FEI und WBFSH nehmen das Thema Züchterprämie auf ihre Agenda

Internationale Züchterprämie: Ein Durchbruch zeichnet sich ab

Standpunkt 23.06.2026
Redaktion von Redaktion
Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer von HorseTelex
macht sich in seiner Blogserie über die Zukunft der Pferdezucht seine Gedanken. Foto: privat und sportfotos-lafrentz.de Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer von HorseTelex macht sich in seiner Blogserie über die Zukunft der Pferdezucht seine Gedanken. Foto: privat und sportfotos-lafrentz.de
Der Niederländer Dirk Willem Rosie ist eine feste Größe in der Pferdebranche. Mit seiner Blogserie zum Thema „internationale Züchterprämien“ hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Aber die beiden wichtigsten Verbände bei diesem globalen Thema haben nun das Thema auf der Agenda.

Einen Tag nach ihrem Treffen gaben die Weltvereinigung der Zuchtverbände, World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH), und der Weltreiterverband (FEI) am vergangenen Donnerstag eine gemeinsame Erklärung ab. Dabei kündigten sie an, dass das Thema „Züchterprämien“ bei der nächsten Ausgabe des FEI Sports Forum in Lausanne einen eigenen Schwerpunkt bilden wird. Es ist noch zu früh, um zu jubeln, aber ein Durchbruch zeichnet sich ab. Ein Durchbruch im kollektiven Bewusstsein der Pferdebranche hinsichtlich der Rolle und der Bedeutung der Zucht. Und der Wertschätzung für die Züchter.


Die FEI und die WBFSH erkennen den grundlegenden Beitrag der Züchter zur Entwicklung und zum langfristigen Erfolg des Pferdesports an“, heißt es in der Pressemitteilung. „Sie spielen eine Schlüsselrolle am Anfang der Wertschöpfungskette von Sportpferden und gehen dabei erhebliche Investitionen, Risiken und eine langfristige Verpflichtung ein, um Pferde zu züchten, die auf höchstem Niveau Leistungen erbringen können.


Am 26. und 27. April 2027 wird daher in Lausanne die Idee diskutiert, Züchter von Spitzenpferden stärker in das Ökosystem des Pferdesports einzubinden. Genau an dem Ort, an dem dies am besten möglich ist. Denn beim FEI Sports Forum kommen Vertreter aller beteiligten Parteien zusammen, mit dem Ziel, (Zitat aus der Pressemitteilung) „zufriedenstellende und umsetzbare Vorschläge zu entwickeln“. Das klingt wirklich vielversprechend.


Die Blogreihe über Züchterprämien, die zuvor auf dieser Website erschien, hat genau das bewirkt, was sie beabsichtigte: eine Diskussion darüber, ob es eigentlich akzeptabel ist, dass der mit Abstand größte Teil der Produzenten Verluste durch das erleidet, womit der Rest der „Wertschöpfungskette“ Geld verdient.


Kritik aus dem Springsport an Initiative


Für die Feststellung, dass in der Pferdebranche viel Geld verdient wird, habe ich übrigens ziemlich viel Kritik geerntet. So wurde mir vorgeworfen, ich wüsste nicht, wie viel Geld es kostet, mit einem Pferd international an Turnieren teilzunehmen. Abgesehen davon, dass ich das zu meinem eigenen Leidwesen sehr wohl weiß: Es ist ein Trugschluss, über hohe Turnierkosten zu jammern, wenn diese Kosten mit kommerziellem Hintergrund gemacht werden. Man muss Pferde nun einmal ausbilden (und bei Sportpferden geschieht das auf Turnieren), um damit Geld zu verdienen.


Es geht ja darum, dass im Pferdesport sehr viel Geld verdient wird, weil Züchter bereit sind, (verlustbringende) Fohlen zur Welt zu bringen. Ich gebe zu: Es ist bis zu einem gewissen Grad willkürlich, dann einen Prozentsatz des 5*-Preisgeldes für die Züchter zu reservieren. Natürlich wird es auch 5*-Pferde geben, die nicht alle Kosten durch Preisgelder wieder hereinholen. Für die Reiter und Besitzer dieser Pferde ist es ärgerlich, dann auch noch einen kleinen Teil an die Züchter ihrer Pferde abgeben zu müssen.


Aber es bleibt die Tatsache, dass über die gesamte Bandbreite aller 5*-Pferde hinweg sehr viel Preisgeld zu verteilen ist.


Die Pferdebranche muss „erwachsen werden“


Die Alternative ist zudem für manche Großverdiener in der Pferdebranche weitaus unangenehmer. Mit der Blockchain-Technologie können wir die (kommerzielle) Karriere von Sportpferden dokumentieren, einschließlich aller Transaktionen, die im Zusammenhang mit einem Pferd stattfinden. So kann jedes Mal, wenn mit einem Pferd Gewinn erzielt wird, ein kleiner Teil an die ersten Ausbilder und den Züchter dieses Pferdes zurückfließen.


Ich habe diese Idee kürzlich vor einigen Geschäftsleuten aus der Pferdebranche dargelegt. Ihre Reaktion?



  1. Na, das wird dem Finanzamt gefallen …

  2. Ich bin dagegen! Händler müssen doch noch etwas Spielraum und Freiheit behalten, um Geld zu verdienen.


Diese Haltung, die in der Tat einen Teil der Pferdewelt prägt, veranlasst mich dazu, die Züchterprämien auf das 5*-Preisgeld als ersten Schritt zu betrachten. Und danach so schnell wie möglich die Blockchain-Technologie einzuführen.


Dann kann sich die Pferdewelt endlich von Schwarzgeld und unlauteren Praktiken befreien. Und sich als vollwertige, erwachsene Branche präsentieren.


Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer HorseTelex


Im April und Mai hatte sich Dirk Willem Rosie in einer Serie von fünf Blogs über Züchterprämien Gedanken gemacht. Wer sie noch einmal nachlesen möchte:



  1. Warum die Züchterprämie kein Gefallen ist, sondern ein Muss

  2. Europas Zuchtverantwortliche unterstützen Ruf nach Züchterprämie für Sportpferde

  3. 5*-Pferdebesitzer wollen keinen Cent zur Züchterprämie beitragen

  4. Züchterprämien in der Diskussion – Ludger Beerbaum: „Der Züchter wird nicht genug berücksichtigt“

  5. Warum Züchterprämien dem freien Markt zu Hilfe kommen




Blogserie zur Züchterprämie


Dirk Willem Rosie ist ehemaliger Chefredakteur der niederländischen Pferdemedien Paardenkrant und Horses.nl sowie Mitbegründer und CEO von HorseTelex. Er ist selbst Züchter, unter anderem des 1,60-m-Springpferdes Kyraleen von Caroline Müller und des zweifachen Bundeschampionatsfinalisten und in der Kleinen Tour erfolgreichen Hengstes Matisse GG OLD.

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