Justin Verboomen gewinnt Grand Prix beim Weltcup-Turnier in Lyon, Isabell Werth Zweite
Zonik Plus vor Viva Gold OLD im Grand Prix von Lyon
Justin Verboomen und Zonik Plus nach ihrem Sieg 2025 in Lyon, damals vor der späteren Finalsiegerin Becky Moody, heute vor Isabell Werth und Viva Gold OLD.
Foto: FEI/Lukasz Kowalski Lyon ist die zweite der insgesamt zehn Weltcup-Etappen auf dem Weg zum Finale Ende März in Göteborg. Justin Verboomen und Zonik Plus waren die souveränen Sieger des Vorjahrs und schon vom Papier her die Favoriten auf den Sieg. Trotzdem war man sehr gespannt auf den Auftritt der beiden, denn Lyon war das erste Turnier für den zehnjährigen Rheinländer Hengst aus portugiesischer Zucht, der als Europameister bei der WM in Aachen zu den klaren Medaillenanwärtern gehörte, die Soers aber letztlich ganz ohne Edelmetall verließ.
In Aachen hatten Verboomen und Zonik Plus einige teure Lektionsfehler und insgesamt fehlte die Harmonie zwischen den beiden. Das war heute anders – weniger Fehler, mehr Harmonie. Der Hengst ging eine Prüfung ohne große Patzer mit Highlights, wie den den zentrierten Pirouetten mit maximaler Lastaufnahme. Sehr viel besser geworden sind auch die Einerwechsel. Die waren immer etwas die Angstlektion des Paars. Aber hier ist Zonik Plus inzwischen viel losgelassener. Auch präsentierte Verboomen den Hengst in schönem Seitenbild und mit feiner Anlehnung. Alles wirkte wie gewohnt leicht.
In Bezug auf die Anlehnung war die Vorstellung teilweise sogar etwas zu leicht. Man vermisste phasenweise den positiven Spannungsbogen aus dem Hinterbein über den Rücken in die Hand. In diesen Sequenzen war der Rappe stabil in Hals und Genick, aber die Anlehnung blieb „leer“. Sowohl im Trab als auch im Galopp hatte er zum Teil ein deutlich offenes Maul. Ganz der alte ist der Hengst auch in Piaffe und Passage noch nicht. Die unglaubliche Lastaufnahme und Hankenbeugung, die der Hengst in den Pirouetten zeigte, hätte man sich auch hier gewünscht.
Vier der fünf Richter hatten das Paar an erster Stelle. Marietta Almas bei H vergab sogar 81,630 Prozent. Das war die höchste Bewertung. Die niedrigste lag bei 75,543 Prozent und kam von Sven Günter Rothenberger bei B. Er hätte die beiden auf dem zweiten Platz gehabt. Doch letztlich siegten sie mit 79,065 Prozent.
Viva Gold OLD mit Personal Best
Isabell Werths Viva Gold OLD ist mal wieder auf den Spuren seiner Oma unterwegs. Die dreifache Weltcup-Siegerin Weihegold war mit Werth zweimal in Lyon siegreich, 2016 und 2021. Ob ihr Enkel dem Fünf-Jahres-Rhythmus folgen kann, bleibt abzuwarten. Aber er ist auf einem guten Weg. Lyon ist sein erstes Weltcup-Turnier und nicht nur von den Noten her (77,580 Prozent) war es der beste Grand Prix, den Viva Gold je ging. In der Prüfung wurde es Rang zwei.
Zu den lektionsmäßigen Highlights der Prüfung zählten das durchlässige Rückwärtsrichten, die getragenen Passagen, die Piaffen, in denen der Hengst sich in Gleichmaß und Schulterfreiheit verbessert zeigte, die Pirouetten und die Zick-Zack-Traversalen. Auf der Wunschliste nach wie vor: mehr Geschmeidigkeit im Trabablauf, fließendere Traversalen und getragenere, weniger gelaufene Verstärkungen sowie weniger Einwirkung am Kandarenzügel.
Wieder Belgien
Die zweite belgische Dressurüberraschung der vergangenen Monate waren Larissa Pauluis und ihr Ampere-Sohn Flambeau, die beispielsweise im Februar die Weltcup-Kür in Neumünster gewannen, fürs Finale qualifiziert waren, aber auf einen Start in Texas verzichteten.
Heute in Lyon eröffneten sie ihre nächste Weltcup-Saison mit einem dritten Platz im Grand Prix nach einem 74,630 Prozent-Ritt und den vielleicht besten Piaffen des Tages .Es war ein Personal Best für den 16-jährigen Wallach – und es könnte noch viel mehr sein, wenn die Aufrichtung eine relative und keine absolute wäre.
Es wird spannend zu sehen, wie diese Pferde dann mit dem Zügel aus der Hand kauen lassen in der Aufgabe zurecht kommen. Man sieht das Problem während der gesamten Prüfung, hier kann man es explizit benoten.
Die weiteren Platzierten
Ein weiteres interessantes Pferd aus dem Beritt der Niederländerin Marieke van der Putten ist der elfjährige KWPN-Hengst Kuvasz RS2, ein Sohn des Vierfach-Weltmeisters Glamourdale, der seinen Vater optisch und vom Bewegungsablauf her nicht verleugnen kann. Der Rappe zeigte tolle Verstärkungen und Traversalen im Trab bei schönem Seitenbild. In Piaffe und Passage zeigte Kuvasz sich sehr aktiv und taktischer, fußte in der Piaffe beinahe unverhältnismäßig hoch ab. Im Galopp – tolle Zweierwechsel à la Glamourdale, fehlerfreie und weit durchgesprungene Einer, tolle Verstärkung, exakte Zick-Zack-Traversalen, etwas stemmende und drehende Pirouetten und dann im Übereifer statt einem mehrere Einerwechsel auf der Mittellinie zwischen den Pirouetten. Wären die Fehler nicht gewesen, wäre der talentierte Rappe mit den vielen Höhepunkten in der Prüfung noch weiter vorn gelandet. Beide Seitenrichter hatten das Paar auf Rang drei. 73,456 Prozent wurden es.
Dahinter folgten zwei portugiesische Sportpferde. Vierter wurde der Don Juan de Hus-Sohn Jedai de Massa mit Belgiens Wim Verwimp im Sattel. Der zwölfjährige Wallach aus der Zucht von Sylvain Massa kam auf 71,891 Prozent und setzte sich damit knapp gegen den zwei Jahre älteren Hit Plus v. Bretton Woods unter Maria Caetano (POR) durch (71,630), der wie der Name schon sagt aus der anderen bekannten Sportpferdezuchtstätte Portugals stammt, der von Dressage Plus, wo Boaventura Freire bald wieder zuhause ist. Freire sagte, das Gestüt seines Onkels sei aus seiner Sicht „eines der besten Unternehmen der Branche“. Der Grand Prix von Lyon bestätigte seine Aussage: 15 Pferde am Start, zwei von Dressage Plus gezogen, eines siegreich (Zonik Plus), das andere auf Rang sechs platziert – starke Bilanz!
Dahinter gab es weitere Schleifen für Thamar Zweistra (NED) auf ihrem erst neunjährigen Expression-Sohn Hexagons Mr. Magnum N.O.P. (70,565) sowie Spaniens Claudio Castilla Ruiz im Sattel des Lusitanos Jota das Figueiras (70,109).
