Richard Vogel und United Touch S gewinnen Rolex Grand Prix von Aachen 2026
Die Vogel- und United Touch-Sensation von Aachen ist perfekt
2024 verschenkten Richard Vogel und United Touch S den Sieg am letzten Hindernis des Stechens. Diesmal hat es geklappt. Der Lohn: 950.000 Eur0, 450.000 für den heutigen Sieg, 500.000 extra für den zweiten Rolex Major in Folge. Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de 24 der Top 25 Reiter der Welt, darunter die Olympiasieger von 2024, Christian Kukuk und Checker, sowie der Weltcup-Sieger von 2026, Kent Farrington mit Greya. Und die Europameister sowie Rolex Live Contender Richard Vogel und United Touch S. Der Rolex Grand Prix von Aachen verspricht immer den besten Sport der Welt. Aber heute war er vielleicht noch ein ganz kleines bisschen besser. Ein Fingerzeig in Richtung WM.
Olympia- und Weltcup-Sieger, Vorjahres- und Vorvorjahressieger – alle blieben auf der Strecke im Laufe der zwei Umläufe, die Frank Rothenberger rund um das bereits angelegte WM-Dressurviereck in die Soers gebaut hatte.
Wobei es für André Thieme und Chakaria, die Sieger von 2024, besonders schade war, denn ihr Fehler war ein reines Versehen. Die Stute verguckte sich am Wassergraben im ersten Umlauf, bekam einen Huf uns Wasser und stürzte fast. Doch sie rappelte sich gleich wieder auf, unterlief die danach folgende Mauer, aber rettete sich fehlerfrei hinüber und sprang den Rest des Parcours ebenso fehlerfrei, ebenso wie den zweiten Umlauf. Damit waren sie noch Sechste, aber so wie die Stute in Form ist, wäre sie im Stechen eine mehr als würdige Gegnerin gewesen.
Das Stechen
Am Ende waren es nur drei Paare, die zweimal null und ins Stechen sprangen, zwei davon aus demselben Stall: Richard Vogel mit seinem Superstar United Touch S, als Sieger von ’s-Hertogenbosch Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Showjumping (aka „Live Contender“) und Sophie Hinners im Sattel von Iron Dames Singclair sowie die positive Überraschung des Tages, Argentiniens José Maria Larocca und der sensationell fightende Finn Lente. Letzterer hat schon vor 20 Jahren an der WM in Aachen teilgenommen sowie an drei Olympischen Spielen. Aber heute um den Sieg in Aachen zu springen, dürfte der größte Erfolg seiner Karriere gewesen sein.
Sophie Hinners machte den Anfang im Stechen. Den ganzen Weg vom Abreiteplatz vorbei am Richterturm in Richtung Stadion redete Compagnon David Will gestenreich auf sie ein, gab Tipps und deutete händisch an, sie solle den Vorwärtsrhythmus halten. Klar, was auch sonst? Der schwedische Wallach war zwei perfekte Umläufe gesprungen, faltete sich zusammen, wenn es dicht wurde und konnte aus jeder Situation noch einen sicheren Sprung entwickeln. Das war im Stechen nicht anders. Aber es war klar, dass 51,62 Sekunden keine Zeit waren, die es Richard Vogel und United Touch S unmöglich machen würde, den 500.000 Euro Bonus für den Sieg im zweiten Rolex Major in Folge in den heimischen Stall zu holen.
Mister Perfect
Dann war es so weit. Auftritt der Superstars. Start frei für Richard Vogel und United Touch S. Dreimal hintereinander hat Vogel in der Aachener Soers Deutschlands U25 Springpokal gewonnen. Zweimal in Folge war er mit United Touch S im Rolex Grand Prix platziert. 2024 verschenkten die beiden den Sieg durch einen Netzroller am letzten Hindernis. Das sollte heute anders werden. Es wurde anders.
United Touch war schon in den Umläufen wie vom anderen Stern gesprungen, ließ sich mit dem kleinen Finger zurücknehmen und auf das leiseste Signal wieder nach vorne schicken. Keine Gedanke mehr daran, dass der Untouched-Sohn einst Probleme hatte, seinen Riesengaloppsprung in den Kombinationen zu verkürzen. Er kam nicht einmal in die Nähe einer einzigen Stange. So war es auch im Stechen. Vogel musste den Hengst noch nicht einmal besonders schnell machen. Er ließ ihn einfach seinen Rhythmus gehen und als sich eine Möglichkeit zum Abkürzen ergab, nutzten die beiden diese ohne aus dem Takt zu kommen. Diesmal war auch der letzte Sprung kein Hindernis.
