Mauke beim Pferd – Ursachen, Pflege und Behandlung im Überblick

Teils krustige, teils wunde Stellen im Bereich von Fesselbeugen und Umgebung sind typisch bei Mauke. Teils krustige, teils wunde Stellen im Bereich von Fesselbeugen und Umgebung sind typisch bei Mauke.
Alles über Mauke beim Pferd: Ursachen, Hautflora, Milben und Therapie. Wissenschaftlich fundierter Ratgeber mit klaren Pflege- und Behandlungsprinzipien.

Mauke – auch Equine Pastern Dermatitis (EPD) genannt – beschreibt entzündliche Hautveränderungen im Fesselbereich, vor allem an der Fesselbeuge. Sie reicht von leichter Rötung bis zu tiefen, nässenden Krusten und kann in schweren Fällen schmerzhaft sein oder Lahmheit auslösen. Meist entsteht Mauke, wenn die Hautbarriere geschwächt ist: dauernd Feuchtigkeit, Scheuerstellen oder kleine Verletzungen öffnen Keimen den Weg. Dann siedeln sich Bakterien, Pilze oder Milben an und lösen Entzündungen aus. Manchmal stehen aber auch primäre Erreger oder Parasiten am Anfang.


Warum bekommen so viele Pferde Mauke?


Die Fesselbeuge ist empfindlich. Sie kommt oft mit Feuchtigkeit, Matsch oder Einstreu in Kontakt, wird mechanisch beansprucht und trocknet nur langsam. Wenn die Haut aufquillt, verliert sie ihren natürlichen Schutz: Mikroorganismen haben leichtes Spiel. Schlecht gemistete, feuchte Boxen sowie schlecht drainierte Ausläufe gehören daher zu den häufigsten Ursachen.


Eine Schweizer Studie zeigte, dass Wetter und Luftfeuchtigkeit sogar die Zusammensetzung der Hautflora beeinflussen können (Kaiser-Thom et al., 2022). Auch mangelhafte Einstreuqualität oder eng anliegende Gamaschen erhöhen das Risiko (Raizner et al., 2022).


Weitere Informationen zu den Ursachen für Mauke finden Sie hier.


Ist Mauke ansteckend?


Normalerweise ist Mauke nicht ansteckend. Sie entsteht durch ein gestörtes Hautmilieu, nicht durch klassische Infektionen. Doch bestimmte Auslöser wie Milben können leicht von Pferd zu Pferd übertragen werden. Bei engem Kontakt oder gemeinsam genutztem Putzzeug und Decken kann sich ein Milbenbefall im Bestand ausbreiten und so bei mehreren Pferden Entzündungen im Fesselbereich auslösen.


Sehr selten ist die Ansteckung durch andere Erreger: 2021/22 wurde in Finnland ein landesweiter Ausbruch mit einem neuen Parapoxvirus beschrieben (Virtanen et al., 2023). Auch Corynebacterium-Bakterien wurden in Einzelfällen als Auslöser identifiziert (Grönthal et al., 2024). In solchen Situationen besteht theoretisch ein Zoonoserisiko – also eine mögliche Übertragbarkeit auf den Menschen. Wenn man im Stall mehrere hartnäckige Fälle beobachtet, sollte ein Tierarzt Proben nehmen.


Das schwächt die Hautflora und begünstigt Mauke


Die Hautflora ist ein sensibles Schutzsystem. Sie hält Krankheitserreger in Schach und sorgt für ein stabiles Gleichgewicht. Studien zeigen: Bei Mauke kippt diese Balance. Nützliche Bakterien verschwinden, während entzündungsfördernde Arten wie Staphylococcus und Streptococcus überhandnehmen (Kaiser-Thom et al., 2021). Häufige Desinfektion oder aggressive Cremes verschlimmern das Problem, weil sie die Vielfalt der Hautflora weiter zerstören (Sangiorgio et al., 2021).


Die beste Regel: sauber ja – steril nein.


Detaillierte Informationen zum Thema Hautflora und Mauke finden Sie hier.


