Bronco NRW – meine Mama war in Badminton

Arne Bergendahl und der Westfale Bronco NRW v. Blockbuster, dessen Mutter Luthien unter demselben Reiter Badminton beendet hat – eine Kombination, die von Road2LA unterstützt wird. Foto: sportfotos-lafrentz.de
- Name: Bronco NRW
- Geschlecht: Gelding
- Jahrgang: 2016
- Rasse: Westfalen
- Vater: La Calido
- Muttervater: Templer xx
- Züchter: Heinrich Bergendahl
- Größte Erfolge: CCI4*-L platziert, 5. in Boekelo 2025
Bronco NRW und Arne Bergendahl – das ist eine Geschichte von einer speziellen Familienbande, einer besonderen Freundschaft und dem Umweltamt des Kreises Wesel. Außerdem geht es um Energie, ein Weltpferd, das auch mal „Vereinsstunde“ mitgeht und um Road2LA.
Wenn er ein Mensch wäre, dann hätte Bronco NRW, der von der Initiative Road2LA unterstützt wird, wahrscheinlich im Kindergarten etwas herumgedruckst, wenn es um den Job der Eltern geht. Ist ja auch irgendwie peinlich, wenn die eigene Mutter die schwerste Vielseitigkeitsprüfung der Welt beendet hat. Aber Bronco NRW, 2016 bei Heinrich Bergendahl geboren, ist über die Phase, in der Eltern peinlich sind, längst hinaus. Jetzt folgt er dem Beispiel seiner Mutter. Das ist die Schimmelstute Luthien v. La Calido. Bevor diese sportlich groß herauskam, wurde sie einmal gedeckt und fohlte 2016 ein Hengstfohlen v. Blockbuster: Bronco NRW.
Bronco NRW: dem Beispiel der Mutter Luthien folgen
Luthien NRW führte Arne Bergendahl, Jahrgang 1991, den Enkel von Heinrich Bergendahl, in die Sphären des Sports, von denen viele nur träumen können: Fünf-Sterne-Niveau. Die Schimmelstute, „Lucy“, bekannt dafür, dass Dressur so gar nicht ihre Disziplin ist, sie aber alles sucht, über das man springen könnte, hat an drei Orten Fünf-Sterne-Prüfungen beendet. In Pau auf Rang 13, in Luhmühlen als 14. und in Badminton, der schwersten Prüfung der Welt, an Position 35.
Unfassbar ist ihr Ergebnis aus den Parcoursspringen: in 38 internationalen Prüfungen, die sie beendet hat, hat die Stute keine (!) einzige Stange abgeworfen. Lediglich in drei Geländerunden sind für sie Hindernisfehler verzeichnet. Zwei auf Drei-Sterne-Niveau und einen Vorbeilaufer sowie einen gebrochenen Pin in Badminton 2026. Kurzum, eine Stute aus dem Holz geschnitzt, aus dem Top-Vielseitigkeitspferde gemacht sind. Von der Vererbungsleistung von Broncos Großmutter wird darüberhinaus später noch zu reden sein (s.u.).
Familiengeschichten – zwei- und vierbeinig
Im Hause Bergendahl galt schon immer das von Goethe entlehnte Prinzip, „warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah“. Opa züchtet die Pferde, die Sohn und Enkel reiten. Eigentlich ganz einfach. Arne Bergendahl weiß um die Vorteile: „Ich bin ja dran gewöhnt, eigene, selbstbezogene Pferde zu reiten und sie von Fohlen an zu kennen. Und meistens ja schon mittlerweile die Eltern, die Mutter, die Tante den Großonkel auch zu kennen. Aber dass man dann gleich zwei Pferde hat, die gleichzeitig so nah verwandt sind und auf diesem Level laufen, das ist schon noch mal was Besonderes.“
Wie die Mutter so der Sohn
Wer Luthien schon einmal in voller Fahrt hat über einen Geländekurs fliegen sehen, der sagt nicht mehr, in der öffentlichen Verwaltung säßen nur Menschen, denen das Wort Risikobereitschaft den Büroschlaf verhageln würde. Denn Arne Bergendahl ist ein echter Amateur. 35 Stunden die Woche arbeitet der studierte Wirtschaftsingenieur für Umwelttechnik beim Kreis Wesel im Umweltamt. Dort ist er für Emissionsschutz und die Genehmigung von Windrädern zuständig.
Es geht um Energie
Wind, Windenergie ist ein guter Vergleich zum „Lucys“ Verhalten im Gelände. Wind kann man in Bahnen leiten, dann kann man die Energie positiv nutzen. Vielleicht kommt die Expertise aus dem Arbeitsalltag Arne Bergendahl im Sattel entgegen. Denn in Sachen Energie sind Luthien und ihr Sohn sich äußerst ähnlich. „Beide haben halt diesen extremen Willen zu springen,“ sagt Arne Bergendahl. Nur, dass Bronco nicht ganz so wild sei wie seine Mutter, „kanalisierbarer“.
