Pferde im Fellwechsel unterstützen: Fütterung, Pflege, Haltung – die wichtigsten Tipps
Fütterung und Pflege im Fellwechsel
So ein Galopp durch den Schnee (bei Eisen Hufgrip nicht vergessen!) macht Spaß und ist gesund. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Viele Besitzer fragen sich, wie sie ihr Pferd im Fellwechsel unterstützen können, denn der Fellwechsel verlangt dem Organismus viel ab: Der Körper bildet Millionen neuer Haare, die Haarfollikel arbeiten auf Hochtouren und der Stoffwechsel muss deutlich mehr leisten. Manche Pferde profitieren in dieser Zeit von angepasster Fütterung, Management und Hautpflege.
Pferde im Fellwechsel über die Fütterung unterstützen
Für den Aufbau des neuen Fells benötigt der Organismus zusätzliche Energie sowie hochwertiges Protein und bestimmte Spurenelemente. Während des Fellwechsels steigt vor allem der Bedarf an essenziellen Aminosäuren sowie an Zink und Kupfer.
Das Haar besteht überwiegend aus Keratin. Zink ist an der Bildung stabiler Keratinstrukturenund an der Regeneration der Haut beteiligt. Kupfer spielt eine zentrale Rolle bei der Pigmentbildung und bei der Stabilisierung des Bindegewebes.
Viele Pferde decken diesen Mehrbedarf im Fellwechsel problemlos. Bei älteren Tieren oder bei Pferden mit Stoffwechselstörungen kann der Prozess jedoch langsamer verlaufen; sie verlieren leichter an Substanz oder entwickeln ein stumpfes, glanzloses Fell.
Raufutter als Basis
Damit der Fellwechsel beim Pferd reibungslos läuft, ist eine bedarfsgerechte Grundration entscheidend. Heu schwankt jedoch stark im Eiweiß- und Mineralstoffgehalt, insbesondere bei den Spurenelementen Zink und Kupfer. Untersuchungen zur Heuqualität zeigen, dass späte Schnitte deutlich weniger Protein und Energie liefern – ein häufiger Grund für stumpfes Fell und Gewichtsverlust im Winter. Die Spurenelementgehalte können ebenfalls variieren, abhängig von Standort, Boden und Düngung. Eine Heuanalyse klärt verlässlich, ob die Ration ausreichend Nährstoffe enthält. Für ältere Pferde oder Tiere mit erhöhtem Bedarf kann weicheres, blattreiches Heu aus dem zweiten Schnitt sinnvoll sein.
Blutwerte geben hier nur eingeschränkt Aufschluss, ob ein Mangel besteht, weil der Körper Zink und Kupfer vor allem in der Leber speichert und ein Mangel im Blut oft erst spät sichtbar wird. Wenn mehrere Pferde im selben Stall gleichzeitig glanzloses Fell zeigen, deutet das häufig auf Lücken in der Mineralstoffversorgung über das Grundfutter hin.
Haaranalysen liefern eine Momentaufnahme der in der Haarmatrix eingelagerten Spurenelemente, eignen sich aber nicht, um den aktuellen Mineralstoffstatus sicher abzuleiten. Die Methode ist anfällig für Umwelteinflüsse und zeigt eher langfristige Tendenzen als präzise Versorgungswerte, wie Untersuchungen gezeigt haben.
Wann sollte man Pferde im Fellwechsel unterstützen
- wenn die Ration objektiv riskant ist (Heu- bzw. Rationsanalyse)
- eiweißarmes Spätschnittheu
- Heu mit niedrigen Spurenelementgehalten
- ältere Bestände
- schlechte Futterverwertung im Herbst/Winter
- wenn das Pferd typische Anzeichen zeigt:
- stumpfes Fell
- Haare „festhalten“
- Gewichtsverlust
- Haut trocken oder schuppig
- Mauke
- Müdigkeit, verminderte Leistung
- empfindliche Atemwege
- Senioren Heu nicht mehr ausreichend aufnehmen
Zink und Kupfer im Fellwechsel gezielt zufüttern
Der Bedarf an Spurenelementen steigt bereits Wochen, bevor die ersten Haare sichtbar ausfallen. Sinnvoll ist eine Ergänzung, wenn Pferde im Spätsommer oder Frühjahr sichtbar abbauen, das Fell stumpf wirkt, der Fellwechsel in den Vorjahren schleppend verlief oder Hautprobleme auftreten, zum Beispiel Mauke.
Wichtig ist ein früher Start: etwa sechs bis acht Wochen vor dem sichtbaren Fellwechsel – ab August für das Winterfell und ab Januar für das Sommerfell. Die optimale Versorgung hängt von der Gesamtration ab. Ein vollwertiges Mineralfutter, das Zink und Kupfer bedarfsgerecht abdeckt, ist in vielen Fällen eine sichere Grundlage. Mehrere Produkte parallel oder hochdosierte „Fellwechselkuren“ zusätzlich zum Mineralfutter können zu Ungleichgewichten führen.
Zu viel Zink schadet der Darmflora
Zink unterstützt zwar Fell, Haut und Immunsystem, aber zu hohe Gaben verändern die Darmflora. Eine Studie zeigt, dass mit steigenden Zinkmengen die Vielfalt der Darmbakterien sinkt. Da Pferde einen großen Teil ihrer Energie aus der mikrobiellen Fermentation im Dickdarm beziehen, sind sie auf ein stabiles, leistungsfähiges Mikrobiom angewiesen. Deshalb gilt: Zinknur gezielt und bedarfsorientiert ergänzen!
