Weltcup-Kür Neumünster 2026: Starke Belgier, ambitionierte deutsche „Jungs“

Belgischer Doppelsieg bei Weltcup-Kür in Neumünster 2026, deutscher Nachwuchs drängt ins Rampenlicht

Dressur
Larissa Puluis (BEL) und Flambeau sind zusammen 62 Jahre alt und alles andere als "vom alten Eisen". Sie siegten deutlich in der Weltcup-Kür Neumünster 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de Larissa Puluis (BEL) und Flambeau sind zusammen 62 Jahre alt und alles andere als "vom alten Eisen". Sie siegten deutlich in der Weltcup-Kür Neumünster 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de
„Sweet Dreams“ dürfte die Belgierin Larissa Pauluis noch länger haben, wenn sie sich an die Weltcup-Kür von Neumünster 2026 erinnert. Mit persönlicher Bestleistung gewann sie vor ihrem Landsmann Justin Verboomen. Platz drei ging nach Portugal. Dann kamen zwei deutsche Jungs mit Ambitionen.

Die Belgierin Larissa Pauluis und der 16-jährige KWPN-Wallach Flambeau waren in Neumünster 2026 in der Weltcup-Kür nicht zu schlagen.


Passage und Piaffe liegen dem Ampere-Sohn im Blut. Zu den Eurythmics, „Sweet Dreams“, ging es nach dem Gruß gleich mit einer Piaffe-Pirouette los, gefolgt von Traversalverschiebungen in der Passage und versammelten Trab. Der „bouncy“ Trabablauf dabei perfekt unterstützt von der Stimme von Annie Lennox. Das Paar aus Belgien ist schon bei zwei Olympischen Spielen am Start gewesen, war auch bei der EM in Crozet im Team Belgium.


Die 10,0 fürs Halten in der „Sweet Dreams“  Weltcup-Kür von Neumünster 2026


„Don‘t leave me this way“, Bronski Beat – eigentlich ein „Up-Tempo“-Stück aber mit einem kleinen Stück Chor – eine clevere Idee, genau diesen Moment des Hits für den Schritt zu nehmen. Und selbstredend passend zu den Achtzigern. Da bleibt das Paar auch musikalisch mit U2, „Bloody Sunday“, im Galopp. Große Einerwechsel, doppelte Pirouetten, dynamischer starker Galopp. Alles im Fluss. Der Ampere-Sohn ist ein Kraftpaket, das hier tanzen darf.


Die 46-Jährige zelebrierte ihren KWPN-Wallach. U2 passt, wie die beiden unter Beweis stellen, auch zu Piaffen und Passagen – „In the name of Love“ begleitete das Paar zum Schlussgruß. 84,105 Prozent sind persönliche Bestleistung und der zweite Sieg in einer Weltcup-Kür nach Mechelen im Dezember 2025.  „Mein Pferd ist 16 Jahre alt, nein jung, und wächst immer noch in sich hinein. Ich hoffe, mit ihm noch lange so weitermachen zu können“, bilanzierte Pauluis ihr Neumünster-Wochenende. Fürs Halten gab es diesmal eine 10,0. Darauf ist Larissa Pauluis besonders stolz: „Das haben wir fünf Jahre geübt und es klappt erst seit ein paar Monaten.“


Mit dem heutigen Sieg hat Larissa Pauluis die Führung im Weltcup-Ranking übernommen. Es klang in der Pressekonferenz allerdings nicht so, als würde sie definitiv beim Finale in Texas an den Start gehen wollen. „Ich würde gerne, aber das ist eine sehr lange Reise. Und das oberste Ziel ist dieses Jahr die Qualifikation für die Mannschaft für die Weltmeisterschaften in Aachen.“


Verboomens Djembe de Hus mit Spannungsmomenten


Justin Verboomen und Djembe de Hus hatten den Grand Prix gewonnen. Ihre Kür setzt mehr auf die etwas leiseren Töne, so wie der Weltranglistenerste selbst ein Mann von wenig Worten ist. Dass der Damon Hill-Sohn, der als Verkaufspferd im Stall des Belgiers steht, heute mit der Hallenatmosphäre zu tun haben würde, zeigte schon der Auftakt: Kein Halten, stattdessen Piaffe.