Bronco, der lässt sich bremsen. Aber wenn der irgendwie vor irgendeinen Sprung kommt, dann springt er auch ab, egal was da steht.
Beim Mutter-Kind-Turnen wären die beiden weit vorn, so der Eindruck, wenn Arne mit glänzenden Augen von Bronco erzählt. „Sie sind sich schon beide sehr ähnlich. Er ist natürlich ein bisschen rittiger dabei, ein bisschen gefälliger. Auf der anderen Seite aber auch dieses sehr vorsichtige im Springen. Diese Mischung ist, glaube ich, nicht häufig und das war bei den beiden irgendwie total gleich.“
Broncos Karriere: Step by Step
Wer meint, die Welt habe nur auf Bronco gewartet, der irrt. Kontinuierlich wurde der Schimmel aufgebaut. Ging auch immer wieder, auch heute noch, viele Springprüfungen. 2022 qualifizierte er sich fürs Bundeschampionat. Dort ging er eine Runde, erhielt eine 7,6 als erster Starter. 2023, mittlerweile siebenjährig, schloss er die Weltmeisterschaften der jungen Vielseitigkeitspferde in Lion d’Angers auf Rang 13 ab. Das war seine erste lange Prüfung auf Drei-Sterne-Niveau. Übrigens war Kiarado d’Arville, Vierter des CCI4*-S Luhmühlen 2026, damals WM-Zweiter unter Lara de Liederkerke-Meier (BEL).
2024 standen erste CCI4*-S auf dem Plan, 2025 ging das Paar das erste Mal in einer CCI4*-L an den Start. Im niederländischen Boekelo landeten die beiden als bestes deutsches Paar im Nationenpreis auf Platz fünf.
In der Ruhe liegt die Kraft
2026 ist Bronco zehn Jahre alt. Arne Begendahl, der ihn schon angeritten hat, sagt: „Jetzt hat man wirklich erst das Gefühl, dass er wirklich in seinem Körper angekommen ist. Davor hat er halt irgendwie alles über Einstellung und Qualität ausgeglichen: Aber jetzt hat man das Gefühl, jetzt ist er wirklich mal da.“ Und dieses „da“ lässt Ambitionen aufkommen. „Klar, die mittelfristigen oder langfristigen Ziele sind natürlich, mit ihm irgendwie sich auch mal für Championate zu empfehlen. Wie schnell das dann geht, werden wir sehen.“
Ein Hochbegabter, der nicht überfordert werden soll
Die bisherige Strategie ist nicht auf kurzzeitigen Erfolg auslegt. „Obwohl er natürlich. schon irgendwie sehr hochbegabt ist, in meinen Augen“, sagt Reiter Bergendahl, liegt nach wie vor er Fokus darauf, „ihn nicht zu überfordern und zu viel von ihm zu wollen“.
Mit Sicherheit ein Pferd, das in einer Fünf-Sterne-Prüfung unter die ersten drei Plätze laufen könnte.
Der Ausblick, mit Bronco, so wie mit dessen Mutter Luthien über Fünf-Sterne-Anforderungen zu reiten, ist verlockend. Aber das will gut überlegt sein. „Das Problem ist natürlich immer, dass jede Fünf-Sterne irgendwo ein Risiko für sich ist, sei es durch die ganze Vorbereitung, die natürlich einfach noch mal anders ist als für eine Vier-Sterne-kurz. Was dann in so einem Fünf-Sterne-Gelände alles passieren kann!“ Also müssen solche Ideen hinter einer möglichen Championatsnominierung zurückstehen. Road2LA ist halt auch verpflichtend …
Das weiß Arne Bergendahl, seinen felsenfesten Glauben an Bronco lässt ihn aber trotzdem träumen: „Also er wäre mit Sicherheit ein Pferd, dass, glaub ich, in einer Fünf-Sterne-Prüfung auch mal um die ersten drei Plätze laufen könnte.“
Weltpferd in der Vereinsstunde
Anders als viele Pferde, die Arne Bergendahl international erfolgreich an den Start gebracht hat, steht Bronco nicht mehr im Besitz seiner Familie. Dr. Susanne Dörner ist stolze Besitzerin, Trainingsreiterin und „Head Groom“ in einem.
Bronco ist nicht das erste Pferd, das Arne für Familie Dörner reitet. Der Name Bronco stammt von Susanne Dörners Ehemann Martin, ein Hobbyflieger Der Begriff kommt aus der Fliegerei und ist damit passend für das „Flugzeug“.
