Schweiz gewinnt Nationenpreis von Falsterbo im Stechen, enttäuschendes Ergebnis für Deutschland

Schweizer Springreiter in WM-Form im Nationenpreis von Schweden, schwarzer Tag für Deutschland

Springen
Super unterwegs für die Schweiz: Steve Guerdat und Dynamix de Belheme
Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de Super unterwegs für die Schweiz: Steve Guerdat und Dynamix de Belheme Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de
Der Nationenpreis von Falsterbo war für Parcourschef Frank Rothenberger ebenso ein WM-Formcheck, wie für die Reiter und Pferde. Wer überzeugte und wo noch Hausaufgaben anstehen.

Nach den ersten Ritten sah der von Frank Rothenberger gestaltete Parcours für den Nationenpreis von Falsterbo noch nach einer sehr machbaren Aufgabe aus. Zu den vielen fehlerfreien Ritten gehörte auch der von André Thieme und Derby-Sieger Paule S. Doch im weiteren Verlauf der Prüfung erwiesen sich die Fragen, die Rothenberger stellte, dann doch als schwieriger zu beantworten als man zunächst angenommen hatte. Vor allem in der zweiten Runde, wo Rothenberger unter anderem das mittlere Element der dreifachen Kombination erhöhte. Das stellte einige Paare vor tatsächlich unlösbare Aufgaben. Denen brauchte das deutsche Team sich nach Runde eins allerdings gar nicht mehr zu stellen.


Deutschland raus nach Runde eins


So locker wie André Thieme – der gestern zudem mit Chakaria die erste Qualifikation für den Großen Preis gewinnen konnte – und Paule S über den ersten Umlauf cruisten, sah dieser Nationenpreis nicht nach einer großen Herausforderung für das auf dem Papier starke deutsche Team aus. Als nächstes waren Sophie Hinners und ihr wieder genesener EM-Bronzemedaillenpartner My Prins an der Reihe. Auch bei ihnen lief alles glatt – bis zum letzten Sprung. Da fiel die Stange. Okay, kann passieren.


Drittes Paar für Deutschland waren der erfahrene Philipp Weishaupt und sein zehnjähriger Wallach Kilmister. Für den Diarado-Sohn war dies der erste Fünf-Sterne-Nationenpreis seines Lebens und er schien einigermaßen beeindruckt. Weishaupt tat das einzig vernünftige, um das Vertrauen des Wallachs nicht zu verspielen und gab auf.


Damit zählten auf jeden Fall die vier Fehler von Hinners und My Prins. Bestenfalls würden Richard Vogel und sein WM-Reservist Cloudio dafür sorgen, dass es dabei bleibt. Doch es kam anders. Der Schimmel zog völlig aus dem Off die Bremse vor einem eigentlich unspektakulären grün-gelben Steilsprung, der keinem anderen Paar Probleme bereitete. Vogel reagierte geistesgegenwärtig, hielt sich nicht mit dem Schreckmoment auf, sondern ritt direkt neu an, um den vier Fehlern der Verweigerung nicht allzu viele Zeitstrafpunkte hinzuzufügen. Doch auch im weiteren Verlauf des Parcours war der Wurm drin. Bei einem großen Satz des Casall-Sohnes über einen mächtigen Oxer kam er fast aus dem Sattel und verlor den Steigbügel. Er konnte ihn gerade noch wieder angeln. Und dann fiel auch noch die Stange des letzten Sprungs. Machte 13 Fehler, 17 insgesamt fürs Team, damit Rang neun der zehn Mannschaften.


Generalproben müssen schief gehen? Hat aus deutscher Sicht geklappt, die WM kann kommen.


Zweiter Umlauf


Sehr viel besser lief es für die Konkurrenz. Nach dem ersten Umlauf stand die Bilanz bei den Gastgebern aus Schweden, der Schweiz und Belgien auf null Strafpunkte. Vier waren es für Frankreich, Irland und den USA. Der erhöhte zweite Umlauf erwies sich dann jedoch als selektiv.


Für Schweden ging es schon wenig viel versprechend los mit zwölf Strafpunkten beim Dreamteam Wilma McMahon (geborene Hellström) und ihrer Cicci BJN. Thomas Ryan und Jezebeau BC blieben zwar ein zweites Mal null und schürten kurz Hoffnungen. Doch die platzten nach je acht Strafpunkten von Amanda Landeblad mit Springfield und Henrik von Eckermann auf Minute Man. Es wurde Platz sieben für die Gastgeber.