Milben erkennen und richtig reagieren


Milben und Mauke gehen manchmal einher. Die Parasiten verursachen Juckreiz, Schuppen und kleine Hautrisse, über die Keime eindringen. Besonders Pferde mit dichtem Behang, wie Friesen oder Kaltblüter, sind betroffen. Der Tierarzt erkennt Milben durch Hautgeschabsel und kann gezielt behandeln. Wichtig ist, auch Kontaktpferde, Bürsten, Decken oder Gamaschen gründlich zu reinigen.


Verdacht auf Mauke durch Milben? Hier gibt es mehr Infos zum Thema!


Wie behandle ich Mauke? Schritt für Schritt


Die Behandlung hängt vom Stadium ab: Feuchte, entzündete Haut braucht etwas anderes als trockene, verkrustete Stellen. Wichtig ist, dass du die Hautfunktion wiederherstellst – nicht nur die Symptome bekämpfst.




  1. Beseitige die Ursache


    • Halte die Beine trocken, wechsle nasse Einstreu und vermeide Matsch.

    • Trockne die Beine nach dem Waschen gründlich ab.

    • Achte auf atmungsaktive Gamaschen und saubere Ausrüstung.



  2. Reinige die Haut sanft


    • Weiche Krusten ein, statt sie gewaltsam zu entfernen.

    • Verwende milde, pH-neutrale Shampoos oder antiseptische Waschlösungen auf Chlorhexidin-Basis – sparsam dosiert.



  3. Pflege mit passenden Produkten


    • Bei nässender Mauke: keine fettreichen, abdichtenden Salben (z. B. Vaseline, Melkfett). Sie stauen Feuchtigkeit, sodass sich Keime noch besser ansammeln können.

    • Nutze stattdessen leicht trocknende, zinkhaltige Lotionen oder dünne, atmungsaktive Cremes.

    • Bei trockener Mauke: wähle feuchtigkeitsspendende, aber nicht fettstauende Produkte. Pflegestoffe wie Panthenol oder Aloe Vera fördern die Regeneration.

    • Kortisonhaltige Cremes nur auf tierärztliche Anweisung bei starker Entzündung oder Juckreiz.



  4. Erreger gezielt bekämpfen


    • Bei Milben: Nur nach tierärztlicher Diagnose und unter Beachtung der Zulassung mit Milbenmitteln (z. B. Ivermectin, Permethrin) behandeln. Off-Label-Anwendungen gehören in tierärztliche Hand.

    • Bei bakteriellen Infektionen: Antibakterielle Salben oder systemische Antibiotika nur nach Resistenztest und Kontrolle einsetzen.

    • Bei Virus- oder Sondererregern: Laboruntersuchung vor Behandlung.



  5. Unterstütze die Heilung langfristig


    • Ergänze bei Bedarf Zink, Biotin und Omega-3-Fettsäuren – sie fördern die Hautgesundheit, ersetzen aber keine Therapie.

    • Bewegung und gute Durchblutung unterstützen die Regeneration.

    • Hab Geduld: Haut braucht Wochen, um vollständig zu heilen.



So beugst du Mauke zuverlässig vor


Saubere, trockene Bedingungen sind das Wichtigste, um Mauke zu vermeiden!

• Halte Beine trocken und meide Matsch.

• Kontrolliere Fesselbeugen regelmäßig – besonders bei starkem Behang.

• Reagiere früh bei ersten Rötungen, bevor Krusten entstehen.

• Pflege gezielt und mild – weniger ist oft mehr.


FAQ – kurz erklärt


Welche Salben helfen bei Mauke wirklich?


Bei nässender Mauke: keine fettreichen, abdichtenden Cremes, sondern zinkhaltige, luftdurchlässige Lotionen. Bei trockener Haut: feuchtigkeitsspendende, sanfte Pflegeprodukte.


Wann braucht dein Pferd den Tierarzt?


Immer, wenn Mauke stark nässt, schmerzt, sich ausbreitet oder Fieber auftritt. Auch bei wiederkehrenden Fällen oder Verdacht auf Milben.


Kannst du Mauke selbst behandeln?


Ja, in frühen Stadien. Wichtig ist, die Haut trocken zu halten und sanft zu pflegen. Bei tiefer Entzündung oder unklarer Ursache den Tierarzt rufen.


Wie lange dauert die Heilung?


Leichte Formen heilen in wenigen Wochen, schwere können Monate brauchen. Geduld und konsequente Pflege sind entscheidend.



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