Omega-3-Fettsäuren zur Unterstützung der Haut im Fellwechsel
Pferde, die pflanzliche Öle wie Lein- oder Camelinaöl erhielten, zeigten in einer Studie weniger Hauttrockenheit, weniger Schuppen und ein gleichmäßigeres, glänzenderes Fell. Die Fettsäuren aus dem Futter stärkten offenbar die Hautbarriere. In einer weiteren klinischen Untersuchung heilten Hautläsionen bei Pferden mit Culicoides-Problemen (Culicoides = Gnitzen, bei Allergien Auslöser des Sommerekzems) schneller, wenn Tierärzte eine omega-3-haltige Creme einsetzten.
Mit Aminosäuren versorgen
Aminosäuren bilden die Grundlage für die Keratinbildung. Keratin besteht überwiegend aus schwefelhaltigen Aminosäuren, vor allem Cystein, das im Körper aus Methionin gebildet wird. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, hängt von der gesamten Ration ab. Spätschnittheu enthält häufig weniger Rohprotein und liefert damit weniger essenzielle Aminosäuren als frühe Schnitte.
Eine gezielte Ergänzung kann sinnvoll sein, wenn Pferde überwiegend eiweißarmes Heu fressen, im Fellwechsel sichtbar Muskulatur verlieren, Senioren Nährstoffe schlechter verwerten oder Hautprobleme auftreten. Auch Pferde im Training haben durch höheren Proteinumsatz einen erhöhten Bedarf.
Die notwendige Menge richtet sich nach der Gesamtration. Ergänzungsfuttermittel mit Lysin, Methionin und Threonin eignen sich, sofern sie rationsbezogen eingesetzt werden. Fehler entstehen vor allem durch zu kurze Fütterungszeiträume, hohe Einzelgaben ohne Bedarfsbezug oder die Erwartung, dass Aminosäuren den Fellwechsel allein beschleunigen.
Im Fellwechsel auf Husten achten und Klima im Blick behalten
Pferde husten im Fellwechsel häufiger, wenn Staub, Haarabrieb und wechselnde Temperaturen die Atemwege zusätzlich reizen. Gleichzeitig steigt der Energiebedarf für die Haarneubildung. Bei manchen Pferden bleiben dann weniger Reserven für eine stabile Immunantwort: Sie reagieren empfindlicher auf Keime, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Staubarmes, hygienisches Heu, gute Belüftung und konsequentes Misten entlasten die Atemwege. Pferde, die empfindlich reagieren oder bereits Symptome zeigen, profitieren zusätzlich von staubarmem oder bedampftem Heu, viel Frischluft und regelmäßiger Bewegung, um die Lunge zu durchlüften.
Da starke Temperaturschwankungen den Energiebedarf erhöhen, rutschen Pferde mit wenig Körperfett oder geschwächtem Immunsystem schneller in ein Defizit. Eine Decke kann in solchen Situationen entlasten, ersetzt aber keine ausgewogene Ration. Wenn ein Pferd trotz angepasster Fütterung weiter abnimmt oder der Fellwechsel ungewöhnlich lange dauert, lohnt sich eine Rationsüberprüfung gemeinsam mit Tierarzt oder Fütterungsberatung.
Moderat bewegen
Bewegung unterstützt den Organismus im Fellwechsel, weil sie die Durchblutung steigert. Sie fördert so Stoffwechselprozesse, die für Haarneubildung und Keratinproduktion nötig sind. Etwas flottere Abschnitte im Trab oder leichten Galopp vertiefen die Atmung und erleichtern bei dafür geeigneten Pferden den Schleimabtransport aus tieferen Lungenbereichen. Sie sollten aber nicht übertrieben werden. Intensive Belastung kann den Organismus jedoch überfordern, weil Haarneubildung und Regenerationsprozesse im Fellwechsel bereits zusätzliche Energie beanspruchen. Das hängt aber auch stark von Fitness und Gesundheitszustand des Pferdes ab. Ein gesundes Pferd, das voll im Training ist, wird durch den Fellwechsel in seiner Leistungsfähigkeit und -bereitschaft kaum oder gar nicht beeinträchtigt.
Haut und Fell richtig pflegen
Die Haut arbeitet im Fellwechsel intensiver. Lose Haare, Feuchtigkeit oder Scheuerstellen können die Hautbarriere schwächen und Probleme wie Mauke begünstigen. In dieser Zeit scheuern sich manche Pferde häufiger oder stehen unruhiger, was darauf hinweist, dass die Haut stärker beansprucht ist.
Regelmäßiges, gründliches Striegeln (nicht der Fesselbeuge) fördert die Durchblutung und erleichtert das Abhaaren. In Matschphasen lohnt es sich, Beine trocken zu halten und Fesselbeugen täglich zu kontrollieren. Bei ersten Rötungen oder Krusten gilt: sanfte Reinigung, keine aggressiven Shampoos und konsequentes Trocknen.
Welche Pferde im Fellwechsel benötigen oft Unterstützung?
Ältere Pferde, denn sie
- verwerten Nährstoffe oft schlechter
- verlieren im Fellwechsel leichter an Substanz
- zeigen bei hormonellen Veränderungen wie PPID häufiger einen verzögerten oder unvollständigen Fellwechsel
Pferde mit Hautproblemen, denn sie
- reagieren sensibler auf Mängel in der Protein- und Spurenelementversorgung
- können von einer gezielten Versorgung mit Zink und Omega-3-Fettsäuren profitieren, wenn die Ration Defizite aufweist
Pferde mit Stoffwechselstörungen, denn sie
- wechseln das Fell im Alltag häufig langsamer oder ungleichmäßig
- benötigen eine besonders exakt abgestimmte Ration
- profitieren von regelmäßiger Heu- und Rationsanalyse, um Fehl- und/oder Mangelversorgungen früh zu erkennen


