Weltcup-Finale Dressur 2026: Becky Moody nicht zu schlagen, Moritz Treffinger überzeugt und Raphael Netz' Dieudonné zeigt Nerven
Becky Moody siegt im Grand Prix beim Weltcup-Finale 2026, Moritz Treffinger Sechster, Pech für Raphael Netz
Becky Moody und Jagerbomb, Sieger im Grand Prix beim Weltcup-Finale 2026. Foto: FEI/Shannon Brinkman Becky Moody und Jagerbomb, die Sieger im Grand Prix. beim Weltcup-Finale Dressur 2026, kennen sich buchstäblich vom ersten Atemzug des Dante Weltino-Sohns. Der Braune ist bei der 46-Jährigen aus Yorkshire zur Welt gekommen. Heute reisen sie gemeinsam durch die Welt, beispielsweise bis ins olympische Kürfinale.
Mit 76,761 Prozent setzte sich das Paar deutlich an die Spitze der Konkurrenz. Der Beginn der Prüfung war noch etwas verhalten. Die Rechtstraversale war weniger kadenziert als die nach links. Das Paar zeigte ein gutes Rückwärtsrichten, aber der Eindruck, dass der Braune etwas müde wirkte, blieb bestehen. Nach starkem Schritt mit einem knappen Hufbreit Übertritt, aber entspannt, und gutem versammelten Schritt, fiel die zweite Piaffe mit etwas mehr Fließ aus als die erste.
„Mein Pony war eine Legende“
Die Zweierwechsel absolvierte der mächtige Braune mit ruhigem Schweif, aber hätte im Körper gerade bleiben dürfen. Energie flammte dann im starken Galopp auf. Die Einerwechsel wünschte man sich großzügiger im Galoppsprung angelegt. Wie die 46-Jährige die Pirouetten zeigte, das war der absolute Höhepunkt der Aufgabe.
„Mein Pony war eine totale Legende“, strahlte Becky Moody. Sie lobte die Atmosphäre in der Dickies Arena. „Jemand hat beim Reinreiten gerufen, ,wir lieben dein Outfit‘ – Fokus, Fokus habe ich dabei gedacht“. Das hat funktioniert. Auch wenn der allerletzte Glanz heute nicht da war, verspricht die Britin, im Kürfinale noch eine Schippe draufzulegen: „Wir lieben unsere Küren und das Publikum wird wahrscheinlich ja noch enthusiastischer sein“.
Christian Simonson – Platz zwei für die USA
Die neue Superstar-Kombination aus den USA, Christian Simonson und Indian Rock, begannen mit 46 Prozent. Beim Gruß war der Hengst, der von Emmelie Scholtens (NED) ins Olympische Finale von Paris 2024 geritten worden war, rückwärts getreten. Imposant ist der Hengst, was aber nicht über gewisse Defizite hinwegtäuschen darf. In den Trabverstärkungen kam Indian Rock wenn überhaupt auf knapp einen Huf Übertritt. Häufiger schwang der Rappe in allen Lektionen im Zweitakt mit dem rechten Vorderbein höher aus als mit dem linken. Vor allem dann, wenn er im versammelten Trab etwas „passagig“ im Bewegungsablauf wurde.

Schönes Reiten mit „Rocky“
Christian Simonson, der von der Olympiareitern Adrienne Lyle trainiert wird, sitzt sehr schön auf dem Pferd. Er war bemüht, den KWPN-Hengst mit leichter Anlehnung vorzustellen, was ihm auch durchgängig gelang. Das Paar lag bei über 74 Prozent vorm Galopp. Hier fehlte es dann manchmal am Finetuning. Der Rappe wurde schief auf der Diagonalen im starken Galopp, der eher untertourig geritten war. In der Zick-Zack-Traversale verzählte sich Simonson einmal. Mit 75,413 Prozent kam er nicht ganz an die Bewertungen heran, die er bislang schon in den USA erzielt hat. Strahlen konnte er aber dennoch. Zu recht!. „Zwischen den Leuten zu reiten, die ich immer angeschaut und bewundert habe in meiner jungen Karriere“, sei für ihn etwas ganz Besonderes.