Schweiz


Für die Schweiz demonstrierte Steve Guerdats Olympiasilbermedaillengewinnerin Dynamix de Belheme, dass sie rechtzeitig vor der WM in Aachen wieder in absoluter Bestform ist. Sie sprang zwei Runden in bestechender Manier fehlerfrei.


Zweites Paar für die Eidgenossen waren Gaetan Joliat und Just Special VK. Nach dem souveränen ersten Umlauf machte der Fuchs große Augen in der dreifachen Kombination und zog die Bremse. Auch im zweiten Anlauf war er nicht davon zu überzeugen zu springen. Damit war die Reise für die beiden beendet.


Doch Jason Smith und der wunderbare Schimmel Picobello van’t Roosakker brachte das Team dank einer zweiten Nullrunde zurück ins Spiel.


Martin Fuchs und Lorde hatten sich in Runde eins dank der Nullrunden des Teams schonen können. Jetzt mussten sie liefern und das taten sie: fehlerfrei. Damit blieb es bei null Fehlern für die Schweiz trotz des Ausfalls von Joliat.


Belgien


Im belgischen Team war es das erfahrenste Paar, Nicola Philippaerts auf Katanga van het Dingeshof, das im ersten Umlauf am letzten Hindernis einen leichten Fehler hatte und das Streichergebnis lieferte. Im zweiten Umlauf machten sie es wieder gut.


Pieter Devos hatte mit dem elfjährigen Primo DV ebenfalls einen Nationenpreis-Neuling auf diesem Niveau unter dem Sattel. Der Schimmel bestätigte das Vertrauen, das Equipechef Peter Weinberg in ihn gesetzt hatte, mit zwei Parcours ohne Abwurf.


Abdel Said und Wathnan Quaker Brimbelles Z lieferten im zweiten Umlauf mit einem Abwurf das Streichergebnis. Besser lief es für die Mannschaftseuropameister Thibeau Spits, der Youngster des Teams, mit seinem Impress-K Van’t Kattenheye Z: zweimal ohne Abwurf.


USA


Den „Pathfinder“ für die USA machte Weltcup-Sieger Kent Farrington auf seiner großen Zukunftshoffnung Descartes SR. Der wurde seinem Ruf gerecht, sprang gewaltig im ersten Umlauf und hatte einen leichten Fehler im zweiten bei seinem ersten Nationenpreis-Auftritt.


Anders war es bei Natalie Dean und Fornett d’Emeraude. In der ersten Runde agierten sie noch absolut souverän. Doch in Runde zwei war auch Fornett das erhöhte B-Element der Dreifachen nicht geheuer. Er verweigerte und beim zweiten Anreiten kamen sie nicht einmal mehr über das erste Hindernis. Dean fiel herunter, die beiden schieden aus.


Mimi Gochman und Iron Maiden hatten einen Abwurf über die leichtere Version von Rothenbergers Kurs. Aber im zweiten Anlauf begeisterten die beiden mit einer mühelosen Vorstellung und kamen fehlerfrei ins Ziel. Ebenso erging es Charlotte Jacobs und Playboy JT Z als viertem Paar.


Damit hatten die USA acht Fehler im Summe und standen als drittplatziertes Team vor Frankreich (12) und Irland (12/langsamere Zeit) und Großbritannien (16) fest.


Lediglich die Rangierung an der Spitze musste nun noch im Stechen zwischen der Schweiz und Belgien geklärt werden.


Stechen um den Sieg


Im Stechen mussten nun nicht mehr alle Paare ein drittes Mal ran, sondern die Equipechef konnten einen Vertreter bestimmen. Im Falle der Belgier entschied sich Equipechef Peter Weinberg für Pieter Devos und Primo DV. Doch hier lief es dann nicht mehr ganz so gut. An einem Oxer waren die beiden so weit vom idealen Absprungpunkt entfernt, dass Primo vernünftigerweise die Bremse zog. Ein Abwurf kam noch hinzu.


13 Strafpunkte ließen die Tür weit offen für die Schweiz, die Martin Fuchs und Lorde ins Rennen schickten. Dementsprechend hetzte Martin Fuchs den elfjährigen Fuchs nicht im Stechtempo durch den Parcours, sondern ließ es ruhig angehen und brachte den Sieg ungefährdet mit drei Zeitfehlern nach Hause.


Fazit: Die Schweiz ist bereit für die WM, Deutschland kann auf das Prinzip Generalprobe hoffen.


 


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