Arne Bergendahl hatte den Iren Down to the Wire geritten, der im Besitz von Susanne Dörner stand. Außerdem war sie ein großer Fan von Luthiens Vollbruder Lamango, der jetzt unter Antonia Baumgart geht. Als der Ire „dann so langsam Richtung Rente ging, wollte sie unbedingt noch mal nach Irland, einen neuen Iren kaufen. Da ist mein Vater dazwischen gegrätscht und hat gesagt, guck dir doch mal bitte diesen einen aus der Luthien an, der ist so ein bisschen Typ wie Lamango und der springt.“
Nach dem Freispringen des noch grünen Schimmels war der Kauf besiegelt. Bronco wechselte den Stall. Dort steht er noch immer. Der Windkraft-Beauftragte des Kreises Wesel reitet ihn dort, etwa „fünf-, sechsmal die Woche.“ „Meistens“, ergänzt Bergendahl, „oder fast immer setzt sich Susi vorher schon mal drauf, macht schon mal ’ne Schrittrunde. Wenn ich mal nicht kann oder mal auf dem Turnier bin, dann reitet sie ihn auch in der Vereinsstunde bei sich mit. Das ist schon Teamwork.“
Mamas Gene…
Die Ausbildung von Bronco verlief ohne Probleme. Die Qualität der Mutter, aber dabei dem Thema Dressur gegenüber aufgeschlossener als Frau Mama. „Als junges Pferd war er sehr, sehr ruhig und ich dachte: Ja, perfekt! Er ist genauso ehrgeizig im Springen und aber viel ruhiger in der Dressur: Tatsächlich das perfekte Pferd.“ Aber dann kam das verflixte siebte Jahr. „Da wurde er spanniger, hatte Kraft bekommen. Da drehte es sich so ein bisschen Richtung Mama. Für einen Moment dachte ich, oh, da müssen wir jetzt irgendwie ganz schnell von runterkommen und irgendwie ein System reinkriegen, dass er halt nicht so wird wie seine Mutter. Das haben wir, glaube ich, jetzt auch mittlerweile.“
Am Ende obsiegte die Deutsche Reitlehre. Viele halbe Paraden, Basisarbeit. Die hat sich ausgezahlt. Wer Bronco in Luhmühlen 2026 in der Dressur erlebt hat, der sah ein Pferd, das mit 32,2 Strafpunkten das Viereck verließ, aber das Ende der Fahnenstange längst noch nicht erreicht hat. Im Gelände gab es dann einen Rumpler mit Sturz. Aber überzeugt hat das Paar dennoch. Auch die relevanten Entscheider: Bronco NRW und Arne Bergendahl wurden im Anschluss auf die Longlist für die Weltmeisterschaft in Aachen nominiert. Ein erster Schritt auf der Road2LA…
Ein Blick auf den züchterischen Hintergrund von Bronco NRW
Leistung kommt selten von ungefähr. Viele der in Deutschland gezogenen Vielseitigkeitspferde haben eine Abstammung, hinter der genauso viel Herzblut wie züchterischer Sachverstand stecken. Denn Zucht ist selten lukrativ. Und Vielseitigkeitszucht erst recht nicht.
Bronco NRW hat nicht nur eine besondere Mutter, sondern eine Großmutter mit überragender Zuchtleistung.
- Mutter Luthien v. La Calido geht väterlicherseits auf Ladykiller xx zurück, ihre Mutter Taramanga ist eine Stute mit 85 Prozent Vollblutanteil. Ihr Vater Templer xx vertritt den Mannesstamm des Nearco xx (Großvater u.a. von Northern Dancer xx). Zu ihren Kindern zählen neben Luthien:
- Lamango v. La Calido, mit Antonia Baumgart CCI4*-L platziert
- Cascamara v. Cascasdello II, unter Ingrid Klimke Weltmeisterin der jungen Vielseitigkeitspferde, CCI4*-L erfolgreich und mittlerweile in Großbritannien zuhause
- CoolTonic v. Crusoe (v. Comme il faut), Vize-Bundeschampionesse unter Julia Krajewski, jetzt in den USA unter Amanda Boyce erfolgreich.
- Carmango v. Chirivell, unter Dan Kreitl in den USA bis CCI4*-S und Intermediaire I erfolgreich
Der bei Familie Bergendahl gepflegte Stamm ist hannoverschen Ursprungs. Die Gründungsstute, geboren 1928, heißt Sportsmama – ob der Züchter damals wusste, dass 100 Jahre später die Olympischen Spiele in Los Angeles ein Thema für einen der Nachfahren dieser Stute sein würden?