Gold und Silber für Deutschland in den Einzelwertungen bei den U25- und U21 Europameisterschaften in Pilisjaszfalu
U25-EM Gold für Rose Oatley, Silber für Julie Sofie Schmitz-Heinen bei den Jungen Reitern
Rose Oatley und Alive and Kicking – hier bei den Deutschen Meisterschaften in Balve.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Gestern war die erste Hälfte der Starter in den jeweiligen Einzelwertungen der U21- und U25-Europameisterschaften von Pilisjaszfalu an der Reihe, heute ging Teil zwei ins Viereck. Den Anfang machten wie bereits gestern die Jungen Reiter.
U21 Gold: NED, Silber: GER, Bronze: DEN
Schon in der Mannschaftswertung wussten Lara van Nek und ihre zwölfjährige KWPN-Stute Jatilinda, eine Halbschwester zu dem Hengst Jameson RS2, zu begeistern und sicherten den Niederländern mit einer starken Prüfung die Silbermedaille. Heute legten sie nach. Eine Prüfung gespickt, gespickt mit Highlights und dazu noch sehr harmonisch vorgetragen brachte den beiden ein neues Personal Best von 74,264 Prozent ein, mit denen sie die bis dahin führende Juli Sofie Schmitz-Heinen vom Thron stießen und Golf nach Holland holten. Das bedeutet, Lara van Nek reist mit dem Sohn einer Europameisterin zu den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Dort stellt sie mit Obsession Taonga nämlich schon die nächste Jatilinda-Generation vor.
Julie Sofie Schmitz-Heinen und ihr Erfolgspartner Attractive aus der Zucht von Stephan Borgmann waren als dreifache Europameister der Junioren in Pilisjasfalu angereist, gewannen die Mannschaftswertung und demonstrierten auch heute mit einer lockeren, dynamischen Prüfung bei sehr schöner Anlehnung und großer Harmonie, dass sie in der schweren Klasse angekommen sind. Kleine Momente der Disharmonie nach dem Umstellen nach rechts in den doppelten halben Galopptraversalen und in der Galoppirouette kosteten wertvolle Punkte, die sie aber zum Teil mit ihren gelungenen Serienwechseln und einer mutig herausgerissenen Verstärkung wieder rausreiten konnten. Nur reichte es nicht, um die Spitze zu halten. Mit 73,177 Prozent wurde es Silber.
Bonze holte das stärkste dänische Paar, Michella Skovsager auf der neunjährigen schwedischen Stute Zimillione v. Gammelenggårds Zappa, die unter Cathrine Laudrup-Dufour Intermédiaire I siegreich war, ehe sie als Nachwuchspferd verkauft wurde. Fü die beiden wurden es 72,941 Prozent.
Die weiteren deutschen Ergebnisse
Eine richtig schöne Prüfung gelang auch der Junioren-Europameisterin von 2024, Marie Sohler, mit Askehavens Beau Sancy. Sie konnten sich über ein neues Personal von 72,294 Prozent freuen und belegten damit Rang vier.
Lana-Pinou Baumgürtel und Escalla konnten sich nach einer sehr sorgfältig gerittenen Prüfung ebenfalls in den Ü70 Prozent Club einreihen und holten mit 70,088 Prozent den achten Platz.
Nele Klaus erhielt nach Abzug 68,265 Prozent und landete auf Rang 16. Ihr Bonfire war heute in Teilen der Prüfung sehr hoch und eng aufgerichtet.
Gold für Rose Oatley bei U25 Premiere
Letztes Jahr hatte sich Rose Oatley bereits mit dem Wallach Huan ihrer Mutter, der australischen Olympiareiterin Kristy Oatley, sowie der von Emma Kanerva ausgebildeten Feldrose FRH im U25-Lager versucht. Das war noch nicht wirklich erfolgreich, aber da sie ja auch erst 19 Jahre jung ist, konnte sie im Junge Reiter-Lager für Deutschland an den Europameisterschaften in Kronberg teilnehmen, wobei sie da ein anderes Pferd von Emma Kanerva vorstellte, nämlich den Burg-Pokal Finalisten Don Domingo.