Fehlerfrei, 45,57 Sekunden, die Soers stand Kopf. Richard Vogel konnte gar nicht aufhören, seinen Hengst abwechselnd dankbar zu streicheln und immer wieder mit dem Finger auf ihn zu zeigen. Auf der Tribüne lagen sich Züchter und Besitzer Julius-Peter Sinnack und Begleiterin in den Armen. Doch zum Feiern war es noch zu früh. Denn einer kam ja noch.
Der größte Erfolg
„Wenn wir in die Soers einreiten, und hören das Publikum, beflügelt das so unglaublich, dass außergewöhnliche Leistungen möglich sind“, schwärmte Richard Vogel heute. Und das schöne in Aachen ist: Wer hier gut reitet, wird ungeachtet seiner Nationalität gefeiert. So auch José Maria Larocca und Finn Lente. Die beiden waren das letzte Paar im Stechen, das Richard Vogel und United Touch S den Sieg noch hätte streitig machen können und die ersten beiden Umläufe hatten gezeigt: Es war kein Glück, das sie heute ins Stechen gebracht hatte, es war Können. Das zeigten sie auch im Stechen.
Allerdings sah man schon, dass Larocca ziemlich kämpfen musste, um Finn Lente optimal zu unterstützen und trotzdem kam der 16-jährige KWPN-Wallach v. Gaillard de la Pomme nicht einmal annähernd an die Zeit von United Touch heran. Bei 47,36 Sekunden stoppte die Uhr, Platz zwei. Kein Sieg, aber Platz zwei und damit trotzdem der größte Erfolg für den in der Schweiz beheimateten Larocca.
Ein Tag für die Geschichtsbücher
Nun war es tatsächlich geschafft. Richard Vogel und United Touch S haben das scheinbar Unmögliche möglich gemacht und den zweiten Rolex Grand Prix in Folge gewonnen. Hinter den Kulissen wurden Reiter und Pferd von einer Gratulation in die nächste gereicht. Steve Guerdat ging als erstes zu United Touch S, um dem Champ zu gratulieren. Richard Vogel und Julius-Peter Sinnack lagen sich in den Armen. Die Soers tobte.
Bei der Siegerehrung sagte Richard Vogel: „United Touch hat einmal mehr der Welt bewiesen, was für ein unglaubliches Pferd er ist. Nicht nur wegen seines Galoppsprungs und seines unendlichen Vermögens, sondern vor allem wegen seines Charakters. Er will immer alles geben. Zuhause müssen wir viel daran arbeiten, dass er sich setzt und dass er seinen Galopp verkürzt – und da arbeitet er so gut mit …“
Was ihm sein Sieg bedeutet? „Es ist ein Traum, der wahrgeworden ist. Als Rolex Live Contender hierher gekommen zu sein, und nun den Rolex Grand Prix gewonnen zu haben – das ist ein Tag, den wir nie vergessen werden.“
Auf der Ehrenrunde ließ er sich noch einmal feiern, galoppierte die ganze lange Bande der Soers entlang und klatschte das Publikum ab, bei dem er sich zuvor so herzlich für die Unterstützung bedankt hatte. Da werden wohl ein paar Hände ungewaschen bleiben in den nächsten Tagen.
Die weiteren Deutschen
Und wie haben die weiteren deutschen Teilnehmer abgeschnitten? Daniel Deußer und Otello de Guldenboom, die Zweitplatzierten des Weltcup-Finales, sahen im ersten Umlauf wie Kandidaten fürs Stechen aus und blieben null. Doch in Runde zwei war es einmal nicht ganz passend, Otello rettete sich, aber die Stange danach fiel. Eine weitere folgte. Acht Strafpunkte, Rang 16.
Marcus Ehning und Coolio hatten einen leichten Abwurf im ersten Umlauf und hätten verpassten den zweiten Umlauf der Top 18 um zwei Plätze. Fünf Fehler wurden es bei einem ansonsten super springenden Cody unter René Dittmer. Das gleiche Schicksal ereilte Christian Ahlmann und Untouched LB, einen Sohn des Siegers United Touch S.
Christian Kukuk und Checker kassierten zwei Abwürfe im ersten Umlauf. Zwölf Strafpunkte wurden es für Sandra Auffarth und Quirici H, 14 für die Siegerin von 2011, Janne Friederike Meyer-Zimmermann, mit Cascais. Und Philipp Weishaupt verzichtete in Runde eins auf eine Fortsetzung des Parcours.
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