Aber dann ging es kontrolliert und locker los. Klassische Musik, Piano, untermalt von Streichern. Selbst ein Äppeln in der Passage zu Beginn der Darbietung konnte die Harmonie des Paares nicht stören. Wie im Grand Prix (und auch in den Trainings am frühen Morgen), führte der 38-jährige Belgier den Oldenburger an feinster Hand. Pendelnder Schweif in der Passage-Traversale, im Wechsel mit Traversalen im versammelten Trab. Zweierwechsel auf der Diagonalen, da wünschte man sich noch eine etwas kreativere Linienführung. Im versammelten Schritt trat die Spannung, die der Fuchs, der so souverän wirkte, wohl in sich hatte, dann doch zu Tage. „Das war nicht überraschend, das hatte sich schon beim Abreiten angedeutet, umso happier bin ich, dass er dann doch noch zum Schritt gefunden hat – nur leider zu spät“, so Verboomen auf der Pressekonferenz.


In faszinierender Selbsthaltung ging es dann wieder im Galopp weiter. Auch die 15 Einerwechsel auf „klassischer“ geradere Linie, die Diagonale auf die Richter zu. Da geht bestimmt bald noch mehr. Teilweise untermalt nur Percussion den Galopp.


Es war die zweite Kür des Damon Hill-Sohns. Sein Vater hatte unter Helen Langehanenberg in der Holstenhalle einst Geschichte geschrieben. Hier hatte das Duo erstmals über 90 Prozent in der Kür erhalten. Sohnemann kam mit 81,985 Prozent und Platz zwei aus der Prüfung.


Portugal auf dem Podium


João Pedro Moreira (POR) und Fürst Kennedy knackten die 80-Prozent-Marke bei der Weltcup-Kür in Neumünster 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Fürst Kennedy und João Pedro Moreira bei ihrem Neumünster-Debüt. Foto: www.sportfotos-lafrentz.de / Stefan Lafrentz

Der Portugiese João Pedro Moreira, der in Deutschland lebt und trainiert, und Fürst Kennedy fingen mit dem Galopp an. Der Oldenburger Fürsten-Look-Sohn zeigte sehr zentrierte doppelte Pirouetten rechts, Serienwechsel auf gebogener Linie. Das Piano ist das bestimmende Instrument seiner musikalischen Untermalung. Zur Passage waren dann aber Bläser und Bassstreicher gefragt. Das Paar zeigte, zu Violinenklängen, einen schönen schreitenden starken Schritt direkt aus einer Piaffe heraus, auch das gibt Punkte. Wobei auch die Traversalen in der Passage, anderen Ende (Star Wars ertönt kurz als Thema) eine Piaffe-Pirouette steht, dem Punktekonto dienlich gewesen sein dürften. Im technischen Wert dürften die im Hinterbein nicht immer gleichmäßig ausgeführten Piaffen und Passagen die Beurteilung etwas gedrückt haben. Denoch: Personal Best, 81,08 Prozent, Platz drei.


U30 will es wissen: Raphael Netz und Great Escape Camelot


Wie ist das bei einer Kür? Am Anfang gleich erstmal die Stärken zeigen! Das weiß Raphael Netz und ritt untermalt von Orchesterklängen zunächst Passagen. Streicher bilden die Basis, Flöten geben Akzente, die die fließenden, leichtfüßigen Trabtraversalen  des Johnson-Sohns Great Escape Camelot unterstreichen.


Rapahel Netz und Great Escape Camelot wurden Vierte in der Weltcup-Kür von Neumünster. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Immer der Hand hinterher reitend: Raphael Netz mit Great Escape Camelot. Foto: www.sportfotos-lafrentz.de / Stefan Lafrentz

Wie auch Justin Verboomen, der genau vor Netz in der Halle war, sah man einen Reiter, der im Pferd sitzt, und zwar zu jeder Sekunde so, wie man es im Lehrbuch nachlesen kann. Und einer, der es schaffte, sein Pferd den jeweiligen Tempi entsprechend im richtigen Rahmen zu präsentieren. Doppelte Pirouette und starker Galopp, dazu vom Orchester Pauken und Trompeten und auch noch einen Chor jubilierender Frauenstimmen. Gute Serienwechsel, zentrierte Pirouetten – es lief … Doch dann gab es einen Aussetzer in den Einerwechseln. Den konnte Netz auf der Jokerlinie mit zwar schwankenden aber fehlerfrei ausgeführten Galoppwechseln wettmachen. 80,94 Prozent, Platz vier,


Moritz Treffinger – „Ready or not“, was für eine Frage …


Mit Fiderdance hat Moritz Treffinger ein Perd, das nicht zum ersten Mal in der Holstenhalle geht. Die beiden sind ein starkes Duo: Starker Trab aus dem Gruß zum Auftakt, Phil Collins‘ „In the air tonight“ zu Passagen und Piaffen und Traversalen mit klar abgesetzten Beats – leichter in den Lektionen im versammelten Trab, schwerer, prägnanter bei den Passagen. Smart: Aus der Piaffe-Pirouette vor der Chefrichterin in den starken Schritt auf der Mittellinie.


