Isabell Werth und Viva Gold gewinnen Weltcup-Kür von Lyon 2026

Wegweisender Sieg: Viva Gold OLD schlägt Zonik Plus in Weltcup-Kür

Dressur
Erster Weltcup, erster Sieg für Viva Gold OLD.
Foto: FEI/Lukasz Kowalski Erster Weltcup, erster Sieg für Viva Gold OLD. Foto: FEI/Lukasz Kowalski
Das ist eine kleine Sensation. Isabell Werths Viva Gold OLD hat bei seinem ersten Weltcup-Auftritt in Lyon den Europameister hinter sich gelassen.

2016 hat Weihegold OLD mit Isabell Werth erstmals die Weltcup-Kür von Lyon gewonnen. Fünf Jahre später führte das Duo erneut die Ehrenrunde der französischen Weltcup-Etappe an. Jetzt sind wir wieder fünf Jahre weiter, Weihegold ist längst in Rente, aber ihr Enkel piaffiert und passagiert an ihrer Stelle mit Isabell Werth durchs Viereck – und siegt ebenfalls. Das allein ist ja schon bemerkenswert. Aber dass der zehnjährige Viva Gold OLD dabei die amtierenden Doppeleuropameister Justin Verboomen und Zonik Plus hinter sich ließ, macht diesen Erfolg noch ein Stück bedeutsamer.


Zugegeben, Justin Verboomen und Zonik Plus hatten die Tür auch ein gutes Stück weit offen gelassen. Der Rappe war heute stabiler in der Anlehnung als noch gestern im Grand Prix, allerdings schlichen sich in Piaffe und Passage spannungsbedingt wiederholt ungleiche Tritte ein. Toll dann wieder Passagen in der Galopptour, etwa die, wo Verboomen seinen ebenfalls erst zehnjährigen Hengst aus der Traversale eine seiner wunderbar gesetzten Pirouetten drehen lässt, in der Traversale weiterreitet bis zu Bande und dann Zweierwechsel auf gebogener Linie zeigt. Das alles funktionierte. Aber bei schwierigen Übergängen wie dem letzten, wo die beiden aus der Galopp- in die Piaffepirouette durchparieren, war zu sehen, dass die sonst so feine Kommunikation zwischen den beiden heute nicht ganz so mühelos funktionierte wie sonst. 85,810 Prozent erhielten sie.


Auftritt Viva


Isabell Werth sah ein bisschen angespannt aus, als sie in die große Messehalle kam und mit lautstarkem Applaus begrüßt wurde. Auch wenn er schon in der Frankfurter Festhalle war, eine solche Kulisse ist neu für Louisdor-Preis Sieger Viva Gold, der in Lyon seine erste Weltcup-Kür ging. „Das war da drin so elektrisch aufgeladen, ich dachte, okay, das wird eine Herausforderung“, beschrieb Isabell Werth nach ihrem Ritt ihre Gefühlslage in diesen Minuten. Sie hätte sich keine Sorgen zu machen brauchen. Als es losging, war Viva Gold voll konzentriert da und tat während der ganzen schwierigen Kür zu Neil Diamond nicht einen falschen Tritt. Ganz im Gegenteil, Piaffen, Passagen, Pirouetten waren Highlights – wie schon bei seiner Oma. Es wären wohl noch mehr geworden als 87,890 Prozent, wenn die Trabverstärkungen schöner durch den Körper gegangen waren und der Hengst konstanter in der Selbsthaltung gewesen wäre. Dann dürfte dieses Paar nur schwer zu schlagen sein.


„Ich bin so glücklich und so stolz auf Viva“, sprudelte es aus Isabell Werth heraus. „Der Ort ist toll, die Zuschauer sind toll und das Pferd ist noch toller“, schwärmte sie, nachvollziehbar happy nach diesem Erfolg gegen diese Konkurrenz. Ob sie glaubt, dass er sich in die Reihe ihrer großen Erfolgspferde einfügen wird, wurde sie gefragt. „Ich denke und ich hoffe es.“ Heute hat er immerhin den amtierenden Doppeleuropameister klar hinter sich gelassen mit Rang eins von allen Richtern.


Starke Belgier


Belgien ist im Kommen. Nicht nur dank Justin Verboomen. Platz drei ging an die Neumünster-Siegerin Larissa Pauluis und ihren wunderbar elastischen Flambeau, der eine fehlerfreie, frische Kür ging und mit 80,530 Prozent belohnt wurde. Auch hier: Es könnten noch deutlich mehr sein, gelänge es Pauluis, den 16-jährigen Ampere-Sohn mit angehobenem Widerrist und etwas mehr Länge im Hals in relativer statt absoluter Aufrichtung zu präsentieren. Aber die Piaffen des Wallachs gehören zu den aktivsten, taktsichersten und federndsten des ganzen Feldes.


Den vielleicht schönsten Starken Trab zeigten hingegen Wim Verwimp und Jedai de Massa, die sich über ein Personal Best mit 80,455 Prozent freuen konnten und damit einen starken vierten Platz belegten. Stichwort Selbsthaltung – in dieser Disziplin wäre der Halblusitano v. Don Juan de Hus heute ganz vorne gewesen.


Van der Putten von Caetano


An fünfter Stelle reihte sich die Niederländerin Marieke van der Putten mit dem tollen Glamourdale-Sohn Kuvasz RS2 ein. Der elfjährige Hengst steht seinem Vater in Sachen Talent in nichts nach. Was ihm noch fehlt, ist ein bisschen Gelassenheit. 78,990 Prozent wurden es.


Dahinter reihte sich die Portugiesin Maria Caetano auf dem zweiten Halblusitano des Feldes ein und dem zweiten Pferd aus der Zucht von Dressage Plus: dem Bretton Woods-Sohn Hit Plus. Die beiden zeigten eine sehr schöne und makellose Kür, deren absolutes Highlight die lässigen einhändig gerittenen Einerwechsel waren. Die sprang der Rappe so easy im Wechselschritt wie ein Schulkind in der ersten Klasse. Das war richtig schön zu sehen. Mit 78,185 Prozent wurden sie Sechste.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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