Pferdesportverbände wenden sich wegen GOT an Bundeslandwirtschaftsministerium

Verbände übergeben Forderung nach GOT-Überarbeitung an Landwirtschaftsminister

Szene
Die großen mit Pferdesport und -zucht befassten Verbände in Deutschland, FN, Deutscher Galopp sowie der Hauptverband für Traberzucht haben sich wegen der GOT an das Bundeslandwirtschaftsministerium gewandt.

Die seit der GOT Novelle 2022 massiv angestiegenen Tierarztkosten sind einer der Faktoren, die Pferdehalter momentan vor große Probleme stellen. Aktuell läuft eine Evaluierung, also eine Prüfung der GOT Novelle und ihrer Folgen. Doch diese Evaluierung sei „weder umfassend noch realitätsnah“, wie die FN hervorhebt. Im Gegenteil, sie stelle „die Pferdebranche vor erhebliche Probleme“.


Evaluierung 2026 durch „Väter“ der 2022er Novelle


Mit besagter Evaluierung wurde das Unternehmen AFC Public Services beauftragt – wie bereits bei der Novellierung der GOT im Jahr 2022. So steht es auf der Website des Unternehmens zu lesen: „Wir, die AFC Public Services, haben diesen Reformprozess begleitet und waren maßgeblich an der Ausarbeitung der neuen Gebührenstruktur sowie der Anpassung der Leistungspositionen beteiligt“, heißt es dort.


Ferner wird erklärt, wie man bei der aktuellen Untersuchung vorgeht und dass dort nicht nur die Stimmen der Tierärzteschaft, sondern auch Vertreter von Interessengruppen der Tierhalter zu Wort kommen. Es wird explizit aufgefordert, sich an das Unternehmen zu wenden, sollte man sich nicht ausreichend in den Prozess eingebunden fühlen.


Interview mit den Verbänden


In diesem Zusammenhang hat es laut FN auch Gespräche mit oben genannten Verbänden gegeben. Ein Gruppeninterview habe deutlich gemacht, wie gravierend die negativen Auswirkungen der GOT-Novelle von 2022 auf den Pferdesektor seien. Dabei hätten sich die Vertreter des beauftragten Unternehmens AFC Services „sichtbar überrascht von Ausmaß und Tiefe der Problematik“ gezeigt. Dies habe den Verbänden „unmissverständlich“ klar gemacht, dass die derzeitige Evaluierung zu kurz greife, die Folgen für Tierhalter nicht untersuche und die zentrale Frage, wie eine wirtschaftlich tragfähige Versorgung für alle Beteiligten langfristig gesichert werden könne, nicht beantwortet.


Die Folgen der GOT


Was die Vertreter von AFC Public Services so überrascht hat, waren die Erklärungen der Verbandsvertreter, die den Rückgang der Bedeckungszahlen beschrieben, die Schließung vieler Reitschulen „in alarmierender Häufigkeit“ sowie die existenziellen Probleme der Pferdehalter, die sich die Frage stellen, ob sie sich ihre Pferde noch leisten können. Sie berichteten von den wirtschaftlich bedingten Tötungen von Pferden und von den gestiegenen Zahlen in Notstationen abgegebener Pferde, wie etwa der Pferdeklappe in Schleswig-Holstein. Auch dass tierärztliche Behandlung häufiger aufgeschoben werden, kam zur Sprache. Dies sei ein „klarer Rückschritt für den Tierschutz“.


Auf der anderen Seite stünde die Tierärzteschaft selbst, die Kunden verliert. Zudem seien viele bislang inhabergeführte Praxen in Fremdbesitz übergegangen. Damit käme ein Gutteil des Ertrages nicht mehr der veterinärmedizinischen Versorgung, sondern Kapitalgesellschaften zugute.


Forderung der Verbände


In ihrem Brief an Landwirtschaftsminister Alois Rainer haben die drei großen deutschen Pferdesport- und -zuchtverbände nun erklärt:


„Deutschland ist als Pferdeland in eine nie dagewesene Krise geraten. Weitere Anstiege bei den tierärztlichen Gebühren sind nicht verkraftbar. Ein Abwarten auf die Ergebnisse der nicht allumfassenden Evaluierung ist nicht hinnehmbar.“


Man zeigt aber auch Verständnis für die andere Seite: „Eines möchten wir vorwegschicken. Tierärztliche Leistungen müssen angemessen vergütet werden. Jedoch ist an vielen Stellen die Grenze der Belastbarkeit erreicht und überschritten“, so die Präsidenten Prof. Dr. h.c. Martin Richenhagen (Pferdesport Deutschland), Dr. Michael Vesper (Deutscher Galopp) und Peter Weihermüller (Hauptverband für Traberzucht).


Kein weiteres Versäumnis à la 2022


Was die Verbände wollen, ist eine Erweiterung des Evaluationsauftrages. Es brauche eine umfassende Analyse damit sichergestellt ist, dass alle Seiten berücksichtigt werden – was im übrigen durch § 12 der Bundes-Tierärzteordnung so vorgesehen sei. 2022 seien eben nicht die Interessen aller Betroffenen berücksichtigt worden. „Ein erneutes Versäumnis wäre aus Sicht der Branche nicht nur sachlich falsch, sondern politisch unverantwortlich.“


Die Verbände erinnern ferner daran, dass Deutschland innerhalb der EU das einzige Land ist, das eine bindende Gebührenordnung für tierärztliche Leistungen hat. „Wir fordern die umgehende Aufhebung der Verbindlichkeit der Gebührenordnung, um eine sofortige Entlastung der Verbraucher zu erreichen. Unserer Auffassung nach sollte die Vergütung tierärztlicher Leistungen Abstimmungssache zwischen Pferdehalter und Tierarzt sein“, erklären die Präsidenten und fahren fort: „Die GOT kann bei dabei einen orientierenden, aber nicht verbindlichen Rahmen bieten. So ist es beispielsweise in Österreich geregelt.“


In anderen Branchen, etwa bei Architekten und Ingenieuren, hätten sich unverbindliche Honorarstrukturen auch in Deutschland bewährt.


Kein Gegeneinander


Die Vertreter der Verbände betonen die Verbundenheit der Pferdebranche mit der Tierärzteschaft. Man strebe kein „Gegeneinander“ an, sondern einen „verlässlichen Rahmen, der es beiden Seiten ermöglicht, ihrer Verantwortung gegenüber Tier und Mensch gerecht zu werden.“


Man hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer ein Gespräch angeboten, um die Lage darzulegen und gemeinsame Lösungsschritte zu erarbeiten.


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