Weltcup-Finale Dressur 2026: Regeln, Reiter, Wissenswertes – auf wen treffen Raphael Netz und Moritz Treffinger?
10 Dinge über das Weltcup-Finale Dressur in Fort Worth/Texas
Pokal Weltcup-Finale Dressur. Foto: sportfotos-lafrentz.de Kleines Assoziationsspiel gefällig? Welche Begriffe kommen einem in den Kopf, wenn man das Wort „Texas“ hört? Cowboys, Steaks, Barbecue oder BBQ, Canyons, Wüste? Vielleicht noch Dallas oder Öl? Das diesjährige Weltcup-Finale im Spring- und Dressurreiten findet in Texas statt, genauer in Fort Worth, auch „Cowtown“ genannt. Die Stadt wurde 1849 gegründet und erlebte schon bald einen Boom, weil es ein zentraler Ort auf dem Chisholm Trail war, auf dem Millionen Rinder – Longhorns, die noch heute das Stadtwappen zieren – Richtung Schlachthöfe getrieben wurden. Fort Worth war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der führenden Städte der Fleischindustrie. Die Stadt hat eine Million Einwohner und liegt neben Dallas. Die Städte teilen sich einen Flughafen.
1.) Wo findet das diesjährige Weltcup-Finale Dressur statt?
Geritten wird in der Dickies Arena. Die Mehrzweckhalle wurde Ende 2019 eingeweiht, verfügt über 14.000 Sitzplätze auf drei Ebenen und liegt auf dem Will Rogers Memorial Gelände. Rogers (1879-1935) war ein Cowboy und Entertainer und ist eine Legende in den USA. In der Dickies Arena werden unter anderem auch Rodeos (Fort Worth Stock Show & Rodeo) und die PBR World Finals (Professional Bull Riders) – also Cowboyfeeling total. Fort Worth ist erstmals Gastgeber eines Weltcupfinals.
2.) Wer reitet Dressur beim Weltcup-Finale?
Nach mehreren Absagen sind es noch 16 Paare, die an den Start gehen. Vier Pferde davon waren im olympischen Kürfinale in Paris 2024 am Start, darunter der Schwede Patrik Kittel mit Touchdown v. Quaterback. Die beiden haben das Finale in Riad 2024 gewonnen.
Außerdem sind die Britin Becky Moody und der selbstgezogene Jagerbomb v. Dante Weltino, Sandra Sysojeva (POL) und Maxima Bella v. Millennium und der KWPN-Hengst Indian Rock dabei. Der ging in Paris noch unter Emmelie Scholtens (NED), jetzt sitzt Christian Simonson im Sattel des Rappens – und das äußerst erfolgreich.
3.) Unsere Jungs in Texas: Raphael, „Raphi“, Netz und Moritz Treffinger
Beide waren schon U25-Europameister und beide haben in der Wintersaison mit ihrem guten Reiten Werbung für den Dressursport gemacht: Raphael Netz und Moritz Treffinger. Damit sind zwei U30-Reiter in Texas am Start. Aber Erfahrungen haben beide mehr als manch einer der Konkurrenten. Beide waren schon im Ponyalter auch international erfolgreich unterwegs.
„Raphi“ und „Dieu“
Für Netz, der gerade 27 Jahre alt geworden ist, ist es das zweite Weltcup-Finale Dressur. Eigentlich wollte er Great Escape Camelot reiten, mit dem er 2024 Fünfter geworden ist. Doch ein Hufgeschwür nachdem sich der Johnson-Sohn ein Eisen abgerissen hatte, vereitelte den Start. „Raphi“, das hat er im Podcast ERZÄHL MIR WAS VOM PFERD erzählt, hatte aber sicherheitshalber auch alle notwendigen Transportpapiere und Blutproben für sein zweites Pferd, den Baden-Württemberger DSP Dieudonné zusammengestellt. So gelang es, drei Tage vor Abflug von Camelot auf den Dante Weltino-Sohn umzuschwenken. Dieudonné hat schon dreimal die 80-Prozent-Grenze in der Kür geknackt. Seine beiden letzten Starts in der Westeuropaliga beendete er jeweils mit einem neuen Personal Best. Netz hat erweiterte Chancen auf einen Podiumsplatz.
Seine Kür hat als Leitmotiv „Man in Black“. Dazu kommen weitere Klassiker aus den 1980er Jahren, wie „Can’t touch this“, „This how we do it“ – das dürfte dem Publikum gefallen.
Moritz Treffinger und Fiderdance
Mit 22 Jahren ist Moritz Treffinger der jüngste Starter beim Weltcup-Finale Dressur. Er hat vom Gestüt Bonhomme, wo er seit knapp drei Jahren als Bereiter tätig ist, den Hengst Fiderdance v. Fidermark mitgenommen (EQUI PAGES hat ihn für eine Homestory besucht). Der Oldenburger Fuchshengst ist schon einmal mit der Australierin Simone Pearce bei einem Weltcup-Finale am Start gewesen.