Für die diesjährige U25-Tour bekam sie ein Pferd, das bereits Weltcup-Erfolge hatte: die Westfalen-Stute Alive and Kicking von Charlotte Dujardin. Es war ein Match, zwischen der Stute – die übrigens wie Jatilinda eine All at Once-Tochter ist – und Oatley. In Balve wurden sie Deutsche Meisterinnen in der Kür und gewannen Silber im U25-Grand Prix. Heute holten sie sich den EM-Titel in der gleichen Aufgabe, und das mit satten 74,897 Prozent.
Als drittes Paar am heutigen Tag lieferten die beiden eine präzise und korrekte Prüfung mit sehr gleichmäßiger Piaffe-Passage-Tour und tollen Pirouetten. Die Stute trug sich sicher und wirkte weniger hektisch und aufgemischt, als noch unter Dujardin. Für Rose Oatley ist es der fünfte EM-Einzeltitel ihrer Karriere, die zwölfte Goldmedaille, wenn man die Mannschaftsmedaillen hinzurechnet.
Oh, Johnny …
Der Niederländer Marten Luiten und sein hoch elastischer KWPN-Wallach Johnny, vorgestellt auf Trense, hatten gestern nach dem ersten Wettbewerbstag die Führung mit 72,769 Prozent übernommen. Am Ende wurde es die Silbermedaille für den erfolgreichsten niederländischen Nachwuchsreiter der letzten Jahre. Seine Medaillensammlung kann sich ebenfalls sehen lassen. Bei sechs EM-Auftritten gewann er drei Einzelgold-, mit der heutigen vier Silber- und zwei Bronzemedaillen. In der Mannschaftswertung sind es zwei Goldmedaillen, eine in Silber und drei in Bronze, rechnet man die von diesem Wochenende hinzu.
Knappe Entscheidung auf den Podestplätzen
Es waren die Hundertstel und Tausendstel, die am Ende über die Medaillenverteilung entschieden – diesmal leider zu Ungunsten der beiden Deutschen Meisterinnen Lucie-Anouk Baumgürtel und First Vienna. Die beiden hatten 72,718 Prozent für ihre Vorstellung erhalten. Beide Seitenrichter sahen die in schöner Kopf-Hals-Einstellung präsentierte Vitalis-Tochter, die Lucie-Anouk im Wesentlichen selbst ausgebildet hat, auf Rang zwei. Die Stute präsentierte sich heute mit mehr Zug nach vorn als noch in der Mannschaftswertung und das Ergebnis ist ein neues Personal Best für die beiden – trotz zwei nicht ganz gelungener Piaffen. Bei der ersten wich die Stute etwas zur Seite aus. Bei der letzten auf der Mittellinie bei X wähnte First Vienna sich wohl noch in der Intermédiaire II, wo nach der Passage der Schlussgruß kommt. Da musste Baumgürtel sie einmal energisch auffordern. Trotzdem, das sah zunächst nach einer Medaille aus.
Aber dann kam noch das Weltcup-erfahrene Paar Alexander Yde Helgstrand mit seinem Everdale-Sohn Inspiration. Der bunte Fuchs zeigte sich sehr ausbalanciert und taktsicher in der Trabtour, dabei fein in der Anlehnung, zum Teil allerdings sehr hoch und eng aufgerichtet. In der ersten Piaffe gelangen den beiden sehr schöne Übergänge, aber wenig Tritte. Das gelang in der zweiten besser. Und auch im weiteren Verlauf der Aufgabe legten die beiden eine große Lektionssicherheit an den Tag. Ergebnis: 72,744 Prozent.
Die weiteren deutschen Ergebnisse
Für Katharina Schuster und ihre Qence L lief es ja gestern wie berichtet nicht ganz optimal, weil die Stute recht abgelenkt war. In der Endabrechnung landeten sie auf Platz 27. Die andere EM-Debütantin, Pia-Carlotta Gagel mit ihrem Riccio, wurden mit 68,231 Prozent Elfte. Der Wallach war in der Trabtour nicht immer ganz im Gleichmaß, aber die Schritttour gelang ihnen sehr gut. Teuer war ein Fehler in den Einerwechseln.
Alle Ergebnisse aus Pilisjaszfalu finden Sie hier.