Und Indian Rocks Besitzerin, die Milchpumpen-Millionärin Heidi Humphries, die auch Sponsor des Weltcup-Finales Dressur ist, musste sich Tränen der Rührung in der Siegerehrung wegwischen.
Patrik Kittel wird Dritter
Mit dem schwedischen Wallach Touchdown hat der Schwede Patrik KitteI schon einmal das Weltcup-Finale gewonnen. Das war 2024 in Riad. Der Beginn der insgesamt sehr kontrollierten Runde verlief etwas ruckelig. Das Halten zum Gruß war unruhig, die Trabtraversale nach rechts deutlich unausbalanciert im Vorderbein. Die nach links gelang gleichmäßiger. Touchdown absolvierte den starken Trab mit wenig Übertritt.
Die erste Piaffe zeigte der einstmals gekörte Schwede, der schon lange als Wallach unterwegs ist, wie man es von dem Quaterback-Sohn kennt: schwankend und deutlich zu breit im Hinterbein fußend. Die zweite Piaffe gelang besser. In der letzten war die Tendenz breit tretend nach Balance zu suchen dann wieder deutlicher zu erkennen.

In der Galopptour konnte das Paar die Prozente ansteigen lassen, wobei man sich die Einerwechsel dabei noch gerader hätte vorstellen können. Routiniert teilte sich Patrik Kittel seine Wege ein, ließ hier keine Punkte liegen. Mit 72,869 Prozent wurde er Dritter.
Ecuador sorgt für Überraschung
Julio Mendoza Loor sorgte für die erste Überraschung des Weltcup-Finales 2026 Dressur in Fort Worth. Mit dem 15-jährigen Jewel’s Goldstrike wurde der in Quito aufgewachsene Ecuadorianer mit glatten 72 Prozent Vierter. Sein niederländischer Fuchs, ein Bretton Woods-Sohn, ist ein Pferd mit viel Talent für Piaffen und Passagen. Die spielte das Paar routiniert aus.
Mendoza Loor lebt schon seit längerem in den USA. Die beiden waren als erste Starter in die Dickies Arena, die mäßig besucht war – was bei 14.000 Sitzplätzen aber zu erwarten war, eingeritten. „Mein Hauptziel war es, einen fehlerfreien Test zu reiten“, so der Reiter, der sich mit der hohen Platzierung ein verspätetes Geburtstagsgeschenk gemacht hat: Vor zwei Tagen hatte er in Fort Worth seinen 47. Geburtstag gefeiert. „Beim Rausreiten habe ich wie ein Baby geweint. Erst ist das Pferd meines Lebens. Ein Pferd, das immer noch mehr und noch mehr geben will. Er ist geboren, um Grand Prix zu gehen“.
Das Pferd mit dem Vorderbein
Sandra Sysojeva (POL) und Maxima Bella begannen mit einem starken Trab, bei dem das Markenzeichen der Rappstute, die maximale Schulterfreiheit mit hohem Vorderbein ein erstes Zeichen setzte. Allerdings fußten die Hinterhufe kaum in die Spuren der Vorderhufe. Ein Highlight waren die Passagen und die Piaffen, die absolut auf der Stelle gezeigt wurden, mitunter nicht ganz geschmeidig im Hinterbein. Aber auch im starken Schritt, losgelassen schreitend und im versammelten Schritt klar abgesetzt und 100 Prozent sicher im Takt, konnte die Stute gefallen. Stellung und Biegung hätte man sich phasenweise, vor allem auf der linken Hand, geschmeidiger und selbstverständlicher gewünscht.
