Das Ponyforum wird 2026 keine Prüfung beim Bundeschampionat sponsern
Wegen der Änderungen beim Bundeschampionat – Ponyforum 2026 kein Sponsor
2026 gibt es keine Siegerdecken vom Ponyforum für die erfolgreichen Reitponys beim Bundeschampionat.
Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de Kein Fremdreitertest mehr bei den Vierjährigen, die stattdessen eine Dressurpony- bzw. Dressurpferdeprüfung der Klasse A gehen, kein Vormustern mehr, keine eigene Gebäudenote mehr – das sind einige der Neuerungen, die die FN für die diesjährigen Bundeschampionate als „Pilotprojekt“ angekündigt hat. Besonders der Wegfall der Exterieurnoten hat für Diskussionen gesorgt und Dr. Carsten Munk als Vorsitzender der Deutschen Richtervereinigung (DRV) hat sich in einem Interview mit EQUI PAGES vehement gegen diese Maßnahme ausgesprochen.
Inzwischen hat die FN einen leichten Kurswechsel vorgenommen. Die Beurteilung des Gebäudes soll nun vor Beginn der gerittenen Prüfungen stattfinden. Wie der genaue Ablauf sein wird, wurde nicht bekannt gegeben. Auf die Nachfrage, ob die Exterieurbeurteilung Teil der Zeiteinteilung sein wird, erhielten wir keine Antwort. Aber man erklärte, dass die Begutachtung öffentlich sein würde.
Die Ponyforum GmbH hat jahrelang die Reitponyprüfungen beim Bundeschampionat unterstützt. Heute kam nun ein Statement, das besagt, dass das Schaufenster der deutschen Reitpferde- und Reitponyzucht dieses Jahr ohne einen den großen Umschlagplatz für Ponys und Kleinpferde auskommen muss. Der Grund: oben genannte Änderungen.
Stellungnahme Ponyforum
Vom Ponyforum kam heute, am 21. Juni 2026, nun folgende Stellungnahme:
Die Ponyforum GmbH wird im Jahr 2026 erstmals seit nahezu 20 Jahren nicht als Sponsor des
Bundeschampionats zur Verfügung stehen.
Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht. Das Bundeschampionat war und ist für
die deutsche Pony- und Pferdezucht eine Veranstaltung von besonderer Bedeutung. Gerade
deshalb möchten wir unsere Beweggründe transparent darlegen.
Grundlage eines Sponsorings sollte aus unserer Sicht stets sein, dass man sich mit dem
Veranstaltungskonzept, den Prüfungsformaten und den zugrunde liegenden
Bewertungsmaßstäben identifizieren kann.
Im Hinblick auf die für 2026 vorgesehenen Änderungen, insbesondere im Bereich der Reitpferdeprüfungen für drei- und vierjährige Ponys und Pferde, ist dies für uns derzeit nicht in ausreichendem Maße gegeben.
Nach den Veröffentlichungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sollen im Rahmen eines
sogenannten Pilotprojekts wesentliche Änderungen sowohl im Ablauf der Prüfungen als auch bei
den Bewertungsgrundlagen vorgenommen werden. Dass Veranstaltungsformate sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln und Anpassungen notwendig sein können, halten wir grundsätzlich für
richtig. Veränderungen sollten jedoch fachlich überzeugend, nachvollziehbar und zielführend sein.
Genau daran bestehen aus unserer Sicht erhebliche Zweifel.
Die Bundeschampionate galten über viele Jahre hinweg als Aushängeschild der deutschen Pony- und Pferdezucht. Der bisherige Prüfungsmodus war etabliert, fachlich anerkannt und wurde sowohl von Reitern, Züchtern und Besitzern als auch von Zuschauern in hohem Maße akzeptiert.
Nun nimmt der Gedanke des Tierwohls in unserer Gesellschaft zu Recht einen immer größeren Stellenwert ein. Dies betrifft den Reitsport ebenso wie die gesamte Landwirtschaft. Diese Entwicklung ist ausdrücklich zu begrüßen und hat in den vergangenen Jahren bereits zu wichtigen und teilweise längst überfälligen Veränderungen geführt.