Auch die Kür von Moritz ist musikalisch in den 1980er und 1990er Jahren angesiedelt. Zu Beginn ist„In the air tonight“ von Phil Collins vorherrschend. Später gesellen sich Kylie Minogue, die Fugees sowie Modjo hinzu.
4.) OLD(ie): Sir Donnerhall II OLD – 20 Jahre jung
Das älteste Pferd in Fort Worth wird Sir Donnerhall II sein. Der bei Maik Kanitzky gezogene Oldenburger Hengst ist „Baujahr“ 2006. Mit 20 Jahren konnte sich der Braune das fünfte Mal mit Morgan Barbançon (FRA) für das Weltcup-Finale qualifizieren. Im Stall hört er nur auf den Namen „Gus“, nach der kleinen Maus in Cinderella, weil Sir Donnerhall einfach zu lang zum Aussprechen war, wie Morgan Barbançon einmal verraten hat.
5.) Wie wird gewertet?
Alle Paare müssen einen Grand Prix absolvieren. In dieser Prüfung geht es um ein Preisgeld von 25.000 Euro. Das siegende Paar erhält 7.000 Euro. In diesem Grand Prix geht es vor allem darum, die Mindestnote zu erreichen, die zur Finalteilnahme, also dem Reiten der Kür, verlangt wird. Das sind 60 Prozent. Was einfach klingt, hat auch schon mal nicht funktioniert. Die Paare aus anderen Ligen, etwa der Pazifik Liga, Seerena Ireland und Royalty R aus Australien oder auch Teilnehmer aus anderen, nicht einer Liga zugehörigen Region, haben vielleicht noch keine derart großen Arenen gesehen. Für den aus Ecuador stammenden Julio Mendoza Loor mit Jewel’s Goldstrike gilt das allerdings nicht. Das Paar kennt die großen Stadien in den USA wie Ocala und Wellington und war auch in Paris bei den Olympischen Spielen dabei.
6.) 275.000 Euro in der Kür zu gewinnen
Die Kür ist mit 275.000 Euro ausgeschrieben. 150.000 davon werden auf dem Podium verteilt. Der Sieger erhält 60.000 Euro, der Zweitplatzierte 50.000 und 40.000 Euro sind es für den dritten Platz.
7.) Wer richtet das Dressur Weltcup-Finale?
Nach der Absage von Elke Ebert wird kein deutscher Richter beim Weltcup-Finale dabei sein. Christof Umbach (LUX) ist der Chefrichter. Er wird in der Kür bei C sitzen. Dazu kommen Francis Verbeek van Rooij (NED), Magnus Ringmark (SWE), William Warren (USA) und Alice Schwab (AUT).
Im Judges Supervisory Panel (JSP), das bei fehlerhaftem Richten von technischen Aspekten – beispielsweise einem vom Richter nicht gesehenen Fehler in den fliegenden Galoppwechseln – korrigierend in die laufende Beurteilung eingreifen darf, sitzen Dr. Evi Eisenhardt (GER), Liselotte Fore (USA) und Andrew Raplh Gardner (GBR).
8.) Welche Lektionen sind besonders wichtig?
In der Kür gibt es weniger Lektionen, die in doppelter Wertung in die Beurteilung einfließen. So geht beispielsweise der Schritt, der in Grand Prix und Grand Prix Special mit dem Koeffizienten zwei multipliziert wird, „nur“ in einfacher Wertung in die Niote ein. Insgesamt sind es vier Lektionen, die um den Faktor zwei multipliziert werden: die Galopppirouetten nach links und rechts, Passage (mindestens 15 Meter geradeaus) und Piaffe (mindestens zehn Tritte auf der Stelle).
9.) Wann wird geritten?
Fort Worth ist sieben Stunden hinter der deutschen Zeit. Wenn Deutschland um 12 Uhr mittags sich zu Tisch begibt, ist es fünf Uhr morgens in Texas. Für Dressurfans, die dem Livestream auf Clipmyhorse folgen wollen, heißt das: kurze Nächte. Am 9. April, dem Donnerstag, steht der Grand Prix ab 19 Uhr Ortszeit an, das ist Freitag 2.00 Uhr in Deutschland. Und die entscheidende Kür ist für den 11. April, also Samstag in Texas, 19 Uhr, angesetzt. Kürfans sollten sich somit den Wecker auf Sonntag, 2 Uhr morgens, stellen.
10.) Wo stehen die Ergebnisse?
Wer den aktuellen Zeitplan und die Ergebnisse sucht, wir hier fündig.
Podcast Tipps
ERZÄHL MIR WAS VOM PFERD, der Podcast mit Anja Nehls und Jan Tönjes hat sich in drei Folgen mit dem Weltcup-Finale beschäftigt.
„Unternehmen Weltcup mit Raphael Netz“ – einmal Oberbayern-Texas und zurück
„Audienz bei der Kür-Päpstin Katrina Wüst“ – was man alles rund um Dressurküren wissen sollte