Punkte verlor die Millennium-Tochter in der Galopptour. Es mag dem tiefen Rücken der Stute geschuldet sein, dass die Galoppsprünge einfach nicht genug Volumen haben, was sich auch in der Qualität der Serienwechseln niederschlug . Und auch die Pirouetten hätte man sich im klaren Sprung des äußeren Hinterbeins um das innere herum dynamischer gewünscht. In der letzten Piaffe äppelte die Stute, was eine Taktstörung nach sich zog. 71,696 Prozent bedeuteten Platz fünf
Platz sechs für Moritz Treffinger
Nach der ersten Hälfte hatten Moritz Treffinger und Fiderdance noch auf Platz zwei gelegen. 71,109 Prozent hatte das Paar von der Jury bekommen. Es war eine Prüfung, in der der jüngste Teilnehmer des Feldes (22), der auf dem Gestüt Bonhomme zuhause ist (hier geht’s zur Homestory), den Fuchs immer gut vor den Hilfen hatte, sodass der Hengst nie zu eng war. Es waren keine groben Patzer, die die Noten etwas drückten, sondern eher ein paar kleinere Unsauberkeiten. Das begann damit, dass der Fidertanz-Sohn beim Halten vorm Rückwärtsrichten hinten ruhte. In den Serienwechseln waren nicht alle fliegenden Galoppwechsel klar durchgesprungen. Aber das waren dann auch schon die teureren Patzer.
Ein Highlight waren die Pirouetten – gut zentriert – und auch die Übergänge in die Piaffen, das Rein und Raus, gelangen fließend und sicher. Am Ende war es Platz sechs für das Paar.
Dieudonné macht große Augen
Raphael Netz und DSP Dieudonné hatten das große Los gezogen – sie gingen als letzte Kombination ins Viereck. Eigentlich eine Ausgangsposition, die man sich wünscht. Der hübsche Rappe musste kurzfristig für den Routinier Great Escape Camelot einspringen. Dreimal hat er ihn vorm Abflug geritten, vorher hatte der Dante Weltino-Sohn Pause, verriet Raphael Netz im Podcast ERZÄHL MIR WAS VOM PFERD.
Immer wieder Spannung
Das Paar begann mit gutem Kreuzen in den Trabtraversalen, Dieudonné war aber deutlich beeindruckt von der Atmosphäre und unruhig im Maul. Einmal zeigte er die Zunge und musste sich danach erst einmal wieder sortieren. Das perfekte Halten vorm etwas eiligen Rückwärtsrichten ließ die Hoffnung aufkeimen, dass sich „Dieu“ nun gesammelt haben würde. Die erste Piaffe war zwar leicht stützend in der Vorhand, aber noch besser als viele Piaffen bei den Weltcup-Prüfungen der Hallensaison. Im versammelten Schritt war die Spannung nicht zu übersehen. „Dieu“ guckte Richtung Tribünen.
Ein Höhepunkt war die zweite Piaffe, richtig gut ausgeführt mit sehr guten Übergängen. Die vielleicht beste Piaffe, die der Hengst bislang in einer Prüfung gezeigt hat. Doch auch weiterhin kam es immer wieder zu leichten Spannungsmomenten zu Beginn der Galopptour. Mit ruhigem, tiefem Sitz versuchte Netz seinem Pferd Sicherheit zu vermitteln. Die Zweierwechsel gelangen sicher. Dass die Unsicherheit aber noch präsent war, spiegelte sich auch in den Zick-Zack-Traversalen wider. Und auch im letzten Galoppsprung in der Rechtspirouette. Die Qualität des Pferdes kam dann in der letzten Passage auf der Mittellinie noch einmal voll zum Tragen. Aber mehr als 67,89 Prozent – mit Bewertungen zwischen 66 und 71,196 Prozent – standen am Ende nicht auf der Anzeigetafel, Rang zwölf.
Die Ergebnisse findet man hier.
Die Kür findet am Samstagabend in Fort Worth statt. Wer sie live verfolgen möchte, sollte sich den Wecker auf Sonntag, 2 Uhr morgens stellen.
Podcast Tipps
ERZÄHL MIR WAS VOM PFERD, der Podcast mit Anja Nehls und Jan Tönjes hat sich in drei Folgen mit dem Weltcup-Finale beschäftigt.
„Unternehmen Weltcup mit Raphael Netz“ – einmal Oberbayern-Texas und zurück
„Audienz bei der Kür-Päpstin Katrina Wüst“ – was man alles rund um Dressurküren wissen sollte