vor einem Jahr in der CDI3* Tour von Falsterbo mit 67,522 Prozent im Grand Prix. Danach stellte Roslund ihn noch einmal in Stockholm vor, wo sie jedoch im Grand Prix aufgab. Heute ritt sie die Prüfung zwar zu Ende, aber die erste Piaffe war quasi nicht ausgeführt, weil der Rappe irgendetwas erspäht hatte, was ihn rückwärts bocken ließ, wurde dementsprechend bewertet, ebenso wie der dazu gehörige Übergang, so dass die beiden nicht über 60,826 Prozent hinaus kamen.


Schöne Vorstellungen der deutschen Paare


Sehr zufrieden konnte Equipechef Hendrik Lochthowe mit den Auftritten seiner Reiter sein. Helen Langehanenberg und die Damsey-Tochter Daniela hatten ja schon im Frühjahr beim Hamburger Derby mit sehr harmonischen und korrekten Ritten auf sich aufmerksam gemacht. Einen solchen lieferten sie auch heute und konnten sich mit 69,283 Prozent über ein neues Personal Best bei ihrem Debüt in einem Nationenpreisteam freuen.


Zweites Paar für Deutschland waren Evelyn Eger und der imposante Global Power OLD. Die beiden hatten einige sehr schöne Momente (z. B. in den Serienwechseln), aber immer wieder musste Eger kämpfen, den erst neunjährigen Grey Flanell-Sohn vor den treibenden Hilfen zu behalten. Das gelang bis fast zum Schluss, aber zwei Patzer gegen Ende, der eine im Übergang vom Galopp in den Trab, der andere in der letzten Piaffe, waren kostspielig: 68,511 Prozent.


Ihr Debüt in einem deutschen Nationenpreisteam gab Leonie Richter mit ihrem Lord Europe. Mit großem reiterlichen Geschick und Highlights u.a. in den Passage-Reprisen, den Serienwechseln und der Zick-Zack-Traversale ritt Richter den auch erst zehnjährigen Lord Leatherdale-Sohn zum besten Ergebnis des deutschen Teams: 71,152 Prozent. Damit waren sie Sechste der Gesamtwertung und noch platziert.


Direkt dahinter reihte sich das Küken des deutschen Teams ein, Moritz Treffinger mit Fiderdance. Wertungen von 69,674 Prozent am unteren und 72,283 Prozent am oberen Ende der Skala summierten sich zu 70,565 Prozent.


Monica Theodorescu verfolgte das Geschehen aus der Ferne und war zufrieden mit dem Auftritt ihrer Schützlinge: „Ich bin froh, dass wie einen Podiumsplatz geschafft haben. Wir hatten mit Leonie Richter, Moritz Treffinger und Evelyn Eger ein noch junges Team am Start. Erfreulich ist außerdem, dass wir bei der Nationenpreisserie wieder die Führung übernommen haben.“ Und da Falsterbo die letzte Station der Saison war nach Wellington (Platz zwei für Deutschland), Lier (Platz drei), Falsterbo (Sieg), Hagen (Sieg) war, bedeutet das auch den Gesamtsieg in der Saison.


 


 


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