Jetzt kommen die Konzerne ins Spiel

Standpunkt 17.06.2026
Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de
In der Diskussion um Tierarztkosten hat sich nun eine neue Partei in Sachen Gebührenordnung für. Tierärzte (GOT) zu Wort gemeldet, die Versicherungswirtschaft. Kein Einzelunternehmen, sondern der Gesamtverband. Das hat Wumms, meint Jan Tönjes.
Jeden Montag macht sich Jan Tönjes im EQUI PAGES-Newsletter seine Gedanken über aktuelle Geschehnisse und kommentiert diese. Hier das Editorial vom 15. Juni 2026.

In Sachen GOT, diesem Kürzel, das jede Woche mindestens einmal in irgendeiner Unterhaltung auf deutschen Stallgassen eine Rolle spielt – direkt oder indirekt –, könnte sich etwas tun. Der Protest aus den Reihen der Tierhalter wurde zwar gehört, und auch spezifisch auf die Zukunft des Pferdes ausgerichtete Initiativen haben es schon bis in den Bundestag geschafft. Aber eine klare Aussage seitens der Verantwortlichen, ob es Änderungen geben wird, steht noch aus. Die Argumente sind hinlänglich bekannt (und x-mal ausgetauscht). Die Tierhalterinnen und -halter bekommen angesichts von Tierarztabrechnungen Schnappatmung. Die Politik muss evaluieren, beraten, Bundestag, Bundesrat, Ausschüsse … Deutschlandtempo? Eher nicht so.


Neuer Wumms für die Diskussion?


Nun aber hat sich eine Gruppe zu Wort gemeldet hinter der nicht Sorge und Verzweiflung um die Versorgung des liebgewonnenen Haustiers steht, sondern Geld. Viel Geld! Die Versicherungsindustrie meldet ihre Bedenken an. Dahinter stecken die „versicherungsoptimierten Abrechnungen“, kürzer ausgedrückt: Versicherungsbetrug – meine Wortwahl als Kassenpatient.


Präzise an einzelnen Paragrafen belegt, prangert sie Wildwuchs bei der Rechnungstellung an Tierhalterinnen und -halten an, deren Tiere versichert sind. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sieht „strukturelle Defizite“. Diese „bedürften dringend gesetzgeberischen Handlungen“.


Money matters


Das ist doch mal eine Aussage. Man könnte es auch so formulieren: Anstelle von Omi Kasubkes Pudel mit Nierensteinen – oder Susi Sorgenvolls bereits zweimal kolik-operierten Schnutzelputzel – tritt eine einfache Zahl: 238 Milliarden EuroJahresumsatz in 2024! So viel haben die Deutschen in Versicherungsleistungen investiert. Natürlich nicht nur in Pferde-Krankenversicherungen. Aber eben auch.


Der Pudel von Oma Kasubke …


Der Pudel von Omi Kasubke und der verdauungsgeplagte Schnutzelputzel mögen sich in Wahlkampfzeiten werbewirksam fürs Foto streicheln lassen. Der Mann im dunklen Anzug mit dem smarten Auftreten, über dem die Zahl 238 Milliarden schwebt, wenn er – kleiner Kalauer, Entschuldigung – als Lobbyist die Lobby des Deutschen Bundestages betritt, will nicht gestreichelt werden. Aber gehört. Ich nehme an, er wird es auch. Und das ist gut so.


Schließlich leidet das ganze System unter den schwarzen Schafen, den Kliniken, hinter denen teilweise auch Konzerne stehen, die meinen, eine Leistung anders abrechnen zu können, nur weil eine Versicherung für das Tier besteht. Letztendlich sorgen diese, häufig PR-technisch geschickt agierenden (man kann es sich ja auch leisten, wenn jeder Handgriff zum doppelten Satz abgerechnet wird …) Kliniken dafür, dass sich der Fahrpraktiker, der „kleine Tierarzt“ von nebenan, der mit drei angestellten Kolleginnen und Kollegen die Versorgung aufrechterhält, Diskussionen stellen muss, die am Lebensalltag dieser durchaus idealistisch agierenden Veterinäre, vorbeigehen.


Der Keil zwischen denen, denen es um das Wohl des Pferdes geht


Eins ist klar: Die GOT hat es geschafft, die Tierärzteschaft zu spalten und einen Keil zwischen uns, die Patientenbesitzer und die behandelnden Fachleuten zu treiben. Ob das so angestrebt war, wissen nur die Verfasser und Verfechter der GOT. Gut, dass nun eine weitere, eine mächtige Stimme sich in der Debatte zu Wort meldet.


Luhmühlen ruft!


Schnell noch ein Wort zu dieser Woche: Es ist die Woche, in der eigentlich alles mit L anfangen sollte: L wie Lust auf tollen Sport, L wie Liebe zum Pferd, L wie Leistung, L wie Luhmühlen. Wir haben einiges rund um die Deutschen Meisterschaften, die CCI5*-L-Prüfung mit vielen internationalen Top-Starterpaaren sowie den Gedanken hinter der Strecke zusammengefasst. L wie Let’s Go. Oder auch LA – die Initiative Road2LA wird auch vor Ort sein.


In diesem Sinne, beste Grüße und bis nächsten Montag!


Jan Tönjes

jan.toenjes@equi-pages.de




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Dieser Text wurde erstmals am 15. Juni 2026 veröffentlicht. Immer montags kommentiert Jan Tönjes auf EQUI PAGES das Geschehen in unserem wöchentlichen Newsletter.


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