Thema Gebäudenote
Die neu beschlossenen Anpassungen werden diesem Anspruch aus unserer Sicht jedoch nicht in der erforderlichen Weise gerecht.
Nach dem neuen Prüfungsmodus soll die Bewertung der Qualität des Körperbaus kein eigenständiges Beurteilungskriterium mehr darstellen, sondern als Teilnote in die Bewertung des
Gesamteindrucks einfließen.
Gleichzeitig soll die Beurteilung des Körperbaus nicht mehr wie bisher im Anschluss an die Vorstellung unter dem Reiter erfolgen, sondern gesondert bereits am Vortag der eigentlichen Prüfung.
Für uns ist nicht nachvollziehbar, inwiefern das Herauslösen eines einzelnen Bewertungskriteriums und dessen Verlagerung auf den Vortag zu einer Verbesserung des Tierwohls beitragen soll. Im Gegenteil: Für die teilnehmenden Ponys und Pferde bedeutet dies regelmäßig eine frühere Anreise. Zudem entstehen für Besitzer und Reiter zusätzliche organisatorische und finanzielle Belastungen.
Transparenz fraglich
Besonders kritisch sehen wir in diesem Zusammenhang die Mitteilung, dass die Bewertung des Körperbaus nach der Vorstellung unter dem Reiter am Folgetag durch eine weitere Gebäudenote ergänzt wird.
Dies wirft Fragen hinsichtlich Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Notengebung auf. Es besteht die Gefahr, dass die Bewertung des Körperbaus nicht mehr als eigenständiges Qualitätsmerkmal wahrgenommen wird, sondern faktisch zu einem nachträglichen Korrekturfaktor für die Gesamtnote wird.
Jungpferde- bzw. -ponygerecht?
Noch gravierender erscheinen die Änderungen bei den vierjährigen Pferden und Ponys. In der
Finalprüfung soll künftig eine Dressurpferdeprüfung der Klasse A geritten werden; die Vorstellung erfolgt einzeln.
Auch hier muss die Frage erlaubt sein, ob dieses Format dem ursprünglichen Ziel der Reform tatsächlich gerecht wird und ob es für junge Pferde und Ponys in diesem Rahmen die passende Lösung darstellt.
Uneinheitliche Qualifikationsmodi
Bemerkenswert ist zudem, dass es den Zuchtverbänden, die für die Nominierung der Starter verantwortlich sind, überlassen bleibt, ob die Sichtungsprüfungen im Vorfeld des Championats nach dem bisherigen Modus oder bereits nach dem veränderten Modus des Pilotprojekts durchgeführt werden. Auch dies wirft aus unserer Sicht Fragen nach Vergleichbarkeit, Einheitlichkeit und Chancengleichheit auf.
Verfolgt man die Veröffentlichungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu diesem
Themenkomplex, ist festzustellen, dass es nach der Verabschiedung der Neuerungen im Frühjahr
bereits mehrere Nachbesserungen gegeben hat.
Auch dies bestärkt uns in der Einschätzung, dass die vorgesehenen Änderungen in ihrer Gesamtheit noch nicht ausreichend durchdacht erscheinen.
Fazit
Unser Fazit lautet daher:
Den Ansatz, das Tierwohl noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen, halten wir ausdrücklich für
richtig. Dieses Ziel verdient Respekt und Unterstützung. Die Entwicklungen der vergangenen
Jahre haben in vielen Bereichen in die richtige Richtung gewiesen.
Die aktuellen Neuerungen für das Bundeschampionat 2026 sehen wir jedoch kritisch. Aus unserer Sicht ist fraglich, ob ein solches Pilotprojekt ausgerechnet im Rahmen des Bundeschampionats angesiedelt werden sollte. Dies gilt umso mehr, als eine Übertragbarkeit auf Reitpferdeprüfungenvin der allgemeinen Turniersaison derzeit kaum realistisch erscheint.
Vor diesem Hintergrund haben wir entschieden, das Bundeschampionat 2026 nicht als Sponsor zu begleiten.
Eckhard Scharf
Ponyforum GmbH
Wir haben die FN um Stellungnahme gebeten.