Volles Risiko zum Auftakt der Galopptour: starker Galopp, erst dann Traversalen, doppelte Pirouetten sichere Einerwecshel, in den Zweierwechseln ein Fehler, den Moritz Treffinger aber auf der „Joker-Linie“ wieder ausmerzen konnte. Am Ende dann noch ein Übergang aus der Galopppirouette in die Piaffe-Pirouette. Im Arena-Interview vor dem Mikrofon von Christian Kröber zeigte U25-Europameister sich gerührt. „Bist du eigentlich bescheuert?“, habe er sich gefragt, als er die erste Etappe der Weltcupsaison in Herning geritten sei. Nach London habe er dann angefangen zu träumen und nun nutzte er das Mikrofon, um allen zu danken, die diese Reise möglich gemacht haben. 78,365 Prozent, Platz fünf und wichtige Punkte für das Weltcup-Finale in Texas, yeeeha!


Bundestrainerin Monica Theodorescu hat für die Leistung der beiden „Jungs“, Moritz Treffinger und Raphael Netz, nur lobende Worte parat : „Ich bin ganz, ganz stolz auf die beiden“.


Noch ein Debütant


Der Däne Alexander Yde Helgstrand, 22, Sohn des Pferdehändlers Andreas Helgstrand, gab sein Debüt im Weltcup von Neumünster. Mit dem bunten Everdale-Sohn Inspiration, der Piaffen und Passagen abliefert, als habe er ein Metronom in seinem wuchtigen Körper eingebaut, zeigte er viele Schwierigkeiten. Dabei setzte er musikalisch wie sein Vater bei dessen Anfängen im Weltcup-Geschehen, auf rockigere Klänge, eingespielt von einem klassischen Orchester. Alexander Helgstrand brachte Klassiker des Brit Pop in die Holstenhalle. E-Gitarre untermalt von Orchester: „Viva la vida“, der Coldplay-Klassiker schlechthin für Trab und Passagen. Der bunte Fuchs war zeitweise etwas wackelig im Genick, zeigte sich aber insgesamt deutlich besser als im gestrigen Grand Prix. Gleichmäßige Piaffe-Pirouetten hatte der Everdale-Sohn ebenso im Programm wie 19 Einerwechsel. 77,43 Prozent, noch ein „Personal Best“ und Platz sechs.


Weitere deutsche Ritte: Klimke und Strobel trennen 0,2 Prozent


Ingrid Klimke und die zarte Fürstenball-Tochter First Class setzten auf 80er Jahre Hits. Carly Simons „Your so vain“ für die Passage, die am Anfang im Wechsel mit der Trabtour zu Whitney Houstons „How will I know“ das Geschehen bestimmt. Schwierigkeitsgrade hatte Ingrid Klimke vor allem in der Galopptour eingebaut. Auf gute doppelte Pirouetten folgten sichere Serienwechsel. Eines der Highlights: Zweierwechsel auf gebogener Linie, später dann 20 (!) Einerwechsel, ebenfalls alles andere als nur langweilig geradeaus geritten. Im Schritt ertönte dann „All by myself“, was ein bisschen das Motto des Ritts war: „Sie war so schön mit mir“, so das Fazit von Ingrid Klimke nach dem Ritt, 76,25 Prozent Platz acht.


„I love him, I love him“ – Laura Strobel und Sister Act


Bei ihrem Weltcup-Debüt setzte Laura Strobel, Chefbereiterin auf dem Gestüt Vorwerk, zur Trabtour auf Melodien aus dem Musical-Klassiker „My Fair Lady“. Im Galopp erklangen dann Songs aus dem Film, dem die Oldenburger Stute ihren Namen verdankt:  Sister Act, indem Whoopi Goldberg als Sister Mary Clarence, alias Deloris Van Cartier, ein Nonnenkonvent aufmischt. Aber von Aufmischen war bei diesem Ritt nichts zu sehen!


Es gab zwar einen kleineren Fehler in den Zweierwechsel, den die Reiterin später korrigierte, aber insgesamt wirkte die Stute frischer als im gestrigen Grand Prix. Tolle Trabtraversalen in guter Übereinstimmung mit der Musik setzten kurz vor Ende des Weltcup-Debüts ein dickes Ausrufezeichen. Schönes, feines Reiten auf höchstem Niveau. Übrigens: Sowohl das Pferd als auch die Reiterin haben bei Reitmeisterin Dorothee Schneider ihre Ausbildung genossen. Und Coach Georgia Schulze-Lefert, die sich wochentags auch um den Nachwuchs von Sister Act kümmert, gestand, dass das Zuschauen mehr Nerven koste als alles andere. Platz neun mit 76,055 Prozent.


Ergebnisse


